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Wie lange ist dein Atem?

30.01.14
Quelle: Norman Bücher

Was ich in meiner Laufkarriere gelernt habe, ist, dass es keinen schnellen Erfolg gibt. Auf dem Weg zum Ziel kommen Rückschläge, Hindernisse und Hürden einfach vor.

Ich habe beispielsweise im Jahr 2002 und 2003 dreimal den Versuch unternommen, den Marathon unter drei Stunden zu laufen. Dreimal bin ich gescheitert. Diese Erlebnisse haben mich damals richtig frustriert. Doch ich gab nicht auf und setzte mir neue Ziele. „Mehr als Marathon“, lautete dann meine Devise. Wie wichtig es ist, den berühmten langen Atem zu besitzen, lernte ich schon damals.

Ausdauer und Durchhaltevermögen sind für mich zwei wesentliche Eigenschaften, wenn es um Erfolg geht, ob im Sport oder auch im Berufsleben. Als ich mir vor kurzem wieder einmal das Höhenprofil des Ultra-Trail Mont Blanc angesehen habe (ich habe diesen Lauf von 2007 bis 2009 dreimal in Folge gefinisht), da stellte ich fest, dass dieses Profil doch auch unser Leben symbolisiert.

Ja, ihr habt richtig gelesen. Das Profil dieses extremen Berglaufs über 168 Kilometer, 9.600 Höhenmeter und zehn alpine Bergpässe spiegelt unser Leben wider. Denn unser Leben verläuft nicht auf einer ebenen, geraden Strecke wie bei einem Citymarathon. In unserem Leben geht es doch auch immer wieder auf und ab und es wechseln sich Hochs und Tiefs ab.

 
Norman Bücher beim UTMB auf den letzten Metern
© marathon4you.de

Zunächst gilt es, überhaupt einmal zu starten, anzufangen und die ersten Schritte zurückzulegen. Zu Beginn hat man häufig noch die Begeisterung und die Leidenschaft in sich. Alles scheint einfach zu sein und wie von selbst zu laufen. Doch auf dem weiteren Weg treten dann die ersten schwierigen Situationen auf. Hürden und Hindernisse kommen, die einen auf die Probe stellen. Solche Hindernisse sind beim Lauf um den Mont Blanc beispielsweise einer der ersten knackigen Anstiege zum Col du Bonhomme. Im Alltagsleben können solche Hindernisse schwierige Telefonate, wichtige Präsentationen, entscheidende Spiele oder schwerwiegende Verletzungen und Krankheiten sein.

An diesem Punkt entscheidet es sich: Geht man weiter oder gibt man auf? Sieht man das Hindernis als unüberwindbar an, oder betrachtet man es als Herausforderung? Jetzt kommt es im Wesentlichen nur auf das Durchhaltevermögen an. Viele Menschen geben leider schon beim ersten Berg, bei der ersten Hürde, beim ersten Hindernis auf. Oder sie überwinden die ersten Schwierigkeiten und geben dann mittendrin auf. Oder sie bezwingen fast alle Hindernisse und hören dann kurz vor dem Ziel, beim allerletzten Hindernis, auf. Obwohl es nur noch ein paar Meter zum Ziel, ein wenig mehr Anstrengung, gewesen wäre, um an den großen Erfolg zu kommen.

Und bei einem Ultratrail wie dem UTMB treten zwangsläufig schwierige Situationen auf. Wenn man über dreißig oder gar vierzig Stunden am Stück unterwegs ist, durch zwei Nächte im Hochgebirge läuft, da wird man irgendwann müde. Da fallen einem während des Laufens die Augen zu. Die Frage in solchen Momenten lautet dann: Wie kann ich diese brenzlige Situation meistern? Verfüge ich über den notwendigen Biss, die Willenskraft und das Durchhaltevermögen? Habe ich die Ausdauer, die Krise zu überstehen? Will ich diese Krise überstehen? Wie lange ist mein Atem?

Die Kunst ist es, in einer schwierigen Situation trotzdem weiter zu machen. Ob bei einem langen Trailrun oder im normalen Leben. Doch wie schaffe ich das? Wie schaffe ich es, nach zehn erfolglosen Telefonaten wieder zum Hörer zu greifen und weiter zu machen? Wie schaffe ich es, nach drei erfolglosen Ultratrails mich fürs Weitermachen zu motivieren? Indem man sich einfach bewusst macht, dass man Zeit braucht. Ausdauer und Durchhaltevermögen hat sehr viel mit Zeit zu tun. Ich kann nicht heute mit dem Laufen beginnen und dann übermorgen beim Ultra-Trail Mont Blanc starten. Das geht nicht. Man muss sich einfach von Anfang an bewusst machen, dass es ein langer Weg zum Erfolg ist. Ein langer Weg, der einfach Zeit braucht. Zuerst muss immer die Anstrengung erfolgen und erst danach, mit zeitlicher Verzögerung, erhält man die Belohnung. Und über diese zeitliche Verzögerung muss man sich von Beginn an im Klaren sein. Ich muss zunächst unzählige Stunden in mein Training investieren, um überhaupt um den Mont Blanc laufen zu können und dann auch ins Ziel zu kommen. Klingt eigentlich logisch, oder? Den umgekehrten Weg zu gehen, macht schlichtweg keinen Sinn.

Fehlende Ausdauer und mangelnde Beharrlichkeit sind einer der Hauptgründe, warum viele Menschen scheitern. Sie geben einfach zu früh auf. Wilhelm Busch hatte dazu ein sehr passendes Zitat: „Ausdauer wird früher oder später belohnt. Meist später.“

 
 

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