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Als der Professor zum Mikro durch das Schlafzimmer der Wirtin musste

21.04.11
Quelle: Dr. Hans-Georg Kremer

"Histörchen" zur Laufbewegung in der DDR und zum Rennsteiglauf

 

Nach vier Jahren Testphase von 1971 – 1974 begann 1975 der GutsMuths-Rennsteiglauf zu einem Massenphänomen in der DDR zu werden. Die Akteure, meist noch Studenten an der Uni Jena, hatten eine Entwicklung in der DDR-Laufbewegung angeschoben, die noch heute in den neuen Ländern spürbar ist.

Das, was man im Allgemeinen unter „der Laufbewegung“ versteht, hat eine relativ kurze geschichtliche Entwicklung. Wikipedia schreibt die Erfindung der Laufbewegung dem neuseeländischen Trainer Arthur Lydiard (1917–2004) zu, der 1961 den ersten Jogging-Club gründete. Der US-amerikanische Läufer und Trainer Bill Bowerman (1911–1999) brachte 1962 diese Idee aus Neuseeland in die USA, von wo sich die Jogging-Bewegung in der ganzen Welt verbreitete. In Deutschland schreibt man eine ähnliche Trainingsmethode dem deutschen Arzt Ernst van Aaken (1910 – 1984) bereits in den 1950er Jahren zu.

Die Trainingsmethoden Arthur Lydiards kamen historisch gesehen genau zum rechten Zeitpunkt, wo sich die wirtschaftliche und soziale Lage vieler Menschen so entwickelte, dass die Arbeitswelt und das tägliche Leben durch immer weniger körperliche Tätigkeiten und ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein gegenüber standen. Interessant ist hierbei, welche Entwicklung sich im damals geteilten Deutschland abspielte, da es noch heute deutliche Unterschiede gibt.

Abgesehen von zeitlichen Unterschieden, im „Osten“ fasste die Laufbewegung erst um 1975 richtig Fuß, also ca. 10 Jahre später als im „Westen“, kann man stark vereinfacht davon sprechen, dass im ehemaligen „Westen“ Deutschlands vor allem Straßenläufe die Traditionslinie bildeten, während im „Osten“ vor allem Landschaftsläufe dominierten. Im Osten wurde die „Volkslaufbewegung“ von Sportjournalisten unter der Bezeichnung „Meilenlauf-Bewegung“ erst um 1970 ins Leben gerufen. Eine Meile wurde dabei der Jahreszahl in Metern gleichgesetzt. Bis dahin gab es nur eine kleine Straßenlaufszene in der DDR.

Grundlage für die „Meilenbewegung“ waren im weitesten Sinne die Vorgaben der DDR-Staatsführung, in der einerseits der Volkssport aktiviert werden sollte, andererseits aber kaum zusätzliche Ressourcen für den Bau von Sportstätten usw. vorhanden waren. Dachorganisation waren Meilenkomitees, die auf DDR-, Bezirks- und Kreisebene gegründet wurden. Die wichtigsten Akteure des GutsMuths-Rennsteiglaufs in Thüringen nutzten schon zwischen 1971 und 1975 ganz bewusst den Begriff der Meilenbewegung, um damit in den Medien einen gesicherten Auftritt zu bekommen und vor allem, um sich gegen zu starke Vereinnahmungen von Fachverbänden abzuschirmen.

Beim 3. GutsMuths-Rennsteiglauf 1975, der als „50-Meilen-GutsMuths-Gedenklauf“ ausgeschrieben war, nahmen 830 Männer und Frauen teil, womit der Rennsteiglauf zur wichtigsten Laufveranstaltungen der DDR wurde, der sich als Muster für viele neue Läufe in allen DDR-Bezirken entwickelte. Die Hauptorganisation des 1975er Laufs lag auf den Schultern von Jenaer Orientierungsläufern und Skilaufvereinen im Thüringer Wald. Die etwa 20 Helfer aus Jena hatten wochenlang alles Erdenkliche vorbereitet und dann unmittelbar am Wettkampftag mit Herbert Weiß aus Goldlauter das Meldebüro in der Salzmannschule in Schnepfenthal besetzt.

Gestartet wurde nachts um 1.00 Uhr am Heuberghaus auf dem Rennsteig. Alle Organisatoren einschließlich des Schirmherrn, Prof. Dr. Willi Schröder, der Vorsitzende der Universitätssportkommission, waren vor Ort. Um zur „Sprechertribüne“, einem Balkon des Heuberghauses zu kommen, führte der Gesamtleiter der Veranstaltung, Hans-Georg Kremer, wie vorher abgesprochen den Schirmherrn durchs Schlafzimmer der Gastwirtin. Diese hatte sich allerdings nicht zur Ruhe gelegt, sondern vor dem Start ihre Gaststätte noch den Teilnehmern zum aufwärmen geöffnet.

 

Informationen: GutsMuths-Rennsteiglauf
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