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Laufberichte

Mia san Marathon

09.10.11

Etwa bei Kilometer vier ist die Wende auf der Ludwigstraße. Nun geht es einen guten Kilometer nach Norden. Auf den anderen Straßenseite kommt ein König mit einer Krone daher. Unser Franzose Michel sammelt heute für den Laufclub 21. Kurz zuvor sehe ich einen Barfußläufer, den ihr auch kennt. Der Pumuckl ist auch für die gemeinnützige Sache unterwegs. Über ein Wohngebiet in Schwabing laufen wir nach Kilometerschild sieben in den Englischen Garten. Kurz zuvor sehen wir auf der rechten Seite die Wechselzone der Staffeln. Dort ist jetzt noch tote Hose, denn die Teams werden um 10.40 Uhr auf die Reise geschickt.

 

Englischer Garten

 

Die Münchener Bläserbuben höre ich schon von weitem, aber dann keine Musik mehr, Pause. Als ich vorbeilaufe, kann ich die Musiker mit einem „aufgspuit werd“ wieder motivieren. Der Trommler gibt sogleich einen Takt vor. Der Englische Garten ist ein Werk eines Amerikaners: Benjamin Thompson hat ihn zu Beginn des 19. Jahrhunderts erschaffen. Leider haben wir hier nur wenig Zuschauer, meist sind es Angehörige von Läufern. Außer Wald gibt’s hier nichts zu sehen, nicht mal eine Nackerte lässt sich blicken.

Die Leichtathletik Gemeinschaft Passau lockert die ein wenig langweilige Stimmung auf. Mit Ortsschild, Blaskapelle, Applaus und dem Wunsch, noch viel Spaß auf den restlichen Kilometern zu haben.

Bernies Vereinsfreund Charly habe ich erspechtet, will mich mit der Kamera voraus anschleichen, aber der hat meinen Plan schon frühzeitig durchschaut. Er wünscht uns beiden noch viel Spaß auf den Münchner Straßen. Als ich grasende Schafe ablichte, weist ein Mitläufer hin, dass wir auch dieser Gattung angehören. Nein, das stimmt nicht, denn wir sind ja wie Ochsen. Denn wenn man die am Sonntag einspannt, dann ziehen die an. Genau wie wir, wenn wir am Sonntag Marathon ...

Kurz vor Kilometer 14 futtert Petra ihr erstes Gel. Ich schnappe mir einen Becher Iso und nutze gleich die Zeit für ein kleines Geschäft am Rand der Strecke. Die dadurch vertrödelte Zeit muss ich wieder hereinlaufen, denn Petra ist auf und davon. Rund einen Kilometer dauert die Aufholjagd. Jede noch so kleine Schwäche wird da gnadenlos ausgenützt.

 

Im Osten Münchens

 

Auf der Max-Joseph-Brücke überqueren wir die Isar. Es geht in den Osten der Landeshauptstadt. 15 zu überwindende Höhenmeter auf der Montgelasstraße sollten das Tempo verringern. Aber Petra zieht voll durch, das Gel lässt sie schier hochfliegen. Ich habe jetzt schon schwere Beine. Die höhere Erdanziehung bei mir schiebe ich auf den gestrigen Abt-Degen-Lauf in Zeil, wo die elf Kilometer durch die Weinberge am Main Höhenmeter satt im Angebot hatten.

Bogenhausen, Herzogpark und Bogenhausen sind reine Wohngebiete, wo nur wenig Stimmung ist. Solche ruhige Streckenabschnitte gibt es bei jedem Marathon. Das Tempo beibehalten, gleichmäßig sein Rennen gestalten, das ist die Devise. Das gilt nicht jedoch für jenen, der mit Barfußtretern in Steigerungslaufmethoden auffällt. Wiederholt überholt er uns und ward dann nicht mehr gesehen.

Petra quatscht zwei Österreicher an. Einer gibt sich als Ronaldinho aus (steht auf seinem Trikot). Beide jammern „schon wieder eine Kurve“, wollen aber 3.30 laufen und machen sich dann nach vorne davon. Ob wir die beiden aus Wien wiedersehen?

Als der Ostbahnhof hinter uns liegt, wird es interessanter. Nicht nur, dass wir den höchsten Punkt (Kilometer 27) an der Rosenheimer Landstraße bezwungen haben, es geht nun langsam Richtung City. Unvermittelt überholen wir einen weiteren Vereinskollegen. Paul geht mit seinem runden Geburtstag im nächsten Jahr weiter auf seinen Ruhestand zu, lässt aber auf der Marathonstrecke in München nichts anbrennen. Grob 3.45 Stunden hat er anvisiert und das wird er auch laufen.

 

Altstadt

 

Ab Kilometer 28 wechseln die Motive ab. Das Müller’sche Volksbad sorgte ab 1901 für die öffentliche Reinhaltung der Bevölkerung. Nach Männlein und Weiblein wurde damals getrennt gebadet. Heute dient das große Becken dem Schwimmer, und das kleine eher dem Warmbader. Host mi! Oder Capito!

Gleich in der Umgebung findet man das Deutsche Museum und die Ludwigsbrücke, die uns von Haidhausen in die Innenstadt bringt. Der Brückenstandort hat eine bewegte Vergangenheit. So hat Heinrich der Löwe 1158 den Salzhandel von der Isarbrücke bei Oberföhring zu seinem Hoheitsgebiet umgeleitet.

 
 

 

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