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Laufberichte

Emotionen pur

09.09.12

Im letzten Jahr konnte ich den Jubiläumslauf in Münster leider verletzungsbedingt nicht mitlaufen, aber jetzt bei der 11. Auflage will ich unbedingt wieder dabei sein. Der Marathon in Münster ist für  mich immer ein Höhepunkt der Saison.

Nicht umsonst haben die Leser bei marathon4you diese Veranstaltung auf den zweiten Platz in Nordrhein-Westfalen und unter die Top Ten der Gesamtwertung gewählt. So etwas kommt natürlich nicht von selbst, da muss schon ein engagiertes Team dahinterstecken.

Das ganze Jahr bemüht man sich um die Läufer. Newsletter halten uns ständig auf dem Laufenden, Seminare und Vorbereitungsläufe unterstützen die Läufer bei ihren Trainingsplänen und motivieren so immer wieder für den großen Tag im September. Bei fast allen Veranstaltungen in der Umgebung war der Münster Marathon mit einem Infostand vertreten und informierte mit seinem Flyer. Jetzt kann man die Ernte dieser Arbeit einfahren.

Über 7500 Teilnehmer aus 33 Nationen haben sich angemeldet. Damit steht Münster derzeit auf Platz 7 der größten Marathonläufe in Deutschland.  Die Marathonstrecke kann auch als Staffel bewältigt werden, und mit 4520 Läufern boomt auch in diesem Jahr wieder diese Möglichkeit bei dem großen Event dabei zu sein. Auch an den Nachwuchs denkt man hier und hat für 281 Kinder einen Kid-Marathon auf den letzten 1,5 Kilometer eingerichtet. Da kann auch der Nachwuchs die tolle Atmosphäre des Zieleinlaufes am Prinzipalmarkt genießen. Für 5 Euro Startgebühr erhalten sie ebenfalls ein T-Shirt und eine Medaille.  So macht man Werbung für den Laufsport,  und mancher wird wohl später als Erwachsener wiederkommen.

 
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Für Läufer, welche keinen Staffelplatz  mehr ergattern konnten, gibt es die Möglichkeit die letzten 10 Kilometer der Strecke als Charity-Lauf  mit einer Spende von 15 Euro für das UNESCO Projekt „Kinder in Not“  zu erleben.

Um Stress am Veranstaltungstag zu vermeiden, fahre ich mit meiner Frau Inge bereits am Samstag nach Münster um meine Startunterlagen abzuholen. Das Gymnasium Paulinum ist das Logistikzentrum des Marathons. Hier erhält man die Startunterlagen und findet die Marathonmesse statt. Den Schulhof nutzt man zur Pastaparty und morgen können hier die Kleiderbeutel deponiert werden und nach dem Lauf kann man hier duschen. Auch die Chiprückgabe und die Siegerehrung der Altersklassen werden hier erfolgen. Am Abend findet noch ein Gottesdienst statt, wo man für Sonntag auch um göttlichen Beistand bitten kann.

Meine Startunterlagen habe ich schnell erhalten. Die Startgebühr beträgt  zwischen 45 und 60 Euro. Dafür erhält man ein Finisherfunktionsshirt, eine Medaille und eine DVD mit einem 20minüten Filmbeitrag über die Veranstaltung nebst Bilderserie, Urkundendruck und Ergebnisliste. Wir schauen uns noch ein wenig auf der Marathonmesse um und können noch einige  Schnäppchen entdecken. Gerd Zachäus rührt hier auch nochmals die Werbetrommel für den 50sten Baldeneysee Marathon. Da muss ich natürlich dabei sein. 

Auf dem Schulhof treffe wir noch HaWe und Maria. Sie kommen von einem 6 Stundenlauf, welche sie heute als Vorbereitung gelaufen sind. Morgen wird sich HaWe als Zugläufer für 5:15 zur Verfügung stellen.

Anschließend gehen wir noch zum Aasee und beobachten dort spannende Wettkämpfe der Ruderachter. Imposante Boote. Obwohl die Strecke nicht allzu lang ist, sehen die Aktiven genau so erschöpft aus wie morgen die Läufer nach 42,195 km.

Viele junge Menschen zeigen mir, dass  Münster auch eine Universitätsstadt ist. Kein Wunder also, dass hier  morgen auch noch eine Extrawertung im Rahmen des BASF Studenten-Cups stattfindet, und bei Vorlage des Studentenausweises es eine Ermäßigung um 10 Euro auf das Startgeld gibt.

Am Sonntagmorgen mache ich mich in Begleitung meiner Frau und ihrer Freundin Christiane wieder auf den Weg nach Münster. Da der Start für 9 Uhr angesetzt ist müssen wir uns schon um 6:45 Uhr auf den Weg machen.  Das macht mir aber  nichts aus, denn auch bei meinem 99. Marathon bin ich immer noch etwas  aufgeregt und kann eh nicht mehr länger schlafen. Ein schönes Zahlenspiel  übrigens für mich heute. Am 09. 09.  laufe  ich meinen  99sten Marathon.

 
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Problemlos erreichen wir unser Ziel in Münster und können gleich am Schloß parken. Wir sehen schon die Markierungen der Marathonstrecke und gehen die wenigen Meter bis zum Schlossplatz.  Bei meinem letzten Start hieß dieser noch Hindenburgplatz. Inzwischen tobt in Münster ein heftiger Streit um die Namensgebung. Am 16.09. wird dann endgültig abgestimmt.

Nach und nach sammeln sich hier immer mehr Läufer und es herrscht bereits eine erwartungsvolle Stimmung. Das Wetter ist heute noch mal hochsommerlich. Bis zu 30 Grad sind angesagt, doch im Moment ist es mit 14 Grad noch etwas frisch.

Münster nennt  sich auch „Lauf der Emotionen“ und diese fangen bereits vor dem Start an. Zuerst schwebt Eberhard Gienger mit dem Fallschirm ein und überreicht dem Oberbürgermeister die Startpistole, dann singt Lore Lei die deutsche Nationalhymne. Anschließend werden die Spitzenläufer aus Kenia, Äthiopien, Marokko und Japan vorgestellt. Es sind Geldpreise bis zu 2500 Euro für die ersten 6 Läufer/innen ausgeschrieben. Für einen neuen Streckenrekord sind nochmals 3000 Euro zu verdienen. Das  wird nicht einfach werden, denn der bisherige Streckenrekord liegt immerhin bei 2:10:25.

Um auch deutsche Läufer/innen zu motivieren, hat man für die ersten 3 noch Extraprämien bis 2000 Euro ausgelobt. Für uns Hobbyläufer stehen Brems- und Zugläufer für Zielzeiten zwischen 2:30 und  4:30 zur Verfügung. Die Zeiterfassung erfolgt über den bewährten Champion-Chip. Selbstverständlich ist die Strecke amtlich vermessen, genau markiert, bestenlistenfähig  und jeder Kilometer ausgeschildert. Die Sollzeit ist auf 5:30 festegelegt. Im Startbereich tippt mir noch Joe auf die Schulter. Natürlich war er gestern auch schon unterwegs gewesen.

 
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Um 9 Uhr ist es dann soweit und der Startschuss erfolgt. Auf der breiten vierspurigen Straße setzt sich das große Läuferfeld in Bewegung. Auch zu so früher Stunde gibt es links und rechts ein dichtes Zuschauerspalier, welches uns bereits jetzt lautstark anfeuert. Die ersten Kilometer führen uns nun durch die schöne Altstadt.  Schon bei Kilometer 1 macht eine Cheerleadergruppe Stimmung und in den engen Altstadtgassen hallen die Anfeuerungsrufe besonders laut. 

Die Zuschauer sind in Münster sehr begeisterungsfähig. Es mag vielleicht auch an der Studentenschaft liegen, dass ausgerechnet hier im tiefen Westfalen eine Stimmung herrscht, die keinen Vergleich mit den rheinischen Metropolen scheuen muss. Die Bevölkerung ist halt stolz auf ihren Marathon und unterstützt diesen traditionell nach Kräften. Erleichtert wird dies noch durch 200 Künstler, die an der Strecke verteilt immer wieder für Höhepunkte sorgen und bei Zuschauern und Läufern die Emotionen hochkochen  lassen. So werden Akrobaten, Stelzenläufer mit atemberaubenden Kostümen, Samba Tanz- und Trommelgruppen sowie verschiedene Bands an fast jedem zweiten Kilometerpunkt für Unterhaltung und Stimmung sorgen.

Bei Kilometer 5 kommt der erste Verpflegungspunkt und ich schnappe  mir  im Vorbeilaufen einen Becher Wasser. Die Verpflegung an der Strecke ist optimal. Ab jetzt wird es alle 2,5 Kilometer eine Versorgungsstelle geben. Mit Obst, Elektrolytgetränke, Wasser und Cola auf den letzten Kilometern ist alles vorhanden was man braucht.

Über den Grüngürtel - welcher sich um die Altstadt zieht - laufen wir durch die Fußgängerzone und ich kann durch eine Nebenstraße schon das Ziel auf dem Prinzipalmarkt sehen. Für uns geht es aber jetzt erst einmal hinaus zum schönen Aasee. Bisher konnten wir im Altstadtbereich immer im Schatten laufen, aber jetzt geht es immer wieder durch sonnige Bereiche. Man merkt sofort den Temperaturunterschied. Ich schätze jetzt bereits 25 Grad und das Thermometer wird  weiter steigen. Also ist Vorsicht geboten.

Bei Kilometer 11 treffe ich meine beiden Fans, welche mich fotografieren und anfeuern. Nach dem wir den Aasee umrundet haben, kann ich sie auf der Gegenseite nochmals sehen.

Weiter führt die Strecke in den Stadtteil Gievenbeck. Hier ist das Klinik- und Hochschulviertel. An der Himmelreichallee gibt uns wieder eine Sambagruppe den Laufrhythmus vor. 

Der Münster Marathon ist ein interessanter Mix aus Stadt- und Landmarathon. Jetzt laufen wir etwas ländlich in den Stadtteil Nienberge. Die Staffelläufer sind eine viertel Stunde nach uns gestartet und immer mehr mischen sich nun unter die Marathonläufer. Sie haben natürlich teilweise ein erheblich höheres Tempo, da sie ja nur 10 Kilometer laufen müssen.  Für  die Zuschauer und Mitläufer sind sie aber durch die Startnummer auf dem Rücken sofort zu erkennen.

Kurz vor  Nienberge erreichen wir die Halbmarathonmarke und damit wieder einen Wechselpunkt für die Staffeln.  Diese werden kurz von der Strecke abgeleitet und suchen  nun teilweise hektisch ihre Partner. Mit ihren Betreuern bilden sie jetzt eine große  Menschenansammlung neben der Strecke. Mit Feuereifer stürzen sich die frischen Läufer unter den Anfeuerungsrufen der  Begleiter auf die Strecke. Das wird sich bei den meisten wieder nach einem Kilometer legen. 

In Nienberge wird traditionell eine Riesenparty gefeiert. Comedy-Akrobatik, Musik und Schmetterlinge auf Stelzen versetzen die Zuschauer in Begeisterung, welche sie natürlich gerne an die Läufer weitergeben. Hier wird man umjubelt und gefeiert als wäre die Strecke bereits geschafft.  Danach laufen wir dann durch die grüne Lunge Münsters. Vorbei geht es am beliebten Ausflugsziel „Haus Vögeding“, ein Herrensitz welcher bereits 1353 erstmalig urkundlich erwähnt wurde.

Kurz danach höre ich schon die Trommeln der 40köpfigen Trommelgruppe „Taka-Tun“. Dies kommt jetzt genau  richtig, denn bei Kilometer 27 werden die Beine schon etwas schwer. Nun gibt es längere sonnige Abschnitte und die Temperatur dürfte mittlerweile die 30 Grad erreicht haben. Etliche Läufer müssen bereits gehen, darunter auch erstaunlich viele Staffelläufer. Die Zuschauer unterstützen uns bestens und haben noch private Verpflegungsstellen und Sprühanlagen eingerichtet.

Bei Kilometer 30 erreichen wir mit dem nächsten Stadtteil Roxel bereits wieder einen Power-Point  mit vielen Zuschauern und Künstlern. Hier sorgen eine Sambagruppe, Cheerleader und Insekten auf Stelzen für Volksfeststimmung. Lateinamerikanischer Showtanz verbreitet Copacabanastimmung im Münsterland.

Jetzt versorge ich mich nochmals gründlich und nehme auch gerne einen Becher Cola, denn nun geht es auf die lange Zielgerade. Leicht abfallend führt uns die Strecke wieder nach Gievenbeck und gleich zwei Bands heizen uns an der  Strecke ein. In Gievenbeck erreichen wir Kilometer 36 und es gibt den nächsten Power-Point. Sambaband und Paradiesvögel auf Stelzen lassen uns wieder staunen und motivieren uns mit den begeisterten Zuschauern für die letzten Kilometer.

 
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Ich habe den Eindruck, dass zwischen den einzelnen Stadtteilen ein Wettbewerb um die beste Zuschauerunterstützung ausgetragen wird. Bisher liegt für mich Nienberge knapp vorne. Aber jetzt wird es nochmals richtig emotional. Die Zuschauerreihen werden immer dichter und lauter. Alles was Lärm macht ist nun im Einsatz. Rasseln, Glocken, Hupen und auch Vuvuzelas hat man hervorgeholt um uns Läufer ins Ziel zu bringen.

So erreichen wir  Kilometer 40 und die letzten zwei Kilometer sind ein einziger Triumphlauf. Da habe ich keine Zeit mehr auf eventuelle Wehwehchen zu  achten. Ich überlasse mich meinen Emotionen und genieße den Zieleinlauf.  Dicht gedrängt stehen die Zuschauer an der Strecke und feiern sich und die Läufer. Die Musik der Gruppen geht fast  unter im rhythmischen Beifallklatschen und –rufen. In der Menge entdecke ich noch Inge und Christiane welche auch ihren Beitrag zum Lärmpegel beitragen. Ja, das macht Spaß so ins Ziel zu fliegen. Nach 4:18:57 passiere ich die Ziellinie und  belege damit Platz 7 in meiner Altersklasse M65.

Der Zielbereich am Prinzipalmarkt ist abgetrennt und ich erhalte eine schöne Medaille und mein Finishershirt. Das ist wieder besonders gut gelungen und man kann damit richtig angeben. Die Staffelläufer dürfen hier nur mit dem Schlussläufer einlaufen, sodass es kein Gedränge gibt.  Für sie gibt es einen Extrabereich.  Ich erhole und versorge mich in Ruhe. Alle sind sich einig, dass man hier einen tollen Marathon geboten bekommt und der Zieleinlauf einfach großartig ist. Kein Wunder, daß Münster so viele Läufer süchtig macht.

Als ich den Absperrbereich verlasse,  treffe ich meine Fans, welche auch wieder von der Atmosphäre hier begeistert sind. Wir genießen noch Kaffee und Kuchen in der Altstadt und sind froh, dass wir einen Schattenplatz finden konnten. Zufrieden fahren wir wieder zurück und wollen im nächsten Jahr gerne erneut dabei sein.

Fazit: Der Marathon ist ein gelungener Mix aus Stadt- und Landschaftsmarathon. 200 Künstler an der Strecke lassen den Lauf zu einer großen Party werden. Die Zuschauer sind hier großartig und drücken ihre Anerkennung immer wieder in Begeisterungsstürmen aus. Der Zieleinlauf ist einsame Spitze und löst bei Läufern die schönsten Emotionen aus. Wer das erlebt hat, kommt wieder.   

 

Informationen: Volksbank Münster-Marathon
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