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Laufberichte

Flucht vor der Dunkelheit

 

Die Mehrfach-Expansions-Dampfmaschine mit unten liegender Kondensation ist die heute noch größte erhaltene Dampfmaschine Mitteleuropas (Baujahr 1899, Kaufpreis 41.000 Reichsmark) und die kommt aus Werdau. Werdau liegt an der Pleiße ganz in der Nähe von Zwickau am Rande des Erzgebirgsbecken. Die Stadt hat eine sehr alte Biergeschichte. Hier wurde die Feldschlösschen Brauerei 1879 gegründet. Auch dem Sport hat sich die Stadt schon sehr früh verschrieben, denn hier entstand 1846 die erste Turngemeinde Sachsens und des gesamten deutschsprachigen Raumes.

Von den 26 Sportvereinen richten der Förderverein Werdauer Waldlauf e.V., der SV Rot-Weiss Werdau, Abt. Leichtathletik, der SV Sachsen 90 Werdau, Abt. Triathlon und die Sportschule im Sportpark Rabenberg den 16. Werdauer Herbstmarathon aus. Neben dem Marathon wird auch ein Marathon-Paarlauf sowie auf eigener Strecke 12km Walking angeboten. Für den Marathon zahlt man zwischen 17€ und 23€ und erhält im Ziel dafür auch noch ein Handtuch.

Also auf nach Werdau ins Sachsenland. Regen und starker Wind begleiten mich am frühen Morgen dorthin. Die Wettervorhersage sagt uns weiterhin viel Wasser von oben voraus. Start und Ziel ist die Sportschule. Im Speisesaal gibt es schnell und routiniert die Startunterlagen. Hier ist auch die Möglichkeit der Nachmeldung. Seine Sporttasche kann man im Wettkampfbüro zur Aufbewahrung geben.

Dann geht es den Berg runter zur Sporthalle auf die Straße „An den Teichen“. Hier treffe ich auch wieder mal zwei Marathonsammler vom 100 Marathonclub Deutschland. Rene, unser Afrika-Spezialist und Ullrich der erst gestern einen 42er gefinisht hat. Es bleibt nicht viel Zeit zum Schwätzen, denn pünktlich um 11 Uhr erfolgt der Start.

 
© marathon4you.de 29 Bilder

Wie man mir schon gesagt hat, ist der erste Kilometer der schwerste, denn es geht aufwärts. Über die Holzstraße verlassen wir den Ort. Es geht vorbei am Stiefelknecht, einem Gasthaus. Der Name kommt nicht vom Schuhauszieher, sondern es war eine Wechselstation für Pferdefuhrwerke. Weil die Stelle die Form eines Stiefelknechts hat, nannte man sie auch so.

„Hier KEIN Windgebiet“ steht auf einem großen Banner am Rand. Von wegen, der Wind bläst  ganz schön von vorn. Ich wünsche mir, dass das bis zum Rückweg so bleibt, denn dann fliege ich ins Ziel.

Nun geht es abwärts am Wald entlang zur Waldsiedlung und weiter zur Cottaeiche, wo wir versorgt werden. In Leubnitz, einem Stadtteil von Werdau, biegen wir ab und tauchen kurz danach in den Wald ein. Große Hinweisschilder weisen uns den Weg. Ich bin mit einigen langsameren Läufern am Schwätzen und merke nicht, dass ich viel zu schnell angelaufen bin. 9,5km/h Durchschnitt zeigt mein Garmin an.

Das 5km Schild haben wir passiert und es folgt die nächste Verpflegung an der „Teerkreuzung“. Es geht weiter bergab. Ich fühle mich gut, obwohl ich noch vor 36 Stunden in der omanischen Wüste bei 38 Grad war. Die Quittung kommt aber noch.

Der vorhergesagte  Regen bleibt  bisher aus. Es ist zwar nass und sehr dunstig im Wald, aber es regnet nicht mehr. Der Wald sieht jetzt schon grau in grau aus, als ob es gleich Nacht werden wolle. Ich denke an das Zeitlimit, das um 16 Uhr, also nach 5 Stunden, abläuft. Eben wegen der frühen Dunkelheit. Es gibt auch noch ein Zwischenlimit bei km 31,5 von 3:45 Stunden.

Bei Kilometer 10 liege ich noch locker im Limit. Wir kommen an das Waldgasthaus Waidmannsruh und werden hier bestens versorgt. Weiter geht es  in die 10km Runde,  die es jetzt gilt,  zügig zu durchlaufen. Es geht sehr wellig durch den Forst. Beim Kilometer 21 kommen wir wieder ans Gasthaus. Meine Zwischenzeit 2:28. Passt gerade noch. Jetzt gibt es auch den begehrten Schleim. Weiter, in die 2. Runde.

Jetzt habe ich das Gefühl, dass aus den Wellen Berge werden und ich muss für mein Anfangstempo Strafe zahlen in Form von längeren Gehpausen. Ich denke aber, es liegt auch an der Temperaturumstellung, die mein Körper zu verkraften hat. 30 Grad sind keine Kleinigkeit.

Ich erreiche das Zwischenziel mit knapp 10 Minuten Verspätung. Die Posten sind heute gnädig und fragen lediglich, ob ich weiter laufen will. Ich will. Danke für das große Entgegenkommen. Nun geht es auf den Heimweg.

Die letzten 10 km sind identisch mit dem ersten Teil der Strecke. Da ich ganz allein im Wald bin, fährt eine nette Dame vom Roten Kreuz immer in Sichtweite. Ein Ausflügler lädt mich ein, mich in seinem Auto mitzunehmen. Sehe ich denn schon so Scheiße aus?  Natürlich lehne ich dankend ab. Ganz verdutzt schaut er mich an.

Ich gehe mehr, als dass ich laufe. Nur die Zeit rennt mir davon. Gut, dass es im Wald doch noch einigermaßen hell ist. Danke an die Streckenposten, die bei einsetzendem Nieselregen auf mich warten. Der eingangs erhoffte Rückenwind bleibt aus. Aber auch so schaffe ich den Hügel rauf zum Stiefelknecht, dann geht es abwärts zur Sportschule. Am Sportplatz wartet man mit dem Abbau der Zeitnahme, bis ich als Letzter durch bin. Trotz meiner halbstündigen Verspätung  ist es noch nicht dunkel.

Nach einer heißen Dusche mache ich mich auf den Heimweg. Jetzt kommt er der Regen und zwar heftig und  begleitet von starkem Wind.

Wer in Werdau Marathon laufen will, muss nicht bis nächsten Herbst warten. Am 18.4.2016 gibt es den  38. Werdauer Waldlauf als Frühlingsedition Dann hat man auch 6 Stunden Zeit.

Ins Ziel kamen heute 86 Marathonis und 78 Marathon-Paare (jeder läuft dabei einen Halbmarathon, Zeit wird addiert).

Marathonsieger.
1. Tobias Henkel  USV Erfurt   2:49:22
2. Daniel Michel  LATV Plauen   2:54:15
3. Sören Schramm Chemnitzer LV Megware 3:01:13

Marathonsiegerinnen.
1. Nadine Krah  Team Bella Vista  3:46:42
2. Antje Fiebig  Leipzig    3:47:40
3. Sonja Auerbach  LSV Pirna   3:50:36

 

 

Informationen: Werdauer Herbstmarathon
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