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Laufberichte

Der Kettenmarathon: ''Du bist angekettet''

20.05.12

 

Altstadt, Sanderau, Frauenland

 

Der erste Höhepunkt ist dann die Alte Mainbrücke bei Kilometer acht. Bereits 1120 war an dieser Stelle eine Steinbrücke vorhanden, die durch Hochwasser immer wieder beschädigt wurde. An der jetzigen Form wurde seit 1476 herum gewerkelt. Bis ins 18. Jahrhundert dauerte der Ausbau an.

Für die schnellen Läufer mag das grobe Kopfsteinpflaster auf der Brücke ein Graus sein, aber bei unserer Schleichfahrt können wir die Begeisterung der Touristen und Zuschauer voll auskosten. Wenn Ihr in Regensburg über die Steinerne Brücke oder in Prag über die Karlsbrücke gegangen seid, dann werdet Ihr einige Parallelen dieser Bauwerke bemerken. Die Brückenheiligen, die Geschichten der Werke, die leidenden Marathonis, wenn sie drüber laufen etc.

Nach einem Schlenkerer von 270 Grad links herum laufen wir auf dem Oberen Mainkai. Die Sambagruppe Felicidade beendet gerade ihre Kreativitätspause und hilft uns mit ihren Trommeln weiter.

Für drei Kilometer ist der Main unser Begleiter auf der rechten Seite. Nur für einen kleinen Schlenkerer geht es kurz in ein Wohngebiet der Sanderau. Wir biegen dann auf eine Kraftfahrstraße (B19), wo eine Spur für die Läufer gesperrt ist. Auf diesen Teilstücken sind etwa 20 Höhenmeter zu bezwingen. Später überholt uns der Führende im Marathonfeld.

Wie mag es sein, wenn dich eine Horde mit über 70 Mann anfeuert, wenn du nicht mehr kannst und gehen musst. Da könnten wir die Melanie fragen, die im roten REWE-Dress unterwegs ist. Sie trabt natürlich wieder an, weil die Kettenmeute keine Ruhe gibt.

Stadtteil Frauenland, Kilometer 14: Nach dem Überqueren des Innenstadtringes häufen sich die Sehenswürdigkeiten. Es beginnt mit der Alten Universität und mit der Kirche St. Peter.

 

Residenz, Congress Centrum

 

Dann dürfen wir auf der Balthasar-Neumann-Promenade flanieren, die Residenz zur Rechten. Die Residenz zählt zu den Hauptwerken des süddeutschen Barocks. Balthasar Neumann erbaute 1720 bis 1744 diesen großartigen Bau, der in der Liste des Weltkulturerbe der UNESCO steht. Ein Besuch wäre langsam für mich an der Zeit. Fotografieren ist heute nicht einfach. Alleine unterwegs könnte ich stehenbleiben, zoomen und mir mit einer Motivsuche Zeit lassen. Das ist heute nicht möglich.

Der Rote Bau, ein Familienpalais und das Bürgerspital sind die nächsten Sehenswürdigkeiten auf unserem Kurs auf der Theaterstraße. Kilometer 18 liegt hinter uns, als wir auf der Juliuspromenade laufen. Rechts das Juliusspital und dann nach der Linkskurve wieder ein Highlight. Auf der Schönbornstraße sehen wir zuerst die Augustinerkirche, das Neumünster und den Dom St. Kilian. Der ist die viertgrößte romanische Kirche in Deutschland, erbaut im 11. und 12. Jahrhundert.

Die Gaudi dauert an in der Gruppe. Gesänge, Lieder, Lärm, die Stimmung ist in der Innenstadt schier am Kochen. Und die Zuschauer lassen sich mit Applaus nicht lumpen. Für viel Begeisterung, nicht nur bei den Kindern, sorgen Pumuckl und seine Mitstreiter, die von hinten kommen. Sie sammeln heute wieder Spenden für den Laufclub 21.

Das letzte Wegstück führt uns dann noch beim Grafeneckart und Rathaus (Kilometer 20) vorbei. Und dann nach wenigen Metern sehen wir schon das Congress Centrum und das Zielbanner.

 

Zweite Runde, die Dramatik steigt

 

Die Uhr sagt 2.45 Stunden Laufzeit für 21 Kilometer. Sollzeit ist 5.30 Stunden und es ist schon deutlich wärmer geworden. Reicht die Zeit für uns? Unterhalb der Veitshöchheimer Straße benötigt eine Läuferin vor mir eine längere Pause. Sie hat wiederholt Muskelkrämpfe. Ein Läufer verpasst ihr eine muskuläre (Ross-)Kur auf Massagebasis. Ich kann gar nicht hinschauen.

Es wird anstrengender, kaum mehr Schatten, Hitze. Die Pausen an den V-Stellen werden länger. Es wird mehr gegangen als gelaufen. Bei Kilometer 27 sind wir bereits deutlich über der Sollzeit. Ich stelle den Weltrekord infrage. Nicht wegen der Zeit, sondern weil sich die Laufbedingungen verschärft haben. Es sind einige Marathonneulingen im Feld! Der Spaßfaktor auf der ersten Hälfte ist jetzt in den Hintergrund gerückt.

Auf dem Oberen Mainkai der nächste Dämpfer. John entledigt sich seiner überflüssigen Klamotten. Wir verlieren weiter Zeit. Dann kommt doch wieder etwas Spaß auf, weil einer Imodium-Bedarf signalisiert. „Dann ziehen wir eine Scheiß-Spur hinter uns her“, wird gelästert.

Minuten später müssen Sanitäter helfen. Einer hat Kreislaufprobleme, bekommt jedoch das okay von den Sanis, wenn das Tempo verlangsamt wird. Nur ein kleines Wegstück weiter will sich eine Frau in meiner Nähe abketten. Auch der Kreislauf. Die Nachbarn um sie herum päppeln sie wieder mit Elektrolyten und Gels auf. Sie kann weiter.

Eine eher lustige Begebenheit passiert bei einer weiteren PP-Pause. Ein Mädchen muss mal und die Meute steht mit dem Rücken zu ihr. Dann kommt von vorne Zug auf die Kette und das Mädchen wird auf die Strecke gerissen, die Laufhose gerade zur Hälfte hinten hoch gezogen. Einige weiter hinten feixen was vom Überholen mit einem nackten Hintern.

Dann der Höhepunkt. Ein Polizeiauto hält. Ein Polizist (der Einsatzleiter?) steigt aus und verlangt den Chef der Gruppe. Die Verhandlungen dauern fast fünf Minuten, dann dürfen wir weiter. Aber wir müssen innerhalb kürzester Zeit das Streckenstück der B19 erreichen. Sonst wird die Absperrung aufgehoben. Jetzt müssten wir eigentlich Tempo machen. John macht einen Vorschlag: Umdrehen, auf kürzestem Weg in die Innenstadt und noch mal Remmi Demmi machen. Abgelehnt!

An der B19 (Kilometer 32,5) werden wir bereits von einem Arbeiter des Bauhofes erwartet. Er begleitet uns bis zur Ableitung von der Kraftfahrstraße. Sorry, liebe Freunde des Bauhofes, wenn wir Euch so lange haben warten lassen.

 

Auf den Gehweg verbannt

 

Puuh, zumindest haben wir diese Hürde genommen. Aber jetzt sind die Straßenabsperrungen aufgehoben. Wir müssen auf dem Gehsteig weiterlaufen. Nächstes Problem. Die sind teilweise so schmal, dass man maximal zu zweit nebeneinander gehen kann. Und das ist für die Kette wirklich zu schmal.

Pumuckl löscht sich an einer privaten Tankstelle seinen Durst und lässt mich an der Leine hängen. „Hier kriegst Du kein Bier,“ muss ich mir anhören. Später kommt der Kobold mit dem roten Haar von hinten und meint, dass der Veranstalter auf uns warten wird. Ich glaube auch fest daran.

Eine großartige Hilfe für uns sind die Helfer an den V-Stellen: Obwohl schon aufgeräumt ist, tragen sie uns noch Wasser, Cola und Bananen hinterher. Danke. Mittlerweile ist auch der beauftragte Anwalt an unserer Seite und hilft mitunter beim Orientieren. Ein positives Zeichen!

Zurück in der Altstadt, begleitet und versorgt uns ein Radfahrer. Ich glaube, dass der vom Veranstalter ist. Mittlerweile zählen wir die Kilometer rückwärts. Umkehren wäre jetzt wirklich blöd.

 

Happy End

 

Und dann verlassen wir unweit des Krankenkais die Altstadt und sehen dann das Zieltransparent auf der Höhe des Congress Centrums. Immer noch sind viele Zuschauer vor Ort. Die Stimmung in unserem Laufteam nimmt zu. Wer noch Luft und Puste hat, der lässt seiner Freude freie Bahn. 6.39.30 Stunden lese ich auf der Zieluhr. Netto werden es so 6.30 Stunden sein. Aber das Wichtigste ist, wir sind durch und keiner musste abhängen.

HAPPY FINISH!

Die Medaillen werden umgehängt. Wasserflaschen werden ist die Gruppe gereicht. Und dann am Haupteingang am CCW wird sich noch für ein Abschlussbild positioniert. John hält eine kurze Rede und dankt allen Teilnehmern für ihre Leistung. Ein Hund ist er schon der John: Mit Blasen, einem großen Wolf und in blauen Sahara-Klapperl hat er beim Marathon das Team geführt. Respekt!

Im Untergeschoss des CCW haben die Würzburger für uns noch kurzerhand ein kleines Bufett mit Wasser, Schorle, Cola, Brezen, Melonen, Bananen, Weintrauben, Wurst, Käse und Semmeln aufgebaut. Und die Dusche können wir auch noch benützen. Danke Würzburg, danke dem Chef Günter Herrmann und seinen Helfern. Ich habe lange Zeit nicht an einen Erfolg geglaubt. Meine Hochachtung an alle für ihr Finish, besonders an die, die am meisen leiden mussten.

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Informationen: iWelt Marathon Würzburg
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