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Ist Marathonlaufen Extremsport? Wie langsam ist ein Trainingsmarathon?

09.05.11
Quelle: Andreas Butz

 

Im aktuellen Beitrag habe ich mich gleich zwei Fragen angenommen. Was ist läuferisch eigentlich noch normal und was extrem? Und wie verkraften manche Läufer an jedem Wochenende einen Marathon zu laufen?

 

Was extrem ist, bestimmt die Ausgangssituation des Betrachters.

 

Für einen übergewichtigen Nichtsportler ist die Vorstellung 10 Kilometer zu laufen extrem. Wer dreimal pro Woche 10 Kilometer läuft wird von seinen Kollegen in der Firma schon mal als laufsüchtig bezeichnet. Für erfahrene Hobbyläufer ist ein Halbmarathon gut denkbar, ein Marathon hingegen oft jenseits der Vorstellungskraft. Für leidenschaftliche Marathonläufer stellen sich mit Alpinmarathons mit 2000 Höhenmetern und Ultramarathons über 70 Kilometer neue Herausforderungen, ein 100 Kilometerlauf ist für viele aber die Grenze des menschlich Möglichen. 100-Kilometerläufer betrachten mit Respekt und manchmal Kopfschütteln 24-Stundenläufer, die an einem Tag und einer Nacht 200 Kilometer oder mehr erreichen. Ist das noch normal?

Manche Ultraläufer laufen sogar 6 Tage lang um die Wette und erreichen in diesen 144 Stunden Distanzen von über 800 Kilometern. Die 3000-Meilenläufer alljährlich in New York haben dann noch 4000 Kilometer vor sich. Extrem?

Der Mensch ist ein Lauftier. Wer nicht täglich im Schnitt 20 Kilometer läuft lebt gegen seine Natur. Fast alle Menschen leben wider ihre Veranlagung, sitzen stundenlang in stickigen Großraumbüros vor Computer-Bildschirmen statt an der frischen Luft laufend nach Nahrung zu suchen. Zivilisation nennen wir das und die sorgt diversen Studien zur Folge für ca. 700 Metern Bewegung und über dreieinhalb Stunden Fernsehkonsum täglich. Das nenne ich extrem.

Die Läufer des Transeuropalauf 2009 von Sizilien zum Nordcap bewältigten in 64 Tagen 4490 Kilometer. Sie liefen dafür täglich im Schnitt 70 Kilometer. Eine beeindruckende Leistung die mich zum zweiten Thema überleitet.

Es gibt keine plausible Erklärung dafür, warum ein Trainingslauf nicht länger als 35 Kilometer oder drei Stunden sein darf. Manfred Steffny empfiehlt in seinem Buch-Klassiker „Marathon“ sogar das erfolgreiche Finish eines 100-Kilometerlaufs bevor man sich an die Marathonstrecke wagt. Wer genug Lauferfahrung hat kann ganz beruhigt auch einen Marathon als Trainingslauf machen. Der Vorteil: Man ist nicht alleine, die Strecke ist ausgewiesen und spätestens alle 5 Kilometer reichen freundliche Helfer stärkende Getränke. Auf diese Weise kommt der 100-Marathon-Club in Hamburg monatlich zu neuen Mitgliedern.

 

Was macht einen Marathon zu einem Trainingsmarathon?


Allein das Tempo. Dieses sollte mindestens 45, besser 60 Sekunden langsamer sein als aktuell im besten Fall möglich. Das entspricht dem zügigen bzw. mittleren Dauerlauftempo. Wer den Marathon in 3:30 Stunden laufen kann, könnte demnach in der Vorbereitung auf das nächste Saisonhighlight, das in persönlicher Bestzeit gelaufen werden soll, einen oder mehrere Trainingsmarathons in 4:15 Stunden einplanen. Für einen 4-Stundenläufer gilt gleiches in 4:45 Stunden. Voraussetzung für solch lange Läufe ist natürlich, dass man vorher bereits viele lange Dauerläufe über 30 bis 35 Kilometer gelaufen ist.

Viel Freude beim Marathonlaufen wünscht
Andreas Butz

www.laufcampus.com

 
 

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