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Laufberichte

Laufreise über das Wolkenmeer

 

Wer aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein. Besagt jedenfalls ein schlauer Spruch. In diesem Sinne sind die Macher des Swiss Irontrail (SIT) auf dem besten Wege, richtig gut zu werden. Auch im Jahr vier des Erdendaseins des SIT sind sie nicht müde gewesen, das Veranstaltungs- und das Streckenkonzept zu optimieren.

Von vier auf sechs aufgestockt wurde das Distanzangebot, wobei der T201 als Zugpferd und Aushängeschild auch weiterhin die wohl härteste Herausforderung ist, die die Alpen für Einzelläufer zu bieten haben. 200 km und 11.440 Höhenmeter in maximal 64 Stunden, da schlackern selbst Ultra-Erfahrenen die Ohren. Eine Innovation soll jedoch die Hemmschwelle, sich an dieses Streckenmonster zu wagen, herab setzen und beschert dem T201 in diesem Jahr tatsächlich den höchsten Zulauf: Nach dem Motto „so weit die Füße tragen“ muss sich derjenige, der nach 96 bzw. 137 km genug hat, nicht frustriert als DNF-Looser fühlen, sondern landet ganz offiziell in einer eigenen Wertungskategorie.

An sich beibehalten, aber modifiziert ist das Konzept der Vernetzung aller Distanzen, das heißt: T121, T91,T41, T21 und A21 sind streckenmäßig weitgehend Teilmengen des T201, wobei Davos als Start- und Zielort noch mehr im Mittelpunkt steht als bisher. Einheitlich ist der Zielschluss für alle Läufe am Samstag um Schlag Mitternacht. Gut 1.000 Voranmeldungen auf allen Distanzen zeigen: Das neue Konzept kommt an.

Zu den Neuerungen gehört auch der T91 mit 5.420 m im Auf- und 5.240 m im Abstieg, verteilt auf 90,3 km. Das klingt nach Laufwahnsinn im mittelgradigen Bereich und erscheint daher gerade recht für mich. 35 Stunden als Sollzeit muten überaus komfortabel an, aber die Erfahrung, dass viel Zeit zu haben in den Bergen nicht zwangsläufig heißt, sich Zeit lassen zu können, habe ich schon machen dürfen. Immerhin geht es bis jenseits der 2.800 m hinauf ….

 

Von Davos nach Bergün

 

Wie schon gesagt: Das Herz des SIT schlägt in Davos. Der auf 1.560 m üNN gelegene renommierte Wintersportort ist nicht nur Europas höchstgelegene Stadt, sondern hat sich über diverse Kongresse und das Weltwirtschaftsforum auch auf der internationalen Bühne einen Namen gemacht. Wunderschön ist die Lage der langgezogenen Stadt im von hohen Bergen gesäumten Tal der Langwasser. Man muss aber schon einigen Lokalpatriotismus mitbringen, dieses Attribut auch dem Stadtbild zuzubilligen. Dafür lässt es sich umso fürstlicher residieren, etwa im Steigenberger Belvedere, das zudem den Vorteil hat, unweit des Start-/Zielgeländes an der „Promenade“zu liegen.

Pflichttermin für die Läufer ist zunächst einmal jedoch die Doppelturnhalle in der Tobelmühlestraße. Hier bekommt man die Startnummer, vorausgesetzt man gibt eine umfassende, unterschriebene Erklärung ab, die insbesondere zur Einhaltung der Ausrüstungsvorgaben verpflichtet. Dafür wird auf eine Gepäckkontrolle verzichtet. Eine Besonderheit des Swiss Irontrail ist die obligatorische Mitnahme eines GPS-Trackers, mit dem man im „Fall des Falles“ jederzeit geortet werden und SOS-Botschaften absenden kann. Eine gute Idee. Nur verlieren sollte man ihn nicht, denn sonst sieht man die 50 SFR Pfand nicht wieder.

 
© marathon4you.de 20 Bilder

Gemäß dem neuen Konzept dürfen alle Läufer in Davos starten – nur nicht die vom T91 und A21. Das kann man als Manko sehen. Ist es aber nicht. Zum einen hat man als T91-Starter morgens richtig viel Zeit, da der Start erst um 13 Uhr ist. Vor allem aber ist die (kostenlose) Anfahrt nach Bergün mit der Rhätischen Bahn ein Erlebnis, mehr noch: eine Attraktion, führt sie doch durch bzw. über zahllose Tunnels und Viadukte mitten durch die grandiose Graubündener Bergwelt.

Aber zunächst einmal schaue ich mir morgens um 8 Uhr ganz entspannt den Start der Läufer des T121 an der „Promenade“ an. Die Sonne lacht vom Himmel, es grüßt das Riesen-“Mammut“ des gleichnamigen Hauptsponsors, der Moderator verheißt optimale Laufbedingungen. Regen sei erst für morgen Nachmittag angekündigt. Nicht wenige der Starter werde ich wohl irgendwo unterwegs treffen, denke ich. Denn abgesehen von den ersten 33 km über den Sertigpass laufen sie den gleichen Kurs wie die T91er.

Von 3.000ern umzingelt ist das beschauliche Bergün (1.373 m üNN) im Albulatal. Im Gegensatz zu Davos hat sich Bergün seinen historischen Charakter bewahrt und wird von entsprechend viel alter Bausubstanz geprägt. Die rätoromanischen Wurzeln des Dorfes sind allgegenwärtig. Alles ist zweisprachig angeschrieben und auch der Ortsname Bravuogn klingt für deutsche Augen wie Ohren sehr fremd und fern. Vom Bahnhof aus folge ich nach gemütlicher wie spannender Zugtour einfach der Läuferkarawane auf ihrem Weg zum Schulhausplatz am Ortsrand. Auf dem Startgelände ist eine Verpflegungsstelle für die Läufer des T121 eingerichtet, an der auch wir uns bedienen dürfen. Mit viel Beifall werden die ersten eintröpfelnden Teilnehmer empfangen. So viel emotionale Zuwendung dürften sie wohl nirgendwo entlang der Strecke bekommen. Äußerst relaxt geht es zu.

Die Worte des Moderators von heute morgen klingen mir noch in den Ohren, als ein erster feuchter Gruß vom Himmel uns verdeutlicht, dass schon heute mit mehr zu rechnen ist. Gestern Abend waren im Rheintal noch 35 Grad und in Davos über 25 Grad Celsius zu messen. Man merkt, der prognostizierte Wetterumschwung ist schon da. Ein zweiter Regenguss ist im Anmarsch, als wir kurz vor 13 Uhr zur Startlinie gebeten werden. Es hilft nichts, da müssen wir jetzt durch. Aber es bleibt bei einer kurzen Abfrischung, als unser Pulk endlich durch die beschaulichen Gassen Bergüns lostraben darf.

 

Via Naz ins Hochgebirge

 

Die ersten Kilometer sind für uns noch so etwas wie Schonzeit. Auf breiten Naturwegen stoßen wir weiter vor ins zunächst noch weite Albulatal. Das Tal wird enger und wilder, unsere Wege auch. Auf winkeligen, wurzeligen Pfaden sammeln wir erste Höhenmeter. Ein besonderer optischer Leckerbissen sind eine Reihe von Viadukte zwischen den Talwänden, die wir auf unserem Weg unterqueren. Mittels Kehrtunnels schrauben sich die Züge der Rhätischen Bahn zwischen Bergün und Preda über die Viadukte in die Höhe. Das ist der UNESCO immerhin eine Anerkennung als Welterbe wert. Ab und an rattert einer der roten Züge vorbei und übertönt das Rauschen der Albula.

 
© marathon4you.de 25 Bilder

Nach 6 km erwartet uns in Naz, mittlerweile auf 1.747 m üNN, schon die erste von acht Verpflegungsstationen entlang unseres Kurses. So richtig „verdient“ haben wir uns das umfangreiche Programm mit Nudeln, Kartoffeln, Bouillon, Power Beef und Bergkäse noch nicht. Was aber nicht heißt, dass ich es nicht dankbar annehmen würde. Sich ordentlich zu stärken ist auch aus anderem Grunde geboten: Sind doch die anstehenden, mit drei Pässen garnierten 10 km die härtesten der gesamten Strecke. Und das liegt nicht nur an den 1.100 Höhenmetern, die auf den ersten 5 km zu überwinden sind.

Durch üppig grünen Nadelwald geht es auf steinigen Wegen sogleich bergan, aber zunächst noch relativ moderat und gleichmäßig. Mit zunehmender Höhe lichter wird der Bergwald, niederer die Gewächse, weiter die Almwiesen, ausgesetzter und felsiger unser Pfad. Gleichzeitig weitet sich der Horizont, öffnet sich das Bergpanorama. Leider wird dieses Panorama im Val Tschitta aber zunehmend schemenhafter. Dumpfes Grollen tönt vom Himmel, Nebel und Wolken werden geradezu physisch spürbar und entladen schließlich ihre nasse Last. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ausgerechnet am Anfang unserer Laufreise und dann auch noch im Hochgebirge. Das geht ja gut los.

Der Regenanorak ist schnell übergezogen. Der schützt zwar gut vor dem kalten Wind und dem Nass, kann aber nicht verhindern, dass der Regen flugs den Boden und die Schuhe durchtränkt. Die Wege mutieren zu Schlammrinnen, eine zusätzliche Herausforderung, vor allem beim Erklimmen der steilen Wiesenhänge jenseits der 2.000 Meter.

 
 

Informationen: Swiss Irontrail
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