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You’ll never walk alone – der Rodgau Ultra

29.01.11

Durch Feld, Wald und Wiesen – so absolviere ich am liebsten meine Trainingsläufe. Ganz unspektakulär, ganz in Ruhe, ganz entspannt. Auf diese Weise habe ich mir die Natur im Münchner Westen weiträumig auf eine Weise erschlossen, wie ich sie sonst nie kennen gelernt hätte.

So schön solche Läufe auch sind: Auf die Idee, 380 km mit dem Auto zu fahren, nur um eine 5-km Runde in einem Gelände, wie ich es auch direkt vor meiner Haustüre vorfinde, zu drehen, würde ich normalerweise nicht kommen. Auch die Vorstellung, eine solche Runde im tiefsten Winter hamsterradmäßig gleich zehnmal zu absolvieren, in der Summe also einfach mal 50 km abzuspulen, läge mir an sich fern. 

Wäre da nicht Klaus Duwe. Wenn einer wie er, wie wohl kaum ein anderer Kenner der deutschen Marathonszene, von der ganz besonderen Atmosphäre gerade dieses Laufs schwärmt und just diese Veranstaltung für das Jahrestreffen der marathon4you-Autoren auswählt, muss da schon etwas dran sein.  

Und so kommt es, dass ich, so früh wie noch nie in einem Jahr, am 29.01.2011 ins tiefste Hessen zum Rodgau Ultra als „Saison-Opener“ anreise.

Dass der Rodgau Ultra nicht irgendeine Hinterwäldler-Veranstaltung ist, bei der sich ein paar nimmersatte Lauffreaks austoben, wird einem schon im Vorfeld klar, wenn man einen Blick auf die wohlsortierten Infos im Internet wirft. Weit über 900 Voranmeldungen, und das ganz ohne statistikschönende Nebenwettbewerbe, sind auch 2011 wieder registriert; in den beiden Vorjahren waren es jeweils sogar über 1.000. Bei dieser Zahl muss man sich verwundert fast schon die Augen reiben.

Ganz generös und entgegen üblicher Gepflogenheit wird darauf verzichtet, das Startgeld – geldbeutelschonende 25 € – mit der Anmeldung zu kassieren: Nur wer kommt, muss auch zahlen. Das bedingt zwar, dass die Zahl der tatsächlich antretenden Teilnehmer letztlich deutlich schrumpft, aber nach 656 im Vorjahr sind es auch in diesem Jahr immerhin 671, die an den Start gehen, mehr als bei so renommierten, traditionellen Landschaftsläufen wie dem Schwarzwald- oder dem Monschau-Marathon. Aus 17 Nationen kommen sie. Von  internationalem Flair zu sprechen, wäre aber wohl doch etwas vermessen: Auf 16 dieser Nationen entfallen gerade einmal 37 Teilnehmer – fast so viele Teilnehmer kommen allein schon vom LT Hemsbach. 

Locker ist das Anmeldeverfahren, Lockerheit ist überhaupt ein Markenzeichen der ganzen Veranstaltung. Äußerst professionell ist andererseits die Durchführung. Die Strecke ist IAAF-vermessen, die Zeit chiperfasst. Die Ergebnisliste, in Ihrer Detailliertheit kaum zu toppen, ist eine wahre Fundgrube für Statistikfetischisten. Diese führt alle Einzelrundenzeiten und auch alle diejenigen auf, die nicht die Gesamtdistanz zurück legen – und noch einiges mehr. Dabei fällt auf, dass die Zahl der vorzeitigen Abbrecher, je nach Wetterverhältnissen, stets bei 30 bis 35 % liegt und damit ungewöhnlich hoch ist. Die meisten Aussteiger gibt es nach sechs Runden (km 30). Auch nach fünf, sieben oder acht Runden verabschieden sich viele, interessanterweise aber wirft jedoch kaum jemand nach neun Runden (45 km) das Handtuch. Dass so viele auf die vollen 50 verzichten, liegt aber weniger daran, dass der Lauf die Teilnehmer überfordert, sondern ist letztlich auch ein Zeichen des besonderen Geistes, der ihn umweht. Aber dazu noch später.

 

Der lange Weg zum Start 


Da ich vom Angebot des Veranstalters, kostenlos in einer Turnhalle zu übernachten, keinen Gebrauch mache, bin ich am Lauftag schon sehr früh morgens auf der Autobahn A3 von München via Nürnberg und Würzburg in Richtung Frankfurt unterwegs. Von der Ausfahrt Rodgau unweit der Mainmetropole sind es noch 10 km bis Dudenhofen, einem der fünf Ortsteile Rodgaus, die erst 1977 im Rahmen einer Gebietsreform zu einer Großgemeinde zusammen gefasst wurden. Der Weg zur Sportanlage des TSV Dudenhofen, dem organisatorischen Mittelpunkt der Veranstaltung, ist ausgeschildert, Helfer weisen den anreisenden Autofahrern kurz vor dem Ziel den Weg und einen Parkplatz.

Als ich gegen 8.30 Uhr ankomme, ist in der Sporthalle schon richtig viel los. Es herrscht ein Gewusel wie in einem Ameisenhaufen. Einige frühstücken, andere ziehen sich um, die meisten aber frönen lautstark dem

Ratsch. Man kennt sich und wer sich noch nicht kennt, lernt sich kennen – fast wie auf einer (überdimensionalen) Familienveranstaltung. Klaus Duwe und der Rest der marathon4you-Truppe - Wolfgang Bernath, Klaus Klein, Bernie Manhard, Markus Pitz, Daniel Steiner, Joe Kelbel, Eberhard Ostertag und Angelika Abel - sind schon fast vollständig eingetrudelt. Von Klaus bekommen wir unsere Startnummern und als corporate identity-stiftendes Accessoire ein  kreischoranges Mützlein. Damit fallen wir auf (“10 m4y-Zwerge auf Betriebsausflug”). Einen weiteren Vorteil unserer Bemützung werden wir später noch beim Lauf zu schätzen wissen: Wir können uns gegenseitig selbst auf eine Entfernung von ein paar Hundert Meter im Läuferfeld ausmachen.

Richtig nett ist es in der Halle und schön warm dazu. Draußen lacht zwar die Morgensonne, aber es ist (noch) bitterlich kalt. Und so lassen sich die meisten so lange wie möglich Zeit, zum Startpunkt aufzubrechen. Denn der ist nicht vor der Hallentür, sondern 850 Meter entfernt bei der Freizeitanlage “Gänsbrüh” inmitten des Waldes. Damit können wir uns wenigstens weitere Aufwärmübungen sparen. 

Der Weg dorthin kommt mir vor wie ein Massenausflug der „Fröhlichen Wanderfreunde e.V.“. Die Kommunikativität endet nicht an der Hallentür, sondern zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Veranstaltung. Auch im Startgelände: keine Spur von Anspannung, kein Hauch von Hektik. Selbst wenige Minuten vor dem Start ist so etwas wie eine Startformation kaum auszumachen.

 
(Fast) alle m4y-Autoren auf einen Blick
© marathon4you.de 64 Bilder

Auf Bitten des Startmoderators sammelt sich die Läuferschar aber dann doch vor dem Startbanner. Als um 10 Uhr der Startschuss fällt, bedeutet das aber nicht – wie bei anderen Marathons  – das Ende der Gespräche und den Rückzug ins Ich, sondern diese werden fortgesetzt, während sich der Pulk locker zur ersten Runde in Bewegung setzt. 

 

Runde 1

 

Zehnmal die gleiche Runde laufen, das ist für mich eine ganz neue Erfahrung. Und ich bin schon gespannt, wie sich so etwas auf einer Langdistanz anfühlt.  

Unser Rundkurs, ganz grob ein Rechteck mit zwei Zacken beschreibend, lässt sich kurz und prägnant wie folgt charakterisieren: Wald, Feld, Wald, Feld, Wald. Dann ist die Runde beendet und dieser Rhythmus setzt sich in jeder weiteren Runde fort. Bei 10 Runden kommen da, wenn ich richtig gerechnet habe, 21 Wald- und 20 Feldpassagen zusammen – das hört sich schon beeindruckender an. Etwa zwei Kilometer einer Runde sind asphaltiert, der Rest führt entlang gut ausgebauter, vom Veranstalter zusätzlich präparierter Wirtschaftswege. Meine Trailschuhe sind da völlig überflüssig, zumal im Gegensatz zum Vorjahr alles schnee- und eisfrei ist. 

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Informationen: Ultramarathon Rodgau
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