
"Nun werden wir es den Plumpudding Essern zeigen", geht es ihm durch den Kopf, während er sich entschlossen dem Zelt mit den Startunterlagen nähert. Mit leichtem, selbstsicherem Schritt nähert er sich, die neue kontinentaleuropäische Hoffnung, dem Beginn eines Jahrhundertrennens. Der Highlander des Festlandes.
Auch, wenn er nicht aussieht, als wäre er tausend Jahre alt, merkt er in seinem Innern diese unwiderstehliche Kraft. Diese treibt ihn zu immer neuen Höchstleistungen an. "Die Spanier habt ihr zurückwerfen können, die Franzosen besiegen. Aber nun kommt euer Waterloo, denn der Running Geck macht sich auf, den Engländern das Fürchten zu lehren", geht ihm durch den Kopf.
Gefürchtet haben sie ihn schon auf der Anreise zu diesem Trail Lauf. "Immer wieder diese Geisterfahrer" hat er geschimpft, während seine linke Hand unablässig die Lichthupe betätigt. "Aus dem Weg. Ihr werdet mich nicht aufhalten auf dem Weg zum größten Triumph, den ein Kontinental-Europäer jemals auf der Insel erzielt hat." Er blickt nur in entgeisterte Gesichter, bis er endlich den Parkplatz am Startbereich erreicht hat.
Er bewegt sich mit seiner ihm eigenen Lässigkeit zum Steward des Laufes. So heißen die hier. Zumindest will er dort hin. Vor dem Zelt steht eine lange Schlange. Das lieben die Engländer. Das Anstellen. Geduldig warten sie, bis sie an der Reihe sind. Eigenartigerweise steht die Schlange links herum und nicht, wie er es gewohnt ist, rechts herum. Endlich ist er an der Reihe und er steht vor dem Steward wie weiland Robin Hood vor dem Sheriff von Nottingham.
"Your Name" schnarrt ihn dieser an. Er schaut nur starr vor sich hin. "Your Name or your Number". Diesmal wirkt der Steward energischer. Geck will erst antworten "007". Denn dies ist der einzige Engländer, der es mit ihm aufnehmen kann. Aber er weiß nicht, ob der Brite das versteht. Daher antwortet er "Robin Hood". Der Steward schaut ihn an und bricht in ein lautes Lachen aus. "Sorry. But when you are Robin Hood, you are dead for more than 700 years. You musst be Geck from Germany."
Irritiert blickt Geck ihn an, bis er merkt, dass dies ja auf seinem Shirt steht. Und so erhält er seine Startnummer. Versehen mit dem Hinweis, dass es nach dem Tee in einer halben Stunde losgeht. Ihn schauert. Vom Tee muss er immer austreten. Das kann er sich heute bei so einem Rennen nicht erlauben. Und so genehmigt er sich nur einen einheimischen links drehenden Joghurt vor dem Beginn.
Endlich ist es soweit und er bewegt sich zum Start. "Komisch", denkt er sich. "Bin ich der einzige Läufer oder starten die alle der Reihe nach?" Obwohl er sich umschaut, er sieht keinen Menschen, der die 7 Meilen gegen ihn laufen will. "Feiglinge. Die drücken sich nur vor einer Niederlage" geht ihm durch den Kopf. Da ertönt der Startschuss und schon sprintet er los. Eigentlich könnte er es in Anbetracht der geringen Gegnerschaft langsam angehen lassen, aber er will es wissen.
Schon hämmert das Blut in seinen Schläfen. Nach dem ersten geraden Stück geht es nun einen Berg hinauf. Seine Muskeln an den Oberschenkeln drücken sich durch seine Hose. Das Blut rauscht, während er sich mit viel Druck den Berg hinauf drückt. Er ist extrem zufrieden mit sich und er gibt das Letzte, um seine Geschwindigkeit weiter zu steigern. Seine Arme unterstützen seinen Lauf, in dem sie seinen Körper scheinbar nach vorne ziehen. "Wenn die gleich die Zwischenzeit nehmen, werden bestimmt alle blass", zuckt es durch die letzten durchbluteten Hirnwindungen.
Obschon es ein Lauf durch die Natur sein sollte, kommen ihm unheimlich viele Leute entgegen. "Blöde Jogger" geht ihm durch den Kopf. "Können die die Strecke nicht absperren für eine solche Veranstaltung?" steht fast in Leuchtbuchstaben auf seiner Stirn geschrieben. "Aber wenn ihr denkt, ihr könntet mich irritieren, so habt ihr euch getäuscht." Und schon hört er wieder seinen rasselnden Atem, der immer dann einsetzt, wenn der nahe seiner persönlichen Warp-Geschwindigkeit ist.
Endlich sieht er das Ziel vor sich und stürmt mit hoch aufgerissenen Armen hindurch. Kein Applaus. Nichts!! Keiner beachtet ihn. "Können oder wollen die nicht sehen, wie das britische Empire untergeht?", geht ihm durch den Kopf.
Frank, sein englischer Freund kommt zu ihm und schaut ihn ungläubig an. "Warum bist du nicht mit gelaufen? Die ersten sind schon lange durch das Ziel." Nun ist es an Geck, ungläubig zu schauen. "Ich bin doch gelaufen. Alleine! Weil keiner gegen mich antreten wollte!!!" Dabei kommt die rote Farbe, die sein Gesicht mittlerweile angenommen hatte, besonders gut zur Geltung. Frank guckt, sein Gesicht verzieht sich und auf einmal bricht er in schallendes Gelächter aus. "Du trägst die falschen Schuhe." "Wieso trage ich die falschen Schuhe? Dann sind meine heiß geliebten Asics. Da lasse ich nichts drauf kommen." Langsam wird er wütend. Frank wischt sich die Tränen aus den Augen. "Deine Asics sind vom Kontinent. Das sind rechts laufende Schuhe. In England braucht man links laufende Schuhe, da auch alle Kurse links herum gehen. Du bist einfach in die verkehrte Richtung gelaufen!"
Andere Länder, andere Sitten!!