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Catsuit

30.01.11
Quelle:

Die Schneemassen türmten sich rechts und links der Strecke. Trotz der widrigen Verhältnisse hatte sich Geck entschlossen, ein Rennen zu laufen. Es war nur ein kurzer Lauf und er war sich sicher, dass die Wärme bald in seinen Körper kommen würde.

Er sah sich an und musste gestehen, dass er schon ein wenig stolz auf sein Aussehen war. Sein Körper war schwarz, als hätte er seinen schwarzen Catsuit an und sein weißes Gesicht bildete dazu einen interessanten Kontrast. Das war sicher einer der Gründe, warum man ihn den weißen Kenianer nannte. Sein Profil zeigte eine schlanke Figur, man hätte beinahe hager dazu sagen können. Ganz so, wie man sich eine drahtige, bösartige Kampfmaschine vorstellte. Und genauso fühlte er sich. Er war ein echter Hero.

Er achtete gar nicht so sehr auf seine Mitläufer, denn er war angespannt und wollte, dass es endlich losging. Nervös trippelte er auf der Stelle, den Blick immer in Richtung der Startuhr. Nur noch wenige Augenblicke, bis der Starter das Feld auf die Reise schickte. Er ging in Position und spannte seine Muskeln an, die sich nunmehr deutlich abzeichneten. Endlich fiel der Startschuss und er sprintete los. Elegant und leicht war sein Schritt und nur wenige konnten mit ihm Schritt halten. Die, die er aus den Augenwinkeln beobachten konnte, trugen alle Wintertights. Was waren das für Weichmänner? Ein echter Racer brauchte so etwas nicht. Sein Tempo war beinahe atemberaubend, sodass selbst Usain Bolt im Kampf gegen ihn die Schweißperlen auf der Stirn gehabt hätte.

So schnell er auch war, so gelang es ihm nicht, sich entscheidend vom Feld abzusetzen und nach kurzer Zeit setzte sich so ein Eskimo neben ihm. Vor ihnen lag eine scharfe Rechtskurve und er versuchte, die Ideallinie zu treffen. Sein Gegner ließ ihm scheinbar kampflos die Innenbahn, was ihn irritierte. Gerade als der Scheitelpunkt der Kurve erreicht war, merkte er, wie die Kurve immer enger wurde und sein Gegner nun verstärkt nach innen drängte. Einen kurzen Moment der Unachtsamkeit. Er stolperte und knallte in die Streckenbegrenzung. Das Feld jagte an ihm vorbei. Er rappelte sich auf und versuchte hinterher zu laufen. Aber statt aufzuschließen, lief er geradewegs auf die andere Seite, und ehe er sich versah, lag er in einem der aufgehäuften Schneehaufen. Die Zeit lief und er wusste, nun ging es sprichwörtlich um die Wurst.

Wieder rappelte er sich auf, befreite sich von dem Schnee und hetzte dem Feld hinterher. Es dauerte nicht lange und er sah das Ende des Feldes vor sich. Nun pflügte er wie ein Sushi Messer durch das Feld und seine Gegner spritzen regelrecht zur Seite, als er kam. Er versuchte, möglichst elegant zwischen ihnen durchzulaufen, aber er merkte, dass er viele anrempelte, und sah seine Gegner rechts und links in den Schnee stürzen. Nun war nur noch der Eskimo übrig und seine Beine drehten sich propellerartig um die Hüften. Fast hatte er den Kälteverweigerer erreicht, als ihn eine Stimme aus seinem Rhythmus riss.

„Eddie! Schatz!“

„Ja. Was ist los? Merkst du nicht, dass ich gerade dabei bin, ein Rennen zu gewinnen?“

„Schatz, ich will dich ja nicht stören, aber das Essen ist fertig. Ich finde deine neue App mit dem Läufer ja auch prima und mit deinem reinkopierten Gesicht sieht das auch wirklich gut aus, aber du kannst ja auch nach dem Essen noch eine Runde spielen.“

Schmollend legte er sein iPad aus der Hand. Er war gerade im Level 2 angekommen und er wusste, er würde noch einige Zeit bis zur Perfektion brauchen.

 

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