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Laufberichte

Zwei Hasen und fünf Frischlinge

16.09.12

Das, was sich vom Hauptdamm evtl. als Schwimmsport beobachten ließ, entpuppt sich später als Übung der Wasserwacht und DLRG, denn bei unserem Vorbeilaufen sehen wir Ausrüstungsgegenstände am Strand liegen und Helfer sind am und im Wasser am Werkeln.

Am Yachthafen Enderndorf unterhält ein Moderator die Zuschauer und Läufer. Es ist kaum zu glauben, dass wir schon fast zehn Kilometer zurückgelegt haben. Ich schnappe mir einen Becher Iso und weiter geht es. Es geht nun kurz über den Damm, der den Igelsbachsee vom Großen Brombachsee absperrt.

Um 06.10 Uhr verlassen wir die Johannishütte. Es ist noch stockfinster. Doch im Osten graut der Morgen. Keine Bewölkung am Himmel. Hoffentlich hält das Wetter, denn es ist eine Kaltfront mit einem Temperatursturz angekündigt. Später glühen dann die Bergspitzen um den Großen Happ (3352 Meter) im ersten Sonnenlicht. Wir kommen gut voran und nach knapp 2,5 Stunden Anstieg stehen wir vor dem Defreggerhaus.

 

Runde eins um den See

 

Auf dem Vorsperrdamm vom Kleinen zum Großen Brombachsee komme ich mit Thorsten Schätzlein und Julia Moos ins Reden. Beide hat es nach Leipzig verschlagen, wobei der Thorsten sofort in die fränkische Mundart wechselt, als ich ihn nach seiner Herkunft befrage. Beide laufen hier ihren ersten Marathon und wollen für die Zukunft von mir alten Hasen gleich ein paar Tipps für die Zukunft.

Am Ende des Dammes erhalten wir noch einen Motivationsschub für die nächsten Kilometer. „Keine Gnade für die Wade“, mein Lieblingsspruch, ist mit Kreide auf dem Teer aufgemalt. Am Ende des Dammes biegen wir rechts ab und holen uns die fehlenden Meter auf der Wendepunktstrecke am Südufer des Kleinen Brombachsees. Der Wendepunkt der Marathonis ist allerdings noch ein Stückchen weiter als der der Halbmarathonläufer. Da kann man gut seine Vorder- und Hinterläufer beobachten. Jens Griesang, auch ein alter Hase, ist ein Stückchen voraus.

Mit Schummelei geht gar nichts, denn an den Wendepunkten sind Helfer postiert und eine Zeitmatte für die Kontrolle liegt auch aus. Kurz danach sehe ich rechts ein Wildschweingehege, wo die Sauenfamilie schon aufgestanden ist. Die Frischlinge sind neugierig und kommen an den Zaun, als ich meinen Finger für eine Krauleinheit reinstecke. Die Muttersau (bayerisch: Loas) liegt zwar scheinbar teilnahmslos am Boden, aber ihre Augen sind hellwach.

Knapp 30 Minuten dauert das Verpassen der Steigeisen und der Beckengurte. Doch eine schlechte Nachricht. Der vorgesehene und benötigte zweite Bergführer ist krank und liegt im Bett. Stefan hat ihn persönlich gesehen: „Den hat was erwischt. Der hat auch nicht gesoffen. Jetzt muss ich mir was überlegen.“ Eigentlich besteht eine Seilschaft aus etwa acht Personen. Nicht mehr, da dann die Beweglichkeit der Seilschaft sich verschlechtert. Und wir sind 13 Bergwanderer. Was ist Stefans Plan?

Auf dem folgenden Laufstück warten einige kleinere Steigungen. Hier sollte man das Tempo leicht zurücknehmen, so rät uns Gerhard Petermann, der Pacer für die 4.15 Stunden. Er macht seinen Job perfekt, gibt Ratschläge und Empfehlungen an seine Schäfchen und ist sich als Wasserträger nicht zu schade. „Man gibt einen Brief auf, aber niemals ein Rennen“, so sein Credo.

Der Gerhard ist das ganze Jahr unterwegs, nicht uneigennützig, denn er ist der Strippenzieher des Bottwartal Marathons, der immer im Oktober durchgeführt wird. Binnen Wochenfrist war der Gerhard in Interlaken, wo er am Samstag als Helfer eingespannt war und am Sonntag auf die Kleine Scheidegg gelaufen ist.

Unterhalb der Ortschaft Ramsberg am Seestern bläst eine Feuerwehrkapelle mit sechs Mann uns auf. Zwar ein wenig schräg, aber Guggenmusik im Schwäbischen oder in der Schweiz klingt genauso. Ich muss lachen, als zwei von den Musikern im Kinderkarussell hockend ihr bestes geben. An der folgenden V-Stelle schiebt sich Jessica gerade eine Banane in den Mund und hat danach auf dem Bild sprichwörtlich die Backen voll. Wie ein Hamster!

Kurz nach Kilometer 21 sind wir wieder am Hauptdamm angelangt. Eine Kapelle unterhält uns. Unterhalb vom Damm sehen wir das Spitzenfeld des Halbmarathons, der zwei Stunden nach uns gestartet ist. Es wird nicht mehr lange dauern, bis die ersten Führenden auf uns auflaufen.

Wir kommen durch das Ödland gut voran. In einzelnen Nischen unter Steinen, wo sich noch etwas Erde befindet, blühen winzigste Blumen. Das sind Überlebenskünstler. Oberhalb des Defreggerhauses sehen wir ein Obrometer, das Niederschlag und Wetter misst. Weiterhin verlaufen zwei schwarze Schläuche, durch die die Hütte mit Wasser versorgt wird. Dann besagt ein Schild unterhalb des Mullwitzaderl: „Gletscher – Spaltengefahr. Gletscher nicht im Alleingang und ohne Seil begehen.“ Wir legen die Steigeisen an. Ich schätze unsere Höhe auf etwa 3100 Meter ein.

 

Aller guten Dinge sind zwei (Runden)

 

Runde zwei beginnt kurz vor Kilometer 23. Die Befürchtung unseres Hasen Gerhard, alleine seine Pace machen zu müssen, tritt nicht ein. Neben uns dreien sind weitere Läufer an unserer Seite, wobei Thorsten und Julia das Tempo gut in ihren Plan passen.

Zuerst kommen einzelne der führenden Halbmarathonis, dann wird es kompakter. Ich sehe quasi im Rückspiegel, wie die Gruppe der 1.30 Läufer auf uns aufläuft. „Lauft links, damit die hinteren ohne Gedrängel vorbei kommen“, mein Hinweis. Mitunter wird es eng, zumal uns immer wieder einige Radler entgegenkommen.

Gerhard ist fast die ganze Zeit am Quasseln, wahrscheinlich hat er sich nach dem Rennen den Mund fransig geredet. Aber mir passt seine Arbeit, so brauche ich mich nicht groß um Jessica und Bernhard kümmern und kann mich meinem Job als Jäger nach Motiven widmen.

Nach einer guten halben Stunde ab Defreggerhaus betreten wir nach einem kleinen Abschwung den Gletscher. Der ist hier hart gefroren und leicht abschüssig. Eine Schlüsselstelle laut unserem Bergführer, denn ein Ausrutschen ist möglich und die Steinschlaggefahr vom Mullwitzaderl herunter ist nicht zu unterschätzen. Unsere Uschi kriegt dann vom Stefan einen Anschiss verpasst, denn gerade an dieser Stelle löst sich das Steigeisen vom Schuh und ein Weitergehen ohne Eisen ist unmöglich. Nach zehn Minuten ist dieser schwierige Abschnitt hinter uns.

Der 30. Kilometer liegt dann am Ende des Vorsperrdammes hinter uns. Ein Marathon wird erst ab da interessant. Hat man seine Kraft richtig eingeteilt? Kommt vielleicht der Mann mit dem Hammer? Ja, ein mir bekannter Funktionär aus dem Läuferlager spricht immer davon, dass der Marathon der Mont Blanc des Läufers ist.

Nach dem Wendepunkt der Halbmarathonis können wir ein wenig entspannen, weil die Hektik im Rennen und auch der entgegenkommende Radverkehr ein wenig nachlässt. Die Helfer an unserer Wende sind weiter fleißig am Motivieren der Läufer.

„So, jetzt schütteln wir die Arme und Hände aus. Dadurch bleiben wir locker;“ so ein weiterer Ratschlag von Gerhard. Und fast synchron gehen die Hände nach oben und zur Seite. Es geht jetzt zurück. An der Halbmarathonwende gleicht sich nun unser Tempo dem der Halbmarathonis an.

Im Abstand von etwa zehn Metern werden wir dann ans Seil genommen. Stefan hat acht Wanderer sprichwörtlich im Schlepptau. Sepp wird zum Hilfsbergführer von den restlichen fünf Wanderern ernannt. Dann laufen wir los. Nach einem Weilchen hat dann jeder herausgefunden, wie straff das Seil gespannt werden muss. Den nächsten Anpfiff kriegt Sepp, weil der sich vom Seil abgespannt hat. „Du bleibst jetzt auch dran, denn hier findet man die größten Löcher in Osttirol“, so Stefan zu den Gletscherspalten. Über das Innere Mullwitzkees kommen wir gut voran. Die Spalten sind größtenteils frei. Meist verlaufen die Spalten in der gleichen Höhenlage. Manchmal sind sie mit weißem Schnee bedeckt, während das Gletschereis grau und dreckig erscheint.

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Informationen: NIFCO Seenlandmarathon
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