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Laufberichte

Dreimal schön

01.07.12

Auf in die zweite Hälfte

 

An einem starken Gefällestück ist Halbzeit, ich sehe die Markierung 21,1. Ich steige über die Leitplanke und sehe tief unten (geschätzte 50 Höhenmeter) die Pitze in ihrem Bachbett tosen. Kurz danach sind Lautsprecherdurchsagen zu hören, die sich in der folgenden Ortschaft Wiese als Moderation für unseren Event darstellen. Ein Speaker kündigt jeden Läufer persönlich an.

Ritzenried und Wiesle werden auf unserer weiteren Rennstrecke durchlaufen. Ich sehe schon den Ersten auf einem weniger starken Gefällestück am Marschieren. Der wird noch Freude an den Restkilometern entwickeln, wenn da jetzt schon der Laufmuskel zwickt. Das Gefälle wird später fast ungemütlich, Tempo herausnehmen ist angesagt. Ein Mitstreiter freut sich schon auf den ersten Gegenanstieg kurz vor Schön, denn „da ist Gehen erlaubt und auch angesagt“.

Wir überqueren abermals die Pitze und da stellt sich die Steigung uns in den Weg. Nach meiner Erinnerung war diese ein guter halber Kilometer lang und bei langsamem Tempo auch belaufbar. Ich nehme meine Drehzahl zurück und versuche, im langsamen Joggingschritt hochzukommen. Nur nicht gehen. Am Ende wartet zuerst Kilometer 26 und dann der Ort Schön mit einer weiteren V-Stelle. Auch hier wird moderiert. Es sehen sogar einzelne Biertischgarnituren herum. Nur der Besuch lässt zu wünschen übrig. Bei einem Bierausschank hätte ich meine Besuchszeit verlängert. So mache ich mich nach dem Genuss eines Mineralgetränkes vom Acker.

 

Wenns

 

Kurz vor Wenns zweigt eine Straße nach rechts ab, die nach Jerzens führt. Wir bleiben jedoch weiterhin auf gefälligem Kurs und sehen dann nach dem Waldende das ganze Dilemma. Wenns, auf der linken Bergflanke liegend, im prallen Sonnenlicht. Zu guter Letzt steigt der Kurs an. Einzelne Mitstreiter sind in den Wanderschritt gefallen. Ich versuche abermals, das Stück im Jogging zu bewältigen, obwohl jetzt die Temperatur abermals gestiegen ist. 25 Grad sind wohl überschritten.

Nur eine bleibt mir auf den Fersen oder huscht vorbei, als ich für ein Bild bei der V-Stelle stehenbleibe. Brigitte Ziegler ist in Wenns zuhause und kennt diese Strecke wie ihre Hosentasche. In der Ortsmitte ist eine gut ausgestattete V-Stelle vorhanden. Bananen mit Isogetränk, das gibt mir für das weitere Stück wieder Kraft, denn mein Bauch hat schon nach Nachschub verlangt.

Hier unmittelbar nach unserer Tankstelle wird die Zeit genommen, der dreißigste Kilometer liegt knapp hinter uns. Noch eine gute Stunde Rennerei und es wäre wieder ein Marathon im Sack. In Wenns startet der Halbmarathon und der Run & Fun Lauf, nur diese Teilnehmer sind uns schon weit voraus.

Die Versorgungsstellen der Läufer sind nun dichter aufgestellt. So alle zwei Kilometer können wir einkehren. Nur, Bieracker, so der Name des Ortsteiles, macht seinem Namen keine Ehre. Es wird nämlich kein Bier, sondern pures Aqua gereicht. Und das schütten sich die meisten der Läufer auf das Haupt.

 

Arzl – Imst (Ziel)

 

Jenseits des Inntales kommt nun immer mehr deutlich ein flacher Bergkegel ins Bild, der Tschirgant mit 2372 Meter. Kilometer 35 sehe ich auf dem Asphaltband, nur mehr sieben Einheiten, das Gefälle nimmt wieder zu. Rechterhand sehe ich die Benni Raich Hängebrücke, Österreichs höchste Fußgängerhängebrücke. Wer mutig genug ist, kann da dem Bungy Jumping frönen. Ich würde da einen Meterstab bereithalten, um zu messen, bei wem wie weit der Stift heraussteht.

In Arzl (880 Meter) werden wir abermals über Lautsprecher angekündigt. Ich greife mir einen Becher Cola und weiter geht es. Der Verkehr hat nun ein wenig zugenommen, aber es ist noch keine Gefahr. Nur die Wärme wird langsam unerträglich.

Das Gefälle nimmt im Bereich eines kleinen Industriegebietes wieder zu, doch nach einigen Kurven ist die 221 Meter lange Innbrücke zu sehen. Ein Laufbegleiter dient sich als Fotograf an, „damit du auch mal drauf kommst“. Am Ende der Brücke werden wir nach links gewiesen. Brennbichl ist dann der tiefst gelegene Ort und auch der trockenste, denn mich dürstet gescheit.

Doch beim Gasthof Neuner spielt nicht nur eine Blaskapelle, sondern es wird nochmals reichlich verpflegt. Eigentlich mag ich keine Gummibärenbrause, doch heute will ich es versuchen, ob ich das mit Wasser verdünnte Zeug hinunter kriege. Es gelingt. Ein übrig gebliebener Fun Runner hockt auf einer Bierbank. Ist der schon fertig? Mit seinem Lauf? Oder ist seine Verfassung so?

Geht noch ein Endspurt? Ich will es wissen. Die beiden Begleiter lassen gleich beim Gasthof Neuner los, als ich nach meinem Sturztrunk mich auf den weiteren Weg mache. Nach vorne ist der Abstand riesengroß. Aber hinten lauert die Brigitte.

Auf den letzten zwei Kilometer müssen wir uns fast 100 Höhenmeter erarbeiten, denn das Sportgelände liegt oberhalb des Inntals. Der vorletzte Kilometer führt uns durch ein Industriegebiet. Links ist ein Sägewerk, rechts das Imster Wasserwerk zu sehen. Schatten ist jetzt Mangelware.

Die letzte Wasserstelle würde bei mir noch für Erfrischung sorgen, aber es kommt zu keinem Geschäft, denn Bier steht nicht im Angebot. So starte ich durch und bin nach gut fünf Minuten Jogging am Sportzentrum angekommen. Kilometer 42 und dann nach zwei Rechtskurven und ich genieße den Jubel der vielen Zuschauer bei meinem Zieldurchlauf. Drei Mal die Zahl drei, zeigt die Uhr, passt schon.

Im Zielbereich ist für alles gesorgt: Die Medaille wird dir sofort umgehängt. An den Tischen können wir uns an Wasser, Iso, Cola, Melonen, Bananen und Kuchen laben. Massagen werden im Sportzentrum angeboten, wer eine Runde Schwimmen mag, das Schwimmbad ist nebenan. Der Essensgutschein kann für schmackhafte, bißfeste Nudeln mit zweierlei Sauce eingelöst werden. Doch mein liebstes Labsal nach der Rennerei kommt wieder einmal aus der oberbayerischen Stadt Erding, hollereiduljö.

Ja, und im Verlauf der weiteren Zieleinläufe höre ich ein interessantes Detail. Es wird geplant, ab 2013 im Bereich des Pitztales an einem Wochenende Trailläufe zu veranstalten, mit Distanzen bis in den Ultrabereich. Da dürfen wir gespannt sein.

Und was ist mein Fazit für heute: Dreimal schön: Die Strecke, der Ort Schön und das Wetter, wobei das letztere fast übertrieben schön warm war. Und die Freundlichkeit aller Helfer.

Marathonsieger
Männer

1 Koilegei Jonathan KEN 2:15:56 
2 Köhl Lorenz GER Rodgau 2:35:09
3 Horvath Bela HUN 2:45:40

Frauen

1 Batai Reka HUN 2:47:14
2 Basson Helette RSA 3:10:01
3 Ericson Liselott SWE 3:28:00

183 Finisher 

123
 
 

Informationen: Gletschermarathon Pitztal-Imst
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