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Laufberichte

Frauenpower beim Troisdorfer 6-Stunden-Lauf

11.11.07

Der 6-Stunden-Lauf, den das Marathon- und Ultra-Team in der Troisdorfer Leichtathletik-Gemeinschaft 1966 e.V. (M.U.T.) üblicherweise am zweiten Sonntag im November durchführt, ist eines der absoluten Highlights im Ultramarathon-Kalender eines jeden Jahres.

 

Hier trifft sich vor Jahresschluss noch einmal alles, was in der Ultralaufszene einen Bekanntheitsgrad erlangt hat, sei es durch Spitzenleistungen oder sei es durch Vielstarterei. Wohl nur bei den Deutschen Meisterschaften im 100-km-Lauf steht mehr "Klasse" am Start.

 

Was die Teilnehmer/innenzahl betrifft, so dürfte dem Troisdorfer Meeting von den inländischen 6-Stunden-Lauf-Veranstaltungen wohl nur der alljährlich im März in Nürnberg stattfindende Wettkampf nahe kommen. Das große Interesse am Troisdorfer Rennen ist in erster Linie darin begründet, dass die Läufer/innen davon ausgehen können, von Ulli Knab und seinem vielköpfigen Mitarbeiter/innenteam eine perfekte Organisation angeboten zu bekommen. Unter Ullis Mitstreiterinnen und Mitstreitern befinden sich so wettkampf- und veranstaltungserprobte "Marathonis" und "Ultras" wie z.B. Ulrike Steeger, Sabine Schäfer, Michael Irrgang und André-Karl Willems.

 

Auch in diesem Jahr las sich die Voranmelder/innenliste wie das "Who's who" des deutschen Ultramarathonlaufes. Mit allerbester Qualität war der Frauenwettbewerb besetzt. Allein 7 Läuferinnen (Tanja Hooß, Carmen Hildebrand, Marion Braun, Simone Stöppler, Ilona Schlegel, Dagmar Melzer und Sylvia Wünsche) hatten gemeldet, die eine Bestleistung von mehr als 70 km vorweisen konnten. Das diesjährige Teilnehmerinnenfeld wäre voll und ganz den an eine Deutsche Meisterschaft zu richtenden Ansprüchen gerecht geworden.

 

Aber auch der Männerwettbewerb war mit herausragender Güteklasse ausgestattet. Zwar fehlten die beiden Erstplatzierten des letztjährigen Rennens (Helmut Dehaut und Alexander Zapretilin). Mit dem Vorjahresdritten René Strosny (79.500 m), 3 weiteren der besten 8 Läufer aus der bis dahin gültigen diesjährigen deutschen 6-Stunden-Lauf-Bestenliste (Dr. Daniel Beha, Marian-Jan Olejnik und Dieter Ulbricht), dem "Ultralauf-Urgestein" Wolfgang Schwerk (persönliche Bestleistung 84.122 m) und dem diesjährigen Deutschen 100-km-Lauf-Vizemeister Jörg Hooß (6:59:03 Stunden) gingen aber dennoch Teilnehmer allerersten Formates an den Start.

 

Als am Sonntag, dem 11. November 2007, gegen 10.15 Uhr mit etwas Verspätung der Start zur diesjährigen Auflage freigegeben wurde, machten sich 45 Einzelläuferinnen und 140 Einzelläufer sowie 19 Staffeln auf den Weg, möglichst viele km zurückzulegen. Gelaufen wurde die übliche 2.500 m lange Runde, in der man auf einem befestigten Hochwasserschutzdammweg und auf asphaltierten Siedlungsstraßen das Aggerstadion umkreiste. Auf der Internetseite des M.U.T. war folgende Streckenbeschreibung zu lesen: "Landschaftlich schöner 2,5-km-Rundkurs, absolut flach, nicht windanfällig, 80% asphaltiert, 20% wassergebundene Decke auf Deichkrone."

 

Dieser Bewertung kann man sich anschließen. Sie ist aber insofern zu ergänzen, als der exakten Streckenlänge wegen ins Stadion hineingelaufen werden musste. Auf der dortigen Kunststoffbahn war eine Pendelstrecke zu absolvieren. Und logischerweise an jener Stelle, von der aus der Start erfolgte, musste die alljährlich den Wendepunkt markierende Puppe umlaufen werden. In diesem Bereich war "am meisten los": Zum einen erfolgte hier die ChampionChip-Rundenzählung. Zum anderen wechselten an gleicher Stelle die Staffelmitglieder. Außerdem informierte (wie bereits in den letzten Jahren) der mit einer sonoren Stimme ausgestattete Moderator Bernd Sehmisch durch sachkundige Kommentierungen die dort Anwesenden über das Renngeschehen.

 

Leider war das Wetter in diesem Jahr der Veranstaltung nicht so ganz gewogen. Kurz vor dem Start setzte erneut ein nun recht ungemütlicher Regen ein. Während der ersten 3½ Stunden Laufzeit blieb die intensiv-graue Wolkendecke geschlossen, wobei die Niederschläge jedoch zeitweise aussetzten. Nach 13.45 Uhr schien sich alles zum Guten zu wenden. Nun war die Bewölkung weit aufgerissen, und herrliche Sonnenstrahlen erfreuten sowohl die Läufer/innen als auch die Streckenposten. Doch diese Schönwetterphase währte nicht sehr lange. Dann schob sich die nächste Wolkenwand näher. Bald darauf ergoss sich wiederum unfreundlicher Regen (diesmal mit kleinen Hagelkörnchen angereichert) über die Akteure. Für den Rest der Laufzeit hielt der nachfolgende nochmalige Sonnenschein dann aber endgültig an. Der ganztägig vorhandene leichte Wind spielte keine gravierende Rolle. Und wenn man die vorangegangenen Tage mit ihren heftigen Regenfällen und Sturmböen in Erinnerung hatte, musste man dankbar resümieren, dass das Wetter viel, viel schlimmer hätte sein können.

 

Mich, der ich mit "Schmuddelwetter" recht gut zurechtkomme, störte das, was von oben herunterkam, eigentlich kaum. Viel unangenehmer empfand ich da die großen Pfützen und Matschstellen, die sich auf dem Hochwasserschutzdamm gebildet hatten. Zunächst umlief ich sie, zum einen in der Hoffnung, selbst trocken und sauber zu bleiben, zum anderen, weil ich ja meinen Mitstreiterinnen und Mitstreitern nicht das Wasser und den Schmutz an die Beine klatschen wollte. Später war ich dann nicht mehr so zimperlich. Wenn ich mich einem der Miniseen näherte und niemand um mich herum war, ging es mitten durch das Gewässer. Dennoch, der eine oder andere Meter für ein noch besseres Endergebnis ging wohl nicht nur mir auf diesem Abschnitt verloren.

 

Ein spannender Rennverlauf und großartige Endergebnisse prägten den Wettbewerb der Frauen. In der ihr eigenen unbekümmerten Art übernahm Sylvia Wünsche aus Lauf an der Pegnitz sofort nach dem Startschuss die Spitzenposition. 4 Stunden lang "bretterte" Sylvia als Führende über die Strecke. Dabei fand sie stets Zeit, ihre Freundinnen und Freunde aus dem Streakrunner-Forum bei ihren zahlreichen Überrundungsvorgängen mit ein paar netten Worten aufzumuntern.

 

Wer Sylvia (die bereits am 17.03.2007 in Nürnberg 67.073 m und am 08.09.2007 in Weißenstadt 70.568 m zurückgelegt hatte) bislang noch nicht kannte, wird sie demnächst "auf der Rechnung haben müssen". Sylvia ist ein "ungeschliffener Rohdiamant", der vor Lauflust geradezu sprüht. Ihr taktische Zwänge aufzuerlegen, wäre derzeit noch zu früh. Dies würde ihr vieles von ihrem herzerfrischenden Wesen und ihrer begeisternden Unbekümmertheit nehmen. Taktik und Cleverness wird sich Sylvia noch bald genug aneignen.

 

Von langjähriger Routine ließen sich Sylvias Verfolgerinnen lenken. Das erste Pärchen bildeten Carmen Hildebrand und Tanja Hooß, die die Tuchfühlung zu Sylvia nie abreißen ließen. Das zweite Pärchen bestand aus Simone Stöppler und Marion Braun. Auch diese beiden blieben stets in Sichtweite zu ihren "Vorderdamen". Und noch eine Läuferin beeindruckte mich sehr: Dies war Barbara Mallmann, die zwar unauffällig, aber hoch effektiv agierte. In den letzten 2 Stunden Laufzeit konnte Sylvia ihr hohes Tempo nicht mehr ganz beibehalten.

 

Nun sortierte sich das Damen-Vorderfeld neu. Was am Ende dabei herauskam, waren folgende Ergebnisse von absolutem Weltklasse-Niveau:

 

1. Simone Stöppler - SSC Hanau-Rodenbach - 74.256 m
2. Tanja Hooß - LTF Marpingen - 72.894 m
3. Carmen Hildebrand - SSC Hanau-Rodenbach - 72.643 m
4. Sylvia Wünsche - streakrunning.de - 72.018 m
5. Barbara Mallmann - LG Ahlen - 71.696 m
6. Marion Braun - SV Germania Eicherscheid - 71.285 m (Verbesserung des bisher ebenfalls von ihr gehaltenen deutschen Rekordes in der Alterklasse W50)

 

Nicht minder interessant wäre wohl auch die Situation an der Spitze des Männerfeldes gewesen. Hier ging mir allerdings die Übersicht ziemlich schnell verloren, weil ich die Staffel-Läufer und schnellen 6-Stunden-Läufer kaum zu unterscheiden vermochte. Wenn die Ausführungen des Veranstaltungsmoderators zutrafen, erfolgte zunächst mehrmals ein personeller Wechsel auf der Position des "Frontrunners". Am Ende setzte sich jedoch mit dem diesjährigen Deutschen 100-km-Lauf-Vizemeister Jörg Hooß ein Mann der erweiterten Weltklasse sicher durch, und die von ihm erzielten 80.827 m sind in Anbetracht der Witterungsbedingungen aller Ehren wert.

 

Ergebnisse der drei erstplatzierten Männer:


1. Jörg Hooß - LTF Marpingen - 80.827 m
2. Marian-Jan Olejnik - Esslingen - 78.845 m
3. Dr. Daniel Beha - CIS Amberg - 78.315 m

 

Eine besondere Erwähnung verdient auch die Superleistung der blinden und deshalb von einem Partner geführten Läuferin Regina Vollbrecht (SSC Berlin), die auf ihr schon mehr als großartiges Vorjahresresultat (62.641 m) noch 2.706 m "draufzupacken" und mithin 65.347 m zu erzielen vermochte.

 

 

Informationen: Troisdorfer 6-Stunden-Lauf
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