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Laufberichte

Die Wallfahrt nach Kevelaer

08.01.12
Autor: Joe Kelbel

Die römischen Urnengräber in Winnekendonk  wurden leider von britischen Besatzungssoldaten zerstört, doch die zahlreichen Pfeilspitzen und Becher aus der Jungsteinzeit fanden sie nicht.

Viele Läufer sprechen mich an, wollen Ende des Jahres mit mir nach Zagora zum Marathon des Sables für Kleine. Freut mich besonders, weil Sigrid dabei ist. Andere bedanken sich für diesen Bericht, der hätte ihnen gereicht, dafür seinen sie zu alt.

Bei km 4 ist der Ferienpark Kevelaer, mit seinen zahlreichen Ferienhäusern. Der Bereich hier nennt sich Kervendonk. Einige Bombentrichter sind sichtbar. Die Dörfer wurden nicht nur direkt bombardiert, hier warfen die Bomber, die das Ruhrgebiet als eigentliches Ziel hatten, ihre übriggebliebene Bombenlast ab, um Treibstoff für den Rückflug zu sparen. Der Kirchturm von Kevelaer war eine gute Landmarke.

Vor dem Park das 600 Jahre alte Landgut Voeskenhof (Voesken= Fuchs). Zur Zeit  Ludwig XIV. wurde 1669 ein großer Teil der Kervendonker Höfe und Katstellen (kleine Höfe) wegen Nichtbezahlung hoher Kriegskontributionen an die Franzosen in Brand gesetzt. Und meistens hört heute hier der Regen auf, wechselte mit der Sonne ab, irgendwie genial. Die zwei älteren Mädels machen hier gute Laune. Swen und Dirk bleiben beim Jenever hängen, trotzdem hole ich sie nicht ein.

Bei km 6 ist das Begegnungstück auf dem Michelsweg, in den ersten Runden noch deutliche Grußbewegungen,  dann später nur noch kaum sichtbare. Auch so manche lästernde Bemerkung wird im Verlaufe schwächer. Nicht nur Bemerkungen, hier ist Familienwallfahrt, da wird geschwätzt, gelästert und Gerüchte ausgetauscht und auch so mancher krummer Laufstil wird diskutiert. Über die Jahre entdeckt man Auffälligkeiten bei den Läufern, sei es die Laufgemeinschaft Christian/Christine, die Dreieckspilgergemeinschaft der Familie Kirchenbusch oder der gequälte Gesichtsausdruck vom Dietrich bei manchen Fotos. Diese Auffälligkeiten darf ich erwähnen, denn da ist nix dran. Die anderen verschweige ich, es sei denn der Wulff ruft mich an.

7 Runden mit 2 VP sind zu laufen.  Das ergibt dann 14mal Honigkuchen, kalte Cola, warmes Wasser oder Tee und Bananen.

Keule läuft mit Karl-Heinz, Christian mit Christine, langssam aber sicher. Sigrid ist absolut fit, Hajo wie immer, Schneggi hat sichtliche Probleme, das sieht verdammt schmerzhaft aus. Aber er kämpft, und Horst (Jahrgang 1935), der älteste heute hier, ja der sieht nicht glücklich  aus. Wir machen uns Sorgen. 

Bewundernswert finde ich die älteste Läuferin, Christel Kunze (W75), die zuletzt noch am Bärenfels gekämpft hatte. Dietmar läuft auffallend langsamer, sein Sohn hat andere Ziele, lässt ihn alleine laufen und geht zum Marrakesch Marathon. Ich bin dagegen fit. Nach der dritten Runde drücke ich meine Kamera den weiblichen  Kirchenbüschen in die Hand, konzentriere mich aufs Laufen und versäge Birgit Bruder. Auf den letzten Runden versägt mich Tanja, sie kommt unerwartet unter 4 Stunden an.

Tatsächlich sind die Laufbedingungen absolut spitze. Bei den VP´s grapsche ich mir im Vorbeilaufen Honigkuchen und Cola, mache kaum Pause, will mich mal ein wenig anstrengen.

Interessant ist wieder das Begegnungsstück. Die in der Spitze kenn ich nicht, die trinken kein Bier. Hier sieht man, wie sich der Abstand zu den Verfolgern verändert, sieht wie sich die Fitness der Kumpels in den letzten Monaten verändert hat. Da gibt es Quälereien aber auch  nie gekannte Lockerheit. Es gibt ein Auf und Ab der Fitness, aber sie kommen alle wieder. Ich vermisse Josef Bickendorf, der vor einem Jahr einen komplizierten Bruch hatte.

Mir geht das Lied der Bläck Föös durch den Kopf: „Wick es d´r Wäch noh Kevelaer“, weit ist der Weg nach Kevelaer, aber ich habe keinen Durchhänger, die Laufstrecke ist flach, das Wetter optimal, alles ok - könnte noch ewig weiter laufen, 42 km werden mir zu wenig.

Manchmal wundere ich mich selbst, wieviel Text ich bei einer 6 Kilometer langen Rundstrecke produziere. Der Text könnte länger sein, ich  muss aber auch mal schweigen. Wir sind eine Familie, wir kommen hierher, nehmen auch mal 300 Kilometer Anfahrt in Kauf,  weil wir uns sauwohl beim LLG Kevelaer fühlen. Weil alles stimmt und wir Jahresbestzeit laufen. Ich würde ja gleich 10 Plätze für nächstes Jahr reservieren, aber Peter ist so streng, gibt keinen VIP-Status. Aber das ist nur fair, notfalls bekommt man noch einen Startplatz über das Tausch-Gästebuch. Großes Lob an die Website, die wird fast stündlich aktualisiert, lässt uns nicht allein über das lange Jahr. Wir kommen gerne wieder. Danke, Eure Lauffamilie.

Werner's Bildgalerie

Siegerliste

Männer

1 Ocklenburg, Marc-André (DEU)  LG Alpen 2:44:44
2 Schneider, Torsten (DEU)  LAZ Puma Troisdorf 2:47:11
3 Kwekkeboom, Thorsten (DEU)  LG Alpen 2:48:58

Frauen

1 ten Bokkel-Ammerlaan, Mariëtte (NED)  Atletico`73 3:17:02
2 Möllensiep, Sybille (DEU) SUS Schalke 96 3:19:10
3 Lehmann, Anke (DEU) Sport Matern 3:21:47

303 Finisher

12
 
 

Informationen: LLG Kevelaer-Marathon
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