marathon4you.de

 
  • MeldungenMeldungen
  • LaufberichteLaufberichte
  • TermineTermine
  • MagazinMagazin
 

Laufberichte

Zum Jubiläum die Long Haul 100

16.01.16

Jubiläumslauf in Florida. Mein 100ster Ultralauf soll natürlich ein 100er  sein. Da ich geschäftlich in den USA unterwegs bin und einen Tag frei habe, liegt es nahe, ein Läufchen zu machen. Die Wahl fällt auf den „Long Haul 100“ in der Nähe von Tampa, im Naturschutzgebiet des Cedar Creeks. Alles was Spaß macht,  ist dabei: warmes Wetter, Natur pur und ein abenteuerlicher Trail durch sumpfiges Gelände.

Um 6.45 treffen sich 60 Ultraläufer an Eingang zum Schutzgebiet nördlich von Tampa Bay. Die Race Directorin Jennifer Pearson informiert die Teilnehmer über die Strecke, die Kennzeichnung (pinkfarbenen Bändchen) und die markanten Streckenabschnitte.

Von den 60 Läuferinnen und Läufern gehen 42 bereits um 7 Uhr auf die Strecke. Sie lauf die echte Langstrecke, nämlich die 100 Meilen. Dafür habe ich diesmal leider keine Zeit, also mache  ich mich eine viertel Stunde später mit 17 anderen auf den 100 km langen Weg.

 
© marathon4you.de 12 Bilder

Bald wird es hell. Nach einer sehr stürmischen Nacht mit massenhaft Regen wird es ein trockener und heißer Tag. Nach gut 500 m auf Asphalt geht es sofort ins Gelände und erst am Ende des Laufes wieder raus.

Zunächst laufen wir auf dem Cyprus Creek Trail durch eine dichte Vegetation von Palmen und Zypressen (daher auch der Name Cyprus). Schon bald erreichen wir den Cyprus Creek, der im Winter einen niedrigen Wasserstand hat. Dennoch hat das Orgateam für uns einen kleinen Steg gebaut, da man im sumpfigen Gelände nie genau weiß, wie weit man da einsinken könnte. Alligatoren kommen in diesem Teil Floridas nur sehr selten vor, doch eine Garantie gibt es natürlich nicht. Dafür gibt es andere Vierbeiner geben, doch dazu später.

Wir können einen schönen Sonnenaufgang genießen  - einfach prächtig. Der Nebel vom Regen am Vortag lichtet sich allmählich, die Temperaturen steigen auf 28 Grad, leider mit 94 % Luftfeuchtigkeit. Also war Schwitzen angesagt und damit auch viel trinken. Hier zahlt sich ein Trinkrucksack aus. Dann wird der erste Verpflegungsstand erreicht. Sehr gut ausgestattet mit Früchten, Getränken, Salztabletten und Grillspezialitäten vom Würstchen, später gibt es auch Spare-Ribs. Wir sind halt in Amerika.

 
© marathon4you.de 25 Bilder

Ab jetzt wird der Trail richtig anspruchsvoll. Obwohl im flachen Florida keine nennenswerten Steigungen zu erwarten sind,  macht mir die Strecke  ziemlich schwer zu schaffen. Geschuldet ist das vor allem dem teils weichen Untergrund. Wir sind in einem Gebiet, in dem Hog Hollows Wildschweine (auf engl. Hogs) ihr Unwesen treiben und zu Hunderten den Trail umpflügt und in einen Acker verwandelt haben.

Kleine Fähnchen weisen uns hier den Weg. Das Fortkommen ist schwierig und langsam, aber eben auch für alle gleich. Die ersten 100 Meiler haben wir eingeholt. Wildscheine sehen wir an diesem Tag zum Glück nicht. Sie sollen recht aggressiv sein, wenn man zwischen sie und die Frischlinge kommt. Darauf wurden wir im Briefing extra hingewiesen.

Weiter geht es auf schmalen, sich windenden Trails immer tiefer in den Dschungel. Selten begegnet einem ein anderer Läufer, da sich das Feld weit auseinander gezogen hat. Erst eine Stunde später lichtet sich Dickicht wieder und wir erreichen die „Amardillo Alley“.

Zum Glück habe ich mich etwas vorbereitet und weiß,  dass ein Armadillo ein Gürteltier ist. So eines wollte ich in freier Wildbahn immer schon mal sehen. Zunächst bin ich etwas enttäuscht, dass mir nicht gleich eines vor die Linse kommt.  Aber der Weg ist ja noch weit.

 
© marathon4you.de 11 Bilder

Wir erreichen die „Hall of Pines“, eine Pinienallee mitten in einem Palmenwald. Es ist ein einfach zu laufendes Stück, aber schnell vorbei. Auf rustikalem Trail geht es weiter. Das Schild an einem umgestürzten  Baumstamm warnt: „ Im Dunkeln werdet denken, dass ich ein Alligator bin“. Doch bis zur Nacht ist es noch etwas hin.

Nach gut 4 Stunden habe ich die erste Runde vollendet. Jede Runde ist 20 Meilen lang, also 32 km. Die 100 Meiler laufen 5 Runden, für die 100 km sind nur 3 zu laufen plus 2 Meilen extra. Nach jeder Runde bekommt man ein andersfarbiges Armband. Einfach, aber effektiv.

In der zweiten Runde erreichen die Temperaturen Höchstwerte und meine Rundenzeit steigt auf über 5 Stunden an. Auf die dritte Runde nehme ich die Stirnlampe mit, denn schon bald wird es zappenduster. In der Dämmerung sehe ich sie dann endlich auch mein erstes Gürteltier. Wirklich putzig und einzigartig sind diese Urzeittiere. Als einzige bekannte Säugetiergruppe der heutigen Zeit verfügen die Gürteltiere über eine knöcherne, äußere Panzerbildung. Sie treten weitgehend als Einzelgänger auf und leben meist  unterirdisch in Erdbauten.  Hauptnahrung sind Insekten, aber auch Pflanzen und kleine Wirbeltiere. Läufer gehören zum Glück nicht zum Beuteschema. Ich beobachte die Tiere beim Buddeln nd will gar nicht weiterlaufen. Aber dann muss es doch sein. Wenig später sehe ich noch ein größeres Exemplar von fast 80 cm Länge. Einfach toll und unvergesslich.

 
© marathon4you.de 27 Bilder

Es ist dunkel und immer wieder höre ich lautes Rascheln im Unterholz. Wildschwein oder Gürteltier, ist hier die Frage. Aber nichts taucht im Licht meiner Stirnlampe auf. Doch dann, der hölzerne Alligator. Zum Glück wirklich nur Holz. Ein letztes Mal geht es über den schmalen Steg über den Cedar Creek und die dritte Runde ist geschafft. Nun nur noch die letzte kleine Runde von 2 Km, dann das Ziel. Ich habe es geschafft. Mein 100ster Ultralauf.

Ich freue ich mich natürlich über das Finish, aber noch mehr freue ich mich über die herrliche Natur, die ich während 14 Stunden und 48 Minuten dauernden Laufes genießen konnte. Etwas später erfahre ich, dass ich Platz 6 in der Gesamtwertung erreicht habe. Nicht schlecht, aber auch nicht wichtig. Die Begegnung mit den Gürteltieren in freier Wildbahn und die tolle Landschaft dafür umso mehr.

 
© marathon4you.de 3 Bilder

Ich gehe zu meinem Auto und fahre zum Hotel zum Duschen. Kaum sitze ich im Auto, geht der Regen los und ich bedauere die Läufer, die noch auf der Strecke sind.  Der letzte 100 Meiler wird erst in 14 Stunden das Ziel erreichen. Da werde ich schon wieder bei der Arbeit sein.

 


 

Anzeige

Das M4Y-Buch

Das M4Y-Buch bestellen

Aktuelle Print-Ausgabe

Das marathon4you.de Printmagazin
 
  • MeldungenMeldungen
  • TermineTermine
  • LaufberichteLaufberichte
  • MagazinMagazin