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Laufberichte

Auf neuen Pfaden (S42)

 

Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts besuchten die Schönen und Reichen Davos, um sich von allen möglichen Krankheiten kurieren zu lassen. Doch auch das gemeine Volk konnte von der heilenden Luft profitieren. Vor allem bei der Tuberkulosebekämpfung hatte man in Davos  große Erfolge. Nachdem sich herumgesprochen hatte, dass es hier auch eine wunderbare Landschaft zu erleben gibt, war es nur ein kleiner Schritt zum Wintersportort par excellence.

Auch heutzutage hat der Ort seinen Besuchern einiges zu bieten: Von kulturhistorischen Führungen, zahlreichen Museen und Ausstellungen über Schaukäsereien, Kutschfahrten und Burgbesichtigungen bis zum Kletterkurs, Wakeboarden und Windsurfen ist sicher für jeden etwas dabei. Und die zahlreichen Wandermöglichkeiten habe ich noch gar nicht erwähnt.

Bereits zum 31. Mal wird heuer der international bekannte Swissalpine Marathon ausgetragen. Neben der klassischen Marathonstrecke gibt es einen 78 km langen Ultra, einen 30 km Lauf, einen Halbmarathon und die 10 km Kurzdistanz. Auch für Kids ist etwas dabei. Am letzten Wochenende im Juli herrscht also Ausnahmezustand in Davos. Nachdem Norbert und ich den K42, den klassischen Marathon über die Keschhütte und auch den legendären K78 Ultra bereits gemeistert hatten, ist bei uns die Neugierde groß: der S42, Bruder des beliebten K42 ist im letzten Jahr dazugekommen. Start und Ziel sind in Davos; er hat zwar 400 Hm weniger,  geht dafür aber über den Panoramatrail, der früheren Schönwetterstrecke des K78. Gute Gründe dafür,  dass der Neuling stark gefragt ist. Über 900 Starter sollen es dieses Jahr sein.

Start um 10Uhr30 – das ist eine Zeit, die mir gefällt. Ausschlafen, Frühstücken und dann um 9Uhr40 Uhr mit der Schatzalpbahn nach Davos hinunter. Bis zum Stadion ist es ist es nicht weit. Schnell ist das Gepäck abgegeben, ein allgemeines Aufwärmprogramm ist bereits im Gange. Wir beschließen aber, uns auf den ersten Streckenkilometern aufzuwärmen und begeben uns an die Verpflegungstische  im Schatten. Bei den netten Mädels kann ich meine Handflasche mit Bouillon auffüllen lassen. Dann genießen wir die wuselige Vorstartatmosphäre.

 

 
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Standesgemäß mit „Conquest of paradies“ werden wir endlich auf die Strecke geschickt. Ein kleiner Stadtrundlauf durch den für den Verkehr gesperrten Ortskern beschert uns Citylauf-Feeling. Viele Schlachtenbummler stehen am Straßenrand und feuern uns an. Anders als beim  K78 geht es jetzt ins Dischmatal, das ist das mittlere von drei Seitentälern südlich von Davos.

Wir verlassen Davos am Golfplatz entlang, hohe Zäune schützen uns vor Golfbällen. Schnell haben wir einen wunderbaren Blick auf den Scalettagletscher ganz weit vor uns. Der Weg führt durch grüne Wiesen, wellig, tendenziell bergauf. Auf der moderaten Steigung geht es gut voran und bald liegt die erste Wasserstelle bei Chaiseren, km 4, vor uns. Mir ist warm und so greife ich spontan nach einem Becher und nehme einen großen Schluck.

Das Tal ist hier breit, rechts am Hang blühen bunte Wiesenblumen und im Talgrund fließt die Dischma uns entgegen. Die Sonne steht am wolkenlosen Himmel. Hinter der nächsten Kurve kommen wir in den Wald. Die kühle Luft tut gut, dafür geht es aber steil bergauf. Der Bergwald ist eine willkommene Abwechslung. Als sich der Forst wieder öffnet, sind wir schon deutlich höher. Bald müssen wir eine Straße überqueren. Helfer sichern den Übergang und feuern uns lautstark an. Erfreut laufe ich am km 35 Schild vorbei. Es zeigt die noch zu laufende Distanz an.

 

 
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An der nächsten Straßenquerung, dasselbe Spiel. Zu spät erkenne ich Andrea Tuffli, Gründer,  Organisator und Gesicht des Swissalpine Marathon. Wer kann aber auch ahnen, dass er hier bei der „Kurzstrecke“ die Läufer anfeuert.

Ein lauschiger Wanderweg führt zwischen mannshohen Bergkiefern und anderen Büschen hindurch. Die kleine Straße läuft unauffällig oberhalb von uns und so könnte man meinen, die Zivilisation ist weit entfernt. Nur das Läuten entfernter Kuhglocken ist zu hören. Die nächste VP bei km 9 ist top organisiert. Zuerst kommt ein Tisch, an dem Bananen ausgegeben werden. Am nächsten Tisch ein paar Meter weiter gibt es ISO Tee und wieder ein paar Meter weiter dann Wasser. So kann eine große Anzahl Läufer gleichzeitig abgefertigt werden. Bei uns ist das jedoch nicht mehr nötig. Das Feld ist bereits weit auseinandergezogen und die Helfer können sich jedem Einzelnen widmen. Ich lasse in Ruhe meine Flasche auffüllen.

Seit einiger Zeit habe ich ein flaues Gefühl im Magen. Ich musste schon früh mein Tempo reduzieren. Das liegt sicher an den hohen Außentemperaturen, was hoffentlich mit zunehmender Höhe besser wird. Im Feld ist man sich einig, dass das Wetter zwar super ist, ein paar Grad weniger aber nicht schaden würden. Beim Start waren es in Davos 22 °C im Schatten und Schatten gibt es auf der Strecke keinen.

 

 
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Der kleine Weiler „Am Rin“ besteht aus ein paar echten Holzhäusern. Die geparkten Autos davor zeigen, dass die Häuser bewohnt sind. Wir biegen jetzt zum ersten Mal auf einen Singletrail ein und es geht bergauf. Petra war letztes Jahr schon dabei und kennt auch den K42. Sie meint, dass der S42 für sie schwerer wäre, weil der Panoramatrail z. T. sehr ausgesetzt sei und sie mit ihrer Höhenangst zu kämpfen hätte. Oh je, damit hatte ich nicht gerechnet. Hoffentlich macht mir das keinen Strich durch die Rechnung. Wir gewinnen schnell an Höhe. Oben geht es erneut über die Straße und wieder auf den Wanderweg.

Ein paar Holzhäuser in der Ferne künden Dürrboden, die nächste VP bei km 13 an. Mein Magen hat sich jetzt beruhigt und so kann ich mir ein Stück Banane und mehrere Becher Tee und Bouillon genehmigen. Ich habe selten Durst, aber heute kann ich gar nicht genug bekommen. Dürrboden liegt bereits 2000 m hoch und besteht hauptsächlich aus einem Gasthaus. Die Wanderer feuern uns an. In Dürrboden vereinigen sich die beiden Quellbäche Dischmabach und Furggabach zur Dischma, die dann bei Davos in die Landwasser fließt. Wir überqueren den Dischmabach und verlassen nun endgültig bewohntes Gebiet.

 

 
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Als Einstieg führt der Singeltrail relativ flach durch blühende Wiesen direkt am Bach entlang. Vor mir am Hang kann ich bunte Punkte erkennen, Läufer die bereits weit vor mir sind. Der Weg wird schmaler und steiniger. Wir sind nun dem Gletscher ganz nah, und ich meine, ab und zu einen kühlen Wind zu spüren. Ich versuche herauszufinden, wo wir hinauf müssen. Bei genauem Hinsehen kann ich eine lose Läuferschlange rechter Hand an der nächsten Bergflanke ausmachen. Es geht nun richtig bergauf. Nanu, oberhalb scheint ein Bagger zu arbeiten. Unser Weg führt direkt daran vorbei. Was macht der hier? Keine Ahnung. Bald habe ich ihn hinter mir gelassen. Ein Blick zurück zeigt mir, wie hoch ich schon bin. Die Häuser von Dürrboden sind nicht mehr zu sehen.

Langsam gewöhne ich mich an das Steigen. Mantraartig wiederhole ich im Stillen: kleine Schritte, kleine Schritte. So in meine Meditation vertieft und eins mit dieser großartigen Natur, komme ich gut voran. Ein langgezogener Links- und dann Rechtsbogen bringt mich endgültig in alpines Gelände. Waren bisher blühende Almwiesen um mich herum, wird es nun steinig und unwirtlich - und steil. Schon sitzt der erste erschöpfte Läufer am Wegesrand. Ich teile meinen Getränkevorrat. Mir geht es gut und ich hoffe, dass ich die nächste VP zügig erreiche.

 

 
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Anderen scheint es nicht so gut zu gehen. Je höher ich komme, desto öfter steht oder sitzt ein Läufer am Wegrand und kann nicht weiter. Ich spreche die Leute an, aber jedes Mal heißt es nur, alles O.K. Mir fällt auf, dass die meisten weder eine Kopfbedeckung, geschweige denn einen Trinkvorrat dabei haben. Natürlich sind genügend Getränkestellen an der Strecke, aber bei langsamem Tempo kann die Zeit zwischen diesen doch sehr lang werden.

Gerade noch kommt mir eine kleine Wandergruppe entgegen, da bin ich plötzlich allein in einer Geröllwüste. Etwas weiter vor mir erkenne ich einen rot/weiße Wandermarkierung und hoffe, dass diese auch für mich gilt. Als ich sie erreiche, kann ich etwas weiter die rote Fahne des Sponsors Migros erkennen. Ich bin also noch richtig. Vor mir geht es nun erneut steil bergauf und ich kann über mir die Zelte der nächsten VP am Scalettapass erkennen. Trotz meiner „kleinen Schritte“ bin ich schnell oben. Das Schild zeigt, dass noch 25 km zu laufen sind.

Anne aus Deutschland begrüßt mich. Sie ist Teil des tausendköpfigen Helferteams und oft bei Läufen mit der Versorgung der Sportler beschäftigt. Ihr macht es sichtlich Spaß und ich kann mich nur für ihren selbstlosen Einsatz bedanken. Richtig hungrig greife ich nach einem lecker aussehenden Riegel. Normalerweise ist es für mich ein „no go“, etwas Unbekanntes zu mir zu nehmen. Hoffentlich werde ich das nicht bereuen.

 

 
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Ich mache eine kurze Pause auf einem Stein. Die Schneereste hier sind eine Sensation für die meisten Läufer. Schnell werden Handys gezückt und die weiße Pracht verewigt. Fit für den weiteren Weg, beschließe ich, mir jetzt den Panoramatrail vorzunehmen. Ich lasse eine schnellere Läuferin passieren und folge ihr auf dem Fuß. Zunächst geht es steil bergab. Nachdem der Einstieg geschafft ist, führt der schmale Pfad an der Bergflanke entlang. Bisher finde ich das nicht schlimm, obwohl es links schon ein paar hundert Meter nach unten geht. Nach einem Kilometer stehen Helfer und weisen mich scharf nach rechts. Der Weg wird schmäler und felsiger. Etwas unterhalb liegt ein Läufer. Ich erkundige mich nach seinem Befinden. Er hat wohl einen schlimmen Krampf und versucht zu dehnen. Da kann ich leider nicht helfen.

Ich komme dagegen gut voran. Während ich so für dahin laufe, fällt mir ein, dass der Panoramatrail früher zum K78 gehörte. Zum Jubiläum entschied man sich, die ursprüngliche Strecke  (und „Schlechtwetter-Variante“) über den Sertigpass zu laufen. Das kam so gut bei den Läufern an, dass man es dabei beließ.  Jetzt höre ich von manchen älteren Läufern, dass sie diesem schönen Streckenabschnitt nachtrauern.  Ich glaube aber gern, dass es hier auf dem schmalen Weg bei Regen, Schnee und Sturm leicht ungemütlich werden kann. Auch heute weht ein strammer Wind und so nehme ich meine Mütze lieber in die Hand.

 

 
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In der Ausschreibung hatte ich gelesen, dass der Panoramatrail leicht bergab führt und man ihn „zum Ausruhen“ benutzen kann. Wer hat denn das geschrieben? Der Weg ist wellig, nach jedem Runter kommt sofort wieder ein Rauf. Manchmal muss man über Steine balancieren, kleine Bächlein und Schneefelder überqueren und auch sonst dauernd aufpassen. Von Ausruhen kann hier keine Rede sein. Der Trail ist 5 km lang und zieht sich. Zur Sicherheit stehen an kritischen Stellen Helfer. Ich habe wieder Durst. Meine Flasche ist auch schon lange leer und natürlich quert genau jetzt kein Bächlein den Trail. Ein Läufer kommt von hinten und ich frage, wann die nächste VP erreicht wird. Er antwortet in mir unverständlichem Schweizerisch, ich verstehe nur „Kaffee“.

Dann zeigt er mir aber den nächsten Bach und ich kann den größten Durst löschen. Von links kann ich in der Ferne oberhalb eines beachtlichen Wasserfalls eine Läuferschlange erkennen. Das Zusammentreffen der Strecken des K78, K42 und unserem S42 steht unmittelbar bevor. Es geht ein Stück an einem Fangzaun entlang. Auf der anderen Seite kommen schon Läufer mit roten und blauen Nummern. Am Treffpunkt steht ein Helfer und begrüßt jeden Läufer und klatscht alle ab. Dann ist die erste gemeinsame VP erreicht. Von hier ab sind es noch 20 km zu laufen.

 

 
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Eine Helferin preist Brot, Wurst und Käse an. Ich nehme mit einer Scheibe trockenem Brot vorlieb. Leichte Kopfschmerzen zeigen mir, dass ich langsam tun muss. Ich mache eine kurze Pause und reihe ich mich anschließend wieder in die Schlange der Läufer ein.

Nach einem kleinen Anstieg wird der Untergrund feucht. Größere Wasserflächen müssen nun überquert werden. Trockenen Fußes kommt man da nicht durch.  An einem größeren Bach ist die hölzerne Brücke eingestürzt. Die Brückenreste reichen für eine Passage aus.

Am Lai da Ravais-ch Suot vorbei muss der Bergsee Lai da Ravais-ch Sur noch umrundet werden. Für mich ist dies der schönste Streckenabschnitt des Laufes, vor allem wenn die Wasserfläche ruhig ist und sich die umliegenden Berge darin spiegeln. Heute weht allerdings ein frischer Wind und die beiden Helfer, die in der Kurve stehen, sind dick eingepackt. Bei genauem Hinsehen erkennt man die Läuferschlangein Richtung  Sertigpass. Noch einmal hoch und wieder runter und wir sind ebenfalls an der Steigung.

Wieder mit kleinen Schritten steige ich hinauf. Ein Läufer ruht auf einem Stein. Er bittet um ein Foto mit seinem Handy. Klar halte ich kurz an. Das Panorama hier ist einmalig schön. Wir gewinnen schnell an Höhe. Mir kommt der Weg einfacher vor, als ich ihn in Erinnerung hatte.  Eine Fotografin liegt auf der Lauer. Sobald ein Läufer erscheint, wird auf den Auslöser gedrückt.

Vor uns liegt der Landeplatz des Hubschraubers. Starts und Landungen erfolgen hier im Akkord. Da stehen schon die Helfer der VP. Einen kurze medizinischen Kontrolle und wir sind oben. Ich genehmige mir jetzt Bouillon und Cola. Alpinbrötli, eine Spezialität beim Swissalpine, versuche ich nun auch. Eine Bank lädt zum Sitzen ein. Entspannt genieße ich die unglaubliche Fernsicht. Eine Helferin kommt zu mir und vergewissert sich, dass es mir gut geht. Die Sanis haben viel zu tun.

Sobald die Beine etwas ausgeruht haben, erklimme ich die Passhöhe. Eine große Schneefläche muss nun überquert werden. Nochmal Posen für den Fotografen, dann geht es bergab. Mal mehr, mal weniger steil führt ein schmaler Pfad hinunter. Schneeflächen, die teilweise ganz schön rutschig sind, werden vorsichtig überquert. Große Steine liegen im Weg und müssen überklettert werden. Konzentration ist angesagt. Einmal blicke ich auf und kann bis ans Ende des vor uns liegenden Tals sehen. Die VP ist weithin sichtbar aber noch winzig klein. Unglaublich, dass wir bald dort sein werden. Ich konzentriere mich wieder auf den Weg. Im Laufschritt muss man die müden Füße richtig heben um nicht mal schnell über einen Stein zu stolpern. Das möchte ich doch unbedingt vermeiden.

 

 
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Eigentlich ist Bergablaufen meine Spezialität. Leider will das heute nicht so recht klappen. Schon nach relativ kurzer Zeit machen meine Beine zu. Ich muss stehen bleiben. Eine gute Gelegenheit, schnellere Läufer vorbei zu lassen. Dann versuche ich es wieder. Die Freude währt nur kurz. Den ganzen Weg hinunter muss ich immer wieder kleine Pausen einlegen. An der letzten Brücke warten einige Wanderer und klatschen. Das motiviert. Nun wird der Weg breiter und flacher und die VP wartet schon. Ich halte mich nicht lange auf. Schnell noch meine Flasche mit Tee füllen und weiter geht es nur noch bergab.

Die drei farbigen Schilder, ein rotes für K78, ein blaues für K42 und ein grünes für S42 zeigen noch 15 km zu laufen an. Ein Almwirtschaftsweg führt mehrere Kilometer am Chuealpbach entlang bergab. Einzige Abwechslung ist eine Melkstation. Die Wiederkäuer sind schon bereit und warten geduldig bis sie an der Reihe sind.

 

 
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Das Gefälle ist jetzt so moderat, dass ich ganz gut voran komme. Immer wieder ist der  Heli über uns. Er transportiert bereits Material von der VP am Sertigpass ins Tal. Bald erreiche ich die Stelle, wo die Sachen abgeladen werden. Der Rotor wirbelt eine Menge Staub auf und so bin ich froh, dass ich schnell vorbei bin. Der folgende Weg ist zäh. Es geht an der Sertigerstraße entlang und die wenigen Zuschauer haben sich vor der hier herrschenden Hitze in den Schatten geflüchtet. Endlich weisen mich Helfer mit rhythmischem Klatschen auf einen Wiesenweg. Die kleine Steigung wird gegangen, Sertig Dörfli taucht vor mir auf. Die Zivilisation hat uns wieder.

Nach einem kurzen Anstieg vor dem Dorfeingang laufe ich direkt auf das Zelt der Moderatoren zu. Hier werden schon die ganze Zeit über Ansagen gemacht.  Schwämme verschaffen etwas Kühlung. Dann genehmige ich mir noch Cola und Wasser.

Nach einem breiten Feldweg gelangen wir auf einen schmalen Waldtrail. Es geht nun wellig voran. Obwohl ich laufe, werde ich oft überholt. Meist sind es K78 Läufer. Der Trail ist zwar gut zu laufen, aber trotzdem bringt mich eine Wurzel fast zu Fall. Aufpassen muss man halt immer. Irgendwann geht es dann steil bergab. Es sind noch 10 Kilometer.

Wir verlassen den Wald und erreichen die nächste VP beim Weiler Boden. Die Helfer sind gut gelaunt. Ich trinke noch eine Cola. Auf einem breiten Wanderweg geht es tendenziell bergab bis Clavadel. Der langgezogene Ort mit seinen großen Bauernhöfen liegt im Abendlicht. Dahinter bauen sich bedrohliche Gewitterwolken auf. Hoffentlich hält das Wetter. An der VP oberhalb des Ortes hat sich anscheinend das halbe Dorf versammelt. Immer noch wird jeder Läufer bejubelt. Hochachtung vor so viel Durchhaltevermögen.

 

 
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Es geht wieder auf einen schmalen Trail in den Wald. Blitz und Donner begleiten unseren Weg. Dann fallen die ersten Tropfen. Zunächst empfinde ich es als ganz angenehme Kühlung. Obwohl ich Gewitter lieber in geschützter Umgebung erlebe, vertraue ich darauf, dass wir vom Berggipfel weit genug entfernt sind und keine Gefahr besteht. Dann geht es länger bergauf und der breite Höhenweg über Davos ist erreicht. Als die ersten Häuser von unten durch die Bäume blinzeln, öffnet der Himmel seine Schleusen. Ich kann unmöglich anhalten, um meine Regenjacke aus dem Rucksack zu holen. So bin ich in Sekunden total durchnässt. Wir laufen unter den Seilen der Jakobshornbahn durch und haben freien Ausblick auf Davos und unser  berühmtes Hotel Schatzalp, das majestätisch darüber thront. Ein paar K78 Läufer kommen von hinten. Wir beglückwünschen uns schon mal. Auf den Schildern steht, noch 2 Kilometer zu laufen.

Der Weg geht bergab und ich laufe so schnell ich kann. Eine scharfe Linkskurve, dann wieder rechts, und wir verlassen den Wald. Die Straße im Ort ist menschenleer. Es geht links, dann rechts, unter den Gleisen hindurch und eine letzte kleine Steigung hoch. Oben ist die Straße für den Verkehr gesperrt und das Stadion schnell erreicht. Dann geht es auf die Laufbahn. Der Moderator sagt mich an, die Fotografen sind unter kleinen Zelten versteckt. Dann habe ich es geschafft. Norbert kommt bereits angelaufen. Er wartet schon seit Stunden auf mich. Es gibt Erdinger alkoholfrei, die Medaille, eine gut gefüllte Sponsorentasche und das Finishershirt.

 


 

 

Fazit:

 

Der S42 ist eine wirkliche Bereicherung. Obwohl ich hier über eine Stunde länger gebraucht  habe als damals beim K42, ist sie vermutlich die einfachere Strecke. Vielleicht wird sie deshalb leicht unterschätzt. Auch hier gehören richtiges Schuhwerk, Kälte- und Sonnenschutz, sowie bei Bedarf ein kleiner Proviant zur Grundausstattung. Trotz Höhenangst konnte ich die Strecke ohne Panikattacken bewältigen. Ich konzentrierte mich auf den Weg und habe so diverse steile Stellen ausgeblendet. Mir hat der Lauf und das ganze Drumherum wieder sehr gut gefallen und wir waren sicher nicht zum letzten Mal hier.

 

 

Informationen: Swissalpine
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