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Laufberichte

Mein lieber Karl, ey!

23.09.12
Autor: Joe Kelbel

Also Themawechsel: Wieso rasen Männer in schnellen Autos stundenlang im Kreis,  machen aber keinen Fahrtbericht? Warum schauen sich Männer im Fernsehen an, wie andere Männer stundenlang im Kreis fahren, und wissen Montags doch nicht, was bei km 33 gewesen ist? Ich weiß aus meinem Bericht von 2009, wie schön es bei km 33  rund um das Karlsruher Schloss ist, darauf freue ich mich und verabschiede erst mal die HM-Läufer in Richtung Stadion.

Jetzt wird es ruhig und schön, das Richtige für Marathongenießer. Rita und Dieta hatte ich beim Wein Marathon im Elsass den Schmalztopf leer gefuttert. Doch heute liegt der Schmalztop unerreichbar im warmen Auto. Ich drücke Dieta die Kamera in die Hand, damit er mich mit den Tänzerinnen vom Ali Baba fotografiert. Er hält die Kamera aber verkehrt herum, macht ne Nahaufnahme von seinem verkrampften Gesicht. Während ich jetzt schreibe, liege ich brüllend unterm PC, wie geil-leidend sieht DER denn aus! Hat der Durchfall? Das Foto hält meinen Bericht und unseren Lauf sehr lange auf, aber der Spaß war es wert, Lachtränen sickern über die Tastatur.

1600 Tänzern/innen gibt es entlang der Strecke. Tänzerinnen mit viel Bauchanteil, da falle ich nicht sonderlich auf. 

In den Geschichtsbüchern steht, dass Karl Wilhelm von der Fächerstruktur seiner Stadt geträumt hat. Das stimmt nicht, er hatte nicht geträumt. Als Karl pennte, hat sein Pferd genau neben seine Hand geäppelt. Der müde Karl griff in die Müffelfrüchte,  um sich dann verschlafen die Augen zu reiben. So erschien der Grundriss vor seinen Augen. Das ist die Wahrheit!

Bei km 26 kommen wir an der Albkapelle vorbei. Sie steht auf einer Schanze, die die Franzosen für den Beschuss von Grünwinkel anlegten. Die 1759 errichtete Kapelle musste dem wachsenden Verkehr der Innenstadt weichen und wurde hier 1913 vom Bierbrauer Sinner (Sinner Edel-Pils, jetzt Moninger AG) umgesiedelt. Der Hauptsitz der Firma befindet sich noch im Hofgut der Markgräfin Sybilla Augusta von Baden.

Ab km 31, nach der steilen Brücke beim MC Doof (habe gezögert, bin dann doch weitergelaufen), geht es schnurgerade über die Allee auf das Schloss zu. Genau bei km 33 laufen wir über den Ehrenhof des Schlosses. Ehre, wem Ehre gebührt. Wer hier nach 33 km entlang läuft, der fühlt die Ehre. Einmalig auf der Welt, ich hab so was bei keinem anderen Lauf erlebt. Sehr bewegend dieser Streckenteil und sehr anstrengend die folgende Einkreisung des Schlosses.

Das Schloss beherbergt das Badische Landemuseum, hervorgegangen aus fürstlicher Sammeltätigkeit. Sehr interessant ist die Türkenbeute, eine Trophäensammlung des Markgrafen (Türkenlouis) aus der Schlacht bei Slankamen (1691), die sich auf vier Stockwerken befindet. Nicht schlecht ist auch die Großherzogliche Badische Krone von 1811.

Km 35 und 36 führt uns nur kurz weg vom Schloss nach Osten, vorbei an den Gleisen der Schlossgartenbahn, wohl die einzige profitable Linie des KVV. Die alten Teehäuschen sehen aus wie Sanitäranlagen. Im Fasanenschlösschen wohnte der Fasanenmeister, der Hühnerzüchter, der die bunten Vögel aus allen Teilen der Welt erst am Abend vor der Jagd aus ihren Käfigen ließ.

Im Norden das Wildparkstadion. Als 1903 zum ersten Mal im Fußball um die Deutsche Meisterschaft gespielt wurde, war der Karlsruher FV Titelfavorit. Das Halbfinalspiel sollte in Prag stattfinden. Der DFC Prag nahm als österreichisch-böhmischer Club an der Deutschen Meisterschaft teil, wurde erster Deutscher Vizemeister, weil der KFV aufgrund eines gefälschten Telegrammes nicht zum Spiel anreiste.

Seitdem Frankfurt an der Tabellenspitze steht, sprechen mich unheimlich viele Leute an. Ganz komisch.

Theoretisch biegen wir auf den Marktplatz ein, doch die Illuminati haben mir einen Kasten  Bier dorthin gestell,t um mich abzulenken. So kann ich die Pyramide nicht sehen, sie steht über der Gruft des Gründers der Stadt. Erst zweimal seit ihrer Vollendung 1825 wurde die Pyramide betreten. Auf jeden Fall muss Dan Brown sich das mal anschauen, denn auch die Fächerstraßen bilden eine Pyramide im Stadtbild, wobei das Bundesverfassungsgericht im rechten Sockel zu finden ist, der Bundesgerichtshof im linken. Ich wette, der ursprüngliche Name dieser Stadt war Gralsruhe.

Bei km 37 ist die Versammlung der Engel. Marathonengel kann deine Großmutti  oder dein Stalker sein, Engelskostüm ist nicht zwingend vorgeschrieben. Mich begleitet vermutlich ein Bewährungshelfer im Tarnanzug, der nun auf den letzten Kilometern versucht, meine Fußfesseln nachzuziehen. Doch er hat keinen Erfolg, denn ich laufe mit Höllenspeed die letzten…

Halt, der König von Baden bremst mich mit einem Bier, und die Mädels in der Unterführung mit den Boomtown Rats.

Die Band bei km 41 spielte vor drei Jahren: “ I feel so brocken, I wanna go home!“ Heute passenderweise:  „Und ich flieg, flieg, flieg wie ein Flieger.” Gleich danach das km 41 -Schild mit dem balzenden Star. Der schreit aus vollem Hals, wie ich nur donnerstags in der Kneipe. Wie passend!

Ein Star fliegt ins Stadion, Engelchen fliegen links und rechts, sind im Ziel und ich im Runner‘s Heaven. Mein lieber Karl, ey!

 

Marathonsieger

Männer

1 Maswai, Samwel (KEN) 02:11:46
2 Toek, Silas (KEN) 02:12:36
3 Kimaiyo, Nashashon (KEN) 02:12:53

Frauen

1 Kandie, Joyce (KEN) 02:34:39
2 Jerotich, Lydia Rutto (KEN) 02:39:10
3 Shiferaw, Rahel Kebede (ETH) 02:41:20


1459 Finisher

12
 
 

Informationen: FIDUCIA & GAD Baden-Marathon
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