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Flexibel muss man sein: Laufen im weitesten Sinne

30.11.10
Quelle: Heidi Georgi

 „Wer möchte am Samstag mit mir die Winterlaufsaison eröffnen und im Schwarzwald einne 4-Std-Runde im Schnee joggen?“ So lautete Dienstag der Text meiner Rundmail an die Lauffreunde.

Und dann fiel Schnee. War ja gut, sollte ja ein Lauf im Schnee werden. Ich dachte dabei an fluffige 10 cm Pulverschnee und freute mich schon auf das schöne krachelige Geräusch, wenn die Joggingschuhe den frischen Schnee pressen und sah im Sonnenlicht glitzernde Schneesterne auf den Ästen der Bäume sitzen.

Aber dann fiel noch mehr Schnee, 40-60 cm. Das konnte man am Donnerstag auf der Homepage vom Langlaufcenter Hinterlangenbach lesen. Auch die Webcams entlang der Schwarzwald-Hochstraße zeigten winterliche Bilder. Tiefschnee ist zwar ein wunderbarer Krafttrainingsfaktor, aber 60 cm davon sind zu viel. Die anderen im Verteiler hatten entweder keine Zeit oder ebenfalls bei der Wetterrecherche die vollen Ausmaße des frühen Winters im Schwarzwald entdeckt. Es meldete sich niemand bei mir.

Was sollte ich tun? Eine Runde im Flachen laufen, wo es bis jetzt schneefrei blieb? Ne,ne,ne das geht mal gar nicht. Mit meinem Vornamen sind Hügel oder vorzugsweise Berge einfach Programm. Freitag kam mir dann die rettende Idee: Ich mache einfach mit den Tourenskiern eine ausgiebige Tour im verschneiten Wald. In Ottenhöfen sollte es los gehen. Dorthin wollte ich mit der Bahn fahren. Der Fahrplan spukte mit 9:48 Uhr eine vernünftige Startzeit aus und da war die Sache beschlossen.

 
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Vom Bahnhof weg marschierte ich, die Ski tragend, ins enge Gottschlägtal. Dort stapfte ich über Brücken und Treppen vorbei an den Edelfrauengrab Wasserfällen steil hinauf. Das Tal ist im Sommer zu einem beliebten Ausflugsziel geworden. Zu meiner Überraschung waren auch heute bereits Spuren von Wanderern im Schnee. 

 
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Nach den Wasserfällen war die Schneehöhe ausreichend für meine Ski, also zog ich die Felle auf. Tourenski sind im Prinzip wie normale Alpinski. Sie sind jedoch leichter und haben eine Tourenbindung, die man hinten öffnen kann, damit die Ferse beim gehen frei bleibt. Um das Zurückrutschen im steilen Gelände zu vermeiden, kann der Tourengeher eine Art Kunstfaserfell auf den Belag kleben. Als Kind, bei meinem ersten Tourenski, waren diese Felle noch echte Seehundfelle.

 
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Mit jedem Höhenmeter wurde die Schneedecke dicker. Es war mäßig kalt und darum wunderbar zum gehen. Am Abzweig zum Karlsruher Grat stellte ich fest, auch die Wanderer hatten diese Richtung eingeschlagen. Das war gut, denn so musste ich auf dem schmalen Pfad nicht selbst die Spur legen. Hier oben weitet sich das Tal und die Sonne fiel durch die Bäume. Manche waren so beladen, dass man sich bücken musste um unter den Ästen hindurch zu kommen. Mehr als einmal nahm ich dabei eine Ladung Schnee auf, die beim Schmelzen langsam meinen Rücken hinunter lief. Kurz vor dem Bosenstein holte ich dann eine fröhlich lachende Wandergruppe ein, die mir bis hier her einen schönen Pfad getrampelt hatte. Sie waren gut ausgerüstet mit Wanderschuhen und Gamaschen. Offensichtlich gibt es tatsächlich kein schlechtes Wetter. Mit der richtigen Ausrüstung und Einstellung kannst du jeden Verhältnissen eine Menge Freude abgewinnen. Und diese Leute hatten ihren Spaß, das war schon von weitem zu hören. Bis zum Bosenstein konnte ich mich bei ihnen revanchieren und legte nun für sie eine Spur in den frischen Neuschnee.

 
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Die folgenden Kilometer bis zum Ruhestein gab es also den angenehmen Service der bereits vorhandenen Spur nicht mehr. Aber das war in Ordnung, denn schließlich wollte ich mich heute fordern. Meine Ski tauchten bei jedem Schritt tief in den unberührten Schnee. Still standen die Bäume, kein Geräusch war zu hören. Von Zeit zu Zeit fuhr eine sanfte Windböe in die Wipfel, da entluden sie sich der schweren Last und schickten Staublawinen zu Boden. Wildspuren wechselten den Weg und verschwanden im Wald. Beim Ruhestein hatte diese stille Idylle ein jähes Ende. Alpenländische Apre-Ski-Musik, Glühweinduft, lachende Kinder und die Geräusche der Skifahrer durchmischt mit dem dumpfen Brummen des Liftmotors. Auch diese Leute hatten offensichtlich ganz viel Freude am frühen Winter. Natürlich fuhr ich nicht mit dem Lift nach oben, sondern stapfte, von den übrigen Wintersportlern verwundert beäugt, die Piste hinauf. Jeder genießt eben auf seine Weise.

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Kaum 500 Meter nach dem Ruhestein umfing mich die Stille des Waldes wieder. Nur ein paar bunte Vögel stritten sich um die Zapfen der Latschenkiefern. In diesem Moment ärgerte ich mich über zwei Dinge: Erstens, meine schlechte Allgemeinbildung, denn ich weiß nicht, wie diese schönen Tiere heißen. Sie sind so groß wie ein Spatz, braun am Körper bis rostbraun unter den Flügeln und haben hinten am Schwanz einen Streifen leuchtend roter Federn. Auch um die Augen sind rote Stellen zu sehen. Kennt jemand diese Tiere? Zweitens ärgerte ich mich über meine alte Digicam, das Zoom ist einfach miserabel. Leider konnte ich kein vernünftiges Bild von den Piepmätzen machen.

 
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Ab hier hatte ich wieder eine Spur, denn im Schwarzwald gibt es immer mehr Menschen, die mit Schneeschuhen ausgestattet die Winterlandschaft durchstreifen. Nach der Darmstädter Hütte nutzte ich ein Stück weit die Langlaufloipe, verließ diese jedoch bald, weil ich den Grenzweg über den Schwarzkopf nehmen wollte. Der Schwarzkopf wurde bei dem Sturmtief Lothar im Dezember 99 fast komplett entwurzelt. Nun hatte der Schnee groteske Skulpturen aus den jungen Bäumen und den toten Hölzern gezaubert und die untergehende Sonne setzte das ganze ins richtige Licht. Weil ich den Weg über diese kahle Mondlandschaft gewählt hatte, konnte ich jetzt den Seibelseckle-Skihang abfahren. Dazu muss man die Felle von den Brettern nehmen, die Bindung an der Ferse einrasten und schon ist man ein ganz normaler Pistenfahrer.

 
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Beim anschließenden Aufstieg zum Mummelsee schwand das Tageslicht und damit meine Bereitschaft den Weg fortzusetzen. Obwohl ich den Bus zurück hätte nehmen können, bestand mein lieber Reinhold darauf, mich hier abzuholen. Ich wehrte mich am Telefon nicht lange und beendete meine Tour mit einem leckeren Glas Glühwein am Kamin in der Hotelhalle, genoss die Atmosphäre und streckte zufrieden die müden Glieder.

 
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Wie man sehen und lesen kann, gibt es keinen Grund, sich über den kommenden Winter zu ärgern. Wer laufen kann, hat eine ganze Palette zur Auswahl, seine Beine zu ermüden: Langlaufen, Skifahren, Tourengehen, Schneeschuhwandern, einfach nur Wandern und Joggen natürlich, denn das geht meistens auch trotz des Schnees.

 
 

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