marathon4you.de

 

Laufberichte

Das Beste kommt zum Schluss

12.05.19 Trail-O-Rama
 

Fotos: Hendrik Dörr, Diana Lewing,
Bernhard Hellbrück, Ralph Jochum

 

Als Schlussläufer bei der Premiere des Trail-O-Rama

 

Mit dem Hartfüßlertrail haben die Saarländer bereits bewiesen, dass Trailrunning und Bergbau durchaus zusammengehören. Das kommt nicht nur von den beeindruckenden Abraumhalden, die der Bergbau zurück gelassen hat, sondern auch durch den über hundert Jahre alten Abbau knapp unter der Grasnarbe, der eine Bebauung unmöglich gemacht hat und uns jetzt herrliche,  unberührte  Wälder beschert.

Genau diese Mischung verspricht das Trail-O-Rama vom TV Quierschied im Herzen des Saarlandes. Zusammen mit den Hartfüßlern haben sie diese Veranstaltung aus einem ehemaligen Freundschaftslauf entwickelt. Gestartet wird dabei in Quierschied am Steinkohlekraftwerk Weiher. Einst das modernste Kohlekraftwerk mit der ersten Rauchgasentschwefelung, wird es heute nur noch als Reserve genutzt. Im Winter oder wenn die vielen Windräder stillstehen,  erhebt sich dann eine große Wolke über dem riesigen Kühlturm, der direkt neben dem Startgelände emporragt.

Heute steht das Kraftwerk still und nur ein paar Wölkchen schmücken den blauen Himmel. Petrus hat allerdings in den letzten Tagen alles gegeben und so erwarten wir einen richtig schmutzigen Marathon.  Etwa 60 Läuferinnen und Läufer  haben sich am Infozentrum des Kraftwerks eingefunden, um sich der klassischen Distanz von 42,5 Kilometer zu stellen. Die Halbmarathonis werden in Bussen nach Landsweiler-Reden gebracht, wo auf einem ehemaligen Zechengelände der Start für die Mitteldistanz ist. Dort kommen wir später auch noch vorbei. Eine 10 Kilometer Kurzstrecke rundet die Veranstaltung ab.

 

 

Da ich in der nächsten Woche noch am Gardasee unterwegs bin, will ich es heute langsam angehen lassen und habe mich bereit erklärt, die Vereinskameraden vom HartfüßlerTrail e.V. als Schlussläufer zu unterstützen. Das bedeutet, dass wir wohl den größten Teil in einer Dreiergruppe unterwegs sein werden. Nach einem kurzen Briefing geht es pünktlich um neun Uhr los. Schon nach ein paar Metern verschluckt uns der Wald und vom Kraftwerk ist nichts mehr zu sehen.

Wir erreichen den Fuß der Bergehalde Göttelborn, die es aber erst am Ende des Laufes -als letztes Highlight- zu bezwingen gilt. 180 Meter ragt der künstliche Berg vor uns empor. Wir laufen an einem ehemaligen Absinkweiher vorbei, in dem früher die Kohleschlämme geklärt wurden und heute noch das Kühlwasser des Kraftwerks seine Restwärme abgibt, bevor es in die Vorflut geleitet wird. Dann kommt wieder  Wald.

 

 

Die erste Hektik des Starts ist jetzt abgefallen und ruhig traben wir auf einem Forstweg bergab. Wir unterqueren eine Straße und die Autobahn in einer großen Röhre und die  Menge hat sich dann auch schon etwas sortiert, als es auf den ersten Singletrail geht. Das frische Grün des Frühlings umgibt uns. Der weiche Waldboden ist noch frisch und der Regen der vergangenen Tage ist als angenehme Kühle auf der Haut spürbar. Überhaupt herrscht perfektes Laufwetter. Sonnig, aber nicht zu warm.

Beim ersten Anstieg passieren wir eine kleine Halde. Auf der gegenüberliegenden Seite ist die ehemalige Schachtanlage Jungenwald, die aber nur für Eingeweihte erkennbar ist. Die freie Fläche ist frisch bepflanzt mit jungen Bäumen, nachdem im letzten Jahr der Schacht für die Ewigkeit saniert wurde. Vor über hundert Jahren wurde hier Kohle für die Glashütte in Quierschied gewonnen.  Direkt danach geht es wieder auf abenteuerlichen Singletrails  durch den schönen Buchenwald. Forstwege werden nur gekreuzt, immer geht es auf dem kleinstmöglichen Pfad weiter. Der Regen hat den Boden aufgeweicht und die steilen Passagen sind mit Vorsicht zu genießen. Aber wir haben ja Zeit. Wir laufen mit einem Schnitt von genau sieben Stundenkilometer. So sind wir zwar schneller als die ausgeschriebenen sieben Stunden, aber solange niemand vor uns ist wollen wir auch nicht unnötig trödeln.

Kleine, giftige Anstiege lassen schon erahnen, wo die 1200 Höhenmeter herkommen. Die Steigungen sind aber alle gut laufbar. Nach 10 Kilometern kommen wir an die erste Verpflegungsstelle,  die außer Wasser und ISO auch noch Obst und ein paar Knabbereien zu bieten hat. Nach wenigen Metern biegen wir ein in den Pingenpfad. Die Pingen sind, wie sollte es anders sein, auf den Bergbau zurück zu führen. Dort, wo die Kohleflöze zu Tage traten, wurde einfach so weit gegraben, wie man mit Hacke und Schaufel  gekommen ist. Zurückgeblieben ist eine Pinge, also ein Loch, oft begleitet von einer kleinen Halde. Der Wald hier ist also quasi durchlöchert oder einmal umgegraben. Außerdem gab es dann später tagesnahen Abbau unter der Erde. Das kann man ebenfalls gut erkennen. Sind doch viele der Strecken mit der Zeit eingestürzt und bilden überall sichtbare Gräben.

 

 

Über einen ganz besonderen Graben geht auch die Strecke. Runter geht es noch ganz gut, aber hoch geht es nur mit einem dafür angebrachten Seil. Ein Leckerli.  Ab jetzt geht die Generalrichtung des Pingenpfades erst mal zum Tal. Wir verlieren solange Höhe, bis wir am Itzenplitzer Weiher ankommen. Der Weiher hat früher die Grube Reden und eben die Grube Itzenplitz, deren Fördertürme und ehemaligen Betriebsgebäude wir auf einer kurzen Schleife durch die Bäume erkennen können, mit Wasser für die Kesselhäuser versorgt. Ein kleines, schön restauriertes Pumpenhäuschen erinnert an die alte Zeit. Durch den Bogen eines Grubenausbaus geht es zu einem schönen Aussichtspunkt auf den Weiher und das Pumpenhäuschen, bevor wir dann an der Bahn entlang zum Erlebnisort Reden gelangen.

Das ehemalige Bergwerk empfängt uns mit seinen Wassergärten. Hier wird Grubenwasser aus 800 Meter Tiefe hochgepumpt und rieselt, nachdem es thermisch genutzt  wurde, malerisch in den „Mosesgang“, wo auf beiden Seiten das 32 Grad warme Wasser herunterrauscht. Auf glitschigen Steinen laufen wir durch die feuchte Suppe und die anschließende Treppe bringt uns auf das Zechengelände, wo außer dem  Betrieb der Grubenwasserhaltung  viele Veranstaltungen und Events stattfinden. Wir passieren den Startbogen der Halbmarathonis  gegenüber dem „Gondwana“, einem naturhistorischen Museum mit dem Thema Urzeit und Evolutionsgeschichte und einer  Ausstellung mit lebensgroßen Dinosauriermodellen, bevor wir uns einem anderen Giganten zuwenden. Vor uns liegt die riesige Bergehalde mit der Bergmannsalm.

Von oben erklingen die Töne von Alphörnern, die der Veranstalter passender Weise auf dem Haldentop platziert hat, um uns zu motivieren.  Almauftrieb! Schon von weitem kann man die Läuferinnen und Läufer erkennen, die sich in einer Kette den Berg hoch bewegen. Aber nicht in Serpentinen, sondern einfach die kürzeste Linie nach oben. Das ist wirklich gemein. Hier ist dann mit Laufen Schluss und es geht in kleinen Schritten zum ersehnten Ziel, der zweiten Verpflegung.

 

 

Oben angekommen, lädt die Bergmannsalm mit ihrem Biergarten zum Verweilen ein. Hat man doch einen fantastischen Ausblick über das ganze Saarland. Das ist der Vorteil der Schlussläufer. Auf die Zeit kommt es nicht an und man kann in aller Ruhe bei einem Bier die Aussicht genießen. Leider gibt es aber auch frischen Wind und so geht es nach einer kleinen Stärkung an der Verpflegungstelle direkt wieder in einem steilen Downhill nach unten.

Wir überqueren den ehemaligen Absinkweiher, auf dem heute ein riesiges Solarkraftwerk aus Sonne keine Kohle, sondern direkt Strom erzeugt, und tauchen wieder ein in einen ausgeprägten Buchenwald. Vorbei an kleinen Weihern geht es in stetigem Auf und Ab durch das frische Grün. Eine herrliche Strecke, wären die Beine nur nicht so schwer. Es kommt einfach kein Laufrhythmus zustande. Ständig bleiben wir stehen, um die Flatterbänder abzuhängen.

Der Untergrund hat etwas gewechselt und der weiche Waldboden wird immer matschiger. Ich liebe es! Die Streckenführung ist wirklich vom Feinsten. Nur selten sind wir auf Waldwegen unterwegs. Meistens schlängeln wir uns auf schmalen Singletrails durch das frische Grün. Wo sonst nur ein Rinnsal mit einem Satz zu überqueren ist, fließt heute Morgen ein kleines Bächlein. Mit nassen Füßen geht es stetig bergan, bis bei Kilometer 30 die Verpflegungstelle erreicht ist. Gestärkt mit einem Bier und reichlich Cola geht es auf die letzten zehn Kilometer.

Kurzweilige Trails führen uns zurück bis zum Fuß der Halde Göttelborn. 180 Meter hoch geht es auf das schwarze Ungetüm. Zahlreiche Serpentinen ziehen uns die letzten Körner aus dem Leib. Oben angekommen, blicken wir auf den Weißen Riesen, den immer noch höchsten Förderturm des ehemaligen Bergwerks Göttelborn. In der anderen Richtung erkennen wir die zurückgelegte Strecke und haben eine schöne Aussicht über das saarländische Kohlenrevier des letzten Jahrhunderts. Die vielen Hügel, die man sieht, sind größtenteils ehemalige Bergehalden, die mittlerweile alle wieder bewaldet sind.

 

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Impressionen

 

------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

 

Wir durchqueren das ehemalige Bergwerk Göttelborn, wo heute die Architekturstudenten der Uni Saarbrücken untergebracht sind. Der Standort füllt sich langsam wieder mit Leben. Gut so. Ich dachte, ab jetzt geht es nur noch bergrunter, aber weit gefehlt. Nach der Halde geht es nochmal kräftig bergauf bis zur höchsten Stelle des Rennens, der Göttelborner Höhe.  Kleine Gegenanstiege vermiesen mir das entspannte Bergablaufen und ich bin froh, als ich einigermaßen erschöpft aber voller interessanter Eindrücke vor dem Kraftwerk durch den Zielbogen laufe.

Eine schöne Medaille wird mir um den Hals gehängt, aber viel los ist nicht mehr. Sieben Stunden waren ausgeschrieben und obwohl wir eine halbe Stunde schneller waren, sind wir auf keine Läuferin oder Läufer aufgelaufen. Die meisten sind schon zuhause bei  Mutti.  Schließlich ist heute Muttertag.

Wir hatten sehr viel Spaß unterwegs, haben viel gelacht und uns rundum gut unterhalten. Das Laufen als Schlussläufer kann ich nur jedem ans Herz legen, der mal ganz entspannt unterwegs sein möchte!

Fazit:

Ein sehr schöner Lauf mit hohem Singletrail-Anteil durch die saarländische Bergbaufolgelandschaft. Familiäre Organisation mit der Unterstützung des erfahrenen HartfüßlerTrail e.V. . Die Premiere ist rundum gelungen. Ein weiteres Highlight im saarländischen Trailkalender.  

Veranstaltungsseite:  www.trail-o-rama.de

 

 

Informationen: Trail-O-Rama
Veranstalter-WebsiteE-MailHotelangeboteOnlinewetterGoogle/Routenplaner

Mehr zum Thema
 

Das M4Y-Buch

Das M4Y-Buch bestellen

Aktuelle Print-Ausgabe

Das marathon4you.de Printmagazin