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Mein Davos-Debüt (C42)

 

KeinTrailrunning-Liebhaber kommt umhin, irgendwann auch bei einer der klassischen Disziplinen beim Swissalpine zu starten. Nachdem ich letzten Samstag beim Silvretta Run 3000 knapp das Zeitlimit verfehlt habe und so nicht in die Wertung gekommen bin, scheint die Teilnahme eine Woche später beim C42 Kulturmarathon mit + 1020m/-1190m bestens geeignet, verlorenes  Terrain in meiner Marathonsammler-Statistik wieder gutzumachen. Außerdem lässt sich so ein Treffen mit M4Y-Chef Klaus Duwe und meinem Lauffreund Edi Ernst, mit dem ich gemeinsam auf einer Kreuzfahrt um die Welt fünf Marathons in Übersee absolviert habe, arrangieren.

Ich reise wie gewohnt im Railjet am Vortag von Wien aus bei herrlichem Sommerwetter an. Nach einem Umstieg in Buchs geht es mit der S-Bahn nach Landquart und von dort mit der Rhätischen Bahn in den typisch roten Wagons, die zum Unesco Weltkulturerbe zählt, zur Endstelle nach Davos Platz.

Davos liegt im Schweizer Kanton Graubünden 1538 m über dem Meeresspiegel. Mit seinen sechs Fraktionsgemeinden hat die Stadt derzeit ca. 11.000 Einwohner und gilt als renommierter Luftkurort und weltweit bekanntes Kongress- und Sportzentrum. Aber auch für Kunstschaffende und Kreative wurden in den letzten Jahren zahlreiche Wettbewerbe in Architektur und Malerei veranstaltet. Das alljährliche Weltwirtschaftsforum im Januar mit internationalen Repräsentanten aus Bildung, Politik und Wirtschaft hat das Ansehen der Stadt noch gesteigert. Für Eishockeyfreunde ist der Spengler Cup, der seit 1923 jedes Jahr zwischen dem Stephanstag und Silvester im Eisstadion von Davos stattfindet und das älteste internationale Eishockey-Mannschaftsturnier ist, ein Begriff.

 
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Es wird also Zeit, dass ich mit meinen mittlerweile 60 Jahren einmal nach Davos komme. Auf der Expo  im Kongresszentrum hole ich mir die Startunterlagen ab. Großes Kompliment und ein herzliches Dankeschön ergeht an den Standbetreuer der Rhätischen Bahn, der mir exakt 20,80 Sfr für das online gekaufte Ticket von Buchs nach Davos rückerstattet und zudem, wie im Programm angekündigt, ein Swiss- und Regio-Ticket aushändigt. Dieser Service ist wohl weltweit einmalig. Ich komme viel herum, doch anderswo gilt ein Gratis-Ticket bestenfalls für lokale Fahrten mit der Straßenbahn- oder Metro am Renntag.

Wir sehen uns noch ein wenig um, ich kaufe mir an einem Stand einen süßen Nusskuchen, der so gut ist, dass ich davon leicht die dreifache Portion verspeisen könnte. Seit meiner Kindheit konsumiere ich Kägi Fret-Schnitten, mag Toblerone-Schocko und leiste mir fast jede Woche aus der Apotheke eine Tube Perskindol-Gel. Dies ist für mich das Wundermittel schlechthin, der „Dol“ verschwindet im Nu. Swissmade  gibt es weltweit, worum viele andere Nationen die  Schweizer ja auch insgeheim beneiden. 

Edi fragt eine Betreuerin, ob wir ausnahmsweise für einige Fotos ins berühmte Eisstadion des HC Davos hinein dürfen. Ja, natürlich. Ich bin von der riesigen Holzüberdachung angetan, die Eisarena ist  beeindruckend.

Am Abend spaziere ich auf der Promenade durch Davos, es herrscht Volksfest-Stimmung. Im Rahmen des traditionellen Straßenfestes lässt es sich bei musikalischen Einlagen, Informationsständen und kulinarischen Schmankerl trefflich auf den 29. Swissalpine vorfeiern. Ich liebe Drehorgeln, die Musik der Werkelmänner, die auch in Wien eine lange Tradition haben, geht unter die Haut. Man gibt ja ungern zu, dass man einen weichen Kern hat, aber die „Hits“ der Werkelmänner sind was fürs Gemüt. So bleibe ich hinter einer Säule stehen und lausche.  Der Marathon ist  plötzlich nicht mehr vorrangig, als „La Paloma“ oder „Mussi denn“ ertönt.

Das Frühstück wird bereits ab 5 Uhr früh serviert. Man hört die zahlreichen Läufer aber schon viel früher nervös durch die Gänge hetzen, neben meinem Zimmer duscht jemand schon um 3 Uhr früh. Die Läufer an den Tischen machen den Eindruck, dass sie sich sehr gut auf das Rennen vorbereitet haben. Man erkennt auch ohne Startnummern, dass die meisten beim K78 starten. Klaus hat mir den Tipp gegeben, lieber zuerst unten anzufangen, als sich zu viel zuzumuten. Die Veranstalter  könnten mit den Buchstaben „C“ ja auch „cool“, „comfortable“ oder  „contemplation“ gemeint haben, unter „Kultur“ lässt sich bekanntlich Vieles subsummieren.  Die Strecke von K78, C42 (bis Bergün) und K30 (bis Filisur) sind völlig ident, nur die Durchlaufzeiten sind beim K78 kürzer.

 
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Ich habe Edi am Vorabend nach dem voraussichtlichen Wetterbericht für den Renntag gefragt. Als Schweizer sollte er mehr Gespür haben als einer wie ich aus der pannonischen Tiefebene, zu der Wien zählt. Edi glaubt vielleicht an höhere Mächte, aber nicht mit gravierenden Niederschläge.

Am Start ist dann auch noch alles trocken,  Edi sehe ich unter den gut 1500 Starter nicht. Mit dem musikalischen Klassiker aus „Die Eroberung des Paradieses“ des griechischen Komponisten Vangelis geht es los. Das Gefühl von Größe wird in einem spürbar, selbst wenn man kein Held ist, sondern bestenfalls Teilnehmer.

Unter den Teilnehmer am Start erblicke ich viele Schweden. Man könnte sich allerdings leicht vom Wappen der Stadt Davos täuschen lassen, denn auch dieses ist blau-gelb. Da ich selbst Schwedisch spreche, ist meine Wahrnehmung also nicht trügerisch. 

Die Farbe der Startnummer gibt Aufschluss über die angepeilte Strecke. Rot für den K78, grün für den „Kulturmarathon“ C42 und schließlich hellblau für den 32,9km-Lauf nach Filisur. Wie beim SilvrettaRun 3000 bin ich im Nu schon fast ganz hinten, mir kommt vor, dass der ganze Pulk davongestürmt ist. Ohne aufzuwärmen, sozusagen von Null Bewegung um 7 Uhr morgens auf eine 6er-Zeit, also 10km/h, stellt körperlich eine Belastung dar. Ich brauche Minuten, um bei dem in einer 180 Grad-Schleife angesetzten Durchlauf durch Davos sukzessive wieder Boden gut zu machen.

Kaum sind wir aus der Stadt draußen, folgt nach kaum 3 km auch schon die erste Labestelle, die bereits gut frequentiert wird. Der C42 hat eine garantierte Schlusszeit von 7 ½ Stunden, damit kommt bei mir kein Stress auf.  Aber das um 9 Minuten verfehlte Zeitlimit beim Silvrettarun ärgert mich noch immer.

Blickt man in die Ferne, erkennt man, dass die Topologie des Marathons, die - wie bereits erwähnt -  je nach Distanz für die drei Startgruppen bis zum jeweiligen Zielbereich davor ident ist, ein welliges, um nicht zu sagen, hügeliges Profil hat. Es hat angefangen, leicht zu regnen. 10 bis max. 20 mm Regenfälle im Verlaufe des Tages sind angesagt. Doch die werden nach einer Stunde längst erreicht sein. Nicht auszumalen, wenn es vielleicht stärker und während des ganzen Rennens regnen sollte.

Die Läufer vor mir laufen bald nicht mehr, sie überwinden die anstehenden Steigungen im Gehen. Ich persönlich betrachte Gehen bei einem Marathon als eine Art Erholung, zumindest als Schonung. Man strengt sich beim Laufen deutlich mehr an. Wer bergauf laufen kann, hat ein anderes Leistungsniveau.

 
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Anja aus Hamburg vom Lauf- und Saufteam geht den K30 locker an. Ich finde das Logo auf ihrem Shirt bzw. die Club-Bezeichnung „cool“, schließlich ist die Umgebung in Hamburg  flach und die Leute aus ihrem Laufverein scheinen sich gerne die Zeit für ein geselliges Beisammensein zu nehmen.

Ich habe die Streckenbeschreibung nicht genau gelesen, doch eins ist klar: Der C42 verläuft zumeist im Gelände auf z.T. befestigten Nebenwegen mit Schotter als Untergrund und weniger auf Asphalt. Für mich ist der C42 ein Trail-Run, den kulturellen Bezugspunkt bzw.  Der Begriff „Kulturlandschaft“ bezeichnet per definitionem jede grundsätzlich dauerhaft vom Menschen geprägte Landschaft, dazu gehören also auch die Bauernhäuser am Weg, Kapellen und Kirchen, Denkmäler und vieles mehr.

Bis zur Labestelle in Höfen nach ca. 5km sind mehr als 45 Minuten vergangen, den leichten Dauerregen finde ich noch nicht so störend, es ist angenehm kühl. Nur die Canon Ixus-Linse ist schon jetzt leicht beschlagen. Da meine gesamte Laufkleidung längst durchnässt ist, auch die Bauchtasche, finde ich kein trockenes Tuch, um die Linse abzuwischen. M4Y-Reporter haben so manches Mal mit dem Unbill der Natur zu kämpfen, das erschwert ihren Job. Doch selbst die beste Unterwasserkamera hilft bei Dauerregen nicht, wenn auf der Glasfront vor der Linse Tropfen picken.

Ich passe mein Tempo den anderen vor mir zumeist aufwärts Gehenden an, bei allen Abwärtspassagen überhole ich dann zügig. Wenn andere oft auffallend unsicher auf Steilstücken nach untern unterwegs sind, denke ich daran, dass ich als Schifahrer steile Abfahrten immer sehr gemocht habe. Wegen der vielen kreuz und quer fahrenden Schitouristen kann man heutzutage nur mehr knapp vor Ende der letzten Talfahrt im Schuss downhill bolzen. 

Wegen des Regens haben die Landschaftsfotos nicht mehr jene Aussagekraft, die man vielleicht sonst für einen Graubündner Fotokalender bei Sonnenschein zustande brächte. Der Regen ist immer noch angenehm kühl. Bei solchem Wetter erzielte ich meine „besten“ Marathonzeiten, so z.B. 2002 mit 3:59 in Linz. Doch im Gelände denke ich kaum an die Laufzeit, außer es besteht ein Zeitlimit, dann muss man aufpassen.

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Informationen: Swissalpine
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