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Laufberichte

In Münster bist du ein Held

12.09.10

Das Jahr 2010 ist für uns Marathonläufer ein ganz besonderes Jubiläum, denn 490 v. Chr. fing mit dem Botenlauf des Pheidippides von Marathon nach Athen alles an. Diese für damalige Zeiten übliche Möglichkeit schnell, eine Nachricht zu überbringen, wurde dann später immer mehr heroisiert und liegt jetzt genau 2500 Jahre zurück.

Bei den ersten olympischen Spielen der Neuzeit kam man dann auf die Idee einen Lauf von Marathon nach Athen ins Programm aufzunehmen. Damit war der  Marathonlauf geboren und trat seinen Siegeszug rund um die Welt an.

Da die Schlacht bei Marathon wahrscheinlich am 12.09.490 v. Chr. stattfand, trifft der große Jahrestag nun genau mit dem Münster-Marathon zusammen. Klar, dass man dies auch hier besonders feiern will und Pheidippides auf dem Logo erscheint.

Bereits zum neunten Mal findet in Münster der Marathonlauf statt und er wurde mit den Jahren immer besser. Schnell sprach sich herum, dass die Läufer hier ein ganz besonderes Erlebnis erwartet und sie im Ziel auf dem Prinzipalmarkt wie Helden gefeiert werden.

Bereits früh im Jahr beginnt man die Läufer einzustimmen und mit vielen Aktionen auf den Marathonkurs zu bringen. Zahlreiche Mentoren versuchen in der Umgebung mit Trainingskursen in den Vereinen die Läufer fit zu machen. Seminare zum Thema Laufen runden die Vorbereitungen immer ab.

Trotz der diesjährigen Aktion „Geh-aufs-Ganze“ stagnieren die Teilnehmerzahlen allerdings mit 3095 bei den Marathonläufern doch. Die Zahl der „Helden“ ist eben begrenzt. Dafür boomen die Zahlen bei den Staffelläufern, denn man kann den Marathon in Münster auch innerhalb einer Staffel laufen. Hier musste man die Teilnehmerzahlen immer weiter nach oben öffnen. Zuletzt haben sich 1049 Staffeln gemeldet.

Auch der Kids-Marathon über 1,5 Kilometer ist mit 270 Teilnehmern schnell ausgebucht.

 
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Ich folge der Empfehlung des Veranstalters und  fahre bereits am Samstag nach Münster um meine Startunterlagen abzuholen. Im Gymnasium Paulinum finden die Marathonmesse und die Startunterlagenausgabe statt. Das Gymnasium ist das Logistikzentrum des Marathons. Hier nutzt man den Schulhof zur Pastaparty und morgen kann man hier die Kleiderbeutel deponieren und nach dem Lauf duschen. Auch die Chiprückgabe und die Siegerehrung der Altersklassen werden hier erfolgen.

Meine Unterlagen erhalte ich schnell. Zwischen 40 und 55 Euro beträgt die Startgebühr. Dafür erhält man eine Medaille, Finisher-Funktionsshirt, Urkunde im Internet, Versorgung ab km 5 alle 2,5 km und eine DVD mit einem Film von der Veranstaltung und den Ergebnissen. Die Zeiterfassung erfolgt mit dem Champion-Chip. Ich schaue mich noch ein wenig auf der Marathonmesse um und überlege kurz, ob ich es nicht auch einmal mit Kompressionsstrümpfen versuchen soll.

Vor dem Gymnasium entdecke ich die blaue Linie, welche die Marathonstrecke markiert. Am nahegelegenen Hindenburgplatz wird morgen der Start erfolgen und zum Prinzipalmarkt sind es nur wenige Gehminuten. Hier ist man auch schon mitten im historischen Zentrum Münsters. Das Rathaus des Westfälischen Friedens und die Lambertikirche stechen aus den vielen schönen Motiven heraus. Der Prinzipalmarkt ist bereits für den morgigen Marathonlauf festlich geschmückt.

Am Sonntag geht es dann für mich schon früh los, denn der Start erfolgt bereits um 9 Uhr. Also mache ich mich mit meiner Frau um 6:30 Uhr auf den Weg. Schnell haben wir noch Christiane abgeholt und über die Autobahn fahren wir Richtung Münster. Bereits um 7:30 Uhr sind wir dort und finden einen günstigen Parkplatz. Im Gymnasium geht es nun etwas hektisch zu, denn die Unterlagen müssen bis 8:30 abgeholt werden.

Vor dem Paulinum sehen wir Michel Descombes. Michel ist bei vielen Marathonläufen dabei und sammelt dabei auch noch für gemeinnützige Einrichtungen namhafte Beträge. 

Wir gehen die wenigen Meter bis zum Hindenburgplatz. Hier in der Höhe des Schlosses ist der Startbereich und wir treffen schon bald unseren Vereinsfreund Peter Heinz. Obwohl Peter noch am letzten Sonntag in Hitdorf die 50 km Strecke gelaufen ist,  will er sich den heutigen Lauf nicht entgehen lassen. Für ihn steht Münster eben schon seit Jahren fest in seinem Terminkalender.

Wir begeben uns in den Startbereich und um 9 Uhr erfolgt pünktlich der Startschuss. 3095 Läufer machen sich auf die 42,195 km Strecke. Pheidippides musste vor 2500 Jahren wahrscheinlich kürzer laufen, aber das ist eine andere Geschichte.

 
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Vorne laufen einige Afrikaner und Osteuropäer um die Siegesprämien von bis zu 2500 Euro. 3000 Euro können noch durch die Verbesserung des Streckenrekords von 2:12:06 verdient werden. Die Frauen müssen hierfür 2:37:06 unterbieten. Das Wetter ist heute für solche Pläne mit 17 Grad bei bedecktem Himmel nicht schlecht.  

Zuerst geht es nun durch die Münsteraner Altstadtgassen und da das Läuferfeld noch dicht beisammen ist, wird es schon mal etwas eng. Der Straßenbelag wechselt öfters zwischen Asphalt und Kopfsteinpflaster. Trotz der frühen Stunde sind schon viele Zuschauer am Straßenrand und feuern die Läufer an. 

Bei Kilometer 5 gibt es einen kleinen Rückstau, denn wir haben den ersten Verpflegungspunkt erreicht. Fast kann man schon das Ziel am Prinzipalmarkt erkennen, aber jetzt geht es erst einmal über eine schöne Promenade Richtung Aasee. An der Strecke sorgen neben den Zuschauer auch Musik- und Tanzgruppen für Stimmung.  Man merkt, dass  wohl viele Teilnehmer aus der Umgebung kommen, denn zwischen den Läufern und Zuschauern gibt es ständig ein großes Hallo wenn man wieder Bekannte entdeckt. 

Wir umrunden den Aasee und bei Kilometer 11 sehe ich auch meinen kleinen Fanclub. Es läuft gut bei mir und ich lasse mich gerne wieder fotografieren. Die ganze Woche litt ich unter einer verspannten  Rückenmuskulatur, aber wie so oft sind diese am Wettkampftag verflogen.

 
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Wir verlassen nun den Altstadtbereich und laufen über Gievenbeck in den etwas außerhalb gelegenen Stadtteil Nienberge. Mit Stadt und Land ist es eine interessante Mischung beim Münstermarathon. Kurz vor Nienberge überqueren wir die A1 und haben damit die Halbmarathonmarke erreicht. Inzwischen haben die Staffelläufer, welche 15 Minuten nach uns gestartet sind, sich mit den Marathonläufern vermischt. Sie können natürlich schneller laufen, denn für sie ist nach 10,5 km Schluss.

An den Wechselpunkten werden sie immer von der Strecke abgeleitet um an den nachfolgenden Läufer zu übergeben. Neben den Teilnehmern haben sich dort auch eine Menge Betreuer und Zuschauer eingefunden und es dauert wohl immer etwas bis man sich gefunden hat. Bei über tausend Staffeln ist dies ja auch nicht so einfach. Inzwischen hat sich das Feld aber auch auseinandergezogen, sodass die frischen Staffelläufer nicht stören. Einige kämpfen aber auch so verbissen, dass sie die Marathonläufer wohl als Störung empfinden. Wer einen schnellen 10er laufen will sollte vielleicht besser zu einer Veranstaltung gehen, bei der diese Distanz der Hauptlauf ist. 

Inzwischen haben sich auch einige Teilnehmer zum Walken entschlossen. Teils zwingt sie wohl die Kondition, teils aber auch plötzlich einstellende Verletzungen dazu.

In Nienberge ist wieder die Hölle los. Viele Zuschauer umjubeln die Läufer, die sich wieder als Helden fühlen können. Cheerleader-, Samba- und Musikgruppen heizen die Stimmung noch zusätzlich an und man bekommt schon einen Eindruck von dem, was uns am Prinzipalmarkt erwarten wird.

Wir verlassen Nienberge und es wird wieder ländlich. Wir laufen am beliebten Ausflugsziel Haus Vögeding vorbei und werden auch wieder gut verpflegt. Die Verpflegungsstellen liegen immer 2,5 km auseinander und sind gut bestückt. Die Strecke hat bis auf die Autobahnbrücken keine nennenswerten Anstiege.

Mit Roxel erreichen wir wieder eine Stimmungshochburg. Auch hier gibt es Cheerleader- und Sambagruppen. Eine Besonderheit beim Münstermarathon sind die Stelzenläufer, welche uns mit fantastischen Kostümen in Erstaunen versetzen. Hier in Roxel stolziert die Drachendame Lizzy ein kurzes Stück mit uns.

Wieder erreichen wir einen Staffelwechselpunkt  und es wird etwas hektisch. Inzwischen tröpfelt es leicht, aber das beeinträchtigt die Stimmung unter Läufern und Zuschauer überhaupt nicht.

Bei Kilometer 32 denke ich wieder an Pheidippides. Wie wird er sich gefühlt haben, mit der guten Nachricht im Gepäck? Ob er geahnt hat, dass sein Name auch in 2500 Jahren nicht vergessen sein wird? Er hatte sicher keine blaue Linie, die ihm den Weg wies und die Zuschauer werden sich damals auch in Grenzen gehalten haben.

Da haben wir es doch besser. Inzwischen habe wir wieder Gievenbeck erreicht und damit den km 36. Jetzt heißt es den Rücken gerade halten und den Kopf heben, denn es beginnt der lange Triumphlauf ins Ziel. Die Zuschauermengen werden immer dichter und die Musikgruppen lauter. Ich glaube die Zuschauer wissen genau, was die Läufer hinter sich haben und sie zeigen ihren Respekt vor dieser Leistung. Auch wenn es sicher für viele unvorstellbar ist, selbst eine solche Strecke zu laufen, so fiebern sie nun mit und wollen ein Teil des Rennens sein.

 
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Rhythmisches Klatschen, Rufe und Händeabklatschen machen den Zieleinlauf  zum Fest. Nach einer Kurve kommt der Prinzipalmarkt in Sicht und der Beifall wird immer größer. Obwohl doch jetzt das hintere Mittelfeld einläuft stehen die Zuschauer wie eine Wand auf beiden Seiten und der Beifall erreicht Orkanstärke. Da ist alle Anstrengung vergessen und man fühlt sich als Held welcher über den Boden schwebt.

Nach 4:21:24 habe ich das Ziel erreicht und denke nochmals an Pheidippides. „Wir haben gesiegt“ murmele ich leise. Dass er anschließend tot zusammengebrochen ist, haben ja erst spätere Generationen dazugedichtet. Ich glaube, er hat einen tiefen Schluck getrunken und mit seinen Freunden den Sieg gefeiert.

Genau das habe ich jetzt auch vor. Nachdem ich meine Medaille und ein super T-Shirt bekommen habe, kann ich mich im abgesperrten Zieleinlauf in Ruhe verpflegen und mit den anderen Läufern plaudern.

Patrick Muviuki aus Kenia und Volha Salevich haben den Marathon in 2:10:25 und 2:34:58 gewonnen und damit auch die Prämie für die Verbesserung des Streckenrekords  kassiert.

Am Ausgang habe ich schnell meine Fans gefunden und erst ein paar Straßen weiter komme ich langsam wieder in der Wirklichkeit an. Ich habe doch schon viele Marathonläufe bestritten - aber hier in Münster ist es immer ein besonders Erlebnis, das ich möglichst jedes Jahr haben möchte.

 

Informationen: Volksbank Münster-Marathon
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