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Laufberichte

Meisterschaftswürdig

 

Nach Kilometer sechs stoßen wir auf den Main an der Brücke der Deutschen Einheit, es geht nun den Main länger entlang. Wir unterqueren die Friedensbrücke und haben dann einen schönen Ausblick auf die Festung Marienberg. Vom 13. bis 18. Jahrhundert residierten hier die hiesigen Fürstbischöfe. Während des Bauernkrieges wurde die Festung im Jahr 1525 von den Aufständischen belagert. Truppen des Schwäbischen Bundes fügten schließlich den Bauern eine schwere Niederlage zu. Heute können wir dort oben das Mainfränkische Museum und das Fürstenbaumuseum besichtigen oder ein paar Gastromoniebetriebe belagern. Beim letzteren wirkt sich dies allerdings im Geldbeutel oder im Allgemeinbefinden aus, wenn man nicht mehr heim will.

Am Ende der Dreikronenstraße sehen wir links die Alte Mainbrücke, die nun nicht mehr zu belaufen ist. Das grobe Pflaster und die Anstiege an den Brückenrampen waren besonders in der zweiten Runde schon eine Herausforderung. Andererseits stellte das Belaufen dieses Bauwerks schon eine Bereicherung des Kurses dar. Aber da kann sich jeder sein eigenes Urteil bilden. Ich bin für mich uneins. Einerseits soll der Kurs schnell sein, andererseits möchte ich viele Besonderheiten in einer Stadt beim Laufen mitnehmen.

Es geht weiter mainaufwärts. Rechterhand sehen wir die älteste Kirche, St. Burkard in Würzburg. Diese ist nach Burkard (683 bis 755) benannt und der wurde 742 von Bonifatius zum ersten Bischof der Stadt geweiht. In der Kirche könnten wir einen Gedenkstein der Fischerzunft Würzburg sowie eine Madonna von Tilman Riemenschneider anschauen.

Im Fortgang laufen wir unter der Ludwigsbrücke durch, die im Volksmund Löwenbrücke genannt wird, der Name ist den Löwenstatuen an den Rampen geschuldet. Oben auf dem Rang sehen wir nun das Käppele, eine Wallfahrtskirche, die Balthasar Neumann in den Jahren 1748 bis 1752 errichtet hat.

Schattig unter Bäumen laufen wir nun parallel zur Mergentheimer Straße auf einem Geh- und Radweg. Das Kilometerschild zehn kommt nach gut 44 Minuten Lauferei daher. Die Zeit nennt mir ein Mitstreiter bei der Bayerischen. „Für 3.15 sind wir etwas zu schnell,“ so seine Einschätzung. Ich fühle mich gut, also weiter in dem Tempo.

Nachdem die Halbmarathonis schon rund die Hälfte des Weges hinter sich haben, muss auf die andere Mainseite gewechselt werden. Ein kurzer Schlenker durch die Mainauen und dann brauchen wir Höhenmeter, um den Fluss auf der Konrad-Adenauer-Brücke zu überqueren. Zwar nicht mehr so steil, doch wir gewinnen weiterhin ein wenig Höhe bis zur jenseitigen Rampe. Bei der ersten Möglichkeit biegen wir rechts auf einen Radweg ab, der uns in einer 270-Grad-Kurve die Höhenmeter auf kurzem Weg zurückgibt. Nach einem weiteren kurzen Schlenker durch den Stadtteil Sanderau nähern wir uns der Altstadt, gut 15 Kilometer liegen hinter uns.

Wir verlassen den „Mee“ nach rechts. In der Neubaustraße gibt es ein längeres Begegnungsstück, nur dass die auf der anderen Seite Laufenden schon die große Altstadtrunde von vier Kilometern Länge hinter sich haben. Ich sehe gerade eine schwarze Gazelle femininen Geschlechts dahin galoppieren, ein Führungsradler weist den Weg. Der Hof zum Rebstock mit stuckierter Rokokofassade aus 1731 ist noch in der Neubaustraße. Wie biegen rechts ab und sehen dann in der Peterstraße die Katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul, die nach dem Krieg im Außenbau originalgetreu wieder hergestellt wurde.

Bei Kilometer 17 erreichen wir auf der Baltasar-Neumann-Promenade die Residenz. Promenieren ist jetzt nicht unsere Stärke, weil es uns ja pressiert. Wer von der Gegend ist, der kann im April um das Weltkulturerbe einen schnellen Zehner hinlegen. Der Residenzlauf ist aber stark besetzt und wäre vielleicht für einen weiteren Stadturlaub ein lohnendes Ziel.

Wir passieren nun das Mainfranken Theater und biegen am Bürgerspital zum heiligen Geist in die Semmelstraße. Das Spital bietet an ausgesuchten Terminen Besichtigungen der gotischen Kapelle, des Innenhofes und der Weinkellers an. Wer weiß, ob da nicht auch mal ein Schluck Vinum abfällt. In der Semmelstraße werden wir von der Samba Osenga weitergetrieben.

Nach einer scharfen Linkskurve haben wir einen kurzen Blick auf Stift Haug, einer Pfarrkirche, deren Name auf einen Hügel („houg“) hindeutet. Die Geschichte dieses Gotteshauses reicht weit in die Zeit der Romanik zurück. 1945 wurde auch dieses Denkmal bei dem Luftangriff komplett zerstört. Erst 20 Jahre später wurde man mit dem Wiederaufbau der Kirche fertig.

Der nächste Schlenker bringt uns fast bis zum Bahnhof  und dann zur Juliuspromenade mit dem Juliusspital aus dem 16. Jahrhundert. Wer ortskundig ist, der könnte jetzt auf kurzem Weg zum Ziel marschieren, aber es fehlen noch gut 2,5 Kilometer bis zur Halbmarathonmarke.

Einige der Halbmarathonis ziehen ihren Spurt an, andere sind schon am Kämpfen, wenige sind auf der letzten Rille. Ich bin gespannt, was die Uhr nach der Hälfte anzeigt. Auf der Schönbornstraße laufen wir direkt auf den Dom St. Kilian zu, der als das viertgrößte romanische Bauwerk in Deutschland gilt.

Die Plattnerstraße bringt uns wieder auf den Gegenverkehrsbereich an der Neubaustraße, wo sich mittlerweile deutlich mehr Läufer Richtung Altstadt bewegen. Am Oberen Maikai zeigt Kilometerschild 20 das nahe Ziel der Halbmarathonis an. An der Unterquerung der Alten Mainbrücke bearbeiten die Trommler der Samba Felicidade eifrig ihre Instrumente.

Es geht nun nochmal für einen kleinen Ausflug in das Herz der Altstadt: Rathaus, Grafeneckart, Vierröhrenbrunnen und Dom. Doch dann führen uns ein paar Laufschritte durch die schmale Schustergasse zum großen Marktplatz mit der Marienkapelle (aus der Spätgotik, 14. Jahrhundert). Wer noch Gutes tun will, kann über die Spendenmatte laufen. Mit drei Euro wird dann die Beratungsstelle des Laufclubs 21 unterstützt. Anita Kinle hilft damit an Trisomie 21 erkrankten Kindern.

In der Karmelitenstraße trennen sich die Wege. Die Halbmarathonis werden rechts eingewiesen, wir laufen links wieder an den Main heran. Die Halbmarathonmarke überlaufe ich dann nach gut 1.33 Stunden. Wer jetzt glaubt, diese Zahl mit zwei zu multiplizieren und so die Zeit für den Marathon zu berechnen, wird heute in den meisten Fällen nicht recht behalten, denn es ist mittlerweile warm geworden. Von 20 Grad dürften wir nicht mehr weit weg liegen.

Jetzt heißt es, nicht lange nachdenken, sondern immer weiter, denn das Feld hat sich deutlich ausgedünnt. Zweite Runde. Die Straßen sind immer noch die gleichen, doch vielleicht weniger Zuschauer, weniger Stimmung, zunehmende Müdigkeit und ausgehende Kraft. Ein ganz anderes Gefühl wird es werden. Zellerau, sechs Kilometer im Zick-zack durch das Wohnviertel. An der Wendepunktstrecke sehe ich Jakob Furtmayr schnellen Schrittes weiter eilen, Frank Schwehle kurz dahinter. Gerhard Seitz ist dagegen mir auf den Fersen.

Auf der langen Gerade nach Heidingsfeld kann ich nun an den Verpflegungs- und Wasserstellen auf wenige aufschließen, aber meist nur dadurch, indem ich mir die Becher im Laufen greife. Aber dann kommen die wieder von hinten heran gelaufen, so wie Wilhelm Mausser aus Heilsbronn, der später noch an seiner herausgerissenen Startnummer herum werkelt.

Bei Kilometer 30 schließe ich auf Ralf Giese auf, der vor zwei Wochen noch beim Trollinger unter drei Stunden blieb. „Hopp oder Top,“ so beschreibt er seinen bisherigen Rennenverlauf. Mir kommt er sehr gelegen, weil er für mich auf den nächsten Kilometern bis nach der Konrad-Adenauer-Brücke den Pacemaker macht. Noch acht Kilometer heißt es nach der Wasserstation der roten Genossen. Ralf haut schließlich nach vorne ab.

Jetzt wird es übel, denn auf dem kurzen Ausflug in den Stadtteil Sanderau spüre ich jeden einzelnen Höhenmeter. Wasser kommt nun nicht mehr nur in die Gurgel, sondern auch auf die Birne und über die Arme. Ich brauche Kühlung und suche den Schatten.

Die im Laufe der ersten Runde errechnete Zeit von 3.10 Stunden kann ich abhaken. Wenigstens kommen von hinten kaum Mitstreiter. Überholen und überholt werden hält sich die Waage. Meine Konkurrenten geht es auch nicht viel besser.

In der Altstadt merke ich jede kleine Erhöhung. So gut es geht, weiche ich dem Kopfsteinpflaster aus. Zum Abklatschen einiger Kinder bin ich aber dennoch zu haben. Die Ansprache des Sängers der Band in der Semmelstraße lässt mich immerhin für eine Minute den Schmerz vergessen.

Die Kilometer ziehen sich wie Gummi. An der letzten Wasserstelle schütte ich mir den letzten Becher über den Kopf. Kilometer 41: Zum letzten Mal unter der Mainbrücke hindurch und Ausflug Richtung Dom, dann höre ich Klaus rufen, an der Seite mit seinem Schießgerät.

Dann vielleicht Endspurt? Hinter mir ist keiner in Sicht, also beschließe ich, die letzten Meter noch ein paar Zuschauer abzuklatschen und laufe nach 3.16.36 Stunden unter dem Zieltransparent durch. Malade und mit heraushängender Zunge speichert mich Margot auf den Chip und lacht.

Die Medaillenmädels warten schon auf die fertigen Läufer, um diesen die schwere Auszeichnung umzuhängen. Ein paar Meter weiter wartet der Bierstand mit alkoholfreiem Weizen. Da lässt sich der Durst gleich mit dem richtigen Löschmittel bekämpfen. Franz Stümpfle, schweißüberströmt, lässt ein „ihr Hammel“ los, als wir ihm entgegen prosten. Im Verpflegungsbereich im Untergeschoß, hier nennt man das die Schlemmermeile, gibt es Bananen, Birnen, Melonen, Weintrauben, Brezen und weitere leckere Sachen. Weißwürst wären zu Brezen und Weißbier nicht schlecht, aber da wäre ich wohl der einzige Abnehmer.

Nach der warmen Duschorgie hole ich mir die Urkunde, die mich in der Gesamtwertung der Klasse M50 auf dem zwölften Rang ausweist. Aber in der Bayerischen Meisterschaftswertung erreiche ich  Rang acht. Passt. Ich darf auf die Bühne.

Mein nächster Einsatz ist wieder in gemütlicher Natur, mit Kamera und auf der Suche nach interessanten Motiven. Ihr könnt es erwarten.

Teilnehmer:
Über alle Bewerbe gut 3000 Sportler. 607 Marathonis.

Streckenbeschreibung:
Zwei Runden, im Bereich der Brücken wenige Höhenmeter, ansonsten schnell zu belaufen. Strecke größtenteils asphaltiert, im Bereich der Mergentheimer Straße wenige Splittwege, in der Altstadt mitunter Kopfsteinpflaster und mitunter Straßenbahnschienen.

Zeitnahme:
Championchip.

Auszeichnung:
Urkunde aus dem Internet oder noch am Veranstaltungstag per Sofortausdruck. Medaillen für alle. Wer schnell ist, für den wartet Bares

Drumherum:
Duschzelt. Parkmöglichkeiten in der Nähe vorhanden. Bewachte Gepäckaufbewahrung. Kauf von Veranstaltungsshirts in Baumwoll- und Funktionsqualität. Kleine Laufmesse.

Verpflegung:
Alle fünf Kilometer Wasser, Iso, Apfelschorle, Bananen, dazwischen noch Wasserstellen. Abgabe Privatverpflegung möglich.

Zuschauer:
Im Start- und Zielbereich sowie in der Altstadt viele Zuschauer. Musikdarbietungen.

Sieger Männer:
1. Deresa Mulu (ETH) 2.29.04
2. Meißgeier Markus, LG Hof 2.31.33
3. Jost Sebastian, LAC Quelle Fürth 2.24.22
4. Mages Dominik, LAC Quelle Fürth 2.34.32
5. Egerer Stefan, LG Kreis Dachau 2.35.29

Sieger Frauen:
1. Mamo Adanech 2.54.05
2. Ramsauer Christine, LAC Quelle Fürth 2.59.21
3. Haderlein Sandra, SC Kemmern 3.02.26
4. Decker Sonja, TG Viktoria Augsburg 3.17.57
5. Schmidt Elgin 3.18.13

Info Bayerische Meisterschaft: www.blv-sport.de

Fazit:
Ein schöne, trotz der Größe noch familiär organisierte Veranstaltung.

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Informationen: iWelt Marathon Würzburg
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