
Nur Schuhe und den alten Jogging-Anzug aus der extrem körperhygienischen Baumwolle. Das war alles, was er früher brauchte. Ach wie gerne erinnerte er sich an diese Zeit zurück. Dabei schloss er genießerisch die Augen. Aber so richtig versinken in diese Gedanken konnte er nicht. Es war einfach zu laut um ihn herum. Nicht, dass er an einer belebten Straße gelaufen wäre. Mitnichten. Ein eigentlich ruhiger Park war es und außer ihm schien keiner unterwegs zu sein. Und doch war es laut, was seine Konzentration irgendwie einschränkte. Da fiel es ihm wieder ein. Ja, es ist der MP3 Player, der ihm unablässig Musik und Motivation ins Ohr dudelte. Neben der Musikkollektion hatte sein Freund ihm einen Spruch aufgenommen, der durch die Random Wiedergabe immer aufs Neue an sein Ohr drang. „Du schaffst das". Na klar schaffte er es. Aber seine Trägheit hatte ihn verleitet, dieses Stück nicht zu löschen.
Er zog die Stöpsel aus dem Ohr. Stille. Nein, nicht ganz. Seine Schuhe waren zu hören, wie sie leise auf den Weg trafen. Tapp, Tapp, Tapp. Und die Vögel waren zu hören. Schöne, entspannende Töne waren das.
"Ta, Tataraa, ta, taraa aah" dröhnte es auf einmal. Völlig irritiert sah er sich um. Indiana Jones? Unverkennbar. Was machte der hier? Lief der am Ende zum Bempel des Todes? Als sich der Schreck gelegt hatte, erinnerte er sich. Es war sein Handy. Das war der Alarm und Attacke-Ton, wenn sein Steuerberater anrief. Schien irgendwas zu brennen. Also ging er ran. „Ja – was gibt es?" Dabei verringerte er ein wenig die Geschwindigkeit, um nicht zu sehr zu hecheln. Sonst ging nachher das Gerücht, er wäre bei einem Geburtsvorbereitungskurs.
„Ist gut. Ich kümmere mich drum". Sagte es und drückte die Ende Taste. „So ein Mist", dachte er sich. „Da scheint wirklich was zu brennen und ich muss eingreifen." Kaum hatte er den Gedanken zu Ende geführt, als er in die andere Tasche griff. Sein Crackberry! Während er nun zunächst wieder freier hecheln konnte, konzentrierte er sich auf die Tastatur und schrieb eine Mail. Nein nicht kurz, sondern ausführlich. Schließlich musste er nicht nur das Rheinland retten. Vielleicht Deutschland? Vielleicht sogar die Welt. Von diesem Gedanken beseelt tippte und lief er, tippte und lief, tippte und lief…..
Fertig. Und senden. Jetzt das Teil wieder eingepackt und auf die Umgebung konzentriert. Doch halt! Wo war er? Die Gegend kannte er gar nicht. Während andere nun in Panik ausbrachen, konnte ihm das nicht passieren. Schließlich war er der multimediale Läufer. Ein paar Klicks auf seiner GPS Uhr und schon war das Routing aktiviert. Nun zeigte ihm das Gerät an, in welche Richtung er laufen musste und wie weit es noch bis nach Hause war. Auf das Backtracking, also das einfache Zurücklaufen hatte er verzichtet. War ja langweilig.
Ja seine Stimmung stieg. Da fiel ihm ein, dass sein Lieblings-Fußballverein heute gespielt hatte. Da musste er doch hören und noch besser sehen, wie das Spiel ausgegangen war. Also wurde das kleine UMTS-fähige Handy ausgepackt und zunächst nach dem Ergebnis gesucht. Aha. 3:0 gewonnen. Das hörte sich ja gut an. Nun noch die Tore angesehen, während er weiterlief und versuchte, der Anzeige seiner Uhr parallel zu folgen.
Was gingen ihm für Gedanken durch den Kopf. Gut, dass er mit seinem MP3 Player auch Sprache aufzeichnen konnte. So fing er an, munter seine Gedanken in das Gerät zu diktieren. „Kilometer 7,3. Ach, wie gut geht es mir in dieser kleinen Welt. Die Vernetzung macht wunderbare Dinge möglich", sprach er ins Gerät.
Nicht mehr weit nach Hause und er holte zum entscheidenden Schlag aus. Packte alles weg und konzentrierte sich auf sein letztes Teil. Während er dabei so seine Gedanken schweifen ließ, machte es ein kurzes Klong, gefolgt von einem lauten Autsch und einem heftigen Bums.
Dabei fiel das Buch, was er gerade angefangen hatte zu lesen, herunter und wurde ganz schmutzig.
„Na gut" ging es ihm durch den Kopf. "Medial ist ja ganz schön. Aber so ein Buch ist wirklich nicht optimal".