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Laufberichte

ABGESAGT: ERINNERST DU DICH? (41)

 
Autor: Klaus Duwe

Löningen gehört zu den Orten, die ich nie kennengelernt hätte, gäbe es dort nicht den Hasetal-Marathon. Hätte ich was verpasst? Ja, deshalb habe ich mich mehrmals auf den Weg in das Städtchen im Kreis Cloppenburg gemacht. Anstelle eines aktuellen Laufberichtes (Hinweis: Coronabedingte Absage) krame ich meinen Laufbericht von 2012 aus dem Archiv.

Alle Laufberichte und viele Bilder vom Hasetal-Marathon
findet man hier auf Marathon4you.de

 

 

Wann kommst DU nach Löningen?

 

Die einzige Möglichkeit, die der Hase hat, sich gegen seine Feinde zu wehren, ist abzuhauen. Deshalb kann er das auch besonders gut. Bis auf 70 km/h bringt er es, wenn er mal in Fahrt ist. Ursprünglich kommt der Hase aus Südamerika und Australien, heute ist er praktisch überall zu Hause. Am liebsten in Löningen. Dort hat man ein ganzes Tal nach den Langohrigen benannt, um dem armen Kerl zu gedenken, der  sich totgelaufen hat, weil er von einem Igel bei einem Wettlauf übel reingelegt wurde. Seit zehn Jahren gibt es sogar einen Gedächtnislauf, den sogenannten Hasetal-Marathon.

Entweder es ist der 1. April, oder der Duwe spinnt. Denkt Ihr das? Gratuliere, dann habt Ihr den Test bestanden und dürft weiterhin Marathon4you.de kostenlos nutzen.

 

Im Ernst,  …

 

… es gibt Orte, die würde man sicher nicht kennen, gäbe es dort nicht einen Marathonlauf. Löningen gehört dazu. Hat man aber einmal den Weg ins Oldenburger Münsterland gefunden und das Lauffest auf dem Marktplatz und im Hasetal genossen, kommt man wieder. Denn was hier abgeht, ist das Salz in der Marathonsuppe. Dass es sich um kein gigantisches Retorten-Event mit  zigtausend Läufern und großem Promi-Rummel handelt, um das zahlungskräftige Sponsoren buhlen, ist klar. Aber in der Region ist man fest verankert. Sogar ein regionaler TV-Sender ist präsent.

Um sowas aufziehen, braucht man auf dem Land Leute, die das ganze Jahr über ihre Freizeit opfern, Familien, die das nicht nur tolerieren, sondern tatkräftig unterstützen, Vereine, die für Freibier Hand anlegen, Firmen, die für nix Personal und Gerätschaft zur Verfügung stellen und einen Bürgermeister, der unbürokratisch Genehmigungen erteilt.  Wer keine Aufgabe abbekommt, zieht sich nicht schmollend in die Kammer zurück, sondern steht an der Straße und feiert das Läufervolk, wie es sonst nur in den großen Städten (und dort auch nicht immer) vorkommt. Es will schon was heißen, wenn das nicht nur ein- oder zweimal funktioniert, sondern jetzt schon zehn Jahre.

Es versteht sich von selbst, dass man in einem 13.000-Einwohner-Städtchen keine langen Wege hat. Startnummernausgabe, Startplatz und das Zielgelände sind beinahe in Sichtweite.

 

 

 

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Bilder aus 2018 von Anton Lautner

 

 

 

 

 

Die Startzeit um 17.00 Uhr ist in mehrerer  Hinsicht genial. Man kann bequem am Veranstaltungstag auch aus größerer Entfernung anreisen. Auch wenn es im Sommer mal gut warm ist, hat man die Gewissheit, es wird während des Rennens nicht wärmer. Im Gegenteil. Man läuft in den kühlen Abend hinein und hat auf den zwei Runden völlig unterschiedliche Eindrücke von der abwechslungsreichen Landschaft. Last but not least kann man auf dem nicht alltäglichen Open-Air-Marathon-Fest auf dem Marktplatz stimmungsvoll bis zum traditionellen Feuerwerk abfeiern, um dann in einem der gemütlichen Gasthöfe für relativ kleines Geld zu nächtigen. In der Sporthalle kann man das sogar zum Nulltarif. Am Sonntag kann man dann einen Ausflug an die Nordsee machen.

Das Startgeld inklusive toll gestyltem Funktions-Shirt, Medaille und Urkunde beträgt gerade mal 28 – 36 Euro. Wollt Ihr jetzt überhaupt noch wissen, wie es auf der Strecke ist? Na, dann lest weiter.

 

Der Lauf

 

Alles ist wie auf einer Großveranstaltung. Nur etwas kleiner, dafür in vielen Punkten besser. 2000 Aktive kommen bei den Wettbewerben insgesamt zusammen, die meisten laufen den Halbmarathon oder den Ganzen. Seit Jahren ist Marco Diehl hier Stammgast. Der Sprecher behauptet, er sei im Ort bekannter als der Bürgermeister.

 

 

Als Siegprämie lockt nicht Bares, sondern Reisegutscheine. Weil unsere Ostafrikanischen Lauffreunde auch in der zweiten und dritten Liga nur für Bargeld auf die Strecke gehen, bleiben sie Löningen  fern. Ich habe den Eindruck, dieser Effekt ist nicht ganz ungewollt. Die Bühne gehört Marco Diehl, dem einzigen 2:30-Läufer, der die Voraussetzungen für die Aufnahme im MC100 erfüllt, den local Heros und selbstverständlich den Hobbyläuferinnen und –läufern.

Auch ich kann hier ohne wackelige und schmerzende Knie an den Start, denn nach einer Runde habe ich die Strecke erlebt und abgelichtet und kann Euch authentisch berichten.

Die Vorrede ist schon wieder viel zu lange und trotzdem ist nicht alles gesagt. Aber jetzt  geht’s los. Blasmusik und Cheerleader machen den Auftakt, das Publikum wird fach- und sachkundig informiert, große Reden werden nicht geschwungen. Der Bürgermeister hat erst am Abend seinen Auftritt.

Die Bedingungen sind ideal, 18 Grad und ein paar Wolken. Vielleicht stört der  Wind ein wenig. Schuss und ab geht’s.

 

 

Nur kurz läuft man durch den Ort, erreicht die schmucken neuen Siedlungshäuser am Waldrand, läuft entlang dem Maisfeld mit der kleinen, versteckten Backsteinkapelle gegenüber und erreicht nach nur knapp 2 Kilometer schon die erste Getränkestelle bei der kleinen Wohnsiedlung am Werwer Fuhrenkamp, einem kleinen, schattigen Waldstück.

Der Schotterweg ist breit und gut zu laufen. Nach 1000 m haben wir schon wieder Asphalt unter den Füßen und linksseitig freies Feld. Der Wald spendet keinen Schatten mehr, aber unangenehm ist das heute nicht. Im Gegenteil. Verwöhnt sind wir ja diesen Sommer von der Sonne bisher nicht, egal aus welcher Region man kommt. Und so blickt man (fast) nur in strahlende Gesichter.

 

 

Das nächste Örtchen, Evenkamp, kann man noch nicht sehen, aber bereits hören. Die Lärmquelle ist schnell erreicht und ausgemacht. Eine schätzungsweise 30köpfige Musikkapelle übernimmt die Beschallung des Ortes. Die Bewohner sind vollzählig rechtsseitig im Schatten um diverse Getränke- und Verpflegungsstände versammelt und lassen die Läuferinnen und Läufer hochleben. Das muss man erlebt haben. Jeder kriegt eine Überdosis an Komplimenten und Motivation mit auf den Weg. Wer bis dahin nicht mit Bier seinen Flüssigkeitshaushalt reguliert hat, bekommt am Ortsausgang Wasser.

Erst kommt ein kleines Wäldchen, dann geht es bei km 7 über das Flüsschen, das dem Lauf den Namen gibt: die Hase. In der Nähe von Osnabrück ist die Quelle, in Meppen die Mündung in die Ems. Durch Wiesen und Weideflächen zieht  sich das Asphaltband, topfeben und 1000 m fast schnurgerade. Gut für einen Zwischenspurt.

Wo kommen plötzlich die Leute her?  Von einem mobilen Tresen aus werden an die 100 Leute versorgt, die auf Festbänken und in Partyzelten die Marathonis feiern. Public-Marathon-Live-Show. Unmöglich, dass in den paar Häusern so viele Menschen wohnen. Bestimmt 20 Helfer stehen an der Getränkestelle und machen die Welle. Am Marathontag ist im Garten beim letzten Haus offenbar traditionell Familientreffen, zu dem jeder sein liebstes Musikinstrument mitbringt. Getränke stellt der Hausherr. Bedürftige Marathonis werden mit versorgt.

Die beim Feiern vertrödelte Zeit kann man auf den nächsten drei Kilometer gut wieder reinholen. Es  geht auf einem Radweg parallel entlang der Verkehrsstraße. Autos fahren hier aber keine. Rechts und links Getreidefelder, eingestreut mal ein Bauernhof, über uns blau-weißer Himmel. Städter werden mit völligen neuen Gerüchen konfrontiert, denn der Bauer hat wohl am Morgen noch schnell gedüngt.

 

 

Bei km 12 in Winkum riecht es dann nach Bratwürsten und Bier. Wieder feiert eine große Menschenmenge Marathon, wie sonst nur Fußball. Neben der Wasserwanne steht ein Glas Pils. „Komisch, das will keiner haben!“, wundert sich ein Helfer. „Logisch!“ wollte ich sagen. „Joe ist ja nicht hier.“ Aber  der Helfer würde es nicht verstehen und ich will es nicht erklären. Also weiter.

Wieder 1000 m zum Tempo bolzen. Dann rechts auf den Sackmoorweg. In einer Scheune wird gerockt. Aber wie. „El Camino“ samt Fans heizen den Marathonis ein. Kaum sind die harten Klänge von hinten verstummt, gibt’s Schlagermusik von vorne. Auf der Hüe spielen „once more“. Das gefällt nicht nur den Läufern, sondern auch den vielen Zuschauern. Dann ist aber Pause …

 

 

Irgendwann kommt bei jeder Strecke der Punkt, wo man mental etwas gefordert wird. Jetzt zum Beispiel,  bei km 15. Man sieht nichts als weite Getreidefelder und vor sich dunklen Wald. Schaut man genau hin, erkennt man links die Läufer als bunte Punkte. Gut drei Kilometer ist die Schleife, die man am Waldrand entlang läuft, nur einmal aufgemuntert von einer kleinen Zuschauergruppe und den putzmunteren Mädels an der Getränkestelle.

Dann allerdings ist man an der Schelmkapper Brücke und wieder hellwach. Die Samba-Trommler sind schon von weitem zu hören. Die Zuschauer brüllen Dich die kleine Bodenwelle zum Deich hoch, als ginge es um die Bergwertung. Verrücktes Volk.

Und dann die Idylle. Genusslauf pur entlang der Hase. Eine Schafherde und ein paar Angler, sonst ist niemand zu sehen. Nur 1000 m geht das so. Dann sieht man ein weißes Partyzelt, wenig später hört man Musik und Jubel. Die nächste Feier.

Letzter Kilometer. Kaum hat man den Deich verlassen, ist man im Ort. Nur ein paar Einweiser sind zu sehen. Auch bei der Samba-Gruppe sind kaum Zuschauer, die Straßen sind menschenleer.  Ist die Bevölkerung geflohen? Es scheint so. „Letzte Kurve“, heißt es auf einem Schild. Also links rum. Aha, da sind die Löninger – auf dem mit Fähnchen geschmückten Marktplatz. Den Läufern hat man den roten Teppich ausgerollt, Musik spielt, ein Sprecher begrüßt die Finisher. Die Marathon-Night-Party ist in vollem Gange.

 

Die Marathon-Night-Party

 

Eigentlich schade, dass ich nur eine Runde laufe. Aus Erfahrung weiß ich, dass es auf der zweiten Runde zwar etwas ruhiger, dafür aber noch schöner ist. Gerade an Tagen wie heute wird die Landschaft bei untergehender Sonne in ein sagenhaftes Licht getaucht. Gleich gehe ich zurück auf den Deich, um diese Atmosphäre für Euch einzufangen (siehe Impressionen).

 

 

Es ist schon nach 22.00 Uhr, als man die Staffelsieger ehrt. Es lohnt sich, sich bei diesem Wettbewerb anzustrengen. Die Platzierten bekommen einen Bollerwagen gefüllt mit allem, was man für eine zünftige Grillparty mit Freunden braucht. Einen Gutschein für Fleisch und Wurst gibt es oben drauf.

Man macht es spannend. Zuerst hat noch einmal die Showband „Chess“ das Publikum voll im Griff. Es ist schon nach 23.00 Uhr, als die Marathonsieger (Marco Diehl und Jana Aschmann) ihre Reisegutscheine in Empfang nehmen. Dann das Feuerwerk, dann ist ….. noch lange nicht Schluss.

 

Impressionen

 

 

 

 

Auf Wiedersehen beim Hasetal-Marathon am 26.05.2021

 

Informationen: Remmers Hasetal-Marathon
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