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Motivationsloch

01.06.10
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Stille. Er saß vor seinem Kaffee und dachte nach. Draußen war das Wetter unwirtlich, Regen und Trockenheit wechselten sich ab. Er überlegte, ob er laufen gehen sollte. Zeit hätte er schon. Aber auch Lust?

Er fragte sich, wo seine Motivation geblieben war. Heute Morgen war er noch wild entschlossen, es heute zu tun. Aber nun? Hier drinnen war es auch schön und laufen konnte er morgen auch noch gehen.

Irgendwie hatte er einen kleinen Durchhänger. Das passierte schon einmal. Aber da er ein Künstler in Sachen Selbstmotivation war, fühlte er sich noch relativ gelassen. Und so dachte er darüber nach, wie es wäre, wenn er gar nicht mehr laufen würde.

In Anbetracht der Tatsache, dass eine seiner wahren Stärken das Essen war, kamen ihm ganz grausige Gedanken. Die einfache Formel lautete ja – verbrauche mehr Kalorien als du einnimmst. Bei einer überwiegend sitzenden Tätigkeit würde dies nur eins bedeuten: Hunger! Der geliebte Kuchen und die Schokolade – nichts davon wäre mehr machbar.

Aber auch dieser kleine Motivationstrick scheint heute nicht zu funktionieren. Er hatte immer noch keine Lust.

Ein Blick in seinen Rennkalender zeigte ihm, dass es bis zu seinem nächsten „Rennen“ noch eine Weile dauern würde, also war bis dahin noch ausreichend Zeit um zu trainieren. Ob er heute die Einheit ausfallen lassen würde oder nicht, war daher nicht so wichtig. Aber er hatte sich vorgenommen, beim nächsten Lauf einmal schneller zu sein. Das bedeutete harte Arbeit, wie er wusste und was ihm gar nicht gefiel. Denn es bedeutete vor allem eines: Tempotraining! Und das hasste er mehr als andere. In diesem Moment kam ihm wieder der Gedanke nach dem Warum. Warum wollte er denn schneller sein? War er dadurch ein besserer Mensch? Nein!! Wahrscheinlich nicht. Auch dieser Gedanke verfing nicht.

 
© marathon4you.de

Er schloss die Augen und dachte an den letzten Lauf. Dieses unglaubliche Gefühl der letzten 400 Meter. Die Menschenmassen, die Begeisterung und wie die Endorphine Samba tanzten. Und als er im Ziel die Medaille umgehängt bekam. Ein absolut irres Gefühl – diese Belohnung nach einem harten Lauf. Ja, es war schön. Und es würde auch wieder schön werden – beim nächsten Rennen. Bis dahin war noch viel Zeit, dachte er sich, während er genüsslich ein Stück Schokolade in seinem Mund verschwinden ließ.

Als letzter Trick fiel ihm das Thema Belohnung ein. Womit könnte er sich den belohnen, wenn er diesen Lauf heute Abend absolvierte? Mit neuen Laufschuhen? Mittlerweile hat er 5 Paar im Keller stehen, braucht bald einen Anbau für die Laufklamotten und auch sonst fiel ihm nichts ein. Eine schöne Massage? Ach, in der nächsten Woche hatte er sowieso einen Termin. Unabhängig davon, ob er lief oder nicht.

Und sein Trainingsplan? Ach Pläne waren dafür da, modifiziert zu werden. Eine Einheit würde er ja mal auslassen können.

Und so saß und grübelte er vor sich hin. Zufrieden damit, in Ruhe sitzen zu können aber gleichzeitig auch unzufrieden mit sich, dass er nicht lief. Eine vertrackte Situation.

Da ertönte die Stimme aus dem Off. „Schaaatz, wo bist du?“. „Hier“ nuschelte er leise vor sich hin. Aber offensichtlich nicht leise genug, denn seine Frau hatte ihn bereits entdeckt.

„Was machst du gerade?“ fragte sie. Dabei wartete sie seine Antwort gar nicht ab, als sie ihn mampfend vor sich sah.

„Schön, dir scheint es ja gut zu gehen. Wo du doch jetzt Zeit hast..“ Dabei machte sie eine kurze Pause. „Der Keller müsste mal wieder gestrichen werden. Farbe steht ja noch da unten. Fang doch schon einmal an. Es wäre schön, wenn du nächste Woche damit fertig wärst. Dann müssen wir uns um die Dekoration kümmern.“

Schock!! „Äh – Schatz. Ja, ich weiß ja, dass der Keller es nötig hat. Aber ich habe ja bald wieder ein Rennen. Und einen engen Trainingsplan dazu. Der lässt mir im Moment keine Wahl. Du willst doch nicht, dass ich unterwegs zusammenklappe, oder?“. Wow, diese letzte Frage war genial. Wie erhofft, nickte seine Frau und sagte nur verständnisvoll „In Ordnung. Aber in den Trainingslücken kümmerst du dich um den Keller.“ Mit dieser Feststellung drehte sie sich um und verschwand.

So schnell wie selten zuvor schob er sich das letzte Stück Schokolade zwischen die Kiemen und verschwand in den Keller, um sich umzuziehen. Und schon stand er auf der Straße und lief los.

Fazit: Schokolade, Kuchen und Essen gesichert, ein schönes Gefühl während und nach dem Lauf und die Belohnung wird sicher kommen.

Nicht nur die intrinsische, manchmal hilft auch die extrinsische Motivation.

 

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