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Laufberichte

(Fast) immer im Mai

 

Discomusik begleitet uns auf der kurzen Begegnungsstrecke zwischen Möbelhäusern, bevor wir langsam auf die Konrad-Adenauer-Brücke hochlaufen. Rasant den Fußweg wieder runter auf die andere Mainseite. Leider ohne Kurvenüberhöhung. In einer Straßenunterführung schlagen die "Ritmo Candelas" zu. Am Main entlang durch den prasselnden Regen. Ich sehe nur zufriedene Gesichter und viele Schirme von Zuschauern, die tapfer ausharren und anfeuern. Besonders den Jüngsten macht das nasse Abklatschen viel Spaß. Es folgt ein kurzer Schlenker nach Sanderau. Wahrscheinlich, um die Türme der Adalberokirche zu sehen oder um den Damen und Herren im Bürgerspital-Seniorenwohnheim Ehehaltenhaus etwas Abwechslung zu bieten? 

Zurück am Main weiter in Richtung Zentrum. Den Blick auf die Festung Marienberg verschiebe ich auf sonnigere Zeiten. Die Bands und Trommelgruppen folgen jetzt im Halbkilometerabstand. "Mainkuh" ist hier kein Schimpfwort, sondern ein schwimmendes chinesisches Restaurant. Hong- Kong-Feeling pur. Es geht in die Altstadt. Michel feuert uns an. Eine große Sightseeingrunde steht an. Der rote Turm vor uns, 1696 von Antonio Petrini errichtet, kündet den großen Komplex der Alten Universität an. Die Julius-Maximilians-Universität, die auf die 1402 gegründete Hohe Schule zu Würzburg zurückgeht, ist die älteste Institution dieser Art in Bayern. An St. Peter vorbei geht es Richtung Neuer Universität mit großem Prometheus mit Fackel auf dem Dach, auch schon 120 Jahre alt. 38.000 Studierende prägen das Bild Würzburgs. Acht Nobelpreisträger arbeiteten an der Uni. Darunter auch Wilhelm Conrad Röntgen, der hier die nach ihm benannten Strahlen entdeckte.

 

 

An der Michaelskirche vorbei nähern wir uns unserem nächsten Highlight: Die Würzburger Residenz ist laut UNESCO das einheitlichste und außergewöhnlichste aller Barockschlösser. Im Jahr 1719 vom jungen und noch unbekannten Baumeister Balthasar Neumann begonnen, empfiehlt es sich für eine Besichtigung der nach dem Krieg restaurierten Prunkräume und besonders des unzerstört gebliebenen Treppenhauses mit einem Deckenfresko von Giovanni Battista Tiepolo. Beeindruckend auch die reich ausgestattete Hofkirche und der Hofgarten mit zahlreichen Gartenplastiken. Leider gibt es einen großen Parkplatz vor dem Gebäude, die schönere Seite ist wohl die Gartenansicht. Vor dem Bau einer neuen Straßenbahnlinie beim Schloss holte man aber sicherheitshalber bei der UNESCO eine Freigabe ein. 

Bei den heutigen Lichtverhältnissen misslingen leider die meisten Bilder. Einziger Lichtblick sind die Stimmungsmacher „Mischbrett“. Gegenüber dem Mainfrankentheater dann "Damion & Freunde".  Ein Schlenker durch die Semmelstraße mit ihren Einkaufsmöglichkeiten und dann ein schöner Blick auf die riesige Kuppel des Stifts Haug. Diese große Kirche, die ein Kreuzigungsbild von Jacopo Tintoretto aus dem Jahr 1583 beherbergt, wird umrundet, dann noch kurz am Bahnhofsplatz vorbeigeschaut, bevor es in die Fußgängerzone der Stadt geht. Das von hier aus unscheinbar wirkende Juliusspital (medizinische Fakultät) an der gleichnamigen Haltestelle sollte man sich auch mal von der Gartenseite her ansehen. Auch ein sehr imposantes Gebäude. Die Statue des Stifters Julius Echter steht vor uns an der Laufstrecke. Am Neumünster vorbei stoßen wir so bei km 16 auf bekanntes Terrain, genießen den schönen Blick auf die Festung Marienberg samt Läufern -  darunter auch Ralf, der die Strecke jonglierend zurücklegt - und kommen wieder zum Main. 

Noch ist das Touristikprogramm nicht zu Ende: Unter der Alten Mainbrücke hindurch laufen wir rechts auf den Rathausplatz, Das Gebäude selbst ist zur Zeit eingerüstet. Aus den Kolonnaden dringt Musik von der Gruppe Algeriá. Vor uns als weiteres Wahrzeichen Würzburgs der Kiliansdom, die viertgrößte romanische Kirche Deutschlands. Der Bildhauer und Bildschnitzer Tilman Riemenschneider wirkte hier und wohnte gleich in der Nähe. Weiter Richtung Markt.Vor uns die gotische Marienkapelle. In ihr wird jeden Freitag zur Mittagszeit das Gebet von Coventry gesprochen. Damit wird an die Bombadierung Würzburgs am 16. März 1945 erinnert, bei der etwa 5.000 Menschen starben und die Altstadt zu 90 Prozent zerstört wurde. Das Gebet von Coventry soll die Idee der völkerweiten Versöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg in die Welt hinaus tragen. 

 

 

Der Hauptsitz der Castell-Bank liegt an der Laufstrecke am Markt. Leider zählt die Bank, die ein eigenes Weingut unterhält (die erste Silvaner-Rebe Deutschlands wurde 1659 in Castell angepflanzt) nicht mehr zu den Software-Kunden unserer Firma. Deren Wein trinken wir aber immer noch. Über die Karmelitenstraße nähern wir uns der Halbmarathonmarke. Die Marathonis müssen runter zum Main und die Straßenbrücke unterqueren. Ein kurzer Spurt und die Uhr an der Matte zeigt 1:55:59. Keine schlechte Ausgangsbasis. Der Veranstalter garantiert jedem Marathoni, der hier oder später aussteigt, dass seine Halbmarathonzeit offiziell gewertet wird.

Vorbei am Heizkraftwerk am alten Hafen, welches von 1954 bis 2003 mit Kohle befeuert wurde und dann auf Gas umgestellt wurde. Kurz danach treffen wir am Kunstspeicher wieder auf die bekannte Laufstrecke. Etwas einsam ist es geworden. Ein Läufer sucht verzweifelt ein Toilettenhäuschen. Die gibt es natürlich an den Verpflegungsstellen.  Am „Zentrum der deutschen Wirtschaft“ der Handwerkskammer für Unterfranken  bin ich froh, zwei junge Streckenpostenmädels zu sehen. Auf der langen Mainaustraße erkenne ich, dass ich genau zwischen zwei Läufergruppen unterwegs bin. Eine Minute vor mir läuft Judith. 

Die zahlreichen Verpflegungs- und Getränkestellen locken. Es gibt Wasser, Apfelschorle, Cola, Bananen und gelegentlich übel schmeckendes Iso. Mein Blick fällt auf die Weinberge hinter der Versorgungsstelle. Nein, Wein sei nicht im Angebot, erfahre ich von den Helfern, aber weiter hinten gäbe es Weißbier. Also durchhalten. Schöne Spazierwege durch die städtischen Weinberge soll es geben. Gestern sahen wir weit oben einen Läufer. Vielleicht wäre das mal eine Idee für einem Besuch ohne Marathon? 

Zuschauer sind immer noch da und freuen sich auf mich, immerhin hatte ich ihnen vor zwei Stunden ein „Ich komme wieder“ zugerufen. Schlagartig ist der Sonnenschein vorbei und ein Platzregen erwischt mich bei den Crash Kidz. Auch die haben bislang tapfer durchgehalten. Zehn Minuten später wieder Sonne. Verrücktes Franken. Nicht mehr der Mai, oder Juni,  sondern der April kommt einem bei diesen meteorologischen Kapriolen in den Sinn. Die Tram-Linie 5 begleitet uns am Main. Das obligatorische Foto eines Wagens will mir heute nicht gelingen. Bei km 26 habe ich ein Etappenziel erreicht: Ab jetzt genügt ein 6-Minuten-Kilometerschnitt für eine Zeit unter vier Stunden. Aber es sind noch 16 km zu laufen. Im Moment bin ich noch recht gut drauf.

Heute habe ich Glück. Auf der zweiten Runde ist das Wetter seitenverkehrt: Es wird immer sonniger, je näher die Altstadt rückt. Eine Möglichkeit für einen zweiten Fotoversuch. In der Neubaustraße sitzen die jungen Studentinnen immer noch beim Brunch. Die "Bateria Calente" spielt jetzt auf der großen Freitreppe vor der Uni. Ich bin immer noch gut in der Zeit, sammle langsam Läufer um Läufer ein. Was für ein schöner Tag. Immerhin scheint es ja 87% der M4Y-Leser so zu gehen wie mir: Laut der aktuellen Umfrage stellt für sie die Platzierung in der Altersklasse eine wichtige Leistungsmotivation dar. Beim Firmenlauf konnte ich meinen Geschäftsführer einmal knapp schlagen. Der hat danach gekündigt. Für mich gilt es zunächst unter vier Stunden zu bleiben und dann möglichst in die erste Hälfte der AK zu kommen, was leider fast nie gelingt. Judith schafft es in ihrer AK oft aufs Treppchen. So hat jeder seine Ziele. DJ Ole Lintens in der Semmelstraße legt „I love Rock ´n´ Roll“ von Joan Jett aus dem Jahr 1982 auf, da war ich 17. Mehr davon!

 

 

Für die Menschen in der Fußgängerzone scheinen die Läufer nicht mehr so interessant zu sein und der Boden zwischen den Gleisen ist seit der letzten Runde irgendwie anspruchsvoller geworden. Es fehlen 2,5 km. Ich werde es sub 4 h schaffen. Noch die kurze Schleife über den Markt. Die "Main-Piraten" spielen weiterhin für uns. Kurz vor dem Ziel ruft Ansager Paul: "Ich sehe den Führenden mit dem Begleitradler." Wie bitte? Mich kann der nicht meinen. Des Rätsels Lösung ist bald gefunden: Der schnellste 10-km-Läufer ist mir dicht auf den Fersen. Das Zielband ist aufgespannt. Mir wird Platz gemacht: 10 Sekunden vor dem Führenden habe ich es geschafft. Konfettiregen.

3:58:24 lautet das Resultat. Ich bin sehr glücklich. Wieder mal ein Lauf fast ohne "Hammermann", anstrengend am Ende, aber mit viel Spaß unterwegs. Viele nette kurze Unterhaltungen, super abwechslungsreiches Wetter.

 

 

Judith wartet schon seit vier Minuten auf mich. Eine Medaille mit der Zahl 16 für den 16. Würzburg-Marathon wird uns von freundlichen Helferinnen umgehängt. Bei der Zielverpflegung im Congress Centrum erfreut uns vor allem das alkoholfreie Kulmbacher "Kapuziner Weißbier". Auch Red Bull und andere Erfrischungsgetränke warten, dazu diverse Obstsorten. Nächstes Jahr sollen auch die Brezen noch länger reichen. Die haben wir heute leider verpasst. Bei der Marathonmesse lassen wir uns Soforturkunden ausdrucken und könnten uns auch von Profis massieren lassen. Viele warme Duschen befinden sich im Zelt vor dem nahen Heizkraftwerk – wo sonst? Judith und ich flanieren noch mal zur Alten Mainbrücke und schauen den Würzburgern beim Weintrinken zu, bevor wir, begleitet von Gewitterschauern, unsere Rückreise nach München antreten.  

Fazit:

Ein etablierter, gut organisierter Stadtmarathon mit Sightseeing-Strecke und über 25 Musikgruppen, von denen die meisten auch noch die zweite Runde durchgestanden haben. 

Würzburg am Beginn der Romantischen Straße ist eine ideale Stadt für ein Marathonwochenende.

Und mit dem eingangs erwähnten Slogan "Immer im Mai" soll es künftig auch wieder seine Richtigkeit haben: Im kommenden Jahr, so versichern die Veranstalter, findet der Würzburg Marathon wieder im "Wonnemonat" statt.

 

Hier gibt es weitere Bilder vom
iWelt Marathon in Würzburg

 


Wettbewerbe: 

 

Mittwoch vorher: Firmenlauf in Eibelstadt
Samstag: Hörnchenlauf von Müller-Bäcks und abele,optik-Kinderläufe
Sonntag: i-Welt Marathon, Halbmarathon und Staffelmarathon sowie 10-km-TakeNet-Lauf für Einzelteilnehmer, Schüler und Teams

 

 

 

Ergebnisse:

 

Marathon 

Männer:

1    Arens, Johannes (GER)     TG Kitzingen            02:38:49    
2    Chalupsky, Michael (GER)    Parkettprofi Laufteam        02:45:20    
3    Perlich, David (GER)                        02:46:48    

Frauen:

1    Straneo, Valeria (ITA)                    02:39:50    
2    Nekolova, Barbora (CZE)    Holky ve Forme        02:54:10
3    Müller, Friederike (GER)    Spiridon Frankfurt        02:59:47    

Finisher:

Marathon:         371 
Staffelmarathon:     25
Halbmarathon:    1.585
10 k-Fun:        263 

12
 
 

Informationen: iWelt Marathon Würzburg
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