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Laufberichte

Der Kine vom Bayerwald

 

Lauf-Premieren haben es oft schwer, besonders wenn sie in einer Gegend etwas abseits des Mainstream liegen. Der Bayerische Wald ganz im Südosten von Deutschland gehört sicherlich hier auch dazu, aber vielleicht liegt ja auch genau an diesem weißen Fleck in der Landkarte der Ultra-Trail-Veranstaltungen die Ursache des Erfolgs. Außergewöhnlich ist die Entwicklung des Ultra Trail Lamer Winkel aber auf alle Fälle. Bereits 7 Wochen nach Eröffnung der Anmeldung – Mitte Januar – waren alle 500 Startplätze vergeben. „Freunde“ des UTLW auf Facebook konnten die Dynamik sehr gut mitverfolgen und sehr schnell war erkennbar, dass man sich sputen muss, will man einen der begehrten Plätze ergattern. Locker hätte die doppelte Anzahl an Startplätzen an Mann und Frau gebracht werden können, so viele Anfragen lagen vor.

In der Oberpfalz, an der Grenze zwischen Bayern und Tschechien liegt der U-förmige Höhenzug der Region Lamer Winkel ziemlich abgeschieden, zum Mittagessen könnte man theoretisch in ein paar Minuten nach Tschechien fahren – was praktisch auch einige machen, wie man mir erzählt hat. Etwa 20 Gipfel über 1.000 Meter Höhe kann das Gebiet aufweisen. Über elf davon führt der 53 Kilometer lange Ultra Trail, benannt als „Der König vom Bayerwald“. Dazu sind etwa 2700 Höhenmeter zu bewältigen. Als kürzere Distanz wird optional der „Osserriese“ angeboten, der sich in den Schlussteil der Langstrecke einklinkt, 13 Kilometer lang ist und 700 Höhenmeter beinhaltet. Mit 90 Prozent Trail-Anteil wird hier Einsteigern Trailrunning wirklich schmackhaft gemacht.

Bereits am Freitag geht es los. Die drei Gemeinden des Lamer Winkel, Lohberg, Lam und Arrach ziehen alle an einem Strang und sind stolz, ihre Region und dieses Rennen präsentieren zu können. So sind Start und Ziel auf die nicht weit voneinander entfernten Orte verteilt. In Arrach beginnt ab 14 Uhr auf dem weitläufigen Gelände des Seeparks die Expo und die Startnummernausgabe. Auf 19 Uhr ist das verpflichtende Racebriefing für alle Ultra-Trail-Teilnehmer terminiert. Davor oder dazu kann man sich im Rahmen der kostenfreien Pasta-Party noch Kohlenhydrate einverleiben. Zwei Gerichte werden angeboten, neben den traditionellen Spaghetti mit Tomatensauce steht noch Geschnetzeltes mit Reis auf dem Speisenzettel, dazu Salat vom Büffet. Alles frisch zubereitet in einer originalen Bundeswehr-Gulaschkanone.

In einer kurzweiligen und nicht überzogen langen Einleitungszeremonie mit den drei Bürgermeistern der veranstaltenden Gemeinden präsentieren uns die fünf Organisatoren Max und Wolfgang Hochholzer, Markus Mingo, Maria Koller und Johannes Schmid die Idee ihres Trails und anschließend die Strecke. Immer wieder müssen die Organisatoren auch die Frage nach Stöcken beantworten. Die sind natürlich erlaubt, müssen aber von Anfang bis zum Ende am Mann/Frau sein. Nicht erlaubt ist es, sie von Begleitern zwischendrin reichen zu lassen oder sie irgendwann auch abzugeben. Im Übrigen eine allgemein für alle Trails geltende Regel. Alles wirkt sehr professionell, man hat nicht das Gefühl, das die das zum ersten Mal veranstalten. In Hochform ist auch der Arracher Bürgermeister Sepp Schmid, er beendet die Eröffnung mit der Frage an uns: „Habt‘s es denn koa Auto?“ Wer noch Lust auf Party hat, der kann sich die Zeit bis Mitternacht noch bei Live-Musik vertreiben.

 
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Der Morgen beginnt vielversprechend, um 6:30 Uhr überflutet noch ein überwiegend blauer Himmel mit angenehmen 12 Grad das Tal. Ok, ein paar graue Wolken sind dabei, die sind aber nicht besonders besorgniserregend, die Vorhersage iat gut und daran glaube ich auch. Viele werden vielleicht ähnlich denken und nur das nötigste der Pflichtausrüstung einpacken. Ich bin da immer etwas vorsichtiger und packe lieber eine dicke Regenjacke ein. Eine, die mich auch wirklich schützt wenn es nötig ist, nicht so ein 50-Gramm-High-Tech-Teil. Dazu Handschuhe, Buff und Mütze, auch wenn es gerade gar nicht danach aussieht und die Berge auch nicht wirklich furchteinflößend wirken.

Für die Anreise zum Start in Arrach ist jeder selbst verantwortlich. Den Rücktransport zum Parkplatz am Seepark, vom etwa 3 Kilometer entfernten Zielort Lam organisiert der Veranstalter, hierfür ist ein Buspendelverkehr eingerichtet. Anmelden muss man sich dazu nicht extra. Jan hat versehentlich seine Regenjacke nicht eingepackt, wir müssen nochmals zurück. Aber selbst wenn man erst einige Minuten vor dem Start eintrifft, muss man nicht in Hektik verfallen. Etwa 350 Starter entfallen für den Kine vom Bayerwald (53 km), wie man hier zu sagen pflegt. Der Rest der Startplätze geht an die Teilnehmer des Osserriese (13 km), für sie geht es aber erst um 14 Uhr in Lohberg los.

Am Eingang zur Startaufstellung wird stichpunktartig die Pflichtausrüstung kontrolliert. Besonders pingelig ist man dabei aber nicht, man verlässt sich auf die Sportler und ihre Pflichtgefühl. Leicht verspätet schicken uns Böllerschützen kurz nach 8 Uhr auf eine Ehrenrunde um den See im Park. Racer sollten hier vorne stehen, es gibt Bruttozeitmessung vom in die Startnummer integrierten Chip. Von Blasmusik begleitet geht es nach der Zuschauerschleife auf die Strecke. Bis 19 Uhr gibt man uns Zeit, die Strecke zu bewältigen.

 
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Etwa drei Kilometer lang ist die Anlaufstrecke bis zum Einstieg in die Berge. Man hat sie erfreulicherweise etwas abseits der Landstraße geführt, so müssen wir nicht auf Asphalt, sondern dürfen sie auf weichem Geläuf absolvieren. Eine erste Engstelle nach etwa zwei Kilometern wäre auf der Streckenführung vorprogrammiert ...wenn da nicht vorab der Bürgermeister, ganz unbürokratisch, mit einer 4 Meter breiten, schwerlastfähigen Holzbrücke ausgeholfen hätte. Ohne Stau passiert das noch geschlossene Feld das Bauwerk. Asphalt bleibt im Übrigen für uns heute ein Fremdwort, nur wenige Meter zum Überqueren einiger Straßen führen über Trailrunners unbeliebten Untergrund.

Recht unspektakulär werden uns die ersten Höhenmeter schmackhaft gemacht. Es geht meist über weiche Waldböden und Forstwege ohne strengere Anstiege nach oben. Ich find’s ideal, um in Tritt zu kommen. Nach 9 km erreichen wir unterhalb des kleinen Skigebietes Eck die erste Verpflegungsstelle. Einige Zuschauer haben sich an dem mit PKW gut erreichbaren Standort eingefunden. Trödeln sollte man bei den Anfangskilometern aber nicht, das erste Zeitlimit von 1:30 Stunden ist nicht so üppig wie es sich anhört, aber sollte dennoch noch ohne Probleme von jedem zu meistern sein.

 
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Unmittelbar danach befinden wir uns auf dem Premium-Fernwanderweg Goldsteig. Bis zum Gipfel des Großen Arber folgen wir seinem Weg. Und der steht auch für eine anspruchsvollere Strecke, wie wir sofort feststellen können. Die Anstiege werden steiler und auch deutlich rustikaler, machen aber mächtig Spaß. Da sind auch ein paar Kletterpartien dabei. Der Himmel über uns wird immer bedrohlicher, nur mehr phasenweise kann man von so etwas wie einer Aussicht sprechen.

Das Schwarzeck (1238 m) ist mit seinem Gipfelkreuz heute als erster, optisch auch für uns als Gipfel erkennbar. Kurz zuvor wurde die Markierung „37 to go“ passiert. In unregelmäßigen Schritten sind so die Kilometerabstände gekennzeichnet. Die Markierung der Strecke erweist sich bisher ohne Fehl und Tadel, ich habe bisher nicht die geringste Unsicherheit. Zur Not könnte man auch bis zum Arber nach den Goldsteig-Markierungen laufen.

Plötzlich fängt es zu graupeln an und wenig später kommen auch erste Regenschauer vom Himmel. Jan meint, er steigt auf Regenjacke um. Da der Himmel jetzt nur mehr ein einheitliches grau aufweisen kann, schließe ich mich an. Anfangs ist mir die Jacke noch zu warm, aber je höher wir kommen, umso ungemütlicher wird es. Auf dem Hochtoursteig pfeift es gewaltig und ich bin jetzt froh, auch meine Handschuhe eingepackt zu haben. Mit klammen Fingern fotografiert es sich schlecht.

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Informationen: Ultra Trail Lamer Winkel
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