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Die Macht der Hände

01.05.10
Quelle: Running Geck

Langsam und bedächtig betritt er den Raum und sieht sich um. Es ist gar nicht so lange her, seit er das letzte Mal hier war. Wieder fällt ihm die spartanische Einrichtung auf.

Die breite Liege in der Mitte des Raumes dominiert dieses Zimmer. Ansonsten gibt es nur einen einfachen Holzstuhl. Aufgrund seiner Einfachheit lädt dieser nicht gerade zum Verweilen ein.

Er bewegt sich zu dem Stuhl und streift langsam seine Schuhe ab. Erst rechts, dann links. Ein fast automatischer Prozess. Dann rollt er seine Strümpfe herunter mit seiner eigenen aber durchaus angemessenen Lässigkeit. Während er langsam seine Krawatte ablegt und sein Hemd öffnet, kommt sie herein. Sie sieht ihn nur kurz an, wendet sich erneut zur Tür mit den Worten „Ich komme sofort“. 

Er erwidert nichts, sondern fährt in seinen Handlungen fort. Nur wenige Augenblicke später hat er Hemd und Hose abgelegt und macht es sich auf der Liege bequem.

Da es noch früh am Morgen ist, schließt er die Augen und lässt den kommenden Tag vor seinem geistigen Auge ablaufen.

Da betritt sie wieder den Raum und mustert ihn kurz.

„Wie geht es heute? So wie immer?“

Die unausweichlichen Fragen. Und so antwortet er wie immer.

„Gut. Ja – wie immer“.

Langsam geht sie an ihm vorbei und greift sich eine Flasche mit Gel. Sie reibt sich ihre Hände ein und nähert sich der Liege.

Dann beginnt sie. Bedächtig streicht sie über seinen Oberschenkel. Die Finger locker, aber doch bestimmend und fest, streicht sie vom Knie den Schenkel nach oben, verharrt und legt die gleiche Wegstrecke in umgekehrter Richtung zurück.
Wohlig legt er sich zurück und lässt sie gewähren. Dann stellt er die Beine leicht auf, damit ihre Finger seine Waden erfühlen können.

Dann wendet sie sich dem anderen Bein zu, wobei sie an seinem Fuß beginnt. Er seufzt leicht. Nicht, dass er ein Fußfetischist wäre, aber seine malträtierte Achillessehne lechzt nach starken Fingern. Auch an diesem Bein arbeitet sie sich langsam nach oben, während sie ihre Hände zwischendurch immer mit neuem Gel versorgt.

Nach fast einer halben Stunde ist er glücklich und zufrieden. Er nimmt das Handtuch und wischt sich die Reste des Gel`s aus seinen haarigen Beinen. Nicht auszudenken wie es gewesen wäre, wenn sie darauf verzichtet hätte.

Er zieht sich an und verlässt den Raum.

Draußen wartet sie schon auf ihn. Er zahlt und spricht mit ihr einen neuen Termin ab.

Ja – seine Physiotherapeutin ist schon eine Klasse für sich. Wenn jemand viel läuft, sollte man auch ein Stück weit auf seine wichtigsten Arbeitsgeräte achten. Manche bevorzugen Mädchenturning oder wie es auf Neu-Hochdeutsch heißt: Stretching oder ähnliches. Er geht regelmäßig zur Massage.

Dies ist eine einfache und effiziente Möglichkeit, sich vor Verletzungen zu schützen. In kurzer Zeit werden alle strubbeligen Muskeln wieder in die richtige Richtung gebracht und sind für neue Läufe bestens präpariert.

Da sie nicht nur Masseurin, sondern Physiotherapeutin ist, gibt es immer dann, wenn es notwendig ist, noch ein paar Übungen zur weiteren Mobilisierung.

Er will es nicht mehr missen und freut sich schon auf den nächsten Termin in rund vier Wochen.

 

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