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Es gibt nur Sieger

25.10.09

Wenn ich zwei Namen nennen müsste, die beinah zum Synonym für die von ihnen beworbene Tourismusdestination in der Schweiz wurden, so kommen mir Hanspeter Danuser und Kurt H. Illi in den Sinn. Ersterer hat im Blazer mit aufgesticktem Sonnenemblem seiner Destination wie ein Englischer Gentleman die Reichen und schön Operierten nach St. Moritz geholt. Letzterer hat, zuweilen ein bisschen hemdsärmelig, für Luzern geworben und sich  dazu in Indien schon mal aufs Nagelbrett gelegt. Der Erfolg gab ihm recht. Die Leuchtenstadt (die erste Siedlung ging aus einem um die Mitte des 8.Jhs. gegründeten Klosters "Luceria" hervor, daher der Name Leuchtenstadt) hat zwar noch mehr Sehenswürdigkeiten als den Anblick des Wasserturms und der Kapellbrücke zu bieten, die als Erkennungszeichen schlechthin auf den Werbeplakaten fungieren. Davon können sich die Touristen überzeugen, wenn sie nach Luzern kommen. Und sie kommen.

Ob es an dem Vorbild des ehemaligen Tourismusdirektors liegt oder ob die Luzerner einfach das Flair für erfolgreiches Marketing für ihre Stadt und deren Anlässe haben? Tatsache ist, dass in diesem Jahr zum dritten Mal der Lucerne Marathon stattfindet. Aus der Retorte haben sie die Veranstaltung im Oktober 2007 erstmals abgehalten. Sie kamen neu auf einen eher gesättigten Markt und waren auf Anhieb sehr erfolgreich. Das spürte ich daran, dass ich bei der Erstaustragung keinen Startplatz erhielt. Das Organisationsteam und die Geschäftsleitung haben einerseits gleich mit der großen Kelle angerichtet und wurden dabei  von der Bevölkerung, den Behörden und vielen Vereinen unterstützt, andererseits stand der Breitensport in Mittelpunkt. Daran hat sich nichts geändert und deswegen – oder trotzdem – können in diesem Jahr bereits 8000 Teilnehmer begrüßt werden. Die Anpassung der Infrastruktur ermöglicht die Ausweitung des Teilnehmerfeldes und es ist noch nicht das Ende der Fahnenstange. Nachdem die Anmeldung  wegen Erreichen des Limits auch wieder frühzeitig geschlossen werden musste und Startplätze nur noch über die Tauschbörse auf der Veranstaltungs-Website erhältlich waren, ist es nicht nur der fromme Wunsch von Hansruedi Schorno, dem OK-Präsidenten, sondern auch von vielen Läufern ohne Startplatz, dass spätestens bei der fünften Austragung  die Teilnehmerzahl fünfstellig sein wird.

Zum Abschluss meiner regulären Marathon-Saison kann ich aufs Frühaufstehen am Sonntagmorgen verzichten und reise schon am Vortag mit dem angeboten Spezialticket an. In Zusammenarbeit mit den SBB kann zum halben Preis mit der Bahn gereist werden, Inhaber der Schweizer Bahn Card, dem Halbtax, erhalten sogar 75% Ermäßigung. Die Förderung der Anreise mittels Öffentlichem Verkehr ist mit ein Grund, weshalb der Lucerne Marathon verschiedene Labels und Auszeichnungen als umweltfreundliche Großveranstaltung sein eigen nennen kann.

Am Vortag

 
© marathon4you.de 14 Bilder

Vom Bahnhof aus muss ich nur über die Seebrücke auf die andere Seite des Seebeckens gehen, wo das Fünfsternhotel Schweizerhof zum Sport-Tempel umfunktioniert wurde. Am Freitag und am Samstag kann hier die Startnummer abgeholt, über die Marathon-Messe gebummelt und an der Pa(s)tata-Party der Kohlenhydratspeicher gefüllt werden. Pa(s)tata-Party? Klar, Rösti muss dabei sein, schließlich ist dies Viktor Röthlins Lieblingsessen vor dem Wettkampf. Wem die so zubereitete Erdknolle und effizienteste Kohlenhydratbombe suspekt ist, kann sich auch an die Penne mit Tomatensauce halten.

Wer die Strecke im Voraus ganz besichtigen will, kann vor dem Hotel gegen einen Obolus den City-Train besteigen und in Ruhe einen Überblick über den Kurs erhalten.

Von einem Teil der Strecke nehme ich am Sonntagmorgen auf dem Weg vom - an schönster Lage am Vierwaldstättersee in Horw gelegenen -  Hotel nach Luzern einen Augenschein. Mir fällt auf, wie viele Opfer die Anwohner bringen. Straßen bleiben bis in den Mittag hinein gesperrt und die Busse der Verkehrsbetriebe fahren auf Alternativrouten oder gar nicht. Den Sonntag zu opfern, um als Helfer mitzuarbeiten, ist nach Aussage der jungen Sportler im Bus und ihrer Begleiterin eine Selbstverständlichkeit. Dass sie bei diesem tollen Gemeinschaftserlebnis noch einen kleinen Zustupf  in die Vereinskasse bekommen, ist nur eine angenehme Nebenerscheinung.

Vom Bahnhof aus lasse ich mich mit dem Fährschiff, das durchgehenden Pendeldienst anbietet, auf die andere Seeseite bringen. Die Morgenstimmung über dem See und der Stadt ist traumhaft und ich habe das Gefühl, als gehe diese bunt zusammengewürfelte Gesellschaft auf einen gemächlichen Sonntagsausflug. Keine Spur von Hektik oder Nervosität nehme ich wahr; die Leute um mich herum scheinen das Erleben schätzen zu können.
Die Anlegestelle ist unmittelbar vor dem Verkehrshaus, wo heute alle Fäden zusammenlaufen. Diese Attraktion feierte kürzlich den 50. Geburtstag und hat meine Generation nachhaltig geprägt. Noch heute merkt man Kindern nach einem Besuch im Verkehrshaus an, wenn ihre Väter an diesem Ort ein neues Museumserlebnis hatten. Der Themenkreis als solcher war Faszination genug.

Für mich als Kind einer Familie, die auf den Öffentlichen Verkehr angewiesen war, waren allein schon die ausgestellten Autos ein Erlebnis für sich. Die Gotthard-Modelleisenbahnanlage und die Krokodil-Lokomotive ließen unsere Augen leuchten und brachten uns unserem Traum, einmal als Lokführer im Führerstand einer solchen Maschine zu stehen, so nah wie sonst nie. Ganz zu schweigen von allem, was mit der Fliegerei zu tun hat. In einer Zeit, in der noch nicht die Millionen, sondern die Millionäre flogen, standen wir mit Ehrfurcht in diesen heiligen Hallen. Während in anderen Museen griesgrämige Aufseher darüber wachten, dass man ja keines der ihnen ähnlich sehenden, verstaubten und von Motten zerfressenen Exponate berührt, durfte man im Verkehrshaus schon damals  „handelnd begreifen“.

Zum Jubiläum gab es eine neue Ausstellungshalle und zwischen den einzelnen Gebäuden bietet sich nun eine Multifunktionsarena für besondere Anlässe an. Vor dieser Kulisse werden später die Läuferinnen und Läufer über den roten Teppich ins Ziel geführt. Wer zu Fuß unterwegs ist, wird sonst zum Langsamverkehr gezählt, eine Bezeichnung, die heute fehl am Platz ist. Der Direktor des Verkehrshauses hat einen treffenderen Begriff dafür und freut sich auf dieses Festival der Mikro-Mobilität.

 
 

Informationen: SwissCityMarathon Lucerne
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