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Läufernahrung

04.03.08
Quelle: Running Geck

Es ist mal wieder später geworden an diesem Tag. Da auch seine Frau unterwegs ist, entscheidet er sich, den Tag mit einem Gönnermahl zu beenden – einer Currywurst mit Pommes. Also ein kurzer Boxenstop auf dem Weg nach Hause, Gourmet-Essen eingeladen und ins traute Heim. Ein Blick in den Briefkasten lässt sein Läuferherz wieder höher und schneller schlagen. Seine ach so geliebte Laufzeitschrift liegt dort neben einigen ach so trivialen Rechnungen.

Kurz den Teller auf den Tisch, was zu Trinken eingeschüttet und schon vertieft er sich beim Essen in seine Zeitschrift. Wie immer blättert er sie erst einmal durch. Während er sich gerade genüsslich ein Stück dieses Ur-Deutschen-Kulturgutes in seinen Mund schiebt, bleiben seine Augen an einer Überschrift hängen: „Gesunde Ernährung – der Schlüssel zum erfolgreichen Laufen“. Er verschluckt sich und denkt, dass sich sein Inneres nach Außen kehrt. Aber er ist konsequent. Alleine die Überschrift reicht. Also einen leichten Salto rückwärts und schon landen die Reste seines Essens in der grauen Tonne. Und damit er nicht in Versuchung kommt, wird der Beutel direkt nach draußen in der großen Tonne entsorgt. „Sollen die das von M. doch wieder recyceln“, geht ihm dabei durch den Kopf. Er ist schließlich Sportler und braucht so was nicht. Aber was nun? Irgendwas muss er doch zu sich nehmen – wenigstens einmal in der Woche. Das sollte auch reichen. Ist außerdem sehr rationell – spart ein solches Handling doch ungemein Zeit.

Aber welche Tipps kann er denn da lesen? Da steht geschrieben, dass britische Wissenschaftler herausgefunden haben, dass Kaffee vor einem Wettkampf positiv sei. Nun gut, für einen Briten ist ein Kaffee wohl immer positiv. Allerdings sollten die nicht zu viel davon trinken, da dieses schwarze Gebräu (also nicht englischer Kaffee) gut gegen Alzheimer und Parkinson sein soll. Mittels der Verweigerung sind Briten nicht gegen diese Krankheiten geschützt, was als Erklärung für verschossene Elfmeter (Parkinson) herangezogen werden kann oder man vergisst einfach in Folge von Alzheimer, dass man nicht für die Fussball-Europameisterschaft qualifiziert ist. Jedes Ding hat so seine zwei Seiten.

Der zweite heiße Tipp lautet Erdnußbutter als Treibstoff für die langen Läufe zu verwenden. Das kann er gut nachvollziehen. Bei einem so süßen Zeug geht er garantiert laufen, und zwar möglichst weit. Aber essen soll er das? Jetzt stellt er sich zum ersten Mal in seinem Läuferleben die Frage, ob es nicht sinnvoller ist, aufzuhören. Scheint besser zu sein, als das essen zu müssen. Also lehnt er sich zurück und überlegt. „Man sollte die ganze Sache einmal ganz emotionslos, rein wissenschaftlich sehen“, denkt er, bevor er sich an die Recherche macht.

"Dabei ist das eigentlich alles recht einfach", sinniert er vor sich hin. Was braucht ein Läufer? Klar, als erstes Kohlenhydrate. Auch einfach – zum Beispiel in seinen heiß geliebten Nudeln. Nun wird es akademisch. Idealerweise sollte man etwa 6 Gramm Kohlenhydrate pro Kilo Körpergewicht zu sich nehmen. „Macht bei meinen letzten Monat gewogenen 82,7 Kilogramm exakt 496,2 Gramm – ganz einfach“ durchfährt es ihn. Aber die Portion gestern Mittag war mindestens 513,1 Gramm. So ein Mist! „Glauben die in der Kantine allen Ernstes, er würde 85,1 Kilogramm wiegen. Denen werde morgen aber was erzählen“, schwört er sich.

„Was brauche ich noch?“ überlegt er weiter. Eiweiße. Hier sagt die Formel aus, dass er 1,2 bis 1,5 Gramm pro Kilo Körpergewicht benötigt. Also schnell wieder den Rechner an geschmissen und drauf los gerechnet. Also liegt das Soll zwischen 99,24 und 124,05 Gramm. Aber wie bekommt man so was hin? Der Satz, den er hierzu lesen konnte, verschlägt ihm den Atem: „Eine laktovegetabile Ernährung, bei der auch Milchprodukte und Eier verzehrt werden, deckt den Eiweißbedarf ausreichend“, erklärt da ein Sportmediziner. Geck merkt, wie er langsam einen wirren Blick bekommt.

Nun kommt das Thema Fette an die Reihe. Diese sollten 20 bis 25 Prozent der Gesamtkalorien ausmachen. Nun muss er nur noch seine Soll-Kalorien ausrechnen. Also schnell den Kalorienrechner im Internet gesucht und schon geht es los. Exakt 3.394 Kcal darf er zu sich nehmen, das entspricht über einen rückwärts ausgesprungenen Dreisatz exakt 109 Gramm Fett. „Na, dass ist ja einfach“, denkt er sich.

Und schon überprüft er den heutigen Tag. War ein bisschen hektisch. Ja, klar – einen Kaffee im Stehen getrunken, weil er spät dran war und zum Flieger musste. Dann in die Sitzung. Mittagspause – weiter diskutiert und dabei einen weiteren Kaffee und ein Wasser getrunken. Sitzungsende und ins Taxi zum Flughafen. An Bord ein Wasser getrunken und nichts gegessen, weil zu müde. Dann auf dem Rückweg an der Pommes-Tanke vorbei und Currywurst einpacken lassen.

Ergo – nichts gegessen. Dabei hat eine Currywurst nur 273 kcal und 3 Gramm Kohlenhydrate sowie 12,2 Gramm Eiweiß und 25 Gramm Fett. „Nein, Nein“ schreit er und sprintet zur hauseigenen Wiederaufbereitungsanlage. „Meine schöne Sportlernahrung“, waren seine letzten Gedanken, ehe er weinend vor der leeren Tonne zusammen sackt.

Was lehrt ihn das? Es ist alles eine Frage der Perspektive.

 

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