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Laufberichte

Wenn's am Schönsten ist ...

25.04.10
Autor: Klaus Duwe

Beim Museum König (km 19), einem international anerkanntem zoologischen Forschungsinstitut, beginnt die Bonner Museumsmeile. Einen Kilometer weiter, beim Akademischen Kunstmuseum mache ich mir so meine Gedanken. Nicht über die antiken Kunstschätze, die hier ausgestellt sind, sondern über den Marathon heute. Die Strecke ist wirklich schön, das Wetter herrlich, die Stimmung gut und mir geht es prächtig. Was kann da noch besser werden auf der zweiten Runde? Wenn’s am Schönsten ist, soll man aufhören.  Ich steige aus und schone mich für’s nächste Wochenende.

Frisch geduscht und mit schwerem Fotogerät mache ich mich auf, um auch den letzten Kilometer der Strecke zu erleben. Und der ist echt der Hammer. Zuerst kommt noch eine Verpflegungsstelle, schon mit Blick auf das Münster (11. Jahrhundert), dem Wahrzeichen der Stadt.

Auf dem Münsterplatz ist dann echt der Teufel los. Ein gut informierter Sprecher unterhält die vielen Zuschauer. Weiter geht’s zum Sterntor, 1244 als Teil der Stadtbefestigung erbaut. Das Straßencafé ist bis auf den letzten Platz besetzt. Der Triumphlauf geht weiter, rechts in die Sternstraße. Gleich blickt man auf eine riesige, jubelnde Menschenmenge – und auf die T-Werbung, hinter der die Fassade des Alten Rathauses renoviert wird. Die Stimmung ist phantastisch, einmalig. Jeder Läufer, jede Läuferin wird begeistert gefeiert. Gleich kommt der rote Teppich, voll besetzte Tribünen und weitere Jubelstürme. Der Sprecher beglückwünscht die Finisher. Es gibt Tränen.

Woher weiß man eigentlich, wann es am Schönsten ist? Doch erst hinterher. Dann ist es aber zu spät.

Im REWE-Dorf fließt das Bier in Strömen. Brigitte hat beide Hände voll. „Eins für mich, eins für Sascha“. Dabei habe ich gar nichts gesagt. Schmalz- und Wurstbrote, Süßes und Salziges, Schäumendes und Prickelndes. Alles da im Marathon-Paradies.

 

Jetzt noch einmal die Frage: 
Eingekaufte Spitzenläufer – ja oder nein?

 

Wie gesagt, in Bonn hat man dieses Jahr erstmals darauf verzichtet. Stattdessen gibt es 500 Euro Siegprämie. Das ist  dem Kenianer Isaiah Kosgei (Bestzeit 2:14)Anreiz genug, er meldet kurzfristig nach. Auf 2:20 will er laufen, verkündet er an der Startlinie. Damit ist für David Karl, im Hauptberuf Pilot, 2009 Dritter bei den Deutschen Meisterschaften in Mainz, klar, dass es mit einem Sieg für ihn nichts wird. Seine Bestzeit liegt bei 2:23 und bei den zu erwartenden Temperaturen traut er sich keine Steigerung zu. Trotz seiner erst 23 Jahre ist er erfahren genug, sein eigenes Tempo zu laufen und sich auf nichts einzulassen. Sieg und Prämie hat er sowieso schon abgehakt. 

Das Rennen läuft wie erwartet, Kosgei vorne, das Feld weit zurück. Aber ein Marathon ist lang. Jeder weiß, dass neben Ausdauer Disziplin und mentale Stärke den Ausschlag geben. Bei David Karl kommen offenbar alle guten Eigenschaften zusammen. Als er merkt, dass der Kenianer schwächelt, hat er Reserven genug, um anzugreifen. Es kommt zu einem packenden Finish.

Bei km 40 liegt Kosgei noch deutlich vorne. Aber David Karl macht den frischeren Eindruck. Die Leute auf dem Rathausplatz werden live informiert, sie toben. Sie wollen den local hero siegen sehen. David Karl, angetrieben von tausenden Zuschauern, gibt alles. Er überholt den Kenianer, bei ihm ist jetzt die Luft raus. Als David Karl als Erster auf den Rathausplatz läuft, bricht ein Orkan los. Sowas hatte er noch nicht erlebt. Und Bonn auch nicht. Zum ersten Mal gewinnt ein Deutscher. Und wie.

Dass bei den Frauen Birgit Lennartz gewinnt, die auch beim ersten Bonner Marathon siegreich war, macht den Tag perfekt.

Die Antwort auf die Frage „Eingekaufte Spitzenläufer – ja oder nein?“ geben die Menschen auf dem Rathausplatz in Bonn und das sehr eindruchsvoll.

Bonner Impressionen

Halbmarathon-Start und Kennedy-Brücke

Marathonstart und Rheinufer

Letzter Kilometer und Ziel

Marathonsieger

Männer

1 Karl, David (GER)  02:28:43 
2 Kosgei, Isaiah  02:30:09 
3 Dr. Penedo, Nelson (GER)  SSF Bonn Triathlon  02:41:37

Frauen

1 Lennartz, Birgit (GER) LLG St. Augustin 03:10:28
2 Woltmann, Christina (GER)   TSG Schwäbisch Hall  03:16:09 
3 Uhlig, Birgitt (GER)  Deutsche Telekom  03:16:12

1.060 Finisher

123
 
 

Informationen: Deutsche Post Marathon Bonn
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