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Laufberichte

Der bisher Härteste

26.07.14

Hammer! Hammer! Hammer! Ihr seid erfahrene, trittsichere Trailrunner und liebt steile, anspruchsvolle Läufe durch grandiose Gebirgslandschaften? Dann könnt ihr den Trail du Vélan mal als besonderes Schmankerl für eure Ultratrail-Sammlung einplanen. Anfängern rate ich dagegen, lieber zuerst auf leichteren Strecken zu trainieren und aus dieser Reportage nur Anregungen für zukünftige Abenteuer zu holen.

Schon bei gutem Wetter ist dies sicherlich ein harter Lauf. 45 km mit 3600 Höhenmetern, das ist mit durchschnittlich 16 % Steigung bzw. Gefälle so steil wie der Matterhorn-Ultraks, der mich letztes Jahr begeistert hat. Aber die Trails sind hier noch deutlich schwerer. Der TdV bietet die technisch anspruchsvollsten Trail-Passagen, die ich bisher gelaufen bin. Im Nebel und nach starken Regenfällen wie dieses Jahr wird daraus ein Abenteuer, das ich als grenzwertig bezeichne. Trotz Kälte und zahlreichen Stürzen bin ich froh, auch diesen Lauf erlebt zu haben. 

Während ich mich beim Lesen der Ausschreibung noch über das Zeitlimit von 14 Stunden wunderte, finde ich es in Kenntnis der Strecke als durchaus angemessen. Und wer glaubt, mit der 21 km-Variante (2000 Höhenmeter) einen Anfängerlauf zu wählen, der irrt sich, denn auch diese Route führt über den schwersten Teil und bis auf 3030 m Höhe.

Bei Sonnenschein ist die Route landschaftlich außerordentlich faszinierend. Am Ende dieses Laufberichtes gibt es ein paar Fotos, wie es bei Sonnenschein aussieht. Ich habe sie vor einigen Jahren dort beim Wandern gemacht.

Das auf 1632 m Höhe liegende kleine Dorf Bourg St-Pierre in der Schweiz liegt an der Straße, die vom Rhonetal hinauf zum Großen Sankt Bernhard Pass führt. Vor einigen Jahren kam ich hier vorbei, als ich für meinen Reiseführer über den Pilgerweg von Canterbury nach Rom (Via Francigena) recherchierte, dessen Hauptroute über den Sankt Bernhard führt. Wer hier her kommt, sollte sich auf jeden Fall auch den äußerst sehenswerten botanischen Garten mit Alpenblumen anschauen.

Bourg St-Pierre erscheint mir am Freitagabend wie eine ruhige Oase am Ende der Welt. Außer einigen Läufern, die ihre Startunterlagen abholen, ist kaum ein Mensch auf den Straßen zu sehen. Die Liste der Pflichtausrüstung wird bei der Startnummernausgabe akribisch abgehakt. Hier genügt es nicht, nur kurz Verbandszeug und Handy zu zeigen.

Damit ich eventuell nicht der einzige Deutsche bleibe, stellte ich den Lauf auf meine Facebook-Seite. Hendrik meldete sich und brachte noch weitere Leute mit. Gemeinsam gehen wir nun am Freitagabend essen. 

 
© marathon4you.de 11 Bilder

Am nächsten Morgen heißt es früh aufstehen, denn wir starten bereits um 5 Uhr.  Im Licht unserer Stirnlampen laufen wir los. Noch ist es fast völlig dunkel, aber ich kann bereits erkennen, dass die Wolken tief an den Bergen hängen. Gestern wäre fast ideales Laufwetter gewesen, doch jetzt fällt schon am Anfang feiner Sprühregen auf uns. Es ist nur ein unscheinbarer Niederschlag, so dass ich zuerst darauf verzichte, die Regenjacke anzuziehen. Mein dickes Merino-Shirt hält die Tropfen ab.

Am Anfang laufen wir nur ab und zu auf Trails, oft auf breiten Wegen. Die ersten 2,5 km führen meist abwärts, dann ebenso lange bergauf und wieder bergab. Allmählich erkenne ich in der heute sehr zaghaften Morgendämmerung immer mehr Konturen der Umgebung. An einem Wiesenhang windet sich über mir die Lichterkette der schnelleren Läufer in die Höhe. Solche Anblicke begeistern mich immer wieder.

Dann folgt der erste Trail, der Trittsicherheit fordert. Ein eigentlich harmloser Pfad führt durch den Wald in die Tiefe, doch der Boden ist wegen des Regens ab und zu sehr rutschig. Aus dem feinen Niederschlag wird richtiger Regen. Jetzt muss ich doch meine Regenjacke aus dem Rucksack holen. Die Stirnlampe kann nun ebenfalls weg. Während der ersten Stunden laufe ich längere Abschnitte gemeinsam mit Hendrik.

Nun folgt der erste richtige Aufstieg, mal auf Trails durch schönen Bergwald, mal auf breiten Wirtschaftswegen. Wolken über uns, Wolken unter uns, ab und zu sind wir mittendrin. Der Nebel wird zu unserem ständigen Begleiter.

Da die Wolken die Sicht nach oben verhüllen, können wir nicht erkennen, wie weit es noch bis zum Gipfel ist. Der kalte Regen nervt! Immer wieder umgibt uns nur  konturloses Grau. Als wir auf einem Grat bergauf steigen, kühlt uns Wind noch stärker aus. Schon jetzt beginne ich zu frieren. Hätte ich vorhin doch nur mein Merino-Shirt nicht ausgezogen!

Nur noch ab und zu reißt der Nebel ein wenig auf, so dass ich wenigstens einen kleinen Ausschnitt der Umgebung erkennen kann. Endlich erreichen wir bei ca. km 15 auf 2572 m Höhe den Mont Brulé. Nun geht es nur noch ein kurzes Stück bergab, dann kommen wir endlich zur ersten Verpflegungsstelle an der 2472 m hohen Cabane de Mille. Von hier kann man an klaren Tagen in der Ferne sogar den Mont Blanc sehen, heute dagegen erkenne ich rundum nur 200 verregnete Meter.

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Informationen: Trail du Velan
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