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Laufberichte

The Day We Unite – Tokyo Marathon 2016

 

Die „Vereinigung“ ist das Motto des 10. Tokyo Marathon 2016 am 28. Februar 2016. Das passt insofern, als er mittlerweile viele Läufer aus aller Welt anlockt, die sich mit den japanischen Athleten im Starterfeld „vereinen“. Seit 2013 gehört er zu „World Marathon Majors“, dem Zusammenschluss der sechs renommiertesten Marathons weltweit; dadurch ist er so richtig in den Fokus des internationalen Interesses gelangt. Er ist wohl der begehrteste Marathon überhaupt: Auf die 36.500 Startplätze bewerben sich Jahr für Jahr über 300.000 Läuferinnen und Läufer. Das ist umso bemerkenswerter, als es ihn in dieser Form erst seit 2007 gibt; bis dahin war der Tokyo Marathon ein allein für Eliteläufer zugelassenes Rennen mit entsprechend kleinem Teilnehmerfeld.

Er gilt außerdem bei vielen Läufern als der weltweit bestorganisierte Marathon dieser Größenordnung. Vor diesem Hintergrund ist es ein großes Glück, als ausländischer „Otto-Normal-Marathoni“ dort starten zu dürfen, zumal die Ausländerquote nur bei knapp 18% liegt. Der Zugang gelingt praktisch nur über einen der wenigen Laufreiseveranstalter, die dort über ein eigenes (erfahrungsgemäß schnell ausgebuchtes) Startplatzkontingent verfügen; einer davon ist interAir aus Pohlheim, dem ich mich hier (wieder mal gerne) anvertraut habe.

Nach etwa elfstündigem Flug ab Frankfurt lande ich am Donnerstag (25.2.) übernächtigt zur Mittagszeit in Tokyo-Haneda. Schon im Flughafen erlebt der ankommende Fluggast noch vor der Passkontrolle ein Beispiel japanischer Vorsicht: Man muss eine Art Schleuse mit einer Wärmebildkamera passieren, die Menschen mit erhöhter Körpertemperatur erkennt, damit diese gleich abgefischt und in eine nebenan liegende Sanitätsbaracke gebracht werden können. Die Angst vor einer Grippe ist offenbar groß. Dazu passen die nicht wenigen Japaner, die schon im Flugzeug die ganze Zeit über mit Mundschutzmasken gesessen hatten (offenbar ein bei Japanern sehr gefragter Artikel, in Tokyo waren erst recht viele Menschen damit unterwegs). Pass- und Zollkontrolle gehen dann aber recht flott und wir werden mit gecharterten Bussen vom Flughafen zum Hotel gebracht.

Am Abend folgt eine Infoveranstaltung von interAir zum Ablauf der nächsten Tage und natürlich zum Marathon am Sonntag, mit allerhand interessanten Daten von Ulli Sauer (manchen vielleicht bekannt als „Mister-London-Marathon“). Danach gehen wir zu Fuß zum Tokyo-Tower, einem dem Pariser Eiffelturm nachgebildeten Bauwerk mit großer 360° Aussichtsplattform hinter Glas. Ein schöner erster Eindruck von der nächtlichen Glitzerwelt in Tokyo.

Am Freitagvormittag (Sonne, stahlblauer Himmel, kühl und teilweise windig) machen wir zu früher Stunde einen gut halbstündigen Lockerungslauf vom Hotel aus an den Sumida-Fluss und wieder zurück. Nach dem Frühstück fahren wir zur Marathonmesse, um die Startunterlagen abzuholen. Sie befindet sich auf dem Messegelände „Tokyo Big Sight“, wo auch das Ziel des Marathons liegt.

Es geht mit einer oberirdischen, führerlosen Bahn namens „Yurikamome“ (Seemöwe) über mehrere Inseln im Hafengebiet hinweg auf die Insel mit dem Messegelände – eine spektakuläre Fahrt. Kurz vor 11.00 Uhr sind wir in der Marathonmesse, ab 11.00 Uhr soll es losgehen mit der Ausgabe der Startunterlagen. Die Organisatoren sind gut vorbereitet. Hinter den vielen Ständen stehen jede Menge Helfer, die darauf warten, loszulegen. In der Halle bildet sich eine lange Schlange von Läufern, die ihrerseits darauf warten, dass es losgeht. Das könnte es eigentlich auch, alle sind bereit. Aber halt: Es ist ja noch nicht 11.00 Uhr! Und die genaue Einhaltung von Regeln ist für Japaner sehr wichtig, die Erfahrung machen wir immer wieder mal. Also harren alle, Läufer wie Helfer, andächtig darauf, dass es 11.00 Uhr wird.

Und dann ist es soweit: Es ertönt ein Gong, und alle Helfer (und viele Läufer) spenden sich gegenseitig Beifall. Nun geht es flott voran. Schnell rückt die Schlange nach vorne, verteilt sich auf die verschiedenen Stände, und die Aushändigung des Beutels mit der Startnummer, dem Zeitmesschip (am Schuh zu befestigender Einmalchip, den man nach dem Rennen behalten darf), Sicherheitsnadeln, dem durchsichtigen Kleiderbeutel und ein paar weiteren Accessoires erfolgt ruckzuck. Danach gibt es an einem anderen Stand das vorbestellte (kostenlose) kurzärmelige Tokyo-Marathon-Shirt, das man mindestens eine Größe über der gewohnten ordern sollte (so habe ich zum ersten Mal „XXL“ bestellt, was sich als richtig erwies).

Dann geht es weiter in den eigentlichen Messebereich mit den üblichen vielen Verkaufsständen. Dort gibt es auch eine große Wand mit dem Tokyo-Marathon-Motiv, vor dem sich viele gerne mit ihrer Startnummer fotografieren lassen. Bei den Teilnehmern unserer Gruppe erweist sich noch ein weiteres Fotomotiv als sehr beliebt. Zu unseren Reisebetreuern gehört nämlich die frühere Weltklasseläuferin Irina Mikitenko, die zweimal die Marathon-Majors-Serie der Frauen gewonnen hat und in Tokyo noch 2013 mit dem 3. Platz auf dem Treppchen gelandet ist. Sich mit ihr ablichten zu lassen, ist für einen Freizeit-Marathoni natürlich eine schicke Sache. Die Arme macht freundlich und geduldig alles mit (überhaupt ist sie eine sehr angenehme und hilfsbereite Reisebegleitung). Auch ich kann der Versuchung nicht widerstehen – wann hält man schon mal die beste deutsche Marathonläuferin aller Zeiten im Arm?  Der Rest des Tages steht zur freien Verfügung, um Tokyo zu entdecken.

 

 
Irina Mikitenko und der Autor
© marathon4you.de

 

Am Samstagvormittag gibt es im Zielbereich des Marathons einen fünf Kilometer langen Friendship-Run, der sich in erster Linie an ausländische Läufer sowie deren Begleitungen richtet (aber mit nur 1.500 Plätzen schnell ausgebucht ist) und die Völkerverständigung fördern soll (siehe das obige Motto des Marathons). Eine Spaßveranstaltung, Verkleidungen sind gern gesehen. Einige von uns sind dabei, ich habe auf eine Anmeldung verzichtet.

Lieber möchte ich noch etwas mehr von der Stadt sehen, außerdem laufe ich nie am Tag vor einem Marathon. Mit Lara und Christoph, zwei Gleichgesinnten mit ähnlichem Humor wie dem meinigen, streife ich durch die Stadt und sammle Eindrücke: Der berühmte Tsukij-Fischmarkt, ein nebenan gelegener Shinto-Schrein, der Hama-Rikyu-Palastgarten, wo wir im Teehaus auf traditionelle japanische Weise Tee und Süßigkeiten genießen, dann eine Bootsfahrt auf dem Sumida-Fluss unter zwölf Brücken hindurch zum nördlichen Stadtteil Asakusa.

Dort finden wir nach einem Streifzug durch das Viertel sogar unverhofft ein Lokal für unsere persönliche Pasta-Party - ein im italienischen Stil aufgemachtes Restaurant mit großer Pasta-Auswahl. Wir ordern jeweils ein Gericht in „party-size“, nämlich doppelter Portion; unsere bisherigen Erfahrungen mit japanischen Portionen (Europäer haben offenbar größere Mägen) sprechen dafür. Die Wahl erweist sich als richtig, die Portionen sind für uns genau angemessen. Dazu ein schönes japanisches Bier – wir sind kulinarisch gut vorbereitet auf die morgige sportliche Herausforderung.

Dann der Marathontag. Nach fast schlafloser Nacht (nicht nur die übliche Vor-dem-Marathon Nervosität, auch der Jetlag wirkt nach) stoße ich zu unserer Truppe im Hotelfoyer, die sich um 7.00 Uhr auf den Weg zum Start im Stadtteil Shinjuku macht; die U-Bahnfahrt dauert etwa 20 Minuten. Die Startzone befindet sich um das Rathaus (natürlich ein mächtiges Hochhaus) herum. Der Zugang zur Startzone ist genau reglementiert: Jeder Läufer kommt dort nur über ein bestimmtes, ihm zugewiesenes, auf seiner Startnummer angegebenes Gate rein.

Dort erlebt man eine Kontrolle, wie man sie von den Flughäfen kennt; man muss durch eine Schleuse, Person und Kleiderbeutel werden durchleuchtet bzw. abgetastet. (Wie wir später erfuhren, gingen die Sicherheitsmaßnahmen noch viel weiter, dazu unten mehr). Geht aber alles flott. Dann der Weg zu den Kleiderbeutel-LKWs. Ich zögere, ob ich wie bisher geplant „oben“ wirklich mit zwei Schichten laufen soll. Die Wettervorhersage macht mir die Entscheidung nicht leicht: jetzt ist es kühl, es soll aber mittags noch 12 – 13 °C warm werden (spricht für eine Schicht), aber auch recht windig bleiben (spricht für zwei Schichten). Ich entscheide mich getreu dem Motto „besser anfangs etwas frieren als hinterher lange schwitzen“ um, belasse es bei einem Longsleeve-Shirt und gebe den Kleiderbeutel ab (auch das geht zügig).

Weiter geht es zu meinem Startblock; nach einigen Minuten ist er erreicht. Kaum bin ich dort drin, meldet sich massiv meine Blase. So kann ich unmöglich auf die Strecke gehen und bis zum Start um 9.10 Uhr sind es noch 35 Minuten. Das muss ich bis dahin geregelt haben. Also verlasse ich wieder den Startblock und suche nach Toiletten, die nicht zu sehen sind. Nun beginnt eine unangenehme Phase. Die von mir angesprochenen Hilfskräfte (die kaum englisch können) schicken mich in verschiedene Richtungen, schließlich zeigt ein Helfer auf das Ende einer Schlange (deren Endlosigkeit mir erst nach und nach bewusst werden wird) und bedeutet mir, ich möge mich dort anstellen. O.k., was bleibt mir anderes übrig. Sich einfach so an einen Baum oder einen Busch zu stellen, ist (wie bei den Marathons in den USA) nachdrücklich verboten. "Leider wurde ich schon vor dem Start disqualifiziert wegen Wildpinkelns" - das ist nicht unbedingt die Geschichte, die man hinterher erzählen möchte. Hier geht nun zum ersten Mal etwas nicht flott, sondern im Schneckentempo. Quälend langsam rückt die Schlange vor, es dauert ewig, bis die (viel zu wenigen) Dixie-Häuschen überhaupt zu sehen sind.

Die Zeit verrinnt. Um 8.45 Uhr werden die Startblöcke geschlossen, danach kann man sich nur noch am Ende des Läuferfeldes wieder einreihen; egal, nicht zu ändern. Dann ist es 9.00 Uhr, die Eröffnungszeremonie beginnt und wird über Lautsprecher übertragen. Eigentlich würde ich jetzt gerne in meinem Startblock stehen und die (nun sehr feierliche) Atmosphäre aufnehmen. Nationalhymne, traditionelle japanische Lieder, Ansprachen – das alles bekomme ich (wie Hunderte, fast ausschließlich einheimische Läufer um mich herum) zunehmend fröstelnd nur am Rande in einer Dixieschlange mit.

9.10 Uhr – der Startschuss; ich stehe weiter in der Schlange. Auch hinter mir noch jede Menge Läufer. Hinter den Schlangen die Startblöcke, wo die Läufer in den folgenden Minuten sich zuerst langsam gehend, dann zunehmend laufend auf die Startlinie zu bewegen. Kurz vor 9.30 Uhr – die Straße in den inzwischen aufgelösten Startblöcken ist fast leer und noch steht ein Läufer vor mir in der Schlange. Dann komme ich dran, und nach kurzer aber sehr wohltuender Erleichterung haste ich zur Strecke, auf der ich nun fast allein bin.

Ich hetze Richtung Startlinie und passiere sie etwa 9.35 Uhr, keineswegs als Letzter, aber die Tribüne ist schon leer und allzu viele Läufer sind nicht um mich herum. Immerhin, nun bin ich auf der Strecke und hole nach und nach das Feld wieder ein. Aber ein entspannter Start sieht anders aus, und meinen Laufrhythmus muss ich erst mal wieder finden. Dementsprechend ist meine Stimmung. Ich habe mir einen 7-Minuten-Schnitt pro Kilometer vorgenommen, in der Hoffnung, dass meine zuletzt gezerrte Hüftbeugermuskulatur, die mich in der Schlussphase des Marathontrainings ausgebremst und zu einer Pause gezwungen hat, mir keinen Strich durch die Rechnung macht. So sehe ich zu, mich auf dieses Tempo einzupendeln, was einigermaßen gelingt.

Der Lauf wird dann doch noch recht schön und meine Stimmung hellt sich auf. Sonnig-frisches Wetter, freundliche Zuschauer und immer wieder sehr spezielle japanische Tanz- und Musikgruppen an der Straße, mit traditionellen Gewändern, Fahnen, Trommeln und Schwertern. Einmal schallen sogar arabische Klänge durch die Straße, und tatsächlich: Eine Gruppe junger Japanerinnen lässt vergnügt die nackten Bäuche kreisen – japanischer Bauchtanz. Gute Versorgung mit Getränken und Bananen etc. Eine Besonderheit sind die vielen Helfer an den Verpflegungsständen etc. Die sind absolut euphorisch, feuern jeden an und lassen sich gerne abklatschen – das habe ich so noch nicht erlebt.

Die Streckenführung beim Tokyo-Marathon ist ungewöhnlich. Von oben betrachtet wirkt sie wie ein etwas verzerrtes Kreuz: Der Startpunkt in Shinjuku liegt im Westen der Stadt, von dort aus geht es zunächst etwa 6 Kilometer ostwärts, dann folgt ein Knick Richtung Süden am Kaiserpalast (Km 10) mit den umliegenden Parks vorbei, es geht weiter südlich bis Shinagawa (Km 16). Dort wendet die Strecke und geht etwa 12 Kilometer lang nördlich bzw. nordöstlich bis Asakusa, wo sie wieder wendet und bis etwa Kilometer 34 südwärts zurück ins Zentrum führt. Dann geht es südöstlich heraus aus dem Zentrum und über einige Brücken und Inseln hinweg in den Hafen hinein bis zum Ziel im Bereich des Messegeländes Tokyo Big Sight.

Über die längeren Phasen mit „Gegenverkehr“ sind die Meinungen geteilt; manche Läufer finden es gut, auch mal die entgegen kommenden Eliteläufer sehen zu können, andere (eher langsamere) Läufer finden es belastend, dass einem über längere Zeit die schnelleren Läufer entgegen kommen. Mir war das alles (vielleicht noch unter dem Eindruck des für mich unglücklichen Starts) relativ egal. Die aus dem Zentrum in den Hafen führende Strecke (ab Km 34) stellt in mentaler Hinsicht etwas höhere Anforderungen als der Teil davor. Es gibt deutlich weniger Zuschauer, auf den Brücken ist es windig und man ist oder wird ohnehin müde; aber man weiß ja, dass das Ziel näher rückt.

Bis etwa Km 28 läuft es bei mir wie geplant, dann meldet sich mein Hüftbeuger; es zwickt und zieht beim Laufen. Dies führt zusammen mit zunehmender Ermüdung dazu, dass ich im letzten Drittel mehr gehe als laufe. Nach 5:36 h bin ich im Ziel, auch für meine Verhältnisse kein befriedigendes Ergebnis, aber was soll‘s, die Medaille zählt.

Der Zieleinlauf selbst ist wenig spektakulär, das Ziel liegt auf einem zugigen Teil des Messegeländes (unter freiem Himmel), mit einer kleinen Tribüne daneben, die sich nach dem Eintreffen der Eliteläufer wohl bald leert. Im Ziel erhält man zuerst statt der sonst oft üblichen Finisher-Folie ein Handtuch mit dem Motiv des Tokyo-Marathons. Sehr praktisch, das hat man lange. Dann gibt es die (edle) Medaille und anschließend (alles noch unter freiem Himmel) wird man mit der Zielverpflegung versorgt, die man an verschiedenen Ständen nach und nach in einen Beutel packt, während man weiter auf den Hallenbereich zugeht. Man bekommt auch eine Spraydose, wohl mit Sauerstoff; einige Läufer setzten sich sofort hin und sprühten sich die Waden ein. Mir war es dafür zu kalt.

Das Teilnehmerfeld in Tokyo ist nicht allzu flott. Sogar mit meiner Zeit von etwas über 5:30 Stunden habe ich noch gut 6.000 Läufer hinter mir gelassen (es gab 34.677 Finisher, davon 126 aus Deutschland). Wer den Marathon unter vier Stunden läuft, landet schon im obersten Viertel; mit fünf Stunden ist man genau im Mittelfeld. Der an der Bruttozeit orientierte Zielschluss um Punkt 16.10 Uhr wird allerdings gnadenlos eingehalten, was einer unserer Leute zu spüren bekam: Er erreichte das Ziel um 16.11 Uhr, genau eine Minute nach dem offiziellen Zielschluss also, und wurde disqualifiziert! In Deutschland oder den USA kaum denkbar, aber der Japaner ist absolut regelgetreu.

Insgesamt muss man den Organisatoren ein großes Lob aussprechen, alles war (von dem oben beschriebenen Toilettendefizit abgesehen) einfach perfekt organisiert. So gab es z. B. (allen Teilnehmern vorab online als pdf-Datei übermittelt) ein "runners handbook", das wirklich keine Frage offen ließ; es enthält sogar detaillierte Hinweise zum richtigen Verhalten für den Fall, dass der Marathon wegen eines Erdbebens mit einer Stärke von mehr als „5“ auf der Richterskala abgebrochen werden muss (in Japan sind Erdbeben keine Seltenheit).

Im Zielbereich in den Messehallen bekam ich den Kleiderbeutel rasant schnell ausgehändigt, meine Startnummer wurde schon weitergerufen, als ich noch auf dem Weg zu meiner Ausgabestelle war. Und es wurde dort noch ein sehr spezieller fernöstlicher Regenerations-Service geboten: Es gab einen Akupunktur-Bereich (den habe ich nicht in Anspruch genommen, mir fehlte dafür die innere Ruhe), und einen Bereich mit großen Wannen, an denen bis zu 10 Personen Platz nehmen und im heißen Wasser ihre gequälten Füße baden konnten - das habe ich gemacht und genossen. Auch dort war alles minutiös organisiert: Eine nette junge Helferin begleitete mich und wies mir einen Wannenplatz zu, gab mir ein Reinigungstuch für die Füße (das heiße Wasser dient nicht zur Reinigung, sondern allein der Entspannung) und nahm es mir nach erfolgter Benutzung gleich wieder ab.

Am Tag danach lasen wir, dass die gesamte Veranstaltung unter extrem hohen hightechmäßigen Bedingungen gesichert war, was wir nur ansatzweise (an den Zugangsgates) bemerkt hatten. So erfuhren wir, dass an den Zugangsgates zum Startbereich in Zusammenarbeit mit Polizei und Geheimdiensten Gesichtserkennungssysteme eingesetzt wurden, um potentiell eingeschleuste Terroristen erkennen zu können. Über der Strecke und insbesondere über dem Zielbereich wurden Drohnen zur Überwachung eingesetzt, und außerdem gab es Abwehrdrohnen gegen eventuell andere, unerlaubt in den Luftraum der Stadt eindringende Drohnen. Wenn irgendwo Terroristen beim Marathon keine Chance haben, dann in Tokyo. Wem in dieser Hinsicht bei Mega-Marathons etwas mulmig ist, der sollte nach Tokyo fahren, sicherer ist man bestimmt nirgendwo anders.

Abends haben wir alle noch bester Laune in einem Pub direkt beim Hotel gefeiert. Anstoßen auf den Tokyo-Marathon und Pläne schmieden für den nächsten „Major“ oder sonst ein attraktives Ziel – „keep on running!“.

Am nächsten Tag ging es für einen Teil der Gruppe zurück nach Hause, für den anderen Teil (dazu gehöre ich) hingegen weiter auf eine Anschlussreise nach Hakone (Region beim Mount Fuji), Nara und Kyoto. Eine wirklich schöne Reise, über die auch einiges zu schreiben wäre. Aber das ist ja hier in erster Linie Lauf- und nicht ein Reiseportal. Nur so viel: Vor dem Abflug aus Deutschland schien es mir klar zu sein, dass dies wohl meine einzige Japanreise bleiben würde. Jetzt bin ich mir da nicht mehr so sicher …
 

 


 

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