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Warum der Rennsteiglauf kein Maskottchen hat

18.05.17
Quelle: Dr. Hans-Georg Kremer

Die Ursprünge des GutsMuths-Rennsteiglaufs liegen bei der Hochschulsportgemeinschaft Uni Jena (HSG, heute USV). 1973 wurde von drei Studenten und einem Assistenten der Jenaer Uni der erste Lauf „am Stück“ über den Rennsteig organisiert, der heute als I. GutsMuths-Rennsteiglauf zählt. Aus diesem entwickelte sich ab 1975 ein volkssportlicher „Massenlauf“. Bis 2015 war der USV immer im Präsidium und wichtigen Ausschüssen vertreten, so dass er die positive Entwicklung des Rennsteiglaufs zusammen mit den 30 Vereinen am Rennsteig mitgestalten konnte.

Besonders in der Öffentlichkeitsarbeit und der Traditionspflege konnten die Vertreter des USV das Erscheinungsbild des Rennsteiglaufs nachhaltig mitprägen. Nach Klaus Hobrack aus Jena, der das Rennsteiglauflogo erfand, wurden seit 1974 namhafte Künstler in „Lohn und Brot“ der Öffentlichkeitsarbeit genommen. Es begann mit Günther Dührkop aus Lauscha, der das erste Plakat und die ersten Ehrenpreise und Medaillen gestaltete. Ilse Eulitz aus Weimar, Angelika Schütt, Rolf F. Müller, Ernst Jung (alle aus Gera), die folgten, waren anerkannte Künstler der DDR, die Plakate für den Rennsteiglauf entwarfen. Einer der berühmtesten Thüringer Medailleure, der kürzlich verstorbene Helmut König, entwarf und fertigte die ersten Teilnehmerabzeichen, Medaillen für die Siegerehrungen und eine Medaillenserie für berühmte Persönlichkeiten im Zusammenhang mit dem Rennsteig. Von Julius v. Plänckner, dem „Vater“ des Rennsteigwanderns, über Max Raebel, dem ersten Rennsteigrekordwanderer bis Herbert Roth waren viele „Altvorderen“ darauf abgebildet. Dazu kamen noch fünf Auflagen von Medaillen für Rennsteigrekord- und Gesamtdeutsche Rennsteigläufe, die Helmut König schnitt und prägte.

 

 
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Fast alle bis 1990 gefertigten Souvenirs des Rennsteiglaufs, wie Wimpel, Gläser, Bierkrüge, Plakate, Portemonnaies, Schlüsselanhänger, vor allem aber Läuferhemden und Slips, wurden zu DDR-Zeiten ein „wirtschaftlicher“ Erfolg und trugen sowohl zur finanziellen Absicherung als auch zur Langzeitwerbung bei. Ähnlich erfolgreich hätte auch das 1992 entwickelte Maskottchen werden können, da die erste Testauflage von über 100 Stück im Handumdrehen verkauft wurde.

Anfang der 1990 Jahre, nach der deutschen Wiedervereinigung, war der Rennsteiglauf von stark sinkenden Teilnehmerzahlen betroffen. Großzügige Förderung des Landes und Sponsoren halfen beim finanziellen „Überleben“. Neue Strecken, der Halbmarathon und ein Kinderlauf wurden ins Programm aufgenommen. Souvenirs wurden dem neuen Kaufverhalten angepasst. Ein Maskottchen mit der Zielgruppe Kinder und Großeltern wurde geplant. Da dieses ein sympathisches Erscheinungsbild haben sollte und zur Produktion als Kuscheltier geeignet sein musste, wurde mit der bekannten Firma Steiner aus Georgenthal Kontakt aufgenommen. Als „Designer“ gewann Klaus Weidt aus Berlin den Eulenspiegelkarikaturisten Frank Norbert Beyer. Zwei seiner Entwürfe kamen in die engere Wahl. Die heute noch durch die Zeitschrift „Laufzeit&Condition“ geisternde Rennschnecke und der känguruähnliche Rennsteighopper mit Startnummer. Letzterer Entwurf machte im engeren Entscheidungsgremium des Präsidiums des Rennsteiglaufvereins das Rennen und wurde in verschiedenen Testversionen vom Kalenderkärtchen über den T-Shirtaufdruck bis zum Begleitsymbol auf Druckerzeugnissen eingesetzt, sowie vor allem als Plüschtier produziert und erfolgreich verkauft.

Unterschwellige Kritik, dass es keine Kängurus im Thüringer Wald gäbe, tauchten immer wieder mal auf und dazu einige „Konkurrenz“-Entwürfe. Im Gegenzug nahm der Rennsteighopper grüne Farbe an. Eine passende Legende, ähnlich die des „Thüringer Rasselbocks“, wurde gestrickt. Auf einer Pressekonferenz wurde unter Anführungsstrichen auf eine Frage eines wissbegierigen Journalisten geantwortet: „Dass es sich hier um ein Tier handele, welches auf der roten Liste stünde, vorwiegend in den Baumwipfeln lebe und sich von Fichtenzapfen ernähre. Da es grünlich sei, wäre es sehr schwer zu finden. Außerdem sei es besonders familienfreundlich und überwinde große Strecken am Rennsteig. Das passe doch zum Rennsteiglauf, der gerade ob der Familienfreundlichkeit sowohl die Wanderstrecken ausbaue und einen Kinderlauf begründet habe.“ Diese Geschichte wurde von der „Chefin“ der Werbeagentur „macona“ (Frankfurt/M.), Irmgard Heckelsberger, die den Rennsteiglauf einige Jahre erfolgreiche betreute, für bare Münze genommen und noch Jahre mit ernster Miene weiter verbreitet.

Als Konkurrenten für den Rennsteighopper kursierten eine Zeit lang vom damaligen Pressesprecher Wolfgang Unger ein Wildschwein mit dem Spruch „Kernig wie das wilde Schwein muss ein Rennsteigläufer sein“. Außerdem gab es noch einen Teddybären und einen Thüringer-Waldgnom. Es entstand ein Glaubenskrieg zwischen verschiedenen Lagern. Um dies zu entschärfen, wurde, da damals im Verein vielfach sehr basisdemokratisch agiert wurde, unter den fast 1000 Mitgliedern eine schriftliche Befragung gemacht. 316 Stimmen wurden abgegeben, davon 33,5 % für den Rennsteighopper, 28,7 % für das Wildschwein und 15,8 % für den Teddybären.

Querelen, die zum Rücktritt des Vereinspräsidenten führten, was aber eine andere Geschichte ist, verhinderten die Umsetzung des Mitgliedervotums, welches bis heute nicht wieder aufgegriffen wurde. Ein laufender Rennsteigstein, der auch noch entwickelt worden war, kam gar nicht mehr zur Diskussion.

 

Informationen: GutsMuths-Rennsteiglauf
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