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Laufberichte

Nur das Original zählt

06.09.09

Zweiländer Marathon Pfronten/Tannheimer Tal - 
Neuer Landschaftslauf im Allgäu

Traumhafte Landschaft bei einem Lauf über zwei Länder, das versprach der neue Zweiländermarathon in Pfronten/Allgäu. Hierzu ein Zitat von der Veranstalter-Website:

„Die traumhafte aber anspruchsvolle Streckenführung durch die schönsten Allgäuer und Tiroler Täler macht diesen Marathon zu einer der landschaftlich schönsten Laufveranstaltungen.“

Motivation, herrliche Landschaft und Tannheimer Tal

Da ich als Kind bereits das Tannheimer Tal kennen und schätzen gelernt hatte, war für mich beim Lesen der Ankündigung des neuen Laufes auf m4y klar: hier bist Du dabei. Meine Motivation war der vorgesehene Rundkurs durch die schöne Landschaft von Pfronten durchs Vilstal, Tannheimer - und Achtal.

Ein Quartier war schnell gefunden und eine preiswerte Bahnfahrkarte auch. Alles war bereit für ein schönes verlängertes Wochenende mit einem Landschaftslauf als Höhepunkt.

Falsch gedacht!

Am 28.08.2009, 9 Tage vor dem Lauf, verschickte der Veranstalter folgende Mail an alle bis dahin angemeldeten 29 Teilnehmer des Marathons:

„Liebe Laufsportfreunde,
wir haben leider eine Änderung des Streckenverlaufs bekanntzugeben:
Aus organisatorischen Gründen ist es uns in diesem Jahr leider nicht möglich auf der vorgestellten Marathonstrecke durch das Vilstal, Tannheimertal und das Achtal zu laufen. Wir haben uns deshalb entschlossen, den 42,2 km Marathon mit 2 Runden auf der Halbmarathon-Strecke auszuschildern. Ich bitte um Euer Verständnis und freue mich auf einen erfolgreichen Wettkampftag bei uns in Pfronten."

Motivation dahin

Meine Begeisterung über diese Nachricht war begrenzt. Einen Halben zweimal kann ich überall laufen. Warum also nach Pfronten fahren? Ich wollte durchs Tannheimer Tal laufen. Ich brauchte nicht lange zu grübeln bis mir der rettende Gedanke kam:

Selbst ist der Läufer, ich laufe die ursprünglich geplante Originalstrecke eben ohne Veranstalter außerhalb jeden Wettbewerbs.

Ich habe ja durchaus Verständnis für die Beweggründe des Veranstalters zur Änderung der Strecke. 29 Voranmelder ist eine bescheidene Resonanz, aber muss eine solche gravierende Streckenänderung erst 9 Tage vor dem Lauf bekanntgegeben werden? Meine Meinung hierzu mag sich jeder denken, meine Reaktion war klar. Beschlossen und verkündet: Es zählt nur das Original und das laufe ich.

Konkurrenz im Lande

Apropos Wettbewerb: Der neue Zweiländermarathon in Pfronten stößt in kein Laufvakuum. Im Allgäu gibt es bereits einige etablierte Marathonveranstaltungen und somit reichlich Lauf-Konkurrenz im Lande, u. a.:

Königsschlösser-Romantik Marathon Füssen (26. Juli 2009)
Immenstädter Gebirgsmarathon (01.08.2009)
Allgäu Panorama Marathon (23.08.2009)
Einstein Marathon Ulm (20.09.2009)
Marathon im Dreiländereck Bodensee in Bregenz (04.10.2009)

Hinzu kommen im Zweijahresrhythmus der Alpin Marathon Oberstaufen (03.07.2010) sowie diverse weitere Bergläufe in der Region, z.B. der 2009 parallel zu Pfronten stattfindende Hochgrat-Berglauf in Oberstaufen mit über 300 Bergläufern.

Perfektes Wochenende

Ich reise am Freitag entspannt mit der Bahn an. Bei der gemütlichen Fahrt mit der Regionalbahn von Kempten bis Pfronten Ried bekomme ich schon einen Vorgeschmack auf die herrliche Landschaft des Allgäus. Meine Pension liegt günstig zum Bahnhof und Startplatz des Marathons. Ich breche sofort zu einer ersten kleinen Wanderung auf. Das Wetter hält alles bereit, was man als Wanderer braucht und auch nicht braucht: Regen und Sonnenschein. Macht nix, ich hab einen Schirm dabei. Ich genieße die Wanderung über das Himmelreich, ja, so heißt es hier wirklich. Ab der Fallmühle wandere ich auf der Original-Marathonstrecke durchs Achtal zurück nach Pfronten.

 
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Aggenstein rauf und runter

Ich entschließe mich zur Besteigung des Aggensteins. Hierzu muss ich am Samstag über 1.000 Höhenmeter aufsteigen. Die Wanderung ist ein Genuss und zeigt das Allgäu von seiner schönsten Seite. Vom Gipfel hat man einen tollen Blick in die Alpen hinein und auf das Alpenvorland. Man sieht u. a. Füssen mit Forggensee und auch das weltberühmte Märchenschloss Neuschwanstein, erbaut vom Kini (=König Ludwig für alle Nichtbayuwaren).

Eine perfekte Marathonvorbereitung sieht allerdings anders aus als meine siebenstündige Wanderung. Egal, die Vorfreude auf einen schönen Lauf am Sonntag steigt. Zumal das Wetter traumhaft ist. Die Sonne lacht vom Himmel und es hat läuferfreundliche Temperaturen. Da lass ich mir auf der Hochalphütte doch gleich ein alkoholfreies Weizen schmecken.

Festzelt wie auf der Wies’n

Zurück in Pfronten schaue ich beim Marathonzelt vorbei. Das ist groß genug fürs Münchner Oktoberfest und bietet alles was das Herz begehrt. Der Andrang ist am Samstagnachmittag jedoch noch bescheiden, aber die Pasta-Party soll ja auch erst nach 18 Uhr steigen.

Ich unterhalte mich mit den Organisatoren und kündige mein Vorhaben an, am Sonntag die Originalstrecke laufen zu wollen. Man berichtet mir, dass es von Seiten der Läufer Verständnis für die Streckenänderung gäbe und es nur zwei Ummeldungen gab. Für 2010 habe man fest vor, die Originalstrecke zu laufen.

 
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Kaiserwetter

Am Sonntag ist schon mehr los im Zelt und im Startbereich. Ich möchte den Start beobachten und dann zu meinem Privatlauf aufbrechen. Der Startschuss soll durch einen standesgemäßen Böllerschuss erfolgen. Daraus wird jedoch nur ein leises Klicken. Egal, die 31 Marathonis und 120 Halben laufen los. Es herrscht Kaiserwetter. Die Sonne strahlt, aber es ist nicht zu heiß zum Laufen. Perfekte Bedingungen. Vom Start aus geht es durch den Kurpark entlang der Vils bis zu einem Wendepunkt im Vilstal und zurück nach Pfronten. Für die Marathonis zweimal zu laufen.

 
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Ich lege meine Montur an und starte im Kurpark zu meinem Lauf. Dabei laufe ich bis zum Wendepunkt auf der Halbmarathonstrecke. Noch vor der Vilstalsäge kommen mir die ersten Läufer entgegen. Der Führende hat schon eine gewaltigen Vorsprung herausgelaufen. Nach wenigen weiteren Läufern kommt auch schon die erste Läuferin. Es ist die erst sechzehnjährige Lisa Staudt, sie wird den Halben überlegen in 1.23 Std. gewinnen! Respekt, eine Wahnsinnleistung.

Gute Organisation

Mehr und mehr Läufer kommen mir entgegen auf ihrem Rückweg nach Pfronten. Nach einer ersten leichten Steigung treffe ich auf die erste Verpflegungsstelle bei Km 5. Ich werde auch ohne Startnummer freudig zum Vespern eingeladen. Es gibt Wasser, Iso und Cola, Riegel und Obststücke. Ich plaudere ein wenig mit den freundlichen Helfern und laufe dann entspannt weiter.

 
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Die Strecke ist gut zu erkennen, Helfer weisen an den Abzweigungen den Weg und geben an Viehgattern Hilfestellung. Kilometerschilder sind Fehlanzeige. Die brauch ist heute sowieso nicht. Am Wendepunkt laufe ich weiter das Vilstal hinauf und passiere irgendwo die Staatsgrenze nach Österreich.

Die Landschaft ist herrlich, der Blick in die umgebende Bergwelt ist verlockend. Ich treffe viele Wanderer und Mountainbiker auf ihren Touren. Es ist wunderschön entlang der Vils zu laufen und die Ausblicke zu genießen. Ich bin froh, nicht den doppelten Halben zu laufen und freue mich auf die weitere Strecke.

Abwechslungsreiche Strecke

Es geht das Vilstal entlang zunächst unmerklich hinauf. Ich laufe vorbei an der Kalbelehofalpe, dann geht es im Wald erstmals länger ansteigend hinauf. Tief unter mit fließt die Vils. Wieder heraus aus dem Wald erkenne ich an der gegenüberliegenden Talseite das alte Grenzhaus und die Straße zum Oberjoch.

 
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Ich bin im Tannheimer Tal. Im Hintergrund sehe ich Gimpel und Rote Flüh, rechter Hand liegt Tannheim und der Vilsalpsee. Ich bleibe auf dem Radweg entlang der Vils. Linker Hand sehe ich den Einstein. Er ist zwar „nur“ 1866m hoch, bietet aber einen wunderschönen Ausblick. Ich war schon mal oben, daher laufe ich weiter und mache ein Foto mit der schönen St. Leonhard Kapelle im Vordergrund. Der Weg führt nun entlang der Berger Ache über Innergschwend ins Engetal. Vorbei am Campingplatz in Grän geht es zur Wasserscheide der Enge. Hier muss ich ein Stück entlang der Straße laufen. Erst unterhalb der Enge im Vilstal verläuft ein Radweg parallel zur Straße.

Unfreiwilliges Wiedersehen

Unterwegs treffe ich immer wieder Radler, einige überhole ich stets an Steigungen und muss sie bei Gefälle dann wieder passieren lassen. Wir haben unseren Spaß dabei. Der vergeht mir jedoch kurz vor der Fallmühle. Hier ist eine Radlerin auf Schotter ausgerutscht und böse gestürzt. Ein Zahn ist weg und die Ausfahrt damit beendet. Somit gibt es leider keine weiteren Begegnungen mehr auf dem Weg nach Pfronten. Gute Besserung!

Vorbei an der Dirndlmühle führt die Strecke hinein nach Pfronten. Ich laufe zur Verwunderung aller durch den Zielbogen. Der Sprecher mag mich nicht ankündigen, ich hab ja keine Startnummer. Egal, dafür kündigt er die einkommenden Marathonläufer auf erfrischende und aufmunternde Art und Weise an. Ich bleibe inkognito und als Marathonläufer der Originalstrecke unerkannt.

 
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Wolfgang Pütz ist wieder da

Nach einem Blick ins Zelt treffe ich draußen einen alten Bekannten. Wolfgang Pütz läuft gerade die letzten Meter zum Ziel und ich mache rasch ein Foto von ihm. Man sieht sich immer zweimal.

Im Zelt gibt es reichlich Verpflegung. Jeder Läufer erhält ein schönes Funktionsshirt und die Stimmung steigt. Die Siegerehrung findet jedoch erst nach dem Ende des Marathons statt. Die Halben müssen sich somit gedulden.

Kaltes Wasser macht müde Beine munter

Im Kurpark hatte ich kurz nach meinem Start am Morgen ein Wassertretbecken gesehen. In dieses gehe ich nun und erfreue mich am Kälteschmerz. Soll die Regeneration fördern. Tut jedenfalls gut.

Nach einer Dusche Im Quartier gehe ich nochmals ins Festzelt und schaue mir die Siegerehrung an. Das Zelt ist nun gut besucht. Die drei Erstplatzierten aller Kategorien werden mit Tüten und Körben voller Preise für ihre Mühen belohnt.

Fazit

Wunderschöner Landschaftslauf mit guter Organisation, familiäres Ambiente. Bleibt zu hoffen, dass der Marathon wie versprochen 2010 auf der Strecke durchs Tannheimer Tal führt. Ein stärkerer Zuspruch an Teilnehmern ist den Veranstaltern für diesen Fall zu wünschen.

Sieger:

Frauen
1. Marion Hebding 3.18,04 Std.
2. Karin Maier 4.11,28 Std.
3. Marianne Kögel 4.12,19 Std.

Männer:
1. Stefan Stockinger 2.56,31 Std.
2. Daniel Fürer 3.00,16 Std.
3. Benito Tompot 3.05,43 Std.

 

Informationen: Zweiländer Marathon Pfronten/Tannheimer Tal
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