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Der Hunde-Hindernis-Lauf

18.11.10
Quelle: Martina Voß

Es war Samstagnachmittag; die Sonne lachte ein wenig, so dass der bunte Herbstwald leuchtete. Da ich vormittags bei einem Herzsport-Vortrag war, beschloss ich das Wissen umzusetzen und ein wenig zu laufen. Nicht, dass ich sonst nicht laufe. Mit der Erkenntnis, dass es mir nicht nur Spaß macht und ich herrlich abschalten kann, sondern es für Frauen in meinem Alter auch echt wichtig ist, ja, fast lebensnotwendig ist, um nicht alsbald einen Schlaganfall oder gar einen Herzinfarkt zu bekommen, läuft es sich noch mal so gut.

Also Laufklamotten angezogen und los ging’s. Noch ahnte ich nicht, was mich erwarten würde, obwohl der erste Hund mich schon auf dem Hof ankläffte. Wieso war das Vieh eigentlich nicht angeleint??? Nachdem Frauchen das liebe Tierlein rief und dies auch brav hinter ihr her trottelte (später sollte mich diese Tatsache noch wundern), konnte ich nun wirklich loslaufen. Die Bahnschranke stoppte mein Laufvergnügen nach nur 300m. Ok – dass die Schranke eigentlich immer unten ist, wenn ich rüber will, das kenn ich ja. Und dass nicht nur ein Zug, nein, sogar zwei Züge hintereinander die Strecke passieren, na ja, noch nicht wirklich ungewöhnlich. Wartezeit hierfür: knapp 10 Minuten – geht ja noch. Hab mich auch noch einigermaßen warmhalten können. Aber jetzt ging’s wirklich los… für 500m. Eine Hundeleine spannte sich quer über den Fußweg. Wo lang nun? Runter zur Straße ging nicht – über’s Feld wollte ich nicht… es war frisch gedüngt!

Also angehalten und Tantchen gefragt, ob sie mich vorbeilassen würde. Geht doch! Ich freute mich schon riesig auf die Natur, auf Stille und Wald und Ruhe. Am Waldrand entlang war es herrlich. Berauf – bergab – bergauf – bergab und immer so weiter. Ich genoss jeden Schritt, erfreute mich am herrlichen Weitblick vom Meißner bis rüber über das Leinetal. Ich kam auf einen Ort zu und dachte gerade so bei mir, ob ich diesen langgezogenen Wiesenweg bergan nicht mal das Tempo etwas steigern könnte. Bevor ich dies umsetzen konnte, bemerkte ich eine Familie mit Kindern aus den nahegelegenen Häusern auf mich zukommen – mitsamt zwei kleinen Hunden. Oh nein – nicht schon wieder. Papa fürchtete wohl um das Wohl seiner geliebten Vierbeiner, denn er hechtete hinter ihnen her und nahm sie auf den Arm. Gut so. Ich konnte nämlich fast ungestört meinen Lauf fortsetzen, obwohl ich das angestrebte Tempo nicht mehr drauf hatte. Aber egal. Ich erfreute mich an dem schönen Fernblick, diesmal Richtung Solling und Harz. Ich bog gerade aus dem Wald heraus um die Ecke und erblickte… Frauchen mit Hund. Angeleint an einer mindestens 10 m langen Leine – quer über die Wiese. Hallo? Geht’s noch? Ich weiß nicht, ob es an meinem bösen Blick oder an meinem Tempo lag: Frauchen flüchtete beinahe, die Hundeleine aufspulend, zu ihrem Tierchen. Glück für mich – ich musste zwar langsam laufen, aber es ging halt weiter.

Doch die Freude währte nicht lange!!! Keine 50m weiter… sie waren weder zu übersehen, noch zu überhören! Zwei kalbsgroße kläffende Tölen. Den Schwanz in Angriffsstellung, die Zähne gefletscht – so kamen sie auf mich zu. Na bravo. Sollte ich mich auf den Boden schmeißen und mich tot stellen??? Bin ich da als Beute nicht uninteressant? Oder bin ich dann einfach gleich das gefundene Fressen? Vorsichtshalber blieb ich erst einmal stehen. Ich bewegte mich lieber gar nicht. Atmete ich überhaupt? Ich schaute dem Kläffer in die Augen, doch das beeindruckte ihn absolut nicht. Und Herrchen fand die Situation offensichtlich nicht ungewöhnlich, denn in wohlwollendem Abstand schaute er dem Treiben zu. In Bauchnabelhöhe sah ich die spitzen Zähne von Hund 1 und malte mir schon aus, wo er diese denn zuerst ansetzen würde. An meinem Po? Also bitte - so viel gibt’s da nicht zu holen! Am Oberschenkel? Da ist auch nicht genug dran, damit ein Vieh in dieser Größe satt davon würde. Sollte ich ihm das erzählen? Er würde ja doch nicht auf mich hören…

So rief ich Herrchen und bat ihn, seinen Hund doch mal zu holen und festzuhalten. Schließlich trug das Tier ja eine Leine, wenn auch nur zur Zierde auf dem Boden schleifend. Hund 2 stand kläffend neben Herrchen und machte noch keine Anstalten hier mitzumachen. Wenigstens etwas! Herrchen rief und rief Hund 1, doch der hörte nicht. Woraufhin Herrchen sich in Bewegung setzte und im Stolpern die Leine zu fassen bekam. Was aber nicht bedeutete, dass er den Hund auch halten konnte. Der Hund zerrte und riss wie wild an der Leine. Herrchen hatte Mühe nicht umgerissen zu werden. Hund 2 stand weiterhin kläffend an seiner Stelle. Nun gut, dachte ich mir. Ganz langsam trabend könnte ich mich ja jetzt aus der Gefahrenzone bewegen. Denkste! Das war das Startsignal für Kläffer 2! Ich hatte wirklich erst 2 Schritte gemacht, da war er vor mir. Na super: einer hinter mir, die Zähne gefletscht, einer vor mir, ebenfalls die Zähne gefletscht. Wenn ich jetzt zaubern könnte, würde ich mich gerne in Luft auflösen. Einmal „bezaubernde Jeany“ sein…

Ich holte tief Luft und rief Herrchen erneut, damit er auch Hund 2 einfangen könnte. Doch was machte der? Sagte mir in aller Seelenruhe: der macht nix – der will nur spielen! Für wie blöd hält der mich? Demnächst nehme ich auf meine Laufrunde einen „Morgenstern“ mit, schwinge den locker vor Herrchen und Hund und sage dann auch: ich will nur spielen. Mal gucken, was die dann sagen. Das finden sie bestimmt nicht so lustig!

Da Herrchen keinerlei Anstalten machte mir Hund 2 vom Hals zu halten, bin ich langsam rückwärtsgehend den Berg runter ins Dorf. Natürlich habe ich beide Hunde im Auge behalten. Erst nachdem ich etwa 300m entfernt war, habe ich mich getraut wieder zu laufen – natürlich mit einem Schulterblick nach hinten. Frau weiß ja nie…

Nach einem Kilometer fing ich an wieder entspannt zu laufen. Genau just in diesem Moment traf ich wieder auf Herrchen und Hund. Kaum war ich an beiden vorbei, fing der Hund an, an der Leine zu ziehen und zu bellen, doch Herrchen hatte sein Tier im Griff. Oder war das Tier nur zu klein? Egal. Wer nun denkt, das war’s, den muss ich eines Besseren belehren. Ich traf tatsächlich noch auf weitere Hundehalter, doch dem Himmel sei Dank, verliefen diese Begegnungen ohne Zwischenfälle. Und soll ich euch zum Schluss noch was verraten? Ich habe sogar noch eine Hundehalterin getroffen, bei der das Tier auf’s Wort gehört hat. Unglaublich – oder?

Irgendwie hatten sich wohl alle Hundebesitzer verabredet?! Ich habe bei meiner 8km-Runde 10 Hunde getroffen. Ein rekordverdächtiges Ergebnis. Was lerne ich daraus: ich laufe demnächst lieber im Regen. Da sitzen die Hundefreunde mit ihrem Tierchen sicher lieber im Trockenen…und ich habe meine Ruhe beim Laufen. Vielleicht…

 
 

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