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Die Macht der Rituale

22.10.13
Quelle: Norman Bücher

Kennt ihr folgende Situation? Draußen hat es frische fünf Grad Celsius, dichter Nebel umgibt die mit bunten Blättern bedeckten grauen Gehwege, Regen peitscht gegen die Fensterscheibe Eures Büros und ein stürmischer Wind pfeift. Es ist einfach ein trüber, kalter und regnerischer Herbsttag.

Wie gut, dass ihr im beheizten und warmen Büro sitzt und von dem kalten Wetter draußen nichts mitbekommt. Ihr habt Euch jedoch heute fest vorgenommen: „Heute Abend nach Feierabend mache ich 75 Minuten Bergtraining." Doch Euer Arbeitstag verläuft, wie gewohnt, stressig und ihr hetzt von einem Meeting in das nächste. Ein Telefonat jagt das andere. Zwischendurch kommt Euch immer wieder der Gedanke an Euer abendliches Training in den Sinn. Und je näher der Feierabend rückt, umso unwohler fühlt ihr Euch. „Eigentlich habe ich gar keine Lust bei diesem Wetter laufen zu gehen. Und überhaupt: Nach solch einem anstrengenden Arbeitstag habe ich es mir verdient, auch einmal einen gemütlichen Abend zu machen", denkt ihr Euch.

 
© marathon4you.de

Was können wir in solch einer Situation tun, um unser geplantes Training durchzuführen?

Ich habe es mir beispielsweise angewöhnt, mir keinerlei Ausnahmen zu genehmigen. Wenn ich morgen Abend keine Lust habe, mein geplantes Trainingspensum zu absolvieren, dann fange ich wenigstens einmal an und laufe ganz kurz. Wenn es sein muss, nur ein einziges Mal um den Häuserblock. So tun als ob. Zum einen wird dadurch mein Gewissen beruhigt nach dem Motto „Ich hab ja etwas getan“. Doch vor allem wird, auch durch diesen zugegebenermaßen unterschwelligen Reiz, die Gewohnheit aufrechterhalten.

Und damit sind wir bei einem wesentlichen Erfolgsfaktor: Gewohnheiten und Rituale. Ihr könnt Euch eine Gewohnheit wie einen unsichtbaren Faden vorstellen. Mit jedem Training, mit jeder Überwindung des inneren Schweinehundes, stärken wir den Strang und fügen ihm ein weiteres Fädchen hinzu. Das Ganze wird mit der Zeit immer robuster und die Gewohnheit damit gefestigt. Die Zauberworte zum Verlassen der Komfortzone heißen: Gewohnheiten und Rituale entwickeln. 

Wie funktioniert das? Ein Ritual entsteht, wenn wir eine Aktivität mindestens 21 Tage lang in Folge durchführen – ohne Ausnahmen. Dieser Zeitraum ist laut wissenschaftlicher Untersuchungen notwendig, um aus einer Tätigkeit eine feste Gewohnheit zu machen.

Durch diese 21 Tage habe ich es auch geschafft, eine für mich ungeliebte Aktivität zu einem Ritual zu machen: das Krafttraining. Als Läufer spielt nicht nur die Ausdauer eine wichtige Rolle, sondern auch der Faktor Kraft ist ganz entscheidend. Ohne Kraft, ohne eine qualitativ gute Muskulatur, ist es nicht möglich, über viele Stunden in anspruchsvollem Gelände zu laufen.

Doch das Muskeltraining an sich bereitet mir keine Freude. Ich kann stundenlang durch die Natur laufen. Aber in einem Raum Gewichte stemmen und Kräftigungsübungen durchzuführen, fällt mir unheimlich schwer. Krafttraining bedeutet für mich wirklich jedes Mal, meine Komfortzone zu verlassen. Könnt Ihr das nachvollziehen?

Aber ich habe es geschafft, diese ungeliebte Tätigkeit zu einem Ritual zu machen. Gleich nach dem Aufstehen führe ich ein kurzes Muskeltraining durch, nur 15 Minuten. Immer zur selben Uhrzeit. Das fand ich zu Beginn ungemein schwer, und ich musste mich schon mehrmals richtig überwinden, dass ich die Übungen dann auch wirklich durchzog. Doch nach ein paar Tagen ging es immer leichter, irgendwann wurde daraus eine Selbstverständlichkeit.

Nach ein paar Wochen merkte ich nicht nur, dass ich mich nach meinem Krafttraining sehr vital fühlte, sondern ich erkannte auch, dass mir morgens etwas fehlen würde, ließe ich es ausfallen. Genau dDas ist eben der positive Effekt eines Rituals: Hat man es erst einmal entwickelt, wird es zur Selbstverständlichkeit und man muss nicht mehr daran denken. Man muss sich nicht mehr für oder gegen eine bestimmte Sache entscheiden und sich dazu überwinden. Unser Gehirn hat die Entscheidung bereits abgenommen und dieser zugestimmt. Man denkt also nicht mehr darüber nach, sondern macht dies automatisch.

Weitere Informationen zu Norman Bücher, zu seinen Vorträgen, Seminaren und Büchern findest Du unter

www.norman-buecher.de und

www.extremsport-redner.de/

 
 

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