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Geschichte des Rennsteiglaufes - Teil 3

06.05.10
Quelle: PM/Dr. Hans-Georg Kremer

Westgetränke brachten auch Probleme

Wie im letzten Beitrag geschildert, gelang es 1990 beim Rennsteiglauf, erstmals Getränke, die man im Osten nur aus dem Westfernsehen kannte, als Sponsorleistung für alle Läufer auf der Strecke auszugeben. Mit Gatorade hatten dabei viele Läufer ein wortwörtlich „durchschlagendes“ Problem.

Die Getränkepaletten waren bereits am Abend vorher an die Getränkestellen gebracht worden. Leichter Nachtfrost sorgte dafür, dass sie früh beim Ausschenken oft noch deutlich unter 5° C kühl waren, was dazu führte, dass nach den ersten Versorgungspunkten die Wälder rechts und links der Strecke von Läufern bevölkert wurden, die eilig einen Busch suchten. Üblicher Weise waren bis dahin warmer Tee und vor allem der legendäre „Rennsteiglauf-Haferschleim“ die wichtigste Flüssigkeitsversorgung beim Rennsteiglauf.

Der Haferschleim, der noch heute zur Standartausversorgung an fast allen Verpflegungspunkten der langen Strecken gehört, war 1973 vom Jenaer Sportmediziner Jochen Scheibe entwickelt worden. Bei den vorangegangenen Testläufen hatten sich die Studenten und Oberschüler, die als Rennsteiglaufinitiatoren gelten, vor allem an publizierte Ernährungspläne der Friedensfahrer gehalten. Dies erwies sich aber teilweise als völlig ungeeignet, da z. B. feste Nahrung wie Geflügelfleisch beim Laufen stört.

In Gesprächen mit Scheibe wurde dann eine Lösung gesucht, die sowohl kurz- als auch langkettige Kohlenhydrate, Mineralsalze und Flüssigkeit vereinen sollte. In einem Haferschleim in Wasser gekocht, angereichert mit Kochsalz, Vitamin-C und Traubenzucker fand man die Lösung. Tests bei Läufen von Neulobeda über Kahla nach Stadtroda und zurück zeigten, dass dies eine magenverträgliche Lösung war.

Beim ersten Praxiseinsatz 1973, als vier Läufer versuchen wollten, so weit wie möglich auf dem Rennsteig zu laufen, wurde diese Mischung dann an fast allen Verpflegungsstellen getrunken. Allerdings fiel es den Akteuren zunehmend schwerer, dieses medizinisch durchdachte Stärkungsgetränk runterzuschlucken. Bei der Verzehnfachung der Menge gegenüber den Testläufen muss ein Rechenfehler bei der Mengenzusammensetzung passiert sein. Das Getränk war einfach viel zu salzig.

Da bekanntlich der Rennsteig eine Wasserscheide ist, hatten die Läufer auch keine Chance, zwischendurch an einer Quelle einen fischen Trunk zu sich zu nehmen. Der Betreuer, Dietrich Saalfeld, erbarmte sich aber und besorgte in einer Gaststätte alkoholfreie Getränke, die dann etwa nach 50 km zusätzlich getrunken wurden. Wäre dies nicht geschehen, würde es vielleicht heute keinen Rennsteiglauf geben, da die Akteure vielleicht vorher ihren Lauf verzweifelt abgebrochen hätten. So schafften sie es fast bis nach Masserberg. Vorher wurde aber mit diebischer Freude an der Schwalbenhauptwiese, wo in Reichweite des Rennsteigs ein Bach im Wiesengrund floss, der versalzene Schleim ausgekippt.

In den folgenden Jahren, als aus den vier Rennsteiglaufgründern über 1000 Teilnehmer geworden waren, wurden die Schleim-Rezepte mehrfach nach neuesten ernährungswissenschaftlichen Erkenntnissen abgewandelt und ab Mitte der 1980 eine Babynahrung als Grundlage verwendet. Eine Schwierigkeit war die Zubereitung am Rennsteig, wo oft die Möglichkeit fehlte, in nahe gelegenen Großküchen die benötigten Mengen (mehrere tausend Liter) zuzubereiten und die nötige Temperatur über Stunden zu halten. Mit einfachen emaillierten Waschkesseln, die es vor allem in den sogenannten „VdgB-Läden“, wo für die Landbevölkerung alles angeboten wurde, was man so als Kleinbauer oder Gärtner benötigte, konnte auch dieses Problem gelöst werden.

Heute sind Fertigprodukte aus der Babyversorgung die Grundlage des Rennsteiglaufschleims, die durch Anreicherung mit Obstsäften, Zitrone oder Heidelbeeren besonders schmachhaft gemacht werden. Die Rezepte werden von den Verpflegungsorten als gut gehütete Geheimnisse von Helfergeneration zu Helfergeneration weitergegeben.

 

Informationen: GutsMuths-Rennsteiglauf
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