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Frauen-Marathon: Anspruch, Anforderung und Leistungsunterschiede

20.03.15
Quelle: Maria Dengler

Dass Frauen und Männer unterschiedliche Leistungen im Sport erbringen, ist keine weltbewegende Neuigkeit. Vor allem im Leistungssport sind die Unterschiede klar und deutlich erkennen: Die Engländerin Paula Radcliffe hält beispielsweise immer noch den aktuellen Weltrekord im Marathonlauf mit 2:15:25, während der männliche Weltrekord von Kenianer Dennis Kimetto bei 2:02:57 liegt.

 
Paula Radcliffe
© marathon4you.de

Besonders im Hochleistungssport bedeuten Sekunden ganze Welten an Leistungsunterschieden. Es gibt einige Theorien in der Sportwissenschaft, dass die Leistungssteigerung der Frauen in den nächsten Jahrzehnten weiter zunehmen wird, doch Belege dafür, dass Frauen an die Spitzenzeiten der Männer heranreichen können, stehen noch aus, vor allem da sie eine andere Physiologie besitzen.

 
Dennis Kimetto
© marathon4you.de

Diese Unterschiede zwischen Männern und Frauen begründen sich unter anderem in der maximalen Sauerstoffaufnahme, denn pro Herzschlag können Männer ein größeres Blutvolumen pumpen und so mehr Sauerstoff in den Kreislauf befördern. Dazu kommt, dass Frauen einen geringeren Anteil an Muskeln, dafür aber einen höheren Fettanteil besitzen. Herz und Lunge sind ebenfalls in der Regel kleiner ausgeprägt als bei Männern und deshalb ist die Pulsfrequenz bei den meisten Frauen höher. Professor Dr. Kuno Hottenrott brachte dazu vor einigen Jahren eine neue Frequenzberechnung für Männer und Frauen heraus.


Ruhe-Herzfrequenz bei Sportlern

 

 
© Quelle: Dr. Loges

Quelle: www.loges.de

 

Bei der neuen Berechnung der Trainings-Herzfrequenz berechnet Hottenrott mehrere Faktoren wie Lebensalter, Geschlecht, Sportart, Leistungsstand und Ziel des Trainings ein, so dass besonders bei der Berechnung der Trainingsbelastung die Unterschiede zwischen Männern und Frauen deutlich zu erkennen sind. So lässt sich das Training individueller anpassen.

THF (Trainingsherzfrequenz) = HF max (maximale Herzfrequenz) x 0,7 x LF (Leistungsfaktor) x TZ (Trainingszielfaktor) x GF (Geschlechtsfaktor) x SP (Sportartenfaktor)

Dies hilft dabei, den optimalen Puls für das Training zu finden und die angepasste Berechnung bezieht die körperlichen Leistungsunterschiede zwischen Frauen und Männern ein. Bei intensivem Ausdauertraining gibt es beispielsweise für Frauen den Wert 174 und für Männer 169. Eine Chance sehen Experten darin, dass Anfänger von Beginn an das Training über die Herzfrequenz steuern können und generische Pulsuhren oftmals bisher zu hohe Werte herausgaben, da der Geschlechterunterschied nicht mit einberechnet war.

 

Veränderter Anspruch an die Ausrüstung


Durch die Körperunterschiede sind nicht nur Training und Leistung verschieden, besonders bei der Ausrüstung, den Schuhen und der Sportbekleidung hat der Markt das Potential entdeckt, auf Frauen zugeschnittene Produkte herauszubringen. Da Frauen als attraktive Zielgruppe gelten, ist die Auswahl an Sportausrüstung mittlerweile weit angestiegen und stark personalisiert. Viele Hobbyläufer verlassen sich beim Schuhkauf auf gut gedämpfte Schuhe, doch Experten sehen die Entwicklung kritisch, denn das Knie benötigt die Belastung, um dadurch ernährt zu werden und die Folge der stark gedämpften Schuhe können Achillessehnenentzündungen sein. Mittlerweile haben sich die Schuhe jedoch wieder stärker an der natürlichen Bewegung und Form orientiert, was dieser Artikel erläutert.

Frauenfüße sind jedoch keine kleineren Männerfüße, sie besitzen ganz eigene Proportionen und andere Belastungszonen. Durch das geringere Körpergewicht, einen größeren Winkel der Beine durch breitere Hüften und höhere Flexibilität besitzt der Frauenschuh zum Beispiel mehr Beweglichkeit und eine weichere Dämpfung.

 
© Quelle: happy-size

Fussweite in cm

Quelle: www.happy-size.de/groessentabelle-schuhe/

Dazu kommt, dass viele Frauen mit dem Fuß weiter außen aufkommen und eine besondere Außensohle vorliegt. Bei der Größe ist zu beachten, dass Frauen meist schlankere und flachere Füße besitzen und deshalb die Passform genau kontrollieren sollten. Viele Schuhfirmen haben dabei mittlerweile schlanke und kräftige Weiten der Füße berechnet und entsprechende Größenhinweise angegeben (Fußweite in cm):

Dazu kommt, dass Frauen bei der Auswahl des Sport-BHs auf Größe, Passform und Material achten müssen, denn besonders das Laufen bedeutet eine hohe Belastung für den Brustbereich. Bis zu acht Zentimeter bewegt sich der Busen im Schnitt auf und ab und ein guter Sport-BH verringert diese Eigenbewegung um 75 Prozent. Ein Tipp für die richtige Auswahl ist es, beim Probetragen auf den Zehenspitzen auf und ab zu wippen, um ein mögliches Schaukeln der Brüste zu erkennen.

 

Die Leistungssteigerung der Frauen


Der letzte eingetragene Weltrekord der Frauen im Marathon liegt bereits über 10 Jahre zurück (2003 durch Paula Radcliffe). Offiziell wurde der Marathon bei Olympia für Frauen erst 1984 zugelassen, doch einige Frauen haben bereits früher inoffiziell an Marathon-Läufen teilgenommen. Es gibt eine Steigerung der Teilnehmerinnen an Marathons weltweit. In Deutschland liegt der Frauenanteil beim Halbmarathon mittlerweile bei 29 Prozent und beim Marathon bei knapp 20 Prozent. Insgesamt beträgt der Leistungsunterschied rund zehn Prozent, den die Frauen nach bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnissen noch nicht aufholen können.

 
Kathrine Switzer
© marathon4you.de

Bei den reinen Frauenläufen geht es beispielsweise um die Steigerung des Selbstbewusstseins und um einen Ansporn für bessere Leistungen, da es weltweit noch nicht überall selbstverständlich ist, dass Frauen Leistungssport betreiben. Der 261 Marathon auf Mallorca ist zum Beispiel ein Zeichen für die Förderung des Frauenleistungssports, inspiriert von Katherine Switzer, die die Nummer 261 beim Boston Marathon trug, an dem sie 1967 verbotenerweise teilnahm.

Solche Aktionen finden nicht alle männlichen oder weiblichen Läufer gut, doch für einige Frauen ist es vielleicht ein erster Schritt, selbstbewusster an den Sport heranzugehen. Andere Frauen und Männer sehen jedoch gerade im gemeinsamen Marathon-Lauf den größten Anreiz, die eigene Leistung zu steigern und sich miteinander vergleichen zu können. Die Leistungsunterschiede werden nach aktuellen Kenntnissen zwar immer bestehen bleiben, doch im Endeffekt geht es um den Spaß und das Ausreizen der eigenen Grenzen. Männer und Frauen besitzen da sicherlich einen ähnlichen Ehrgeiz.

 
 

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