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Laufberichte

Hart erarbeitet (K78)

 

Mein Mann Norbert und ich haben vor zwei Jahren den K42, Europas höchst gelegensten Marathon, bezwungen. In diesem Jahr folgt die Steigerung: der legendäre K78.

Meine Strategie ist, irgendwie die 40 km bis Bergün überleben und dann „nur noch“ die schon bekannte Strecke des K42 bewältigen. Dies müsste für mich in 12 Stunden und 30 Minuten machbar sein. Allerdings: Nie zuvor bin ich so lange gelaufen. Einen ganzen Tag auf der Strecke – unglaublich!

Zunächst heißt es früh aufstehen. Ab 5 Uhr gibt es Frühstück. Unser Hotel Schatzalp ist Stützpunkt vieler Läufer,  der Speisesaal ist bereits voll. Gespannte Ruhe liegt in der Luft. Um 6 Uhr bringt uns die Bahn nach Davos hinunter. Gleich an der ersten Straßenecke werden wir mit lautem Jubel begrüßt. Ein paar Übriggebliebene der letzten Nacht sind immer noch in Feierlaune.

Der Stadionbereich ist bereits gut gefüllt. Trotz der vielen Menschen gelingen die letzten Startvorbereitungen stressfrei: die Gepäckabgabe ist narrensicher ausgeschildert, Toiletten stehen in ausreichender Anzahl zur Verfügung, an der Verpflegung gibt es bereits Wasser und Massagen sind auch im Angebot.

Bei herrlichem Wetter mit angenehmen 15 °C und wolkenlosem Himmel drängen wir uns im Stadion vor dem Startbogen. Norbert und ich wollen uns hinten einreihen. Das haben scheinbar viele vor und so gelingt es nicht ganz. Am Start stehen neben K78-Läufern auch K30er und C42er in größerer Anzahl.

Punkt 7 Uhr erfolgt der Start und standesgemäß mit „Conquest of paradies“ werden wir auf die Strecke geschickt. Ein kleiner Stadtrundlauf durch den für den Verkehr gesperrten Ortskern beschert uns Citylauf-Feeling. Gefühlt tausende von Fans haben sich zu dieser frühen Stunde versammelt und jubeln der endlosen Läuferschlange zu.

 
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Wir verlassen Davos bergab Richtung Frauenkirch. Ein großartiges Bergpanorama liegt vor uns. Wir verlassen die Landwasserstraße. Die erste Steigung wird von den meisten laufend bewältigt. Erst als klar wird, dass das jetzt länger so weiter geht, verlegen sich die ersten auf´s Gehen. Das Bergdörfchen Lengmatte mit rustikalen Holzhäusern und Geranienbalkons lässt uns den lauten Abschied vergessen und versetzt uns alsbald in die stille Bergwelt.

An der ersten VP (die erste Wasserstelle hab ich wohl übersehen) gibt es Wasser, sogenannten Iso-Tee und Bananen. Obwohl es mir vorkommt, als ob wir gerade erst los gelaufen sind (km 10), sind  die Getränke heiß begehrt. Es geht wieder abwärts. Ein Schild kündigt ein 18 %iges Gefälle an. Unten angekommen überqueren wir nochmal die Landwasserstraße und dann führt uns ein Bergsträßchen bergauf.

 
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Die nächste Ortschaft Spina begrüßt uns mit volksfestartiger Stimmung. Hier ist alles liebevoll geschmückt und riesige Kuhglocken werden geschwungen. Obwohl wir erst weitere 2 km gelaufen sind, gibt es schon wieder Wasser. Es ist mir peinlich, als ich die Berge von gebrauchten Bechern an der Straße liegen sehen. Aber die Einheimischen haben vorgesorgt: Die ausgebreiteten  Kunststoffplanen müssen später nur noch zusammengebunden werden, und der Straßenrand ist ruck-zuck wieder sauber.

Wir laufen weiter bergauf. In Wissingen endet die Straße; der Trail beginnt. Im kühlen Wald geht es wellig dahin. Plötzlich weitet sich die Szenerie, und inmitten einer Almenlandschaft kommt eine Kirche in Sicht. Es handelt sich um die „neue“ Kirche von Monstein. Sie dient der Gemeinde allerdings schon seit 100 Jahren als Gotteshaus und den Swissalpine -Läufern als Wegmarke für km 15. Der Ort liegt 1620 m über dem Meer auf einer Sonnenterrasse und weist bis heute die unverkennbaren Merkmale eines typischen Walserdorfes auf: Viele Häuser sind aus Holz gebaut, einige sogar noch mit den traditionellen Lärchenschindeln eingedeckt, dem Stil der Einwanderer aus dem Wallis.

Politisch gehört Monstein zur Landschaft Davos. Die Fraktiongemeinde mit knapp 200 Einwohnern ist jedoch in mancherlei Hinsicht selbständig geblieben und hat zahlreiche öffentliche Aufgaben zurückbehalten. Z. B ein eigener Gemeinderat mit Gemeindeversammlung, ein eigenes Fraktionsvermögen, die Feuerwehr, die Wasserversorgung und einige Liegenschaften, die zu den Gütern der Gemeinde gehören. Der Friedhof zählt ebenso zu ihrem Eigentum wie "Gfrieri"  (Gemeinschaftsgefrieranlage), die Gemeindesäge und die 500 Hektar Waldfläche mit dem gesamten Waldwegenetz.

Heute ist hier Großkampftag: die VP an der Hauptstraße wird stark frequentiert. Zuerst teilen Kinder aus bereitgestellten Wannen Schwämme aus. Wenn alle Läufer versorgt sind, wird von den kleinen Helfern zur Entspannung eine kurze Schwammschlacht ausgetragen. Dann sind sie wieder fit für den weiteren Läuferansturm. An den Tischen gibt es nun zusätzlich Bouillon, die im Akkord ausgeschenkt wird.

An der Postbushaltestelle vorbei geht es bergab, bis wir das Gleis der Rhätischen Bahn (RhB) überqueren und wieder die Landwasserstraße erreichen. Ein kurzes Stück führt ein Radweg an dieser entlang. Hinter dem Restaurant und Bergbaumuseum Schmelzboden liegt der Eingang zur Zügenschlucht (km19) und es gibt Wasser für die Durstigen.

 
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Bis 1974 durchquerte die Kantonsstraße Davos–Filisur diese Schlucht. Da die Zügenschlucht wegen Lawinengefahr oft gesperrt werden musste, bot die RhB zwischen Davos Glaris und Wiesen deshalb im Winterhalbjahr bedarfsweise eine Autoverladung an. Seit 1974 gibt es für die Straße und die Bahnstrecke Davos Platz – Filisur den Landwassertunnel. Die Alte Zügenstraße ist seither ein Paradies für Wanderer und auch als Gesteinslehrpfad ausgewiesen.

Ein Schild am Eingang der Schlucht weist uns auf deren Bedeutung als Mobilitätsweg hin. Aus den Spuren, die Weg-, Straßen- und Eisenbahnbauer dort hinterlassen haben, kann heute einiges über die Entwicklungsgeschichte unserer Mobilität abgeleitet werden. So gesehen ist die Zügenschlucht ein bedeutendes Dokument unserer Kulturgeschichte.

Die Schlucht beginnt harmlos: der geteerte Weg ist durch eine dicke Mauer vom Bett der Landwasser getrennt. Doch schon hinter der ersten Kurve zwingt uns der hohe Fels in einen kurzen Tunnel. Automatisch verringern wir unser Lauftempo. Die Dunkelheit macht den Schritt unsicher, weil der Untergrund etwas uneben ist. Wir sind froh wieder draußen zu sein, als auch schon der zweite Tunnel in Sicht kommt. Plötzlich ist der Fluss links von uns. Nun wird es spektakulär: auf den nächsten 3 Kilometern wird die Schlucht eingerahmt von den Felsformationen Steig und Silberberg. Eine hohe Eisenbahnbrücke zieht unseren Blick in ihren Bann. Wir gehen darunter durch und rein in den nächsten Tunnel hinein. Das Flussbett liegt nun schon viel tiefer.

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Informationen: Swissalpine
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