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Laufberichte

Der süße Duft des Ultraläufers – Schafe lieben mich

27.07.13

Als Jörg und ich den angenehm klimatisierten Zug am Bahnhof in Bozen verlassen, schlägt uns Hitze entgegen. So ähnlich muss es einem Hähnchenbrater ergehen, wenn er seinen Grill öffnet; nur der Geruch mag anders sein.

35° C hat es an diesem Nachmittag des 26.07.2013 und wir machen uns leicht transpirierend auf den Weg zur Startnummernausgabe des Südtirol Ultrarace am Waltherplatz.

Das Südtirol Ultrarace wird zum ersten Mal ausgetragen. Von der Landeshauptstadt Bozen der autonomen Provinz Südtirol folgt der Rundkurs der „Hufeisenrunde“ durch die Sarntaler Alpen, einer Gebirgsgruppe im Zentrum Südtirols.

121 km werden in der Ausschreibung aufgerufen und knappe 7.100 m positiver Höhenunterschied versprochen. Das Zeitlimit von 40 Stunden erscheint mir an diesem Nachmittag noch recht großzügig bemessen. Neun Versorgungspunkte sollten auch gut ausreichend sein.

Der Start erfolgt im Zentrum von Bozen. Von dort geht es zunächst in nördlicher Richtung auf den Ritten und über die Sarner Scharte zum Latzfonser Kreuz. Das Rennen führt weiter über die Flaggerschartenhütte zum Penser Joch. Dort wendet sich der Kurs zunächst nach Südwesten, später nach Süden. Über das Gerölljoch (was das bedeutet, erfahren wir am nächsten Tag) geht es zum Oberberg, Unterberg, Alpler Nieder und zur Hirzer Hütte. Von dort geht es zum höchsten Punkt des Rennens, der Oberen Scharte (2.698 m) unterhalb des Hirzers. Der Hirzer ist mit 2.781 m die höchste Erhebung der Sarntaler Alpen. Die LäuferInnen erwartet dann noch ein langer Abstieg, vorbei am Kratzberger See zum Mittager, weiter zum Jenesiener Jöchl bis zum Ort Jenesien und zurück nach Bozen.

Die Pavillons, in denen freundliche Helfer die Startunterlagen ausgeben, stehen in der sonnigen Mitte des Waltherplatzes. Gegen Vorlage des Ausweises erhalten wir unsere Startnummern und ein umfangreiches Läuferpaket, das ein Funktions-Shirt und einen Ultra-Leicht Rucksack des Sponsors Salewa, diverse Riegel und Gels, Südtiroler Äpfel u.a.m. enthält.

 
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Wir flüchten in den Schatten bzw. die klimatisierten Räume eines Sportgeschäfts. Die verbleibende Zeit bis zur Pasta-Party und dem anschließenden verpflichtenden Briefing verbringen wir mit einem kleinen Imbiss und einem kurzen Schläfchen im Schatten eines Parkbaums.

Pasta-Party und Briefing finden auf den Talferwiesen statt. Die Talfer ist der Fluss Bozens. Zu beiden Seiten des Gewässers ist eine breit angelegte Freizeitzone entstanden. Parkanlagen, Spazierwege, Auen und zahlreiche Sport- und Kinderspielplätze säumen die Talfer und bilden die Talferwiesen, das Talfergrün oder die Wassermauerpromenade. Bis dorthin sind es für uns etwa 20 Minuten Fußweg.

Das Briefing findet dreisprachig statt. Die meisten der 269 Teilnehmer (davon 217 Einzelstarter, der Rest sind Zweierstaffeln) kommen aus Italien (82,5 %). 24 Läuferinnen und Läufer kommen aus Deutschland, elf aus Österreich, jeweils vier aus der Schweiz, bzw. Spanien, außerdem sind ein Däne, ein Brite, ein Luxemburger und ein Slowene dabei. Angesichts der wenigen nicht Deutsch oder Italienisch Sprechenden ist das Briefing auf Englisch eine Verbeugung vor diesen Teilnehmern.

Die Informationen erscheinen klar und schlüssig. Für mich bleiben keine Fragen offen. Pasta gibt es in drei Geschmacksrichtungen, dazu Wasser und Cola. Der Himmel hat sich zugezogen, böiger Wind, leichtes Donnergrollen und ein paar Regentropfen sorgen für etwas Abkühlung.

Wir ziehen uns um, packen Laufrucksack und Drop-Bag für das Penser Joch, unsere Zieltasche und schleppen das ganze Zeug zurück zum Waltherplatz, wo der Start erfolgen wird und das Läufergepäck aufgegeben werden kann.

Wir suchen eine Bar auf, und müssen dort, mangels alkoholfreien Gerstensafts, ein Radler trinken. Ein letzter Check von Ausrüstung und Stirnlampe, dann reihen wir uns in die Startaufstellung ein. Pünktlich um 22:00 h werden wir auf die Strecke geschickt. Die paar hundert Meter, die wir durch die Innenstadt laufen, sind von einer erstaunlichen Menge an Zuschauern gesäumt. Der reichliche Beifall macht mir richtig gute Laune.

Wer auf einer Seehöhe von 262 m startet und weiß, dass der erste Anstieg ziemlich genau 2.000 Höhenmeter am Stück auf das Rittner Horn führt, darf sich nicht wundern, wenn es kräftig nach oben geht. Was uns aber nach den letzten Häusern erwartet, übertrifft alle Erwartungen. Ein asphaltierter Wirtschaftsweg führt in nahezu gerader Linie und absolut steil in die Weinberge oberhalb Bozens. Links und rechts hat es mannshohe Steinmauern, die die Hitze des Tages perfekt gespeichert haben. Dazwischen steht die heiße Luft. Auch die Spitze des Felds wechselt hier schnell vom Laufschritt zum Gehen.

Knappe 500 Höhenmeter geht es so hinauf, bevor die Wegführung etwas abwechslungsreicher wird und sich Asphalt und Singletrail abwechseln. Nach gut 1,5 Stunden erreiche ich Oberbozen (1.220 m). Urlauber sitzen dort vor ihren Quartieren und applaudieren uns reichlich.

 
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Durch Wald geht es auf wieder gut laufbaren Wegen weiter aufwärts. Die Markierungen sind spärlich. Auch wenn das Feld noch relativ eng beieinander liegt, sind die Stirnlampen der vor mir Laufenden nicht immer sichtbar. Ich beschließe, Abzweigungen am Weg einfach zu ignorieren und die Richtung beizubehalten. Das stellt sich als richtig heraus, denn Richtungsänderungen werden mit einem einzigen reflektierenden Pfeil angezeigt. Der Weg ist so durchaus zu finden, hätte man uns das beim Briefing so beschrieben, wären viele Unsicherheiten und auch der eine oder andere Verhauer zu verhindern gewesen.

Bald verlassen wir den Wald und nähern uns im hellen Licht des abnehmenden Monds der ersten Versorgungsstelle am Rittner Horn (2.260 m). 18 km und 2.000 Höhenmeter machen hungrig und durstig. Leider ist das Angebot am VP mehr als dürftig. Bananen, Studentenfutter und Wasser, das wars. Ich habe ausreichend Eigenverpflegung im Rucksack und mache mich um 01:30 h auf den Weiterweg.

Im ständigen Auf und Ab führt die Strecke über Almwege und Singletrails insgesamt weiter ansteigend zur Sarner Scharte auf 2.460 m. Der letzte Teil des Anstiegs ist technisch und leitet uns über Blockgelände steil bergauf. Helfer der Bergrettung schlagen sich dort für uns die Nacht um die Ohren.

 
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Wir laufen abwärts auf eine ausgedehnte Hochalm. Langsam wird es hell. Im ersten Sonnenlicht zeigen sich Tofana, Geisslerspitzen, Sella, Rosengarten, Marmolada und Schlern. Die wiederkauenden Kühe auf den Almwiesen und die ebenfalls dort gehaltenen Haflinger ertragen den Tross der Läufer mit Gelassenheit. Am Totenkirchl der Villanderer Alp vorbei erreiche ich bald den 2. VP am Latzfonser Kreuz. Das Kirchlein am Latzfonser Kreuz ist die höchstgelegene Wallfahrtskirche Südtirols und die Pilgerstätte zählt zu den höchst gelegenen Europas. Vor dem Schutzhaus Latzfonser Kreuz gibt es Iso, Pasta, Obst und Trockenfutter. Ich stärke mich und bin nach wenigen Minuten wieder unterwegs.

 
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Ein sonniger und wolkenloser Tag beginnt. Glücklicherweise verläuft der Weg noch überwiegend im Schatten. Wir bewegen uns zwischen 2.300 und 2.600 Meter Seehöhe. Vom Latzfonser Kreuz aus geht es an der Kassianspitze vorbei über die Fortschellscharte und das Tellerjoch zur Flaggerscharte.

Die Wegführung ist genau nach meinem Geschmack. Blockgelände wechselt mit steilen Bergauf- und Bergab-Passagen. Nach ausgesetzten Stellen kommen auch wieder gut laufbare Singletrails in leichterem Gelände.

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Informationen: Südtirol Ultra Skyrace
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