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Laufberichte

Skate this town – 42 km Adrenalin

29.09.12

Bei dieser Dauerhöchstgeschwindigkeit überlege ich, wie schön es wäre, so schnell durch Berlin laufen zu können. Zsssss, Kilometer 21 und genügend Kraft, noch mehr Druck zu geben. Zssss, Kilometer 26, ein schneller Richtungswechsel, ich bin im Rollers-High und die Elite schon lange im Ziel. Der Rücken fängt an zu schmerzen und die Pobacken brennen, aber was tut man nicht alles für einen schönen Hintern, denke ich und versuche die Schmerzen zu ignorieren.

 

Angstschweiß


Aber auch die 26 Knochen und über 30 Gelenke mit mindestens ebenso vielen Muskeln und über 100 Bändern, Sehen, Venen, Adern und Nerven an den Füßen, spüre ich. Diese komplizierten und feinfühligen Sinneswerkzeuge lassen mich ganz klar spüren, was sie davon halten,  in den knallharten Carbon-Schuhen eingesperrt zu sein. Mein linker Fuß ist taub und mit diesem Schmerz steigt auch die Unaufmerksamkeit. Das Schaulaufen der Skater zieht viele Schaulustige an. „Die wollen nur eins, dich fallen sehen“ denke ich. Plötzlich fahre ich in eine Spurrille und mich überkommt das Gefühl eines herannahenden Sturzes. „Sch…!“ Verzweifelt rudere ich mit den Armen…. – puh, mein Schutzengel muss sportlich sein.

Mit aller Kraft und Glück schaffe ich es, dem schwerkraftbedingten Zug nach unten zu trotzen und nur mit Mühe behalte ich das Gleichgewicht. Nach dieser Panikminute der Unaufmerksamkeit presst sich binnen einer Sekunde ein Schwall Angstschweiß flächendeckend aus meinem Körper. Die vielen Zuschauer am Wilden Eber sind bekannt dafür, den Läufern „Beine zu machen“. Heute tragen sie uns mit Beifall um die Kurve. Von weitem sehe ich schon die Vielläufer Monika und Lothar Preißler uns zujubeln. Im Rausch der Geschwindigkeit will niemand zurückbleiben. Zsssss, „Andrea, Andrea“ inmitten der Zuschauer höre ich Klaus meinen Namen rufen. Bevor ich reagieren kann, sind wir schon vorbeigeflitzt (vielen Dank für das Anfeuern, wir revanchieren uns morgen bei dir).

Zsssss, wir rasen über kleine Kieselsteine oder schlechten Asphalt, dann wieder ist die Straße glatt wie ein Bügeleisen.

Zsssss, Kilometer 37, die Beine bewegen sich wie von selbst, ich bin noch lange nicht im Reservemodus.


Wetter-Durchhänger


Allein die letzten Meter sind ein Erlebnis für sich. Der Wind kommt mit einer Kraft, als wolle er es uns auf dem letzten Kilometer zeigen und es beginnt zu regnen. Kein Windschatten vor mir, der mir Schutz bieten könnte. Vor uns die letzte Kurve und noch mehr Wind. Regen hat das Pflaster am Brandenburger Tor mit frischem Glanz lackiert.

Die Rollen rutschen bei jedem Abdruck weg und das glatte Pflaster verhindert einen eleganten Zieleinlauf. Noch einmal über die Zeitmessmatte mit Bremswirkung und schon rolle ich in die Arme eines Helfers, der mir die Finisher-Medaille umhängt.


Marathonbestzeit


Ein persönlicher Triumph unter dem Triumphbogen in Berlin. Persönliche Marathonbestzeit mit 1:49:48 Stunden. Die Zielzeit des Marathonsiegers, Geoffry Mutai, bleibt am Sonntag bei 2:04:15 Stunden stehen. Freudentränen, nicht nur vor Erleichterung beim Befreien meiner Füße aus den tiefer geschnittenen Fußvehikeln. Den Rückweg treten wir auf Socken an. Ein Wagnis mit Happy End. Manchmal ist Ahnungslosigkeit ein großes Glück. Wie gut, dass wir den Anmeldeknopf gedrückt haben.


Fazit


Beim Berlin Marathon werden Rekorde gebrochen und wovon viele Läufer nur träumen, können Skater ohne langes Training schaffen – Bestzeit beim Marathon in Berlin! Oberschenkel-Muskelkater und ein knackiger Hintern sind garantiert - und Respekt für die waghalsigen Kurvenfahrten der Könner sowieso. Für das Sammeln neuer Erfahrungen beim Ausprobieren neuer Sportarten wünschen wir euch so viel Freude, wie wir sie hatten. Übrigens besteht die Möglichkeit, sich sowohl für den Lauf- als auch für den Skate-Wettbewerb als Doppelstarter anzumelden. Dafür wird eine Extra-Auswertung vorgenommen.


Finisher-Medaille in Gedenken an Alex Uphues


Die Medaille mit dem schwarzrotgoldenen Band ziert das Antlitz von Alex Uphues.


Als langjähriger Inlineskating-Leiter machte er diesen Event zu dem, was es heute ist. Auf tragische Weise verstarb er genau an dem Tag, an dem im vergangenen Jahr der Inlineskating-Marathon stattfand, durch einen Verkehrsunfall in Tibet.  

Siegerzeiten der schnellsten Skater/innen:

1.) 1:00:04 Ewen Fernandez, FRA
2.) 1:00:04 Bart Swings, BEL
3.) 1:02:48 Felix Rijhnen, BRD

1.) 1:14:13 Sabine Berg, BRD
2.) 1:14:13 Jana Gegner, BRD
3.) 1:14:13 Katja Ulbrich, BRD

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