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Für und Wider

18.07.08
Quelle: Klaus Duwe

Der Jungfrau-Marathon war 2003 mein erster Bergmarathon. Die Startberechtigung habe ich bei einer Verlosung gewonnen, der Lauf war wie immer längst ausgebucht. Zur Teilnahme an der Verlosung musste man mich überreden, ich traute mir einen Lauf über 42 km und 2000 Höhenmetern nicht zu, obwohl ich als Marschierer Karwendel-, Kaiser- und Steinbockmarsch mit ähnlichen und auch längere Distanzen im Gebirge mehrfach absolviert hatte. Hier kamen jetzt aber Zeitlimite dazu, und das war mir zuviel.

 
Klaus Duwe
© marathon4you.de

Wie gesagt, ich wurde ausgelost, habe meine Startgebühr bezahlt und stand irgendwann auf der Starterliste. Mein Respekt vor dem Lauf ging so weit, dass ich im Sommer zweimal nach Lauterbrunnen fuhr, um die Streckenabschnitte ab dort abzulaufen. 

An einem Sonntag lief ich von Lauterbrunnen bis zum Wixi und zurück, an einem anderen von Wengen zum Wixi und über die Moräne zur Kleinen Scheidegg. Das Startgeld hielt ich daraufhin für rausgeschmissenes Geld, denn schaffen würde ich das in der geforderten Zeit nie.

Egal wo und wem ich die Geschichte erzähle, ich ernte mitleidiges Schmunzeln und ungläubige Blicke.  Ok, ich hab es geschafft – aber darum geht es hier nicht. Es geht darum, dass ein Berglauf oder –marathon nicht mit einem Landschaftslauf in unseren Mittelgebirgen vergleichbar ist, schon gar nicht mit einem Citylauf. Klar sollte dann auch sein, dass ein solcher Lauf eine besondere Vorbereitung braucht. So weit wie ich muss man es dabei ja nicht gleich treiben.

 
Die Eigermoräne beim Jungfrau-Marathon
© marathon4you.de

Inzwischen habe ich etliche andere Bergmarathons hinter mir, aber den Zugspitz-Extremberglauf habe ich nicht gemacht. Und das hat zwei Gründe:

Erstens, ich habe noch nie einen Wettbewerb unter der Marathondistanz bestritten. Ok, so hört sich ein Großmaul an.

Aber ich habe auch noch nie an einem Lauf teilgenommen, der mit Seilen gesicherte Steige enthält. Und das halte ich nun wieder für sehr vernünftig.
 
Ich habe irgendwo meine Grenze gezogen. Und die ist dort überschritten, wo man zum Vorwärtskommen die Hände braucht - wie beim Zugspitzlauf ab dem SonnAlpin. Außerdem kenne ich die Strecke bis zur Knorrhütte. Ich bin auf einer Bergtour (mit Anorak, Rucksack und guten Schuhen)  dort einmal bei schlechtem Wetter umgekehrt.

Aus dieser Zeit weiß ich auch, dass zwei Dinge nicht zusammen passen: Läufer in leichtem Dress und „schnellen“ Schuhen und das Hochgebirge bei schlechtem Wetter. Das kann sehr oft gut gehen, aber nicht immer. Die Industrie entwickelt immer bessere Materialien, eine Windstopperjacke ist ein leichtes Nichts, auch Trailschuhe mit profilierter Sohle und wasserdichtem Obermaterial  werden immer leichter. Vielleicht kosten sie trotzdem ein paar  Minuten – aber nicht das Leben.

Als langsamerer Läufer sollte man auch immer eine Trinkflasche dabei haben. Ein paar Riegel und ein Gel sind auch nicht verkehrt. Es gibt Veranstaltungen, da sind das Mitführen von Verpflegung und Ersatzklamotten Vorschrift. Für eine seriöse Vorbereitung und angepasste Ausrüstung ist jeder Teilnehmer an einem Berglauf selbst verantwortlich – auch dafür, wie weit er geht.

Wenn nun aber ein Veranstalter eines Berglaufes glaubt, er könne sich aus der Verantwortung stehlen, indem er entsprechende Hinweise in der Ausschreibung gibt und den aktuellen Wetterbericht ans Schwarze Brett heftet, irrt er. Ich muss als Teilnehmer davon ausgehen, dass der Veranstalter über fundierte Ortskenntnis und Bergerfahrung verfügt, diese einbringt und danach handelt. Ich muss auch davon ausgehen, dass er seine Klientel kennt und weiß, wie ein Läufer tickt.

Man darf getrost davon ausgehen, dass der Veranstalter des Zugspitz-Extremberglaufes diese Kompetenz hat. Denn zielgenau ist das Produkt auf die Zielgruppe zugeschnitten und in der Ansprache wird auch genau der richtige Ton getroffen. Mit dem Titel „Extremberglauf“ sollen nämlich keineswegs Läufer von der Teilnahme abgehalten,  sondern im Gegenteil zum Mitmachen animiert werden. Höher, weiter, härter, das kommt gut an. Nur mit einem großen Teilnehmerfeld aktiviert man Sponsoren und nur beides zusammen verspricht Profit.

Wer sich so gut in der Läuferpsyche auskennt, muss auch wissen, dass sich dieser in der Masse in Sicherheit wiegt, wo die Gefahr längst unübersehbar ist, dass er im Wettkampf gerne mehr riskiert und auch schon mal über seine Grenzen hinaus geht und die Vernunft außen vor läßt.  Zur falschen Zeit kann das katastrophale Folgen haben.

 
Der Panoramatrail beim K 78 (swissalpine)
© marathon4you.de

Es war letztes Jahr beim swissalpine. Ich habe gerade die Keschhütte passiert und bin auf dem Panoramatrail. Plötzlich ein Gewitter mit Hagel. Ich weiß, mein Freund Eberhard  ist ein gutes Stück hinter mir. Was denke ich? Nicht: „Hoffentlich hat er die schützende Hütte erreicht“. Ich denke: „Hoffentlich haben sie ihn nicht zurückgehalten.“ Das meine ich. Manchmal muss da jemand sein, der uns vor uns selber schützt. Deshalb muss der Veranstalter in bestimmten Situationen eingreifen, den Lauf absagen oder abbrechen. Rechtzeitig.

Dies wurde beim Zugspitz-Extremberglauf  versäumt. Die Staatsanwaltschaft hat am Freitag  Ermittlungen eingeleitet.

 
 

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