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Laufberichte

Forever Peace

11.04.15

Der 956 mtr. hohe Hartmannswillerkopf ist eine Bergkuppe in den Südvogesen. Vor 100 Jahren, am 31. Dezember 1914 begann im 1. Weltkrieg der Kampf um diese Bergkuppe. Aufgrund seiner strategisch günstigen Lage war der Hartmannswillerkopf von  Deutschen und Franzosen erbittert umkämpft. Insgesamt starben etwa  30000 Soldaten an diesem Berg. Am 3. August 2014, dem 100. Jahrestag der Kriegserklärung, trafen sich am Hartmannswillerkopf der deutsche Präsident Gauck und der französische Staatspräsident Hollande und gedachten der vielen Toten.

Mittlerweile zum vierten Mal findet am 11. April am und auf dem Hartmannswillerkopf ein 22,5 Km langer Traillauf mit 990 HöM statt. Start und Ziel befinden sich am Fuße des Berges in der kleinen Vogesengemeinde Wuenheim.  Marita und ich lieben die Vogesen, wir sind hier öfters als in anderen Berglaufgebieten.

Am Freitag machen wir uns wieder einmal auf den Weg. Ziel unseres Laufurlaubes ist das besagte Wuenheim am Fuße des legendären Hartmannswillerkopf (Vieil Armand), wo am 11. April der gleichnamige Trail gestartet wird.

Nach dem Einchecken im Hotel im Nachbarort „Jungholtz“, fahren wir zum Col du Silberloch, wo die Franzosen ein großes Nationaldenkmal errichteten. Gleich am Parkplatz befindet sich der Eingang zum französischen Soldatenfriedhof, in dessen Krypta eine Gedenkstätte für die hier gefallenen Soldaten eingerichtet ist.

 
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Nachdem der eindrucksvolle Friedhof mit 6340 Gräbern hinter uns liegt, kommen wir auf den Rundweg des Kriegsschauplatzes auf dem Hartmannswillerkopf. Es ist gespenstisch, alles ist tot. Weder Baum noch Strauch werden hier jemals wieder grünen oder blühen. Nur selten hören wir bei unserer Besichtigungstour durch Stellungen, Schützen- und Laufgräben einen Vogel zwitschern. Einige in den Waldboden gegrabene Stellungen sind noch immer mit Stacheldraht versehen. Stellenweise sind die Unterstände mit dem Holz der Bäume des Berges gesichert. Es war eine unglaubliche Anstrengung, Bruchsteine und anderes Baumaterial für die Laufgräben auf diesen Berg zu schaffen und zu verbauen. Jetzt wächst Moos auf dem toten Holz und auf den Steinen. Wir kommen zum höchsten Punkt des Hartmannswillerkopfes mit seinem riesigen, weißen Kreuz, das man von den Orten am Fuße des Berges deutlich zu sehen ist.

 
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Am Samstag fahren Marita und ich schon früh zur Degustation „Cave Vignoble du Vieil Armand“, wo sich das Start- und Zielgelände befindet. Einige Mitglieder des Laufsportvereins Oxygene 68 haben sich als Soldaten des 1. Weltkrieges verkleidet. An einer alten Gulaschkanone stehen Küchenburschen wie damals und kochen ein Süppchen für die gesamte Laufkompanie. Dazu gehört natürlich ein guter Tropfen Elsässischer Wein. Kurz vor dem Start kommen die Soldaten im Gleichschritt mit geschultertem Gewehr zur Startlinie. Sie geben uns mit einem gemeinsamen Schuss aus ihren Gewehren das Startsignal.

 
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Fast 400 Läufer begeben sich dann auf den Weg zum Berg des Todes, den man auf den ersten 4 Km ständig vor Augen hat. Auf einem breiten Forstweg taucht man dann in den Wald ein, der hier unten am Fuße noch grün ist, bzw. gerade grün wird. Mit jedem Höhenmeter wird es weniger und macht den toten Bäumen Platz. Bei Km 5 verlassen wir den Forstweg und biegen auf einen matschigen Singletrail ab, auf dem es kräftig nach oben geht. Ab und an bilde ich die Nachhut, kann mich aber am Berg wieder an einige Läufer heranarbeiten.

Ich denke daran, wie auf gleichem Weg im Ersten Weltkrieg die Soldaten mit schwererem Gepäck unterwegs waren. Plötzlich erreichen wir mitten im Wald einen kleinen deutschen Soldatenfriedhof mit einem Gedenkstein. Ich bekomme Gänsehaut. Weiter geht es aufwärts, ab und an weniger steil, aber immer an der Bergflanke entlang. Über einen Stufenpfad gelange ich zur Kantine Zeller, wo es Essen und Getränke gibt. Wir hören, dass es ab hier ausschließlich durch Deutschen Stellungen geht. Die Französischen oben auf dem Berg stehen unter Denkmalschutz.

 
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Weiter geht es auf schmalen Pfaden steil bergwärts bis zu einer alten Mannschaftsunterkunft. Ein Schild weist den Weg zum Jägerdenkmal, wo ich wenig später stehe. Auf unserem Weg nach oben bekomme ich nun immer mehr Stellungen zu sehen. Ab und an wird der Pfad flacher und ich kann es mal rollen lassen. Dann wird es plötzlich besonders steil. Es geht über felsige Naturstufen direkt in eine deutsche Stellung hinein. Es ist so steil, dass ich mich an dem moosbewachsenen Blockgestein nach oben ziehen muss. Nicht nur ich muss zum Durchatmen mal stehenbleiben.

 
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Stufen, immer wieder Stufen - und jede hat eine andere Tritthöhe. Die Muskeln brennen. Dann ist endlich der höchsten Punkt beim Trail Vieil Armand erreicht. Für etliche Kilometer geht es nun am Berghang entlang abwärts, vorbei am Felsennest und einem kleinen Wasserfall, an dem der Besenläufer ein Foto von mir macht. Ja, ich bin mal wieder Letzter, auf dieser steilen Abfahrt muss ich die Rote Laterne übernehmen. Aber mein Besenmann spricht Deutsch, so dass wir uns gut unterhalten können.

Auf einer Holzbrücke dann ein weiteres Foto und der Hinweis, dass es jetzt wieder steil zur nächsten Stellung im Berg aufwärts geht. Vor mir sehe ich bei dieser Kletterei dann wieder einen Läufer, bzw. Marschierer, zu dem ich rasch aufschließe. Wieder erfolgt der Aufstieg über felsige Stufen. Hinter einer Biegung stehe ich plötzlich unerwartet vor einem Grabstein für vier tapfere Soldaten. Grausig.

 
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Stufen, immer wieder Stufen, bei denen man manchmal nicht weiß, wo man seinen Fuß aufsetzen soll. Kleine Durchlässe im Berg müssen durchgangen werden. Die Soldaten vor 100 Jahren müssen Zwerge gewesen sein. Ich komme nur gebückt voran. Ein Streckenposten weist uns in einen Tunnel, von einigen Öllampen nur spärlich beleuchtet. Leider kann ich den gespenstischen Eindruck mit meiner kleinen Kamera nicht im Bild festhalten. Nach diesem Tunnelgang geht es am Berghang wieder abwärts.

Etliche Schuttfelder müssen gequert werden. Es geht nochmal vorbei an der Kantine Zeller und dann nur noch bergab hinunter nach Wuenheim. Der Wald wird wieder grün. Unten angekommen, erreichen wir ein altes Weingut. Mein junger Mitläufer ist mir enteilt, ich laufe wieder mit meinem Besenmann. Die letzten 3 Kilometer geht es durch sanfte Rebhügel zum Ziel an der Degustation. Am Zielbogen wartet mein Schlussläufer und macht noch Fotos von mir mit einem deutschen- und französischen Pappsoldaten.

Zur Belohnung für die erfolgreiche Teilnahme an diesem Trail durch eines der schrecklichsten Schlachtfelder des Ersten Weltkrieges bekomme ich eine Flasche Pinot Noir. Damit stoße ich mit Marita an: Forever Peace.

Fazit: 22,5 Km durch Schützengräben und Stellungen des 1. Weltkrieges auf dem Hartmannswillerkopf machen einen sehr nachdenklich. Hier oben auf 956 m war ich 30000 toten Soldaten so nahe, dass ich ab und an schlucken musste. Forever Peace.  

 

Informationen: Trail du Vieil-Armand
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