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Laufberichte

Abgesagt: So war es und so wird es wieder (39)

 
Autor: Klaus Duwe

"Lauf- und Freßbericht mit kleiner Weinkunde" überschrieb ich 2007 nach meiner ersten Teilnahme am Marathon du Vignoble d'Alsace meinen Laufbericht. Offensichtlich vom Medoc Marathon inspiriert, stehen beim Elsässer Weinmarathon nämlich Genuss und Freude im Vordergrund, weniger leistungssportliche Aspekte.

Was die Sache besonders reizvoll und spannend macht: Unsere Nachbarn sind als Gourmets und Lebenskünstler berühmt und verstehen es zu feiern. Aber urteilt selbst. Ich habe zur Überbrückung der coronabedingten Pause habe ich folgenden Laufbericht ausgewählt.

 

Alle Laufberichte zum Marathon du Vignoble d'Alsace
findet Ihr hier auf Marathon4you.de

 

 

 

2011: Erste Wahl

 

Wenn man nicht mehr Woche für Woche seine 42 Kilometer abspult, wird man wählerisch.  Man überlegt sich genau, wo man sich seine Knochen ramponiert. Diese Wochenende habe ich kein Problem: Der Weinmarathon im elsässischen Molsheim ist ohne Frage erste Wahl.

Offensichtlich sehe ich das nicht alleine so. Der Marathon du Vignoble D’Alsace, wie sich der Lauf offiziell nennt, gehört zu denen, die jedes Jahr wachsen. Über 2300 Finisher (Marathon, Halbmarathon und 10 km) sind es heute, 619 alleine  beim Marathon.  Das sind wieder über 10 % mehr als im Vorjahr.

Hauptattraktion sind ganz bestimmt die 12 Verpflegungsstellen, die der Sponsor CORA, eine große Supermarktkette in Frankreich,  und die einheimischen Winzer mit Spezialitäten aus der Region reich bestücken.

Das hört nicht nach leistungssportlicher Veranstaltung an, täuscht aber. Die Siegerzeiten, gelaufen von Spitzenkräften aus dem Elsass, können sich angesichts der Strecke, die mehr als einmal daran erinnert, dass wir in der Heimat des Trailrunning sind, durchaus sehen lassen. Trotzdem, es stimmt - die, die weniger ernsthaft den Laufsport betreiben, sind deutlich in der Überzahl. Obwohl, es sind auch etliche Extremläufer am Start, die es genießen, einmal nicht bis an die Grenzen gefordert zu sein.

Der überwiegende Teil  der Läuferinnen und Läufer hat sich kostümiert. Ich gehe wie immer als Läufer mit Kamera verkleidet an den Start und werde daher sofort erkannt. Wem ich den Gruß erwidere, stelle ich meist erst beim zweiten oder dritten Hinsehen fest. Denn die meisten haben, geht es um’s Verkleiden, viel Phantasie.

 

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Joes Bilder von 2017

 

 

 

 

Was noch für den Weinmarathon spricht, sind die Laufstrecken. Der Marathon ist ein Rundkurs durch blumengeschmückte Dörfer mit herrlichen Fachwerkhäusern, durch Wein- und Obstgärten, Wiesen und Felder mit wunderschönen Ausblicken auf die nördlichen Vogesen.  Der Halbmarathon wird in Scharrachbergheim gestartet. Shuttlebusse bringen die Läuferinnen und Läufer dort hin. Der Marathon und der 10km-Lauf  werden vor dem CORA-Supermarkt in Dorlisheim gestartet, Ziel für alle Läufe ist in Molsheim. Dort parkt man auch am besten sein Auto, fährt mit dem Shuttle zum Start oder geht zu Fuß und wärmt sich auf den ungefähr 2 km ein wenig auf.

In unmittelbarer Nähe des Zielgeländes ist der Campingplatz, der sich bei den Läufern großer Beliebtheit erfreut. Viele fahren erst am Montag wieder heim. Denn der Marathon wird dreifach gefeiert. Kenner meinen übereinstimmend, die Stimmung am Samstag bei der Spätzle-Party sei nur mit der im Festzelt in Schmiedefeld vergleichbar. Am Sonntag geht es dann gleich zweimal zur Sache: Auf der Strecke und danach noch einmal in der Marathon Village. Alles ist für Marathonis übrigens inklusive: das Spätzle-Menü, ein Spezialitätenteller nach dem Lauf, eine Flasche Wein, ein Funktions-Shirt und die Medaille. Der Preis? Bei 35 Euro geht es los. Nachmelder sind mit 55 Euro dabei.

Und so kommt man nach Molsheim: Autobahn A 5 Karlsruhe – Basel, Abfahrt Appenweier. Von da immer Richtung Strasbourg Flughafen (Entzheim) bis zur Ausfahrt Molsheim - oder auf der französischen Seite, noch mautfrei, die A 35  und A 352 ebenfalls bis zur Abfahrt Molsheim.

 

 

Wer wie ich erst am Lauftag anreist, bekommt seine Startunterlagen in Foyer des Supermarktes in Dorlisheim. Ein freundlicher Helfer hilft mir beim Befestigen des neuen Einweg-Chips. Es gibt Getränke und Gepäck, die Stimmung ist hervorragend. Auf die dunklen Wolken und ein paar Regentropfen gibt keiner was.

Drei Highland-Piper spielen auf. Ich wette, die sind genau so echt wie Martins üppiger Busen, Alexandres MP oder die Pampers von Michel, Oliviers Zöpfe, Norberts Lederhose oder Wolframs Bart. Ein verrückter Haufen stellt sich da unter dem Startbanner auf. Nur die ersten Reihen schauen aus wie bei jedem Rennen. Und die setzen sich nach dem Start gleich ab. Mit den anderen kann ich, trotz fotografieren, einigermaßen mithalten. So gemütlich beginnt der Lauf.

 

 

Der Ort ist nicht groß, gleich sind wir im Grünen. Als erste kleine Steigung wartet die Brücke über die N 420 auf uns. Auf dieser Straße am Südrand der Sandstein-Vogesen durch das Tal der Bruche (deutsch: Breusch) sollte man einmal gefahren sein, am besten im Cabrio. Bei klarem Wetter kann man bis zu den Berner Alpen schauen und das Donon-Massiv (1009 m) im Nordwesten ist zum Greifen nah.

Wir laufen an Stück parallel zu dieser Straße und kommen nach knapp 3 Kilometern zur ersten Verpflegungsstelle. „Gibt es hier was umsonst?“, fragt man sich bei einem Menschenauflauf wie hier mitten in den Weinbergen unwillkürlich. Natürlich, zweites Frühstück nämlich - heute Brezel und Sylvaner.  „Schade, dass Du wegen der Fahrerei nichts trinken darfst“, sage ich zu Deutschland-Läufer Matthias, der mal wieder seinen Sohn in einem Spezialgefährt über die Strecke schiebt. „Ja, ich denke bei jedem Schluck daran“, meint der nur.  Abstinenzlern sei übrigens gesagt, dass es ausreichend zusätzliche Versorgungsstellen ausschließlich mit „Sportlernahrung“ gibt (Wasser, Iso, Cola, frisches Obst, Trockenobst und Riegel).

 

 

Durch Weinberge und Getreidefelder zieht die bunte Karawane weiter nach Mutzig (km 5). Der einsetzende leichte Regen stört nur die laufende Freiheitsstatue, wohl weil zu befürchten ist, dass sie die Farbe verliert. Vielleicht hilft der Schirm, den ein Kicker im Nationaltrikot schützend über sie hält.  1810 gründete Antoine Wagner die Mutzig-Brauerei, die vor über 20 Jahren nach Übernahme durch einen Konzern geschlossen wurde. Statt Mutzig-Bier gibt es an der Verpflegungsstelle deshalb einen Pinot Blanc, dazu Kougelhopf, einem typischen Elsässer Frühstücksgebäck. Pinot Blanc ist ein Weißburgunder, der auch im Badischen sehr viel angebaut wird.

 

12
 
 

Informationen: Marathon du Vignoble d'Alsace
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