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Laufberichte

Die Perle im Revier

29.04.07

„ Von Läufern für Läufer“


Unter diesem Motto fand zum 24. Mal der Rhein-Ruhr-Marathon in Duisburg statt. Seit 1982 findet dieser Lauf bereits statt. Er ist damit der traditionsreichste Stadtmarathon in der Region. Da der Lauf 1993 und 1994 ausfiel war es nun die 24. Veranstaltung. Veranstaltet wird der Lauf vom LC Duisburg und dem Stadtsportbund. Hier kommt man ohne „gekaufte Stars“ aus und die Lokalmatadore haben sich schon oft in die Siegerlisten eintragen können. In diesem Jahr wurde die Veranstaltung noch durch die Westdeutsche Marathonmeisterschaft aufgewertet.

 

Auch in Duisburg hat man in den letzten Jahren den Marathonlauf durch Inline-Skater und Halbmarathonläufer verstärkt.   

 

Für mich ist der Rhein-Ruhr-Marathon etwas ganz Besonderes. Fünf Jahre habe ich in dieser Stadt gearbeitet. 1991 bin ich hier meinen ersten  Marathon gelaufen. Seit dem war ich in jedem Jahr dabei.
 
Trotz der starken Konkurrenz durch den Karstadt Marathon, nur zwei Wochen später, kann sich die Veranstaltung in Duisburg mit über 5.000 Teilnehmern und geschätzten 100.000 Zuschauern gut behaupten. Es gibt eben genug Laufbegeisterte im Umkreis, und wem die Teilnahme an beiden Veranstaltungen als Marathonläufer zuviel ist, kann sich ja noch bei einer der Veranstaltungen für die Halbmarathondistanz entscheiden.

 

Mit dem Sportpark in Wedau hat man das ideale Start- und Zielgebiet gefunden. Das Gelände ist verkehrstechnisch bestens angebunden. Sowohl für den Individualverkehr als auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln (für Teilnehmer übrigens kostenlos) ist das Gelände an der MSV Arena problemlos zu erreichen.

 

Mit der Startkartenausgabe ist auch die Marathonmesse verbunden. Hier gibt es eine Menge Informationen, man trifft viele Bekannte und kann mit etwas Glück sogar ein Schnäppchen machen.

 

Auf Wunsch kann eine Streckenbesichtigung gebucht werden oder die Teilnahme an der Pastaparty.

 

Am Sonntagmorgen bin ich schon zeitig im Startbereich. Jetzt gibt es noch genügend Parkplätze. Das Thermometer zeigt auch angenehme 15 Grad an. Ein Team des WDR macht noch Fernsehaufnahmen. Abends wird es einen kurzen Bericht im dritten Programm geben.

 

Die 607 Inline-Skater starten bereits um 8.00 Uhr. Sie werden in drei Gruppen auf die Strecke geschickt.

 

Bald habe ich meine Vereinsfreunde Nicole, Sabine, Lambert, Dieter und Danny vom VfL Bergheide gefunden. Sie wollen heute nur die Halbmarathonstrecke laufen. Meine Frau macht noch schnell ein Gruppenfoto von uns, dann müssen sie in den Startbereich. Ich wünsche ihnen viel Erfolg.

Der Halbmarathonstart erfolgt dann pünktlich um 9:00 Uhr. Hier startet  mit 2.589 Teilnehmern die größte Gruppe. Mit lautstarken Anfeuerungsrufen werden die Läufer auf die Strecke geschickt.

 

Kaum haben die letzten Halbmarathonis die Zeiterfassungsmatten passiert, müssen die Marathonläufer sich bereit machen. Da ich erst vor vier Wochen in Marburg einen Marathon gelaufen bin und in zwei Wochen schon wieder in Oberhausen starten möchte, habe ich mich für ein  moderates Tempo entschieden und stelle mich entsprechend auf. Brems- und Zugläufer stehen als Orientierung zur Verfügung.

 

Pünktlich um 9:15 erfolgt der Startschuss und 1.579 Läufer machen sich auf den Weg  durch die 17 Duisburger Stadtteile. Auf der breiten Kruppstraße zieht sich das Feld schnell auseinander. Schon bald ist Kilometer 1 erreicht, 6:10 zeigt meine Uhr an. Aufmunternde Zurufe vom Straßenrand. Insider wissen, dass man hier die Läufer besser beobachten kann als im Startpulk.

 

Bei Kilometer 4 passieren wir das neue City-Palais mit dem Spielkasino, auf das die Duisburger jetzt besonders stolz sind. Auf der Landfermannstraße treffen wir die erste Sambaband. Seit Jahren geht es beim Marathon in Duisburg brasilianisch zu. Südamerikanische Klänge an der Strecke und natürlich im Start- und Zielbereich motivieren die Läuferinnen und Läufer. Von Trommlergruppen und großen Sambabands mit attraktiven Tänzerinnen werden an 18 Sambapunkten die müden Beine immer wieder flott gemacht.

Kurz danach kommen wir am Theater vorbei. Hier sind die Halbmarathonläufer abgebogen. Im Innenhafen können wir die Glasfassaden der neuen Verwaltungsgebäude bestaunen. Auch Duisburg ist eine Stadt im Wandel.

 

Kurz bevor wir die Ruhr überqueren, haben wir bei Kilometer 5 den ersten Verpflegungspunkt erreicht. Im Vorbeilaufen lasse ich mir einen Becher Wasser reichen und nehme einen kräftigen Schluck. Eine große Uhr zeigt die Zwischenzeit an. Mit 28:06 stimmt sie mit meiner handgestoppten Zeit in etwa überein.

 

Jetzt geht es in das Hafengelände. Der „Duisport“ ist immer noch der größte Binnenhafen Europas. Hier im Hafen sind die Läufer unter sich. Manche nutzen die Gelegenheit, um ihre Blase zu entlasten. Muntere Worte wechseln hin und her. Viele Läufer kennen sich oder die Vereinstrikots. Vor mir unterhalten sich zwei Läufer über ihre Erlebnisse beim Marathon in Steinfurt.

Heute ist das Wetter auf jeden Fall besser.

 

Eine Sambaband lässt die Läufer wieder schneller werden und schon bald ist Kilometer 10 erreicht. Wieder zeigt die große Uhr die Zwischenzeit. 55:43 noch ist alles im grünen Bereich.

 

Jetzt geht es in den Ortsteil Meiderich, die Heimat des MSV Duisburg. Hier stehen die Zuschauer wieder dichter und schon bald geht es über die erste Rheinbrücke. Der Aufstieg ist schnell geschafft und oben erwarten uns ein kühler Wind und eine tolle Aussicht auf die Industriekulisse Duisburg. Kurz danach erreichen wir wieder einen Verpflegungspunkt. Insgesamt gibt es davon 17, welche mit isotonischen Getränken, Wasser, Cola und Bananen immer gut bestückt sind. Hier im Ortsteil Homberg ist heute Party angesagt.

 

Der Werbering hat den Marathon zum Stadtteilfest genutzt. Es wird gegrillt und die Zuschauer feuern die Läufer lautstark an. Ein Sprecher begrüßt die Läufer, ruft sie namentlich auf und wünscht ihnen viel Erfolg und auch die Sambaband „Sambakovski“ gibt ihr Bestes.

 

Weiter geht es nun am Rheinufer entlang und schon bald ist die Halbmarathondistanz bewältigt. Hier liegen auch Zeiterfassungsmatten und viele Kenner der Szene haben sich eingefunden und studieren die Gesichter der Läufer und ihre Zwischenzeiten. Wer hier schon erschöpft ist, wird es auf dem Rest der Strecke schwer haben. 

 

Die Temperaturen klettern, und als es über die Rheinhausener Brücke wieder über den Rhein geht sind die Beine schon deutlich schwerer.

 

Bei Kilometer 29 steht meine Frau in einer lautstarken Gruppe. Als erfahrener Fan weiß sie, dass es mit Händeklatschen nicht getan ist und hat sich mit Trillerpfeife und Hupe ausgerüstet. Sie hat mein orangefarbenes T-Shirt schnell ausgemacht und ist zufrieden, dass ich ihr noch fröhlich zuwinken kann.

 

Dies ist für die Begleitung ein idealer Punkt. Von hier aus sind es zum Start und Ziel nur knapp 1 Kilometer und man kann bequem hin- und herbummeln. Für die Läufer sind es aber noch schwere 13 Kilometer. In Wannheimerort werden sie zur Abwechslung mal mit Marschmusik der freiwilligen Feuerwehr unterhalten, bevor es in Buchholz wieder durch ein großes Bürgerfest geht.

 

Jetzt stört der Grillgeruch schon ein wenig und viele Läufer haben den Tunnelblick. Auch ich muss nun gegen den inneren Schweinehund kämpfen und die Zwischenzeiten werden schlechter. Auf Zurufe reagiere ich jetzt nur noch mit einem müden Lächeln. Auch hier stehen wieder die „Experten“. Sie kennen viele Läufer und werden sich später nichts von einem lockeren Lauf erzählen lassen.

 

Zu der offiziellen Verpflegung kommen nun noch zahlreiche private Erfrischungsstellen hinzu. Die Temperatur ist mittlerweile auf 26 Grad angestiegen. Es wird auf den sonnigen Abschnitten langsam unangenehm. An den Verpflegungsstellen bleiben viele Läufer jetzt länger stehen und gehen erst einmal ein Stück langsam weiter.

 

Durch die jahrelange Erfahrung der Anwohner wissen diese genau, was die Läufer benötigen. Viele haben Wasserbottiche bereitgestellt oder drehen  die heimische Stereoanlage auf. Auch Gartenduschen erfrischen bei Bedarf die Läufer. Kinder stehen am Straßenrand und halten die Hände zum Abklatschen hin. So kann man sich immer wieder ablenken und aus der Krise ziehen.

 

Die Großenbaumer Allee zieht sich noch einmal zäh dahin. Habe ich nun schon den Kilometer 39 oder 40 erreicht? Zum Glück ist es doch Kilometer 40. Vor mir taucht das Trikot eines Oberhausener Vereins auf. Doch sobald ich versuche schneller zu werden merke ich, wie ausgelaugt ich schon bin. Also verzichte ich lieber auf einen Zweikampf und freue ich mich lieber auf den Zieleinlauf.

 

Der letzte Kilometer ist mit dem Teufelslappen gekennzeichnet. Schon taucht die MSV Arena mit dem  Marathontor auf. Die Zuschauer werden vom fachkundigen Moderator informiert und mit lauter Diskomusik und zuckenden Diskolampen geht es durch den Tunnel in das Stadion. Das ist „Runners High“ pur. Auf der großen Videoleinwand kann ich meinen Zieleinlauf beobachten und die zahlreichen Zuschauer machen noch einmal einen Heidenlärm.

 

Dann  bin ich durchs Ziel. Die Uhr zeigt 3:57,07 das ist Platz 688 in der Gesamtwertung und 14 in der Altersklasse M60.  Mir wird eine schöne Medaille umgehängt und ich kann mich am Verpflegungsstand  versorgen. Auf Wunsch ist sogar ein Pils der hier heimischen Brauerei zu bekommen. Ich begnüge mich lieber mit Cola bis zum Abwinken. Noch ein Plausch mit den anderen Finishern. Jeder hat sein Erlebnis unterwegs gehabt oder leckt nun seine Wunden. Gegen Vorlage der Startnummer erhalte ich noch ein hochwertiges Funktionsfinishershirt. Davon werde ich noch etliche auf meiner Trainingsstrecke in den nächsten Wochen sehen.

 

Schnell habe ich dann vor dem Stadiontor meine Frau gefunden und auch die Vereinsfreunde sind noch mit ihrer Begleitung da und gratulieren mir. Auch die übrigen Bergheider sind alle gut ins Ziel gekommen.     

 

Alle sind sich einig, dass der 24. Rhein-Ruhr-Marathon wieder eine tolle Veranstaltung war und Duisburg auch als Laufveranstaltung eine Perle im Ruhrgebiet ist, welche zu Unrecht etwas im Verborgenen glänzt.

 

Den Marathonlauf gewann Robert Jäkel von der SG Stern Düsseldorf  in 2:33,57. Schnellste Frau war Martina  Schwanke von TUSEM Essen mit 2:55,32

 

Beim Halbmarathonlauf siegte Oliver Mintzlass PISV Jahn Freiburg in 1:06,41 und bei den Frauen war Vorjahressiegerin  Lisa Müller vom ASV Duisburg in 1:23,41 vorne.

 

Bei den Inlinern gewann der Belgier Jimmy Pierloot in 1:12,26. Die Frauenwertung sicherte sich hier die Niederländerin Jannitta Spight in 1:22,07.

 

Informationen: Rhein-Ruhr-Marathon
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