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Kompression

29.01.11
Quelle: Running Geck

Wieder einmal ist Geck auf der Suche nach den Dingen beim Laufequipment, die ihn vermeintlich substanziell nach vorne bringen sollen. In diesem Zusammenhang hat ihm Timo, sein Dealer des Vertrauens, zu Kompressionsbekleidung geraten. So beseelt macht er sich auf die Suche nach Informationen, um zu prüfen, ob dies für ihn eine mögliche Option ist.

Er findet es erstaunlich, auf was die Läuferwelt so kommt. Immer wieder gibt es alte Dinge, die neu verpackt werden und schon fangen selbst die begnadetsten Läuferinnen und Läufer an, zu sabbern und mit den Augen zu rollen, denn sie wähnen sich an der Schwelle zu neuen geschichtsträchtigen Leistungen.

Er kann sich an einen Freund und Laufpartner Harald erinnern, der in Folge einer Meniskusoperation das Krankenhausbett hüten muss. Als Geck ihn nach der Operation besucht, ist es gerade Zeit für die tägliche Spritzenkur.

Rückblickend fragt er sich, ob die dort verwendeten Substanzen auf der Doping-Liste stehen. Aber das ist eine andere Geschichte. Sie sprechen über die OP und Harald zeigt ihm dabei seine neuen Dessous - wenn man dieses Ding so nennen kann. Über dem nicht operierten Bein hat ihm die Schwester, vermutlich aus Gründen der Sittsamkeit, einen Strumpf gezogen, der das Bein scheinbar ein- und abschnürt. Obwohl nur einfarbig, verbreitet dieser Strumpf wahrscheinlich eine nicht zu unterschätzende Sinnlichkeit und Haralds Partnerin des Vertrauens wird es schwerfallen, sich diesen erotischen Wäscheteilen zu entziehen.

Ehrlich – Geck ist froh, dass er solch einen Erotikbolzen nicht tragen muss. Aber da er neugierig ist, hinterfragt er den Sinn dieses Wäscheteils. Harald erläutert, dass dieser Strumpf dazu dient, einen Blutstau und damit eine Thrombose zu verhindern. Das klingt plausibel. Aber – die muss Harald deshalb tragen, weil er nicht laufen kann! Und heute wollen ihm die Weisen aus dem Morgenland erklären, dass man die Dinger tagen soll, damit man besser läuft! Da stimmt doch was nicht. Wenn das das Kriterium ist, dann muss er fast annehmen, dass die ganzen Spitzenathleten sich heute in den Orthopädie-Abteilungen der Krankenhäuser befinden, denn dort ist dieser Strumpftease Standard.

 
© marathon4you.de

Aber diese Strümpfe sind erst der Anfang, denn wenn die laufsüchtige Fangemeinde einmal auf diesem Wahnsinns-Trip ist, dann muss diese Konsumwut ausgenutzt werden. Also haben sich findige Ingenieure daran gemacht, zusätzlich Futter für die hungernde Fangemeinde zu schaffen.

Das Nächste ist das Kompressionshirt. Der Oberkörper wird so schön eingeschnürt, dass eine Presswurst sich in ihrer Hülle vermutlich wie in einem luftleeren Raum fühlt. Das Schöne ist, man kann diese Läufer zwar äußerlich nicht erkennen, aber beim Laufen sind sie zweifelsfrei zu identifizieren. Sie hecheln einen besonderen Takt und wirken erstaunlich kurzatmig, trotz eines in Idealmaße gepressten Oberkörpers. Auf der anderen Seite sparen die auch Geld, denn es ist schwer vorstellbar, dass sich die Brustwarzen in diesen Dingern wund scheuern. Und schlank, zumindest dem ersten Anschein nach, machen sie auch noch.

Aber wie groß mag bei so mancher Dame die Enttäuschung sein, wenn sie IHN ohne dieses Stützkorsett sieht? Aber diese modernen Folterinstrumente zeigen auch, dass die Gleichberechtigung des Mannes immer weiter fortgeschritten ist Mitte des vorherigen Jahrhunderts durften nur Frauen so etwas tragen, heute nennt man es Funktionskleidung.

Die Krönung sind aber die Kompressionshosen, egal ob lang oder kurz. Mit einem Schuhanzieher quetschen sich die Läufer hinein und anschließend bewundert ER seinen muskulösen Oberschenkel und SIE seinen knackigen Po. Alles Täuschung! Dennoch soll es Damen geben, die darauf hereinfallen. Um sicherzugehen, würde Geck der Damenwelt empfehlen, zunächst zu fühlen, ob die Form echt ist oder nur durch künstliche Hilfe zustande kommt.

Und einen Nebeneffekt sollte sowohl die Läufer als die zugehörigen weiblichen Wesen beachten. Wenn ER solche Hosen trägt, sollten beide mit der Familienplanung abgeschlossen haben. Zum einen, weil es vermutlich einige Stunden dauern dürfte, bis er sich dieser Teile entledigt hat und damit jeder Anflug von Spontan-Sex so im Keim erstickt wird. Daneben werden nicht nur die Oberschenkel und Po der Kompression unterzogen, sondern auch die Teile, die gemeinhin für die Fortpflanzung unverzichtbar sind. Und ob Karl, Klaus oder Franz, wie immer man ihn nennen möchte –ob dieser nach dem Tragen einer solchen Hose zu weiteren Leistungen fähig sind, erscheint zumindest fraglich. Und die Auswirkung auf die innenliegenden Schwimmtierchen ist sicherlich auch noch nicht erforscht.

Daher entscheidet sich Geck bis auf Weiteres, auf derartige Hilfsmittel zu verzichten.

 

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