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Laufberichte

Perfetto!

14.11.10
Autor: Klaus Duwe

Marathon in Italien - da denkt zumindest unsereiner an Rom, Florenz, Venedig und vielleicht noch an Mailand. Aber Turin? Da fällt einem doch eher Fiat, Juventus und Lavazza ein. Und die Olympischen Winterspiele 2006. Grund genug, einmal festzustellen, wie es sich läuft, in der Hauptstadt der Provinz Turin und der Region Piemont.

Die Geschichte vom Turin Marathon geht weit  zurück  bis ins Jahr 1897. Ein Jahr nach dem ersten offiziellen Marathonlauf anlässlich der Olympischen Spiele in Athen 1896 wurde nämlich auch in Turin erstmals Marathon gelaufen. Anders als in Boston, wo ebenfalls 1897 der erste Marathon ausgetragen wurde und seither ununterbrochen stattfindet, verschwand der Langstreckenlauf in Turin wieder in der Versenkung und wurde erst nach dem Ersten Weltkrieg 1919 neu entdeckt und danach in unregelmäßigen Abständen ausgetragen. 

1987 beginnt unter der  Regie von Luigi Chiabrera eine neue Ära für den Turin Marathon, der bis 2009 immer im April ausgetragen wurde. Nicht ganz freiwillig findet der Lauf in diesem Jahr erstmals im November statt, weil Mailand, nur 140 km entfernt, sich für seinen Marathon plötzlich einen Frühjahrstermin ausgesucht hat, der mit dem der Turiner kollidierte. 

Vielleicht ist das aber gar nicht schlecht, zumindest im Hinblick darauf, dass man den Lauf künftig mehr international ausrichten will. Und da ist die Konkurrenz im Frühjahr ja viel größer. Warum hierzulande viele glauben, ab November könne man keinen Marathon mehr laufen, verstehe ich sowieso nicht. Jedenfalls wird außer ein paar kleinen Läufen nichts mehr angeboten.  In Italien gibt es Ende November ja immerhin noch den Marathon in Florenz mit über 10.000 Teilnehmern.

Kann da der Turin Marathon mithalten? Wer Bedenken hat, war noch nie in Turin. Nicht nur zwischen Piazza Castello und Piazza San Carlo reihen sich monumentale  barocke  Bauten, die von der Dynastie der Savoyer zeugen, aneinander. Im Palazzo Reale residierten mehrere Jahrhunderte lang die Italienischen Könige. „Italien ist vereinigt“, verkündigte 1861 Viktor Emanuel II. als erster König des neuen Italienischen Nationalstaates auf der Piazza Castello. Turin war die erste Hauptstadt und Sitz des Parlaments.

 
Monte Capuccini
© marathon4you.de 61 Bilder

Typisch für Turin sind die Arkadengänge (Portici), die sich auf den verschiedenen Plätzen auf 18 Kilometer addieren.  Designer-Läden, Schmuckgeschäfte, Bistros und Kaffeehäuser laden zum Bummeln und Verweilen ein. Legendär ist das „Café Bicerin“, wo schon Alexandre Dumas die gleichnamige Espresso-Spezialität aus Schokolade, Kaffee und Sahne genoss.  Die engen Gassen der Altstadt mit ihren vielen Kneipen sind auch an kühlen Novemberabenden sehr belebt, dabei aber nicht so laut und hektisch, wie man es vom Süden her kennt.

Turin ist auch eine Stadt der Museen. Das Ägyptischen Museum zum Beispiel ist das größte seiner Art in ganz Europa - noch größer als das Pergamon-Museum in Berlin. In einem gigantischen Turm befindet sich das Filmmuseum. Die Mole Antonelliana ist das Wahrzeichen von Turin und ziert die italienische 2-Cent-Münze. Das ursprünglich als Synagoge geplante Bauwerk war 1888 nach seiner Fertigstellung mit 167,50 m das höchste begehbare Gebäude der Welt.

Die vielen anderen Museen, Kirchen, Schlösser und Paläste auch nur erwähnen, würde jeden Rahmen sprengen. Unterwegs erzähle ich euch noch etwas davon, jetzt wird gelaufen.

Die Zeit schrieb einmal: „Turin ist das Preußen Italiens“. Gemeint waren Disziplin, Gründlichkeit und Zuverlässigkeit der Menschen hier.  Was sich um den Marathon herum abspielt, bestätigt das eindrucksvoll. Und vor allem auch, wie es sich abspielt. Perfekt nämlich, oder wie der Italiener sagt: „Perfetto!“ 

Egal wo er ist, der Deutsche vergleicht ja gerne mit dem, was er zu Hause hat. Und meistens schneidet das dann auch am besten ab. Beim Turin Marathon ist das nicht so einfach. Die Marathonmesse mit der Startnummernausgabe ist auf der Piazza Castello, eingerahmt vom Schloss und dem Palazzo Madama (wird gerade renoviert), am Freitagabend sogar mit echt toller Livemusik. Da ist richtig was los, denn das interessiert nicht nur das Läufervolk.

 
Königspalast
© marathon4you.de 23 Bilder

Ein paar hundert Meter weiter findet am Samstagabend die Pasta-Party statt.  Die Kulisse? Sensationell! Zuerst ist man am Johannes dem Täufer gewidmeten und 1498 fertiggestellten Dom.  Der Campanile stammt aus dem Jahr 1470. Rein äußerlich betrachtet gibt es in Turin prachtvollere Kirchen. Der Dom hat es aber in besonderer Weise in sich. In der  1694 angebauten Kapelle wird nämlich das Turiner Grabtuch aufbewahrt. Alle paar Jahre wird es kurze Zeit der Öffentlichkeit gezeigt, so auch dieses Jahr. Geht man ein paar Schritte weiter, ist man im Archäologischen Park mit den roten Römertürmen. Das Catering übernimmt das erstklassige Ristorante „13 A Tavola“, natürlich open Air, inklusive Rock-Band, die die italienische Schnulze genauso beherrscht wie the Best of CCR. Das Menü (Nudeln, Pizza, Obst, Getränk) wird da fast zur Nebensache.  Hier gibt man am Sonntag auch seinen Kleiderbeutel ab. 

Ich wohne bequem in einem Stadthotel (Town House 70), keine 100 Meter vom Startplatz auf der Piazza Castello entfernt. 2500 Marathonis werden erwartet, deutlich mehr als letztes Jahr im Frühjahr. Später wird ein 7,5 km langer Stadtlauf und ein Kinder- und Jugendrennen gestartet. Ein Halbmarathon wird immer separat im September veranstaltet. Die zurzeit besten italienischen Marathonläufer sind am Start: Ruggero Pertile und Danilo Goffi (Sieger 2005), beide mit Bestzeiten unter 2:10. Dazu kommen einige Läufer aus Kenia und Äthiopien. Der Schnellste ist John Komen mit einer Bestzeit von 2:08:06. Das Frauenfeld wird angeführt von der auch in Deutschland sehr bekannten Russin Oleysa Nurgalyeva. Das Medieninteresse ist groß, die RAI überträgt 3 Stunden live.

Die Nationalhymne wird gespielt. Ich erinnere mich an die Übertragungen der Olympischen Spiele. Hier auf diesem Platz fanden die Siegerehrungen statt. Nur am letzten Tag wurde die Medaillenzeremonie in die Schlussfeier integriert. Noch einmal erklang die Nationalhymne für einen Olympiasieger aus Italien. Giorgio Di Centa gewann den letzten Wettbewerb, den 50 km Langlauf, mit hauchdünnem Vorsprung im Endspurt.

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Informationen: Turin Marathon
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