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Laufberichte

Nachts schlafen kann jeder...

21.08.05

... aber einen anspruchsvollen Berglauf mit Start kurz nach Mitternacht zu absolvieren, das ist  schon etwas Besonderes.

 

So dachten sich wohl die Veranstalter und organisierten einen Midnight Marathon anlässlich des 10. Jubiläums des Défi Val-de-Travers. Die 72 km Strecke gehört ja  bereits zu den Klassikern unter den Ultrabergläufen.

 

Da ich eine Woche später beim Ultratrail du Tour du Mont-Blanc starten werde, liegt das Val-de-Travers praktisch auf dem Weg nach Chamonix. Ich entscheide mich für den Midnight Marathon und verspreche mir davon gleich eine gute Vorbereitung auf den Ultratrail, bei dem zwei Nächte nacheinander zu „durchwandern“ sind. Auf der Midnight Marathon Strecke gibt es keinerlei Zeitlimits, so kann ich es schön „gemütlich“ angehen lassen. Das setzt natürlich voraus, dass man sich auch bei strömendem Regen mitten in der Nacht draußen wohlfühlen kann.

 

Ab Biel beginnt die französische Schweiz. Deutsch wird praktisch gar nicht, Englisch nur sehr wenig gesprochen. Ein paar übrig gebliebene Brocken Schulfranzösisch sind noch hängen geblieben, sodass die Nachmeldung gut klappt. Im Rucksack, den man mit der Startnummer bekommt, sind bereits ein T-Shirt und die Finishermedaille enthalten. Darüber hinaus erhält man auch eine Petzl Stirnlampe mit Batterien, sowie Gutscheine für Pastaparty und  Hallenbad.

 

Um 0:15h ist der Start am Sportzentrum von Couvet. Ca. 100 Teilnehmer sind am Start und  ebenso viele Zuschauer applaudieren. Es regnet nur leicht. Die ersten zehn Kilometer folgen  auf Seitenstrassen dem Fluß Areuse über Travers nach Noiraigue. Es sind tatsächlich noch  begeistert applaudierende Zuschauer an der Strecke. In Noiraigue biegt man rechts ab zum Le  Soliat, dem höchsten Punkt der Strecke. Es geht jetzt ca. 650 HM teilweise steil aufwärts,  zumeist auf Bergwegen. Trittsicherheit ist an einigen Stellen erforderlich.

 

Es regnet  mittlerweile stark. Mit der zunehmenden Höhe kommt man immer mehr in die  Wolkenschicht, die sich am Berg aufstaut. Trotzdem kann man herrliche Blicke auf die  beleuchteten Ortschaften im Tal genießen. Die Sicht nach oben wird schlechter. Ich komme  immer noch gut voran, viele Läufer überhole ich bergauf.

 

Nach 50 Minuten bin ich oben an der  Verpflegungsstation kurz unterhalb des höchsten Punktes der Strecke. Der Nebel ist  mittlerweile so dicht, dass man keine 10 Meter mehr sehen kann. Die Stecke ist bisher deutlich markiert.  Alle paar Meter sind Leuchtstäbe angebracht, an Anzweigungen auch Blinklampen und viele Streckenposten.

 

Die Organisatoren haben sich große Mühe gegeben, besonders hier im Nebel stärkeres Licht einzusetzen, denke ich. Gerade, als ich das so gedacht habe, merke ich, dass etwas nicht stimmen kann. Ich stehe auf einem Parkplatz, kein Läufer weit und breit. Schnell wird mir klar, dass ich mich verlaufen habe. Erst bin ich einer Hauslampe nachgelaufen und dann auf ein beleuchtetes Auto zu. Ich kehre um. Jetzt sehe ich den Streckenposten, der mir den Weg zeigt. Alle Läufer, die ich berauf überholt hatte sind jetzt nicht mehr auszumachen. Ich bin allein auf dem schwierigen Wegabschitt bei dichtestem Nebel.

 

Der felsige Boden ist glitschig und sehr uneben. Man muss sehr vorsichtig sein. Um wieder eine Markierung zu finden, decke ich häufig die Stirnlampe ab, um besser den nächsten Leuchtstab sehen zu können. Teilweise muss man einfach weiter gehen, um hinterher festzustellen, dass es richtig ist. Dem Veranstalter kann kein Vorwurf gemacht werden, im Gegenteil, man hat das Bestmögliche getan. Trotz der widrigen Umstände macht es mir riesigen Spass hier dabei zu sein!

 

Ich begegne einem weiteren Läufer. Er hat grosse Probleme mit seinen Laufschuhen, die für dieses Gelände nicht geeignet sind. Zweimal rutscht er aus und sitzt auf dem Hosenboden. Er gibt natürlich nicht zu, dass er sich weh getan hat. Wir gehen weiter und erreichen eine Almhütte. Ab hier geht es über den Fahrweg immer bergab.

 

Jetzt schüttet es wie aus Eimern. An der kleinen Strasse ist ein 1Meter breiter Streifen mit Hütchen für die Läufer reserviert. Aber wer fährt schon früh um drei Uhr hier herum? Es ist die Rennärztin, die so spät durch Nacht und Nebel fährt und mich fragt, ob’s mir gut geht. „Tu vas bien?“ Na klar geht’s mir gut.

 

Die Hälfte liegt hinter mir und es rollt fast nur noch bergab. Zur Abwechslung geht es bei km 26 wieder in den Wald. Teilweise sehr steil bergab, mit vielen Wurzeln und rutschig. Aber runter kommt man ja bekanntlich immer. Ab km 30 ist man wieder im Tal. Es regnet deutlich weniger hier. Ein kleiner Anstieg ist noch zu überwinden, dann folgen die letzten 7 km flach von Fleurie zurück nach Couvet, meist am Fluss Areuse entlang.

 

Als ich im Ziel ankomme ist es noch dunkel. Jetzt eine heisse Dusche, eine Stunde Schlaf und dann ein gutes Frühstück. Was  kann man sich mehr wünschen?

 

Nächstes Jahr kommt der Ultralauf an die Reihe. Hoffentlich bei schönem Wetter. Ich möchte zugern mal sehen, wo ich eigentlich war...

 

 

Informationen: Swiss Canyon Trail
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